Archive for März 2011

Neue Blog Adresse

30. März 2011

Weil mein alter Blog http://skypointer.swissblog.ch aus mir nicht bekannten Gründen praktisch nicht mehr erreichbar ist, habe ich mich entschlossen auf https://skypointer.wordpress.com umzuziehen.

Wie jeder Umzug, verursachte auch dieser recht viel Unordnung. Vor allem beim migrieren der Kommentare musste ich etwas erfinderisch sein. Trotzdem hoffe ich dass ich das Ganze einigermassen hingekriegt habe und dass nichts wichtiges verloren ging.

Jenen die mich unter dieser Adresse gefunden habe wünsche ich trotzdem weiterhin viel Spass und für die Anderen hoffe ich, dass sie auch wieder zu uns finden…

Sorry für die Umstände

skypointer

Advertisements

Katastrophal

24. März 2011

Erdbeben, Tsunami und Atomkrise in Japan. Politische Interessegruppen wittern Morgenluft und versuchen auf den tragischen Geschehnissen ihr eigenes Süppchen zu kochen.

So verlangen ein paar Genies vom Aargauer Verein «Gekröpfter Nordanflug Nein» eine Flugverbotszone über Atomanlagen. Natürlich hat das nichts damit zu tun, dass damit auch der Flugverkehr über dem eigenen Dach wegfiele. Ich bin jedenfalls froh, dass ich den lebensgefährlichen Überflug des Kernkraftwerks Leibstadt gestern überlebt habe!

 

Falls der Aargauer Vorstoss erfolgreich sein sollte, dürfte sich der Verein „Flugschneise Süd – NEIN“ wohl bald für den Bau eines neuen Kernkraftwerks in Gockhausen stark machen… Allerdings geht der Trend zurzeit wohl eher in die andere Richtung. Die Vorfälle in Fukushima liefern den langjährigen Kernkraftgegnern hervorragende Munition für ihren bisher vergeblichen Kampf. Auch die vereinte Presse stösst ins gleiche Horn hilft Panik schüren. In diesem Klima bleibt natürlich kein Platz für überlegtes Handeln. Da findet selbst im völlig ungefährdeten Europa ein kopfloser Run auf Jodtabletten statt.

„Stecker raus bei Mühleberg!“ wird gefordert. Schliesslich sei dieses Kernkraftwerk baugleich mit jenem in Fukushima und damit gefährlich. Das macht etwa gleich viel Sinn, wie wenn man nach dem Air-France Absturz 2009 im Südatlantik sofort sämtliche Airbus A330 stillgelegt und den Ausstieg aus der Luftfahrt vorbereitet hätte. In der Aviatik  hat man sehr gute Erfahrungen damit gemacht, dass man zuerst die Ursachen, welche zu einem Unfall führten, analysiert und danach daraus die richtigen Massnahmen ableitet und umsetzt. Die Reihenfolge ist dabei ebenso wesentlich, wie ein vertrauenswürdiges Kontrollorgan.

Vor dem Hintergrund, dass die Betreiberfirma von Fukushima mittlerweile zugegeben hat, dass sie bei der Wartung gepfuscht und Schadensberichte gefälscht hat, muss die Frage erlaubt sein, ob das Problem, statt in der Beherrschbarkeit der Kernenergie, nicht eher bei der mangelhaften Aufsicht über diese Technik besteht. Bevor man also das Kind mit dem Bad ausschüttet, sollten unsere Politiker besser überprüfen, ob die Kontrollorgane den Betreibern der Kernkraftwerke genügend auf die Finger schauen.

Aber das ist nicht sexy. Die Anti-Atom Lobby fordert lieber den sofortigen Ausstieg aus der Kernkraft – ein Zug auf den aufgeschreckte, um ihre Wiederwahl fürchtende Politiker nur allzu gerne aufspringen. Wie 40% des schweizerischen Strombedarfes in Zukunft ohne Kernkraft abgedeckt werden sollen, bleibt dabei schleierhaft. Dieselben Kreise, die gegen die Kernkraft Stimmung machen, stemmen sich nämlich ebenso gegen den Ausbau der Wasserkraft und bekämpfen die Verschandelung der Landschaft mit Windturbinen. Stattdessen wollen unsere Politiker nun Gaskraftwerke bauen. Während der kleine Hausbesitzer angehalten wird seine Ölheizung durch eine klimaneutrale Wärmepumpe zu ersetzen, soll der Strom dafür mit CO2-schleudernden Gaskraftwerken produziert werden. Fairerweise muss man sagen, dass die Umweltverbände auch dagegen opponieren. Das ist löblich und auch kein Problem, denn schliesslich kommt der Strom ja aus der Steckdose…

 

Stunde der Wahrheit

10. März 2011

Alles ist bereit. Alle Computer sind hochgefahren und alle Programme gestartet. Auch der Tablet-PC läuft und sogar der Kabelsalat scheint unter Kontrolle. Das GPS ist verbunden und die Navigation hochgefahren. Alle Knöpfe sind in der richtigen Stellung und alle Systeme zeigen Status grün. Meine Augen haben sich an die Dunkelheit adaptiert, so dass der kleinste Lichtstrahl stört. Jetzt profitiere ich von den mühsamen Trockenübungen und den endlosen Drills, denn jeder Handgriff sitzt blind – und das ist auch nötig, denn im Schummerlicht lassen sich die Beschriftungen kaum mehr ablesen…

Nochmal ein letzter Check: All systems go. Los geht’s! Mein Universum schrumpft auf ein paar Quadratmeter und die mir zur Verfügung stehenden Instrumente. Volle Konzentration. Die Umgebungsgeräusche blendet mein Hirn genauso aus wie die Schweinekälte, die mir vor kurzem noch zu schaffen machte. Mein Puls steigt und meine Atmung ist schnell und flach. Ein Knopfdruck, ein Steuerinput. Time check. Jetzt brauche ich eine ruhige Hand. Die kleinste Fehlmanipulation würde unweigerlich zur Katastrophe führen. Ja keine hektischen Bewegungen, nur nirgends anstossen.

Ich zwinge mich zu etwas Entspannung und erlaube meinem Blick kurz in die Ferne zu schweifen. Oh Schreck, was ist denn das?! Die Positionslichter eines Flugzeugs! Kreuzten sich etwa unsere Wege? Ich kann unmöglich ausweichen! Abort? Nein, zum Glück fliegen die Kollegen etwas höher als zuerst vermutet, aber das war knapp!

Time elapsed. Eine kurze Erfolgskontrolle, dann geht es weiter. Noch ein paar Dutzend Mal werde ich diese Nacht diese Manipulationen wiederholen. Zum Glück immer erfolgreich. Natürlich braucht es noch einiges an Bildbearbeitungsmagie, aber mein erstes Foto vom Orion Nebel ist im Kasten!

Hong Kongs schönste Spaziergänge 3: MacLehose Trail Section 4

4. März 2011

Zeitbedarf: ca. 6 Stunden, Schwierigkeit: für Masochisten

Man sieht es schon am Zeitbedarf: Nachdem die letzten zwei Beiträge zu diesem Thema durchaus   gemütlich waren, handelt es sich diesmal um eine ausgewachsene Wanderung. Natürlich sollte man ein solches Unterfangen nur gut vorbereitet angehen. Eine vernünftige Karte hilft dabei und so besorgte ich mir zuerst vom Survey and Mapping Office eine 1:25‘000 Karte der Region.

Damit hatte ich die Navigation im Griff. Da sechs Stunden alleine wandern aber wenig Spass macht, suchte ich nach Begleitung. Von der Kabinenbesatzung erntete ich dabei vor allem Unverständnis, aber schliesslich schaffte ich es meinen Copi-Kollegen von der Tour zu überzeugen.

So ging es anderntags mit der MTR und dem Zug nach Sha Tin, wo wir nach einigem Suchen den Bus 299 fanden, der uns zum Beginn der 4. Sektion des MacLehose Trail brachte. Dort führte der Weg zuerst einmal 2 Stunden und 500 Höhenmeter durch die nebelverhangene Wald- und Buschlandschaft bergauf zum Fuss des Ma On Shan, mit 702 Metern einer der höchsten Berge Hong Kongs.

  

Dank dem Nebel hatten wir eine gute Ausrede um auf den Gipfelsturm zu verzichten. Stattdessen sorgten wir mit einem Picknick dafür, dass unser Rucksack für den Rest des Tages etwas weniger schwer auf unseren Schultern lastete.

  

Danach führte der Weg am Pyramid Hill vorbei zur Ngong Ping Plateau. Mittlerweile hatte die Sonne den Nebel weggebrannt, so dass wir bei blauem Himmel die Aussicht nach Sai Kung und den Blick auf die bereits zurückgelegte Strecke geniessen konnten.

  

Eigentlich erwarteten wir nun einen gemütlichen Marsch entlang des Hügelkamms zu unserem Ziel, dem Sha Tin Pass. Ein genauerer Blick auf unsere Karte hätte uns aber eines Besseren belehrt. Der Weg bestand nämlich aus einem stetigen Auf und Ab, in dessen Rahmen wir noch mehrere Höhenzüge und gut und gern nochmals 500 Höhenmeter überwinden mussten. Diese Mühen wurden immer wieder mit herrlicher Aussicht aus der uns umgebenden Wildnis auf die dicht bebauten Siedlungen der New Territories belohnt.

 

Die Sonne heizte mittlerweile tüchtig ein und unsere Beine wurden immer schwerer. So waren wir schliesslich froh Tates’s Cairn zu erreichen. Dort erwartete uns ein Rundblick über Kowloon bis nach Hong Kong Island.

 

Danach ging es noch eine knappe Stunde entlang der Sha Tin Pass Strasse nach Dimond Hill hinunter. Von dort brachte uns die MTR pünktlich zur Abenddämmerung ins Hotel und zur dringend benötigten Dusche. Man braucht keine allzu ausufernde Fantasie, um sich vorzustellen, dass das erste Bier an diesem Abend so gut schmeckte wie schon lange nicht mehr…

 

Inflight Entertainment

3. März 2011

Sage und schreibe zwölf Bildschirme in verschiedenen Grössen haben wir im Cockpit. Dazu kommen noch die zwei Tablett-Computer, auf denen all unsere Manuals und die Flugkarten in elektronischer Form gespeichert sind, sowie ein Laptop mit dem elektronischen Kabinen Logbuch, wo alle technischen Mängel der Kabine vermerkt werden.

Trotz dieser Bildschirmflut ist es aber im Cockpit unmöglich einen Film aus der Bordunterhaltung zu empfangen. Auch Computerspiele lassen sich nicht darstellen. Kein Pac Man, kein Tetris – nicht einmal mit einem Flugsimulator lässt sich die Zeit verkürzen – obwohl sich der Sidestick hervorragend zum gamen eignen würde! Der Pilot von heute muss sich deshalb auf einem zwölfstündigen Flug, neben dem äusserst lästigen Erledigen aller anfallenden Arbeiten, mit Essen, Kaffee trinken und Smalltalk mit seinem Kollegen begnügen. Auch Besuche der Kabinenbesatzung sind natürlich immer hoch willkommen.

Ich bemühe mich zudem jeweils um meine geografische Weiterbildung und knipse ab und zu ein Foto von einem mehr oder weniger lohnenswerten Ziel. Auf meinem Hongkong Flug konnte ich  über Indien beides verbinden. Wir flogen knapp 300 Kilometer südlich des Himalayas und die Wettergötter verwöhnten uns, so dass ich das Bergpanorama mit dem Dhaulagiri und dem Annapurna fotografisch verewigen konnte.

 

Zudem boten uns die Kollegen vom Bangkok Flug noch eine kleine Showeinlage. Nur 600 Meter über uns flogen sie für kurze Zeit parallel neben uns her. Auch die noch junge Mondsichel bemerkte den Formationsflug und anerbot sich freundlicherweise den perfekten Hintergrund für meine fotografischen Bemühungen zu bilden.

  

Danach ging es weiter Richtung China, wo wir dank den uns noch immer freundlich gesinnten Wettergöttern die Aussicht auf die riesigen Treibhausplantagen südlich von Kunming geniessen konnten. Danach folgte eine seltsame, im Wasser stehende Hügellandschaft, die sich nach einigen Nachforschungen als die Gegend von Puzhehei entpuppte.

  

Die weltberühmten Kalksteinhügel von Guilin wurden danach leider von Wolken verdeckt. Trotzdem verging die Zeit dank des natürlichen Inflight Entertainments wie im Fluge und so standen wir schon bald in Hongkong am Gate…