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Letztflug

19. November 2012

Eigentlich wollte ich ja noch einen grossen Beitrag zu meinem Abschied von der Langstrecke schreiben. Ein Potpourri der schönsten Fotos schwebte mir vor oder eine Zusammenfassung der rührseligsten Erlebnisse. Aber daraus wird nichts und das ist wohl auch gut so.

Statt nochmals alte Geschichten aufzuwärmen, habe ich in den letzten Wochen unzählige Simulator Übungen gegeben und daneben endlos viele Manuals durchforstet. Die spärliche Freizeit welche dabei noch blieb, haben unsere beiden Twins vollständig für sich beansprucht, so dass es auf diesem Blog schon fast beängstigend ruhig geworden ist…

Grosszügiger Weise durfte ich im November aber wenigstens noch einen Flug absolvieren und so sitze ich nun in Los Angeles und kann, während die Twins gut 9000 Kilometer entfernt hoffentlich selig schlafen, für einmal ungestört ein paar Zeilen schreiben. Für einen grossen Schlussbeitrag reicht die Zeit zwar nicht, aber eigentlich stehe ich ja auch nicht vor einem Schluss, sondern vor einem Neuanfang und so lasse ich es bei ein paar Eindrücken von meiner letzten Rotation als Copilot bewenden:

Nach dem Start streckte sich der Zürcher Hausberg aus dem Nebel empor und wünschte mir persönlich einen guten Flug, während dahinter das Alpenpanorama Spalier stand. Aber auch die Basler Landschaft liess sich nicht lumpen und aktivierte zu meinen Ehren eigens seine etwas eigenwillige Interpretation der Niagarafälle.

Nach meiner Ruheschicht im Crewbunk grüsste mich ein Sonnenuntergang über Grönland und, nachdem es sich anfänglich unter Wolken verkroch, besann sich auch Kanada noch eines besseren und präsentierte mir in der Nähe von Winnipeg nochmals seine spezielle Interpretation von Kubismus.

 

Danach zeigten sich auch die Badlands in Montana von ihrer besten Seite, bevor sich die Rocky Mountains, Las Vegas und Los Angeles sich wieder hinter dichtem Gewölk versteckten.

Der Anflug in Los Angeles war nochmals eine Herausforderung. Ein zweimaliger Wechsel der Anflugpiste und ein Hundewetter, wie es im sonnigen Südkalifornien, wo es angeblich nie regnet, gar nicht existieren dürfte, liessen den Genuss in den Hintergrund treten und das Ganze artete nach gut 12 Stunden Flugzeit nochmals in Arbeit aus.

Anderntags erholte sich das Wetter und auch die Autovermietung gönnte dem angehenden Upgrader zum Abschied ein Upgrade, so dass ich mit einem Chevrolet Camaro Cabriolet über die Freeways brettern durfte.

 

Der Ausflug führte mich, nachdem ich ein letztes Mal die obligate Shoppingliste abgearbeitet hatte, nach Santa Monica, wo ich nochmals im California Lifestyle schwelgen durfte.

 

Zurück in Long Beach konnte ich mit meinen Cockpitkollegen beim Nachtessen nochmals in Erinnerungen schwelgen. Anderntags traff ich beim Frühstück die beiden Copi-Kollegen, welche am Vorabend in L.A. angekommen waren und so wurden die Diskussionen in ähnlichen Stil vortgesetzt.

Nach einem kurzen Spaziergang am langen Strand von Long Beach, hiess es dann ein letztes Mal vorschlafen um für den langen Rückflug fit zu sein…

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