Archive for Januar 2013

3. Rotation

30. Januar 2013

Kaum war meine erste Rotation als Upgrader verkraftet, war schon die zweite vorbei und ich befand mich bereits auf der dritten. Hier war die Ausgangslage besonders schwierig, sollte ich doch mittlerweile nicht nur die Abläufe und die Crew vollständig im Griff haben und sondern auch meinen Instruktor. Es wurde von mir nämlich gefordert, dass ich diesen wieder zum Bloggen bringe. Von einflussreicher Seite wurde mir gedroht, dass sonst meine Mission als gescheitert gälte. Nun dieses Minimalziel wurde bereits erreicht, ob das allerdings auf die Dauer anhält, wage ich nicht zu beurteilen…

Doch zurück zum schweren Pilotendasein. Nach einem warmen Bier und Fish & Chips am Abend im verregneten London Heathrow,…

Bitter

…ging es am Morgen in aller Herrgottsfrühe zurück nach Zürich. Auf einen vom Winde verwehten Anflug, folgte eine lange Pause, die wir für einen Besuch auf dem Kontrollturm nutzten. Nach Pflege der Schoggi-Connection und einem ersten erfolgreichen Austesten der Nespresso-Liste, liessen wir uns in die beeindruckenden Geheimnisse der Lotsenarbeit einführen.

Nespresso

Da sie die unbestrittene Expertin auf diesem Gebiet ist, lasse ich zu diesem Thema ein Bild sprechen, welches zwar nur aus meiner lausigen Handykamera stammt, aber trotzdem einen kleine Eindruck davon gibt, dass es ausser Pilot noch andere Berufe mit grandioser Aussicht gibt.

Tower View

Danach ging es zurück ins immer noch verregnete und nicht weniger stürmische London, wo wir, nachdem mir mein Copilot demonstriert hatte, dass sich die A320 unter solchen Verhältnissen auch sanft landen lässt, den Nachmittag statt mit Plane Spotting aus dem Hotelfenster, in der nahegelegenen Bowlingbahn verbrachten. Nach einer neuerlichen Demonstration des vielseitig begabten Copiloten ging es mit wunden Fingern und reichlich Hunger und Durst wieder zum warmen Bier und einem halben Lamm am Knochen. Schnell waren wir uns einig, dass wir einen absoluten Scheissjob ausüben. Aber irgendjemand muss diesen ja machen und so verbrachten wir einen gemütlichen Abend und überboten uns gegenseitig mit Fliegerlatein aus unseren guten alten Langstreckentagen…

Lamb Shoulder

Wer sein Flugzeug liebt…

21. Januar 2013

Erstrotation. Das heisst der Kommandant in spe ist voll am Rotieren. Die Flugplanung ist zwar noch bekanntes Terrain, aber schon im Kabinenbriefing wird es ungewohnt. Danach geht es aufs Flugzeug. Aussencheck machen und an einem Wintertag wie diesem, muss ich entscheiden ob und falls ja, welche Art von Enteisung nötig ist.

Winter Ops

Nicht nur die Flügel sind voll Schnee, sondern auch bei den Triebwerken gibt es ein Problem. Hinter den Triebwerkschaufeln hat sich eine feine Eisschicht gebildet. Mit der Körperwärme meiner Hände lässt sich das Eis lösen und mit einem Putzlappen wische ich die Schaufeln anschliessend trocken. Wer sein Flugzeug liebt, der putzt…

Wer sein Flugzeug liebt...

…und der freundliche Instruktor ist mit dem Fotoapparat zur Stelle.

Dann geht es mit klammen Fingern hoch ins Flugzeug. Logbuch ausfüllen, im technischen Logbuch nachlesen, was alles für Kleinigkeiten nicht funktionieren und die Cabin Crew über die relevanten Einträge informieren, Computer hochfahren, prüfen ob die Betankung läuft…

„Ready for Passenger Boarding?“ Äh, ja die gibt es ja auch noch! Fuelling beendet? Kabinenbesatzung bereit? Ok, dann können die Gäste kommen. 5 Minuten „Grüezi“ sagen, dann verziehe ich mich wieder ins Cockpit. Checklisten wollen abgearbeitet sein und ein General Briefing (wer ist hier eigentlich der General und wer die Putzfrau?) muss gemacht werden. Da noch etwas Zeit bleibt wird noch das Abflugverfahren besprochen und das Take-off Briefing abgehandelt. Gemacht ist gemacht denn plötzlich kann es schnell gehen…

Dann stehe ich nochmals unter die Türe. Den letzten Mohikanern „Grüezi“ sagen. Gibt es irgendwelche Problemfälle unter den Passagieren? Nein? Umso besser!

Zurück im Cockpit trudelt die Ladeberechnung ein. Nun kann ich die Startberechnung mit dem Kopiloten überprüfen. Der Maître Cabin schaut zur Tür herein. 148 Passagiere. Stimmt mit meinen Daten überein. Headcount korrekt. Jetzt kommt der Coordinator ins Cockpit. Habt ihr das Loadsheet erhalten? Ja, aber das NOTOC (NOtice TO Captain – eine Liste mit dem Gefahrengut, den Tieren und Wertsachen im Frachtraum) fehlt noch. Ich kriege und checke das Dokument und unterschreibe für 100 Gramm brennbares Gas, ein Hund und 20kg Goldbarren…

Können wir die Türen schliessen? Äh ja natürlich. Ein fragender Blick zu meinem Copi „Haben wir eigentlich schon eine Startup Clearence?“ Er grinst zurück: „Ja klar“. Zum Glück sind alle um mich herum Profis! Ok, dann machen wir die „Before Engine Start“ Checkliste.

Nach dem Pushback und dem Triebwerkstart geht es zur Enteisung. Während das Flugzeug von Schnee und Eis befreit wird, finde ich endlich Zeit meine Gäste mit einer Ansage zu beglücken. Danach rollen wir zur Startpiste. „Before Take-off“ Checkliste. „Cabin Crew take-off in one minute“. Schon folgt die Startfreigabe. Wieder schaue ich meinen Copi an: „Ready?“ „Ja“

Na dann… Seat Belt Sign OFF/ON, all lights on, time check, Bremse gelöst, “Take off!” und Gashebel nach vorne schieben.

Während die Triebwerke hochfahren und das Flugzeug beschleunigt formiert sich in meinem Hinterkopf die Frage: Was habe ich wohl vergessen? „Take-off thrust set“ höre ich mich sagen. „Checked“ vom Copi. „One hundred” „checked“. „V1” Hand weg von den Gashebeln! „Rotate”…

Ich zeihe am Sidestick. Uff, es fliegt…

Flugtraining

10. Januar 2013

Nach eineinhalb Monaten Schulbank drücken und im Simulator durch die Mangel gedreht werden, durfte ich heute endlich wieder einmal ein richtiges Flugzeug fliegen. Es ging nach Montpellier ins Flugtraining.

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Sechs Platzvolten, das hiess 35 Minuten reine Flug- und etwas Rollzeit. Ein Take-off, fünf Touch & Go und eine Landung vom linken Sitz aus.

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Kämpfen um Centerline, Glideslope, Flareablauf, Landedistanz…

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Mit anderen Worten: Spass pur…