Archive for Januar 2009

Supponierte Bombe statt Curry Suppe

22. Januar 2009

Alles war vorbereitet. Koffer und Crewbag gepackt, die Planungsunterlagen im Intranet schon einmal grob überflogen und die Uniform schon knapp zur Hälfte angezogen, als das Telefon klingelte und im Display die ominöse Anzeige „Crew Dispo“ leuchtete. Hatte ich mich in der Zeit geirrt? War ich etwa zu spät dran?

 

Nein nichts der Gleichen. Ein Kollege war krank und es fehlte wieder einmal an A340 Copiloten. Also kam der Crew Disponent auf die Idee mich an Stelle des erkrankten Kollegen, statt wie geplant mit einer A330 nach Delhi, mit einer A340 nach Chicago zu schicken – wohl weil ich den Weg schon kannte und damit ich kontrollieren konnte ob die Trottoirs mittlerweile vom Schneematsch befreit wurden.

 

Ein kurzer Anflug von Hektik und schon waren die Sommerkleider in meinem Koffer durch nordamerika-konforme Winterklamotten ersetzt. Den Rest der Uniform angezogen, blieb noch eine Minute Zeit um meiner Frau einen kurzen Kuss  zu gegeben, bevor ich Richtung Flughafen aufbrechen musste.

 

Die Planung verlief Problemlos, doch kaum hatte ich die Sicherheitskontrolle passiert, brach hinter mir operative Hektik aus. Offenbar hatten ein paar freundlich Kontrolleure von unserer hoch geschätzten Luftfahrtbehörde, zwecks Überprüfung des uniquen Sicherheitsdispositvs, eine supponierte Bombe in die Crew-Sicherheitskontrolle eingeschleust, was dazu führte, dass die gesamte Umgebung evakuiert wurde und dass, während der grössten Stosszeit, für etwa 20 Minuten kein Besatzungsmitglied auf sein Flugzeug gelassen wurde. Keine Ahnung wie viele Verspätungen dadurch verursacht wurden, aber ich bin mir absolut sicher, dass alle Passagiere ebenso viel Verständnis für das perfekte Timing der netten Kontrolleure aufgebracht haben, wie die betroffenen Besatzungen, die danach das Beste gegeben haben um den angerichteten Schaden möglichst klein zu halten.

 

Die Flugroute nach Chicago war, wegen Gegenwinden bis 220 Knoten über dem Nordatlantik, für einmal recht ungewöhnlich. So flogen wir zuerst mal Richtung Delhi. Gestartet wurde nämlich Richtung Osten über den Bodensee nach Deutschland und Dänemark und danach ging es vorbei an Bergen in Norwegen, über die Shetland und Färöer Inseln nach Island und weiter über Grönland, Labrador und die grossen Seen nach Obama City. Trotz diesem Umweg war die Flugzeit mit 9 Stunden und 15 Minuten erstaunlich schnell und so konnte ich, trotz dem hektischen Start des Arbeitstages, das Flugzeug pünktlich in Chicago landen…

Den Tiefkühler gewechselt

12. Januar 2009

Eigentlich sollte ich letzten Freitag nach New York fliegen, aber als ich am Donnerstag Abend von Tel Aviv kommend, also aus dem Kriegsgebiet – oder ist es nur ein Krisengebiet oder herrscht gar Frieden obwohl 80 Kilometer entfernt die Raketen fliegen? – in Zürich landete, spuckte der Computer eine Einsatzänderung aus, der zu entnehmen war, dass ich, statt den Big Apple besuchen, zu Hause Reserve schieben musste. Ähnlich wie im Nahostkonflikt war die Sachlage aber auch hier nicht ganz eindeutig, da das Warten auf einen Einsatz entweder bis Sonntag oder, gemäss einer zweiten Variante, bis Montag dauern sollte. Ziemlich verwirrt suchte ich deshalb die Crew Dispo auf, wo mir der friedliche Konflikt im kriegerischen Gazastreifen allerdings auch nicht erklärt werden konnte.  Statt dessen kümmerte sich die nette Dame um meinem Eisatzplan und meinte, dass meine Reserve eigentlich nur bis Sonntag geplant sei, dass ich aber morgen Freitag sehr wahrscheinlich nach Tokyo fliegen würde, womit dann mein Einsatz doch erst am Montag ende. Alles klar?

 

Zu Hause angekommen begann ich natürlich sofort zu überlegen wo ich am Samstag mein Sushi essen soll. Da aber sehr wahrscheinliche Wahrscheinlichkeiten mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit nicht eintreffen, wurde ich am Freitag dann doch nicht nach Tokyo, sondern am Samstag, mit minimaler Vorwarnung, nach Chicago geschickt.

 

Der Wetterbericht für Chicago sah aus als ob er von Zürich abgeschrieben worden wäre. Ich durfte also während knapp 10 Stunden von einem Tiefkühler in den anderen fliegen. Kurz vor Chicago mussten wir aber feststellen, dass auch Wetterprognosen mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit nicht zutreffen, denn es schneite entgegen allen Vorhersagen so stark, dass von den sieben Pisten alle bis auf eine geschlossen waren und natürlich war diese so kurz und rutschig, dass für uns dort eine Landung unmöglich war. Deshalb durften wir noch eine halbe Stunde Kreise drehen, bis eine längere Piste vom Schnee befreit war und wir schliesslich mit einer beträchtlichen Verspätung doch noch im winterlichen Chicago landeten.

 

Nach unserer Ankunft im Hotel liessen wir uns natürlich weder vom Schneesturm noch von der Verspätung davon abhalten ein Prime Rib zu geniessen. Das Fleisch war zwar hervorragend, aber der Fussmarsch zum altehrwürdigen Lawry’s wurde zur Tortur, da wir auf dem Trottoir, trotz sieben Minusgraden, knöcheltief im Schneematsch versanken, so dass die braune Brühe bald in meinen an sich wasserfesten Winterschuhen umher schwappte. Offenbar wird in Chicago statt Schnee zu räumen einfach tonnenweise Salz verstreut. Andere Länder, andere Sitten.

 

Die Ironie des Schicksals wollte es so, dass ich auf dem Heimflug im sonntäglichen Blätterwald über einen Bericht stolperte, in dem die Qualität der Winterdienste in verschiedenen Schweizer Städten verglichen wurde. Verliererin dieses Vergleiches war die Stadt Bern, da offenbar die Trottoirs zum Teil leicht vereist waren. Probleme haben diese Journalisten…

 

Xmas und so

5. Januar 2009

Die Festtage sind vorbei – Zeit Bilanz zu ziehen. Weihnachten habe in Los Angeles verbracht. Damit es nicht allzu langweilig wird, habe ich meine Frau dazu genötigt mitzukommen. Der Deal war, dass sie als Gegenleistung das Programm bestimmen darf. Der geneigte Leser wird sich vielleicht gewundert haben warum es seit Weihnachten relativ ruhig um die Finanzkrise in den USA geworden ist. Der Grund dafür ist einfach: Ich war mit meiner Frau in den USA shoppen. Die Finanzkrise ist damit natürlich nicht überwunden, sie hat sich nur auf mein Bankkonto verlagert…

 

Am Heiligabend ging dann die ganze Crew zusammen essen. Die grosse Kunst war es ein Restaurant zu finden, das am Vorabend des grossen Festes nicht schon Feierabend machte. Schliesslich fanden wir ein romantisch als Leuchtturm getarntes Lokal, das behauptete an Christmas Eve geöffnet zu sein und wir reservierten dort ein Dinner for fifteen. Das Essen? Na ja – es isch recht gsii. Was aber eher zu Befremden Anlass gab, war die Tatsache, dass wir um gut 21 Uhr freundlich aufgefordert wurden zu gehen – schliesslich sei Christmas Eve

 

Da wir am 24. eine düstere Vorahnung hatten, dass am Weihnachtstag die Verpflegung auch nicht einfacher würde, hatten wir uns vorsorglich im Migros, alias Albertson, mit Sandwiches eingedeckt. Am 25. kam es dann wie es kommen musste: Alle Restaurants, alle Kinos und alle Museen waren geschlossen und es regnete in Strömen, so dass wir im weihnachtlichen Hotelzimmer den Weihnachtstag verbringen und unsere belegten Brötchen verschlingen durften. Wenigstens hat dies das eh schon strapazierte Bankkonto geschont!

 

Am Stefanstag sind wir dann wieder zu Hause angekommen und mit etwas Verspätung begann die übliche Schlemmerei bei Wein, Bier, Fleisch und Fisch, die jetzt nach Neujahr zum Glück ein Ende hat.

 

Aber eigentlich wollte ich ja Bilanz ziehen. Nun denn: Das Bankkonto hat zwar ab- und der Bauchumfang zugenommen, aber das wichtigste ist, dass es im Weinkeller wieder etwas Platz gegeben hat – Platz für Nachschub. Happy New Year.