Archive for Juni 2009

Tropical Depression

29. Juni 2009

Keine Angst. Nach dem Nairobi Blues folgt nun nicht der nächste jämmerliche Beitrag. Vielmehr fand diesen Monat meine zweite Premiere statt: Shanghai.

 

Zwar wollte uns zu Beginn der Zyklon Nangka einen Strich durch die Rechnung machen. Als ihm aber in der Folge die Kraft ausging wurde er zuerst zum Tropensturm und danach zur Neudeutschen „tropical depression“ heruntergestuft. So lösten sich unsere Wetterprobleme in Wohlgefallen auf und ich konnte die Chinesische Wirtschaftsmetropole, zwar von einigen Gewittern beeinträchtigt, aber zumindest ohne Furcht vor Depressionen einem ersten Augenschein unterziehen.

 

Was ich dabei allerdings sah kam mir beim besten Willen nicht sonderlich Chinesisch vor! Die Stadt scheint dem feuchten Traum eines Architekten entsprungen zu sein. Viele Hochhäuser buhlen mit mehr oder weniger originellem Dachschmuck um die Aufmerksamkeit des Besuchers, während andere mit schierem Gigantismus zu beeindrucken versuchen. So steht in Pudong mit dem Shanghai World Financial Center, das mit 492 Metern höchste Gebäude Chinas, welches sogar den Pearl Tower, das Wahrzeichen Shanghais, klein aussehen lässt und dessen Spitze während meines Aufenthaltes sich meist im wolkenverhangenen Himmel versteckte.

 

Die Stadt scheint in den letzten Jahren komplett neu aufgebaut worden zu sein und was nicht bereits umgekrempelt wurde, wird spätestens für die Expo 2010 präsentabel gemacht. Sogar die sogenannte Altstadt entpuppt sich mit seinen herausgeputzten Nachbauten, als chinesisches Disneyland für anspruchslose Touristen oder eben als typisch chinesische Fälschung. Dazu passend werden dem westlichen Besucher alle zehn Meter günstige Markenuhren und Handtaschen angeboten. Weder original noch originell, dafür ziemlich aufdringlich!

 

Ansonsten ist Mann und Frau in Shanghai modisch chic, weltoffen, modern und mondän. Von Armani bis Zenga sind alle westlichen Modelabels vertreten und sofern die Geschäfte etwas verkaufen, stehen in den guten Shanghaier Stuben Möbel von Nantuzzi und Küchen von Poggenpohl.

 

Auch kulinarisch ist die grosse, weite Welt in Shanghai angekommen. Selbst in London scheint es mehr Chinesische Lokale zu geben. Dafür isst man hier thailändisch und indonesisch scharf, italienisch teigig, amerikanisch schnell oder bierig deutsch. Um sich vom provinziellen Münchner Original abzuheben gibt es das Paulaner Bierhaus allerdings gleich in dreifacher Ausführung und auch das Hofbräuhaus sucht man hier nicht vergebens. Selbst der Aloisius hätte hier seine helle Freude!

 

Auch ich freue mich auf meinen nächsten Shanghai Aufenthalt in zwei Wochen und hoffe dass es die Wettergötter gut mit mir meinen. So könnte ich die spektakuläre Aussicht vom World Financial Center unbenebelt geniessen oder trockenen Fusses einen der wenigen wirklich alten Tempel der Stadt besuchen. Wir werden sehen…

 

 

 

 

 

 

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Endlich Bangkok

22. Juni 2009

Ich habe es endlich geschafft nach Bangkok zu fliegen. Ein Jahr habe ich erfolglos den Planungsrechner gebiddet, gebeten, bekniet, bedroht, ausgetrickst und verflucht. Als alles nichts gefruchtet hat, habe ich aufgegeben und siehe da, das hat geholfen und ich wurde nach Bangkok geplant!

 

Man muss wissen, dass Bangkok eine äusserst beliebte Destination für Letztflüge ist und so war ich gespannt, was an der Stadt so speziell ist, dass offenbar jeder seine letzten fliegerischen Eindrücke in der Thailändischen Metropole holen will.

 

Nun als erstes fiel mir neben dem feucht heissen Klima das Verkehrschaos auf, was mich allerdings nicht davon abhielt die Stadt etwas genauer zu erkunden. Dabei hielt ich mich streng an das Standard Touristenprogramm. Grand Palace, Klongfahrt am Tag, Thai Restaurant am Abend und chice Bar mit Aussicht bis in die frühen Morgenstunden. Da Bilder mehr sagen als ein endloser Wortschwall, lasse ich meine Kamera für mich sprechen:

 

 

 

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Thai alles ein bisschen schöner machen:

 

VOR Funkfeuer…

 

…den Tower…

 

…den Sidestick…

 

…und sogar die Piloten.

 

Stauaussichten

15. Juni 2009

Statt LX Forty wurde ich auf LX Forteen eingesetzt und lande prompt im New Yorker Feierabendstau. Wenn wir jeweils im Schritttempo Richtung Manhattan fahren, suche ich nach Mitteln mich wach zu halten, denn sollte mich der Schlaf übermannen, wäre das obligate Feierabendbier mit den Buffalo Wings akut gefährdet.

 

Da ich weder iPhone noch iPod besitze und eher kommunikativ veranlagt bin, kann und will ich mir nicht einfach zwei schicke weisse Ohrstöpsel ins Ohr stöpseln, um mich vom Rest der Welt abzukapseln. Deshalb mache ich mir im Stau einen Spass daraus die in der Blechlawine gefangenen Autos etwas genauer zu betrachten.

 

Eigentlich interessieren mich eher die inneren Werte der Fahrzeuge, denn Ausstattung und Zustand eines fahrbaren Untersatzes sagt auch einiges über die inneren Werte seines Besitzers aus. Als Nichtpsychologe und Pilot darf ich dabei problemlos vorschnelle, übertriebene, tendenziöse, falsche und kurzweilige Schlüsse aus meinen Beobachtungen ziehen.

 

Da ist die Endvierzigerin, die das Armaturenbrett ihres pinkfarbenen Nissan mit zwei Wackeldackeln aufgerüstet hat. Die Dinger haben mich schon in den Siebzigerjahren genervt. Ich mache meine Kollegin hinter mir auf den makellos herausgeputzten Wagen mit den nervigen Hündchen aufmerksam. Sie grinst nur und meint, dass sie mir einen schenke, falls sie bei ihrem Einkaufsbummel einem Vertreter dieser Wackelspezies begegne. Zum Glück sind die Dinger mittlerweile auch in den USA aus der Mode geraten, da ich auf dem Rückflug, angesichts eines mir während sieben Stunden vom Glareshield herunter zunickenden Kunststoffdackels, wohl meine Beherrschung verloren hätte…

 

Bevor ich zur tiefenpsychologischen Analyse der Dackelfrau ansetzen kann, verliere ich sie aus dem Gesichtsfeld. Der Stau wird dichter und bald bewegt sich gar nichts mehr. Neben mir steht ein Chevrolet Metro, in den sich drei Personen gequetscht haben. Auf der Rückbank spielt eine Teeagerin mit ihrem Gameboy, während vorne ihre ältere Schwester das Fahrzeug lenken dürfte, wenn es denn etwas zu lenken gäbe. Daneben sitzt die verdächtig britisch aussehende Grossmutter und studiert einen Strassenatlas. Während mindestens zehn Minuten bewegen wir uns keinen Meter. Dennoch sitzt die Junglenkerin hoch konzentriert, als ob sie einmotorig eine Rohdaten ILS fliegen müsste, mit beiden Händen am Steuer und starr geradeaus gerichtetem Blick da, während ihre Grossmutter den richtigen Weg offenbar immer noch nicht gefunden hat. Nur die kleine Schwester auf dem Rücksitz merkt von der kritischen Lage nichts.

 

Endlich geht es weiter. Wir überholen im Schneckentempo einen BMW, dem das Leben arg mitgespielt hat. Total verbeult, mit rostigen, eiernden Rädern und abstehender Motorhaube quält er sich durch den Stau. Drin sitzt, man glaubt es kaum, Ziggy Marley und hält eine seltsam konisch geformte Zigi zwischen den Fingern.

 

Kurz danach werden wir von einem Pickup Truck überholt und ich staune nicht schlecht, als ich den nächsten bekannten Musiker erkenne. Diesmal ist es Billy Gibbons. Sharp dressed, inklusive Bart, schwarzer Klamotten, Hut und Sonnenbrille. Jetzt kann ich nicht länger widerstehen und stecke mir doch noch zwei Stecker in die Ohren. Passend zum Outfit Billy Gibbons sind die Dinger schwarz. Die Menüführung in meinem Handy ist apfellos unergonomisch. So brauche ich etwas Zeit, bis ich mich erwartungsfroh zu meinem Song durchgeklickt habe und die Lautstärke aufdrehen kann.

 

Was ich höre? Ist wohl klar! ZZ Top. What else? 8)

 

LX FORTY – Pilotosophische Betrachtung

9. Juni 2009

Da ich LX40 schon mehrmals pilotiert habe, fühle ich mich berufen den neuen SWISS Werbefilm „LX FORTY“ durch meine beruflichen deformierte Brille zu betrachten.

 

Augenfällig sind natürlich die Pyramiden, die ich allerdings bisher nur auf dem Flug LX236 nach Kairo gesehen habe. Auch die vielen Zahnräder sucht man auf unseren vollelektronischen Airbussen vergeblich und die schönen Dodekaeder, Doppelhelixen und Raumstrukturen finden sich höchstens in der Wissenschaftsliteratur, mit der ich mir meine Rotationsaufenthalte verkürze. 

 

Schön in Szene gesetzt ist hingegen unser neuer Firstclass Sitz. Leider trifft man diesen, bis die A340 umgerüstet ist, erst auf der neuen A330-300 an und diese wird zur Zeit exklusiv auf LX14 nach New York eingesetzt.

 

Der Film gibt also, obwohl zweifellos gut gemacht, aus fliegerischer Sicht visuell eher wenig her. Deshalb habe ich mir die Mühe genommen den hoch philosophischen Text zu verstehen und zu kommentieren.

 

„Die Wahrheit über Dich erfährst Du nur, wenn Du dich erinnerst, warum Du auf die Reise gingst.“

Meine Reise trete ich gewöhnlich an, weil der Planungsrechner mir wieder mal ganz böse mitgespielt hat. Welche Wahrheit sagt das über mich aus? Mein Leben hängt völlig vom Computer ab. Jeder der schon mal mit Microsoft zu tun hatte weis, dass das nicht gut gehen kann!

 

„Ich hatte damit begonnen mir Filme anzuschauen, um herauszufinden wie das Leben sein könnte.“

Ja Herrgott, wer verwechselt denn heute noch Filme mit der Realität! Junge geh raus – dort findet das Leben statt!

 

„Ich mochte oft nicht was ich sah.“

Na klar nicht. Bei all den doofen Filmen, in denen am Schluss die Hostess das Flugzeug landet. Obwohl die Ladies meist recht ansehnlich waren…

 

„Tagelang blieb ich im Bett, mir die Welt vorstellend.“

Das Bett ist zum schlafen da. Die Welt kannst Du, wie schon gesagt, draussen sehen. Auch die hübschen Ladies sind da!

 

„Es gibt zwei Arten der Lüge, die unser Leben bestimmen. Diejenige, die wir den andern erzählen und diejenige, die wir uns selbst erzählen.“

Und dann gibt es noch diejenige, die uns erzählt wird. Diese hören wir von denjenigen, die über unser Leben bestimmen wollen – Manager und Politiker.

 

„Liebe ist die einzige Antwort, die ich auf der Suche nach Wahrheit gefunden habe.“

Liebe und Wahrheit? Es wird wohl nirgends öfter gelogen als in Liebesbelangen.

 

„Ich bewege mich vorwärts, schaue nicht zurück, bis es nicht mehr weiter geht.“

Nur wer auch zurück schaut kann etwas lernen. So verhindert man an den Punkt zu kommen, an dem es nicht mehr weiter geht.

 

„Das Leben bewegt sich schneller als wir uns selbst.“

Hoffentlich nur räumlich. Wenn uns das Leben auch in der zeitlichen Dimension überholen würde, dann wären wir ja alle von Gestern!

 

„Wir kommunizieren mehr, aber sagen weniger.“

Das denke ich jeweils auch, wenn ich die unzähligen, inhaltsarmen Werbefilme sehe, mit denen ich zugespammt werde.

 

„Manchmal ist es so schnell, dass ich mich selbst nicht mehr erkenne. Bis ich gegen eine Wand stosse und realisiere, dass alles nur Schein ist.“

Kenne ich aus der Fliegerei! Manchmal geht alles so schnell, dass man sich geistig irgendwo in der Region der Economy Toilette befindet. Wenn man sich da nicht Zeit verschafft, dann fliegt man tatsächlich irgendwann gegen eine Wand – die ist aber nur allzu real!

 

„Nichts ist mehr wie es war.“

 Oh tempores, oh mores! Früher war alles besser.

 

„Es ist Zeit bewusster und langsamer zu leben. Uns auf das Wesentliche zu besinnen.“

Aber ganz bewusst nicht zu langsam werden. Das ist wesentlich, da es sonst nicht mehr fliegt!

 

„Dorthin zurückfinden wo alles begann. So wie einst, als sich ein Tag noch wie eine Ewigkeit anfühlen konnte.“

Beim Planungsrechner, dort beginnt das Elend. Und nicht der Tag, sondern die Nachtflüge fühlen sich wie eine Ewigkeit an.

 

„Alles was wir tun können ist Verantwortung zu übernehmen.“

Sag das einem Piloten. It’s our daily business!

 

„Um nur etwas in unserem täglichen Leben besser zu machen als wir es vorgefunden haben.“

Fein! Darf ich ein paar Vorschläge machen? Einsatzplanung, Einsatzstabilität, Ferienreglement, Flight Duty Regulations….

 

„Es ist der Weg zurück, auf dem wir uns erinnern, warum wir die Reise begonnen haben.“

Eben wegen dem unsäglichen Planungsrechner. Das weis ich aber jeweils schon auf dem Hinflug.

 

„Wie die Raupe auf dem Weg zum Schmetterling.“

Oder wie der Pilot, der sich während seinen Freitagen, wie ein Phönix, wieder aus der Asche seines Jetlags erheben sollte.

 

„Wünschst Du Dir nicht fliegen zu können? Ich schon.“

Oh ja, nach zwei kurzen Freitagen vor der nächsten Freinacht, da wünsche ich mir jeweils auch nicht fliegen zu können…

Synthetische Instruktorenfreuden

5. Juni 2009

Das Leben geht weiter. Die Pflicht ruft. Passagiere wollen befördert werden. Das Geschehene wird verdrängt, denn die Bewältigung dauert länger. Keine Freude mehr an der Fliegerei zu haben, wäre Betrug an meinem Berufsverständnis und wohl auch an dem der vermissten Kameraden. Geniessen wir das Leben solange wir können. Das wäre wohl auch der Rat unserer Kollegen…

 

In meinem Fall stand in den letzten zwei Tagen eine Weiterbildung zum SFI A330 an. Natürlich war AF 447 auch da ein Thema, aber mangels Fakten und wegen der Sinnlosigkeit irgendwelcher Spekulationen konzentrierte man sich schnell auf die Kursinhalte.

 

Früher kriegte man, nach einer Umschulung auf ein anderes Flugzeug, einen Klaps auf die Schulter und schon war man Instruktor auf dem neuen Typ. Heute geht das nicht mehr, denn man braucht dafür eine Zusatzausbildung und so kam ich in den Genuss eines solchen „Flottenwechsel Kurses“.

 

SFI bedeutet übrigens Synthetic Flight Instructor – Synthetischer Fluglehrer. Also kein echter, sondern ein künstlicher. Ich darf deshalb auch nur auf einem künstlichen Flugzeug ausbilden und ein solches nennt man landläufig Simulator. Man könnte einen SFI also auch Simulator Fluglehrer nennen, aber das wäre für Angelsachsen wohl zu profan.

 

Mit dem Syllabus meines Kurses möchte ich an dieser Stelle niemanden langweilen, aber als Highlight durften wir, am zweiten Tag, die Bedienung des Simulators mit einem selbst geschriebenen Programm üben. Dabei sassen jeweils zwei Kollegen auf dem falschen Sitz (Kopiloten links und Kapitäne rechts) und das Motto lautete: „Der hinten kann eingeben was er will, die vorne können es fliegen…“

 

Natürlich liess ich mir für mein Programm etwas besonderes einfallen. Nach einem Triebwerkausfall im dümmsten Moment beim Start, ertönte auf 200 Meter Grund eine Gelände-Kollisionswarnung. Für den fliegenden Kollegen eine unangenehme Situation, sollte er doch mit maximalem Winkel steigen, darf dabei aber keinesfalls eine gewisse Mindestgeschwindigkeit unterschreiten, da sonst das Flugzeug unsteuerbar wird.

 

Als die Situation bereinigt war, verschob ich das Flugzeug kurzerhand auf eine Position 40 Meilen südwestlich von Thule. Thule ist in diesem Zusammenhang kein Trägersystem für Fahrzeugdächer, sondern die US Air Base in Avanersuaq, im nordwestlichsten Zipfel Grönlands. Das lustige für den fiesen Instruktor und das schwierige für den armen Beübten ist dabei, dass in dieser Gegend der Welt die Variation 55 Grad beträgt. Das heisst, der Kompass zeigt 55 Grad daneben und folglich wird die Navigation zur echten Herausforderung. Die Piste steht auf dem Navigationsblidschirm beinahe quer zur Anflugrichtung und der Navigationsrechner versagt total. Fliegen nach Rohdaten ist gefragt – zurück zu den Wurzeln unter erschwerten Bedingungen. Nach dem einmotorigen Instrumentenanflug mit den ungewohnten Anzeigen musste, wegen starken Winden, ein Circling nach Sicht geflogen werden und damit die Übung einen letzten Höhepunkt hatte, brach nach der Landung noch das Fahrwerk ein.

 

Natürlich meisterten meine Kollegen diese Herausforderungen mit Bravour und so war ich an der Reihe als Beübter die süsse Rache meiner Kollegen zu spüren. Zu meiner Überraschung geschah nach dem Start zuerst einmal gar nichts, bevor uns im Steigflug diverse Flugzeuge den Luftraum streitig machten. Dies führte zu diversen Kollisionswarnungen und damit verbundenen Ausweichmanövern. Danach verloren wir eine Geschwindigkeitsanzeige, während eine andere falsche Daten lieferte. Eine genaue Analyse der Situation liess uns zwar die korrekten Anzeigen wieder herstellen, kurz darauf versagte aber ein Triebwerk, gefolgt von all unseren Bildschirmanzeigen, so dass wir schliesslich einmotorig, mit eingeschränkter Steuerung und nur marginalen Notanzeigen den Weg Richtung Landepiste suchen mussten – zurück zu den Wurzeln unter erschwerten Bedingungen. Schliesslich haben wir aber die Piste gefunden und das Fahrwerk hielt sogar meiner Landung stand.

 

Eine Übung, aus der man keine Lehren zieht, ist wertlos. Heute habe ich aber folgendes gelernt:

  • Die Bedienung des A330 Simulator ist problemlos.      
  • Beim Steuern mit der linken Hand kämpfte ich mit der Feinmotorik und deshalb  werde ich als Cruise Enlarger in Notfällen den Kollegen rechts fliegen lassen.
  • Vom linken Sitz aus suche ich die Informationen stets am falschen Ort und nehme oft die falschen Knöpfe in die Hand.
  • Auf dem linken Sitz bin ich nur halb so intelligent.
  • Es ist ein gutes Gefühl Kapitänskoryphäen rechts von mir sitzen zu sehen.
  • Kollegen unter Stress setzen macht Spass.
  • Auch Instruktoren sind Kindsköpfe. 😉 

Und last but not least:  Das Leben geht weiter.

Verlorene Freunde

2. Juni 2009

Manchmal ist der Titel meines Blogs völlig unpassend. Dann wird einem plötzlich vor Augen geführt, wie schnell und brutal das Schicksal zuschlagen kann. Obwohl ich beim SR 111 Unglück schon Freunde betrauern musste, habe ich die Möglichkeit einer solchen Katastrophe schon bald wieder verdrängt. Um so mehr trifft es mich jetzt wieder und es fehlen mir die Worte.

 

Deshalb lasse ich an dieser Stelle einen besseren Schreibenden unter den Piloten für mich sprechen. Im ersten Zitat erklärt Antoine de Saint-Exupéry, warum wir Piloten uns unter einander so verbunden fühlen und im zweiten zeigt er die Trauer der Zurückgebliebenen aus der Sicht des Verschollenen:

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„Wir Piloten sind es gewöhnt, lange auf ein Wiedersehen zu warten. Denn die Kameraden einer Strecke sind in die weite Welt verteilt wie Schildwachen, die nicht miteinander sprechen können… Für einen kurzen Abend sitzt man um einen Tisch in Casablanca, in Dakar, in Buenos Aires und nimmt, nach Jahren des Stillschweigens, unterbrochene Gespräche wieder auf. Dann geht es weiter. Auf diese Weise ist die Welt leer und reich zumal. Reich an diesen verborgenen Gärten, die nur schwer zugänglich sind, zu denen uns aber unser Beruf doch immer wieder führt. Das Leben trennt uns oft von den Kameraden, es hindert uns sogar, viel an sie zu denken. Aber sie sind da, wenn man auch nicht recht weiss wo. Sie lassen nichts von sich hören, und wir denken kaum an sie, und doch sind sie uns treu! Wenn sich dann die Wege kreuzen, packen sie uns bei den Schultern und strahlen vor Freude. Ja wir verstehen zu warten.“

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„Ich erblicke die Augen meiner Frau, ich kann nichts anders mehr sehen. Sie schauen mich fragend an. Jetzt erblicke ich die Augen aller derer, denen vielleicht an mir gelegen war, eine Versammlung von Blicken warf mir mein Schweigen vor. Und ich antworte doch! Ich antworte, so laut ich kann. Ich kann doch keine hellere Flamme in die Nacht hinaus senden!

 

Jedesmal, wenn ich die wartenden Augen sah, brannte es mir im Herzen, packte mich der rasende Wunsch geradewegs loszulaufen. Dort drüben schreien sie um Hilfe, dort drüben leiden sie Schiffbruch! So eigenartig kehren sich die Rollen um… Ich kann mich gut damit abfinden, einzuschlafen, für eine Nacht, wie für Jahrhunderte… Aber die Schreie von dort drüben, diese grossen Flammen der Verzweiflung, die kann ich nicht ertragen. Vor solchem Unglück kann ich nicht mit verschränkten Armen stehen. Jede Sekunde, die ich ruhig verharre, ist Mord an denen, die mir die Liebsten sind.

 

Nicht wir waren die Schiffbrüchigen. Das waren vielmehr die Wartenden, die unser Schweigen bedrohte.“

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Auf Wiedersehen liebe Kollegen – wir werden Euch nicht vergessen.