Archive for Dezember 2011

Happy New Year

31. Dezember 2011

Dieses Jahr darf ich Neujahr zu Hause feiern. Ich werde deshalb bei einer Gedenkminute auf die weniger glücklichen, arbeitenden Kollegen anstossen.

Meinen treuen Lesern und allen Kolleginnen und Kollegen, egal wo auf der Welt sie sich gerade befinden, einen guten Rutsch ins neue Jahr!

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Unruly

28. Dezember 2011

Irgendwie ist der Crewbunk heute gar nicht einmal so unbequem. Ungewöhnlich ist auch, dass es für einmal keine Turbulenzen hat während ich meine Ruhephase habe. Zufrieden döse ich im Halbschlaf vor mich hin. Während ich in einem entfernten Winkel meines schlaftrunkenen Hirns meinen San Francisco Aufenthalt plane, dringt ein Lärm von der anderen Seite der Tür immer deutlicher in mein Bewusstsein.

Können die nicht etwas ruhiger sein? Schliesslich versuche ich hier zu schlafen! Unwirsch drehe ich mich in meiner Koje um und knalle mit Schwung meinen Kopf gegen die Wand. Scheissbunk! Herrgott nochmal ich will doch nur schlafen…

Draussen steigert sich der Lärm langsam zum Tumult. Brauchen die etwa meine Hilfe? Zum Glück ist die Cabin Crew, im Gegensatz zu uns Piloten, für solche Situationen ausgebildet. Also halte ich mich da besser raus. Ich ziehe mein Kissen über den Kopf und versuche weiterzuschlafen. Zum Einschlafen versuche mich an die Definition von „Unruly Passengers“ in unserem Betriebshandbuch zu erinnern. Ich kriege es nicht ganz auf die Reihe, aber so oder ähnlich muss diese lauten:

Unruly passengers are passengers

  • failing to observe relevant instructions;
  • causing discomfort to others;
  • jeopardising the safety and security by disruptive behaviour.

Generally, unruly passengers can be classified into the following main categories:

  • those who behave abusively in general;
  • those who refuse to follow regulations;
  • those who repeatedly disregard instructions

Draussen geht es noch immer hoch her. Plötzlich höre ich wie mein Name gerufen wird. „Wach endlich auf Skypointer. Wir brauchen hier Deine Hilfe!“ Sofort hellwach stürze ich, ohne Rücksicht auf Verluste, im Pyjama vor die Tür. Ein einziger Blick reicht um die Situation zu erfassen:

Rechter Hand beschwert sich ein Herr mit hochrotem Kopf lauthals darüber, dass sein Essen noch immer nicht bereit sei. Noch während ich mich frage ob dies wirklich ein Grund sei sich so aufzuregen, bemerke ich wie zu meiner Linken die kleine Zicke, die schon vor meiner Ruhepause ein Riesentheater veranstaltete, kurzerhand auf den Boden pisst. Mittlerweile hat sich der Choleriker rechts von mir in einen wahren Schreikrampf gesteigert. Seine Stimme überschlägt sich schrill und mit schmerzenden Ohren wende ich mich wieder nach links wo ich gerade noch sehe wie die junge Dame auf den Tisch kackt. Was für ein Chaos!

„Was soll ich…?“ „Na was wohl? Schnapp Dir Marco und gib ihm endlich seinen Schoppen, während ich Stella wickle und die Schweinerei hier wegwische.” fällt mir meine Frau ins Wort. „Oder willst Du das übernehmen?“

Ich will mich nicht vordrängen. Also schnappe ich mir schreienden Junior und beginne mit der Fütterung des Raubtiers, während ich zum ersten Mal im Leben den Crewbunk vermisse…

One of these days

21. Dezember 2011

Prolog: 19. Dezember.

An meinem dritten Simulatortag in Folge, darf ich jenen Kapitän befruchten, mit dem ich morgen, an meinem vierten Arbeitstag, nach New York fliege. In der Mittagspause sprechen wir darüber, dass wir froh sind, dass keine Winteroperation droht…

20.Dezember (Zeiten in Schweizer Lokalzeit)

08:00     Beim ersten Blick aus dem Fenster weiss ich, dass wir die Geschichte gründlich verschrien haben. Der Wind pfeift eiskalt ums Haus und im dichten Schneegestöber finde ich kaum den Briefkasten mit der Morgenzeitung.

09:45     Nach einem Kaffee und dem Packen des Koffers, bin ich gerade dabei meinem Junior die letzten Tropfen seines Schoppens einzuflössen, als das Telefon klingelte: „Grüezi Herr Skypointer. Ihr Flugzeug hat einen technischen Defekt. Der Flug startet nicht wie geplant um 13:00. Bleiben sie zu Hause bis wir sie wieder anrufen – dann müssen sie aber innert einer Stunde am Flughafen sein!“ meint die nette Dame am anderen Ende des Drahtes. „Aha. Verstanden. Aber entschuldigen sie die Frage: Haben sie schon einmal nach draussen geschaut? Eine Stunde? Ich werde mir Mühe geben…“

11:00     Ich versuche den Vorplatz vom Schnee zu befreien. Sisyphos. Hoffnungslos.

11:45     Es klingelt erneut. Briefing um eins. Also buddle ich mein Auto nochmals aus und schlittelte zum Flughafen, den ich, ziemlich stolz, knapp vor der geforderten Zeit erreiche.

12:45     Check-in

12:50     Beim Check-in treffe ich drei gute Kollegen, mit denen ich gerne einen Schwatz halten würde. Aber dafür habe ich keine Zeit. „Hoi, wie gahts? Kommst Du oder gehst Du? Stimmt Du siehst noch fit aus. Dumme Frage. Shanghai? Da war ich auch schon lange nicht mehr! Und Du? San Francisco? Cool. Und Du? Montreal? Dahin fliege ich nächsten Monat. Habe keine Zeit. Bin im Stress. Ich? New York. Ja reichlich spät. Und Tschüss…“

13:00     Der Kapitän fehlt noch. Ich besorge die Planungsunterlagen und beginne mit der Flugplanung. Die defekte Maschine wurde durch eine andere ersetzt.

13:10     Der Kapitän trifft ein.

13:15     Briefing mit der Cabin Crew.

13:30     Nach einer Planung im Schnelldurchlauf, geht es zum Flugzeug. Der Start ist auf 14:30 angesetzt.

14:20     Der Lademeister meldet, dass sämtliche Passagiere an Bord und auch Fracht und Gepäck geladen sind. Allerdings hätten wir soeben eine neue geschätzte Startzeit um 14:30 zugeteilt erhalten. „Perfekt. Dann machen wir uns auf den Weg“ „14:30 Zulu, also 15:30 Lokalzeit. Wisst ihr nichts darüber?“ bemerkt der Loadmaster trocken. Wissen wir nicht.

14:30     Nach einigem Nachfragen erfahren wir, dass wir erst um 16 Uhr für die Enteisung geplant sind. Da sämtliche Langstreckenmaschinen der Mittagswelle gleichzeitig auf den 4 Enteisungsplätzen abgespritzt werden müssen und die vollständige Enteisung eines Grossraumjets etwa 20 Minuten dauert, ist das System heillos überfordert. Während der folgenden Wartezeit stellen wir fest, dass fast alle Kollegen noch nicht in der Luft sind. Miami, Chicago, San Francisco, Los Angeles, Shanghai und Montreal warteten ebenfalls noch auf ihr Deicing. Dazu kommt noch die Konkurrenz aus Dubai, Thailand und weiss Gott wo.

14:35     Der San Francisco Flug nebenan dürfte zurückstossen. Leider hat ein Passagier ein medizinisches Problem und muss mit der Ambulanz abgeholt werden. Das kann dauern…

14:40     Ich habe genügend Zeit den Bericht zum Pistenzustand nochmals abzuhören und die Startberechnung anzupassen. Der Pistenzustand wird immer schlechter. Ich werde das im Auge behalten.

14:52     Es kommt was kommen musste: 18 Millimeter Schneematsch im letzten Drittel der Piste 16. Da maximal 13 Millimeter zulässig sind, ist ein Start für uns nicht mehr möglich.

14:54     Ich melde das Problem an unsere Einsatzleitstelle und forderte sie auf vom Flughafen eine Pistenräumung zu verlangen.

15:00     Es schneit nicht mehr!

15:15     Die Piste 16 wird für eine halbe Stunde geschlossen und gereinigt. Ein Problem gelöst…

15:30     Ein Steward meldet sich im Cockpit und teilt uns mit, dass er nicht bereit sei Overduty zu leisten. Er sei müde und demotiviert, denn er an Stelle der traditionellen Weihnachtsgratifikation nur ein Käsebrett erhalten und die Fragestunde mit unserem obersten Chef heute Morgen hätte seine Stimmung nur noch verschlimmert.

15:45     Mit vereinten Kräften hat der Kapitän, die Maître Cabin und Copi Skypointer (der nicht gesagt hat, dass er das Käsebrett eigentlich noch ganz cool findet) den Steward überzeugt doch nicht auszusteigen. Flug gerettet.

15:54     Bewilligung zum Zurückstossen.

16:08     Enteisung beginnt. Man merke: Nur 8 Minuten nach der vor eineinhalb Stunden angekündigten Zeit. Eine hervorragende Leistung der Enteisungsmannschaften!

16:15     Es schneit wieder!

16:25     Enteisung abgeschlossen.

16:30     Der Montreal Flug kehrt kurz vor der Piste um und muss ein zweites Mal enteisen, da sich mittlerweile wieder Schnee auf den bereits behandelten Flügeln ansetzt.

16:36     Take-off Richtung New York.

19:14     Mitten über dem Atlantik. Eine Passagierin hat Atemnot wegen einer allergischen Reaktion. Eventuell müssen wir in Santa Maria auf den Azoren zwischenlanden. Obwohl ich sicher bin, dass ich alles weiss, lese ich zur Sicherheit nochmals die Nordatlantik Contingeny Procedures nach, während die Kabinenbesatzung nach einem Arzt sucht.

19:20     Ein Arzt hat sich gemeldet und behandelt die Passagierin.

19:40     Der Passagierin geht es etwas besser. Der Flug kann weiter gehen.

20:43     Wir erhalten einen Telex, in der sich die Kabinenführung bei allen Flight Attendants der heillos verspäteten Mittagswelle für ihren Einsatz und die geleistete Overduty bedankt und eine zusätzlichen Freitag verspricht.

20:44     Mein Kapitän schaut mich an und fragt: „Kriegen wir das auch?“

20:44:02  Ich verdrehe die Augen und sage: „Träum weiter!“

21. Dezember

01:15     Der Anflug nach New York JFK beginnt. VOR Approach RWY 22L. Der Anflug ist um 7° versetzt zur Pistenachse. 3.1° Anflugwinkel. Nicht ganz trivial. Aber wenigstens regnet und bläst es nicht.

01:24     500 Meter über Grund. Es beginnt zu regnen.

01:26     Ich lande die Maschine nach einer reinen Flugzeit von 8:40 in New York.

01:32     Unser Standplatz ist besetzt. Warten.

01:40     Endlich ist unser Gate frei. Wir können weiterrollen.

01:42     Block on. Blockzeit 9:48. Duty Time 12:57 trotz verschobenem Check-in. Resultierende Overduty: 57 Minuten.

02:05     Wir verlassen das Flugzeug.

03:00     20. Dezember 21:00 Lokalzeit in New York. Ankunft im Hotel. Schlüssel fassen.

03:20     Ohne Bier ins Bett!

Epilog:

Die durchschnittliche Verspätung der SWISS Flotte betrug mehr als 60 Minuten, 98 Flüge hatten eine Abflugsverspätung von über einer Stunde, 47 Flüge mussten gestrichen werden.

Alle Jahre wieder…

10. Dezember 2011

Mit Grauen erinnerte sich Santa an das Debakel vom Vorjahr mit dem Absturz in Zürich und seiner darauf folgenden Ausschaffungshaft, die bis weit in den Januar dauerte. Natürlich würde er heuer die Schweiz, selbst wenn er kein zehnjähriges Einreiseverbot aufgebrummt bekommen hätte, weit links liegen lassen…

Damit allerdings in Zukunft ein ähnliches Debakel mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden konnte, hatte Santa nicht nur eine lasersichere Brille beschafft, sondern auch seinen Schlitten gemäss den neuesten Spezifikationen der Luftämter aufgerüstet. Dass durch das immens höhere Leergewicht die Nutzlast erheblich verringert wurde, war dabei leider nicht zu verhindern gewesen.

 

Die kleinere Frachtkapazität war allerdings Santas kleinstes Problem. Der Schlamassel begann bereits im Sommer, als ein übereifriger FAA Inspektor, anlässlich des jährlichen Checkfluges, Rudolphs Zwillingsbruder beim Start kurzerhand erschoss, um zu testen wie Santa bei einem überraschenden Triebwerksausfall im Takeoff reagieren würde.

Danach musste ein neues Rentier angelernt werden, wozu Santa den seit Urzeiten bestehenden Umschulungskurs zuerst dem neuesten EU-OPS Syllabus anpassen musste. Nach der erfolgreichen Lizenzierung des neuen Rentiers musste dieses zu allem Überdruss noch eine LIFUS (Line Introduction Flights Under Supervision) Phase mit 50 Flügen durchlaufen, bevor es endlich zum Geschenketransport eingesetzt werden durfte. Rudolph, der dabei als AFO (Ausbildungs-Flug-Orakel) fungieren musste, wurden deswegen seine wohlverdienten Sommerferien gestrichen, weshalb er sich ernsthaft überlegte seine Instruktionstätigkeit an den Nagel zu hängen.

Das alles beschäftigte Santa in der für die Vorbereitung äusserst wichtigen Sommerpause im Übermass, so dass er, neben der Geschenkefertigung, beim besten Willen keine Zeit fand die neuesten Entwicklungen in der Welt zu verfolgen. Deshalb machte sich Santa kurz vor Weihnachten mit einem etwas mulmigen Gefühl auf den Weg…

Die Route führte vom Nordpol genau Richtung Süden. Beim Einflug in den sibirischen Luftraum wurde Santa nach seiner Überfluggenehmigung gefragt. Wie üblich antwortete Santa mit „Santa 24-12“. Zu seiner Überraschung lautete die Antwort des ATC Controllers, dass sein Einflug nach Russland wegen nicht bezahlter Gebühren nicht bewilligt werde. Zu Santas Verdruss musste er also kurz vor der Luftraumgrenze in eine Warteschleife einfliegen. Sofort kontaktierte er Väterchen Frost um die Angelegenheit zu klären. Dieser teilte ihm mit, die russische Regierung habe die Gebühren seit Anfang Jahr verzehnfacht. Auf die Frage nach dem Grund knurrte das ehrwürdige Väterchen: „Weil sie es können… Aber ich habe jetzt keine Zeit für Dich, denn ich muss mich nun – zu Fuss – auf den Weg machen, denn Fliegen kann ich mir bei diesen Gebühren schon längst nicht mehr leisten!“

Santa blieb also nichts anderes übrig als irgendwo im Nirgendwo zwischenzulanden und die Zeche zu begleichen. Der Beamte behauptete die Dollars und Euros, die Santa für Unvorhergesehenes immer dabei hatte, seien völlig wertlos und die Nordpol-Staatsanleihen, die ihm seit Urzeiten als letzter Notgroschen dienten, seien von jemandem namens Moodys, wohl aus einer Laune heraus, auf Ramschniveau herabgestuft worden. Santa blieb deshalb nichts anderes übrig als den Diamantring, den er Frau Müller von ihrem Mann überbringen sollte zu verticken. Als sich der Beamte für die Starterlaubnis auch noch den sündhaft teuren, für Herrn Huber bestimmten Armagnac unter den Nagel riss, platzte Santa definitiv der Kragen und als er endlich wieder abheben durfte, hallte sein lautes Fluchen noch lange durch die sibirische Nacht.

Immerhin ging die Reise nun weiter. Ziel: Mitteleuropa. Das Christkind hatte Santa angefragt ob er die „grande“ Nation beliefern könne, schliesslich müsse sein Flugschlitten für den Atlaniküberflug beim Hersteller mit ADS-B nachgerüstet werden. Also steuerte Santa direkt das Werftgelände des weltweit grössten Flugschlittenherstellers an. Dort angekommen wurde ihm eröffnet, dass sämtliche Handbücher mit sofortiger Wirkung nur noch elektronisch bereitgestellt würden und dass deshalb ein Weiterflug ohne Laptop nicht bewilligt werden könne. Trotz Santas lautem Protest, blieb ihm keine andere Wahl als den Laptop, den er Monsieur Dupont schenken sollte, zu konfiszieren und mit der umständlichen Software des Flugschlittenherstellers zu verseuchen.

Zu allem Überdruss wurde Santa vom einheimischen Geheimdienst noch genötigt einen mysteriösen Passagier mitzunehmen. Ohne diesen würde man ihm die Starterlaubnis verweigern, wurde unmissverständlich klar gestellt. Zu Santas Überraschung besass der Passagier durchaus eine gewisse Ähnlichkeit mit ihm selbst. Natürlich fehlte der Rauschebart, aber sonst hätte der sympathische, etwas einsilbige ältere Herr durchaus ein ganz passables Santa Double abgegeben.

Die Sache kam Santa reichlich seltsam vor. Natürlich fragte er nach dem Namen des gewichtigen Monsieurs. Auch weshalb der Herr nicht mit einer normalen Passagiermaschine über den Teich fliege und warum er unbedingt ins ferne Amerika wolle, verlangte Santa zu wissen. Mit den Antworten konnte er allerdings nicht besonders viel anfangen. Der Herr fliege nach Amerika, weil man dort nicht zweimal für das gleiche Delikt angeklagt werden könne und eine Linienmaschine schliesse sich „naturellement“ aus, schliesslich seien dort jede Menge Stewardessen an Bord. Aber Santa sei da wahrlich ein Geschenk des Himmels und überhaupt nicht gefährdet. Mit einem wissenden Augenzwinkern machte sich der Beamte aus dem Staub. Völlig perplex fragte Santa seinen Passagier wer zum Teufel er nun sei. Darauf antwortete der einsilbige Herr mit drei kryptischen Buchstaben: DSK.

„Komischer Kauz“ dachte Santa, und machte sich auf den Weg zur Sicherheitskontrolle. Dort wurde Santa beschieden, dass er das Parfum für Mrs. Miller leider nicht mitführen dürfe, da es nicht vorschriftsgemäss in einem durchsichtigen Plastikbeutel verpackt sei. Aller Protest nützte nichts. Das edle Flacon wurde zwecks Vernichtung konfisziert. Voller Wut packte die Zügel und macht sich auf den Weg.

Dank CPDLC war die Arbeitsbelastung während der Atlantiküberquerung gering, was Santa aber eher belastete, denn die zweckentfremdeten Geschenke lagen ihm bleischwer auf dem Magen und er wäre für jede Ablenkung dankbar gewesen. Auch sein Passagier war keine Hilfe, faselte er doch dauernd von irgendwelchen Verschwörungen, die ihn um irgendeine Präsidentschaft betrogen hätten.

Im Anflug auf New York wurde der unglückliche Santa nach Bradley umgeleitet, da an seiner Destination ein Schneesturm den Flughafen blockierte. Nach der Landung wurde Santa ein Standplatz am hintersten Ende des Flugplatzes zugewiesen und als er nach der Bodenabfertigung verlangte, wurde ihm beschieden, dass er erstens keinen Handling Vertrag besitze und zweitens weiss Gott nicht der einzige sei der eine Ausweichlandung in Bradley gemacht habe. Santa nahm all seine Geduld zusammen und versuchte die stundenlange Verspätung mit Fassung zu tragen. Nach über vier Stunden Warten tauchte endlich jemand auf. Mit Schrecken erkannte Santa den FAA Beamten, der Rudolphs Zwillingsbruder erlegt hatte…

Bevor Santa seiner Wut freien Lauf lassen konnte, beschied ihm der Beamte in arrogantem Ton, er habe gegen amerikanische Passagierrechte verstossen indem er seinen Passagier nicht alle 30 Minuten über Public Address informiert und nach der Landung mehr als 4 Stunden am Austeigen gehindert habe. Die Busse für dieses Vergehen betrage mehrere Millionen Dollar und bis zur Begleichung dieser Schuld werde Santas Flugschlitten samt Fracht konfisziert.

Dem mittlerweile völlig mittellosen Santa wurde ein Pflichtverteidiger zur Seite gestellt, der ihm riet seine Schuld abzuarbeiten. Deshalb tingelt Santa nun für einen Hungerlohn durch amerikanische Shoppingcenter und versucht in der Kommerzhölle Weihnachtsstimmung zu verbreiten, während er sich sehnsüchtig an das Vorjahr und die ruhige Zeit seiner Ausschaffungshaft in der fernen Schweiz zurückerinnert…