Archive for Februar 2014

STBY Stress

6. Februar 2014

Nachdem die Crewdispo gestern mein „do not disturb“ respektiert hat, ging es heute im selben Stil weiter.

STBY 10. Die gröbsten Hausarbeiten sind erledigt und sogar die Lampe funktioniert dank einem neuen Transformator wieder einwandfrei.

Das Wetter ist einiges schöner als gestern. Was kann also schon schiefgehen? Da die Kids unbedingt draussen spielen wollen und die Ehegattin dringend Einkaufen muss, liegt die Lösung auf der Hand. Captain Skypointer schiebt die Twins auf ihren Bobby Cars die Strasse hoch, während die Dame des Hauses Richtung Coop fährt. Die Dispo wird sich während der Nachmittagsflaute wohl eine gute Stunde beherrschen können…

Nach 20 Minuten klingelt das Handy. „Grüezi Herr Skypointer. Crew Reassignment. Wir brauchen Sie heute noch. Mailand. Briefing in einer Stunde. Nehmen sie zur Sicherheit noch einen Koffer mit. Vielleicht brauchen wir Sie noch für einen Nightstop.“ „Äh ja. Mach ich. En schöne Tag“

„Hallo Schatz. Ich muss in 30 Minuten los. Komm bitte sofort zurück!“ –  „Bin unterwegs…“

„Kinder, Papi muss arbeiten gehen. Gehen wir zurück ins Haus.“ „Nei, Auto fahre!“  / „Nöd Hei! Dusse bliibe!“ tönt es mir in stereo entgegen. Captain Skypointer hat die grösste Mühe sich durchzusetzen, aber irgendwie erreicht das schreiende Trio doch das nahe Haus. Die Kids werden mit ein paar Spielsachen im Kinderzimmer eingesperrt, während der Herr Kapitän sich in Uniform stürzt und den Koffer packt. Malpensa? Oops, da war ich seit meiner Kurzstrecken-Copizeit nicht mehr. Also noch kurz die Parkkärtchen ausdrucken, denn ohne diese geht es im papierlosen Cockpit einfach nicht. Dann noch schnell in die Flugplatzunterlagen einlesen, denn in den gut 30 Minuten Flugzeit bleibt dafür keine Zeit.

5 Minuten vor der Deadline erscheint die Ehefrau – ohne Einkauf wohlverstanden. Die Obhut der Kinder wird – dem Beruf entsprechend – fliegend übergeben und schon braust der zum Kapitän mutierte Papi davon.

5 Minuten vor der Deadline treffe ich im Briefing ein. Kein Copi in Sicht. Also drucke ich die Planungsunterlagen selber aus und beginne mich einzulesen. Auf die letzte Sekunde trifft auch der Copi ein. Kabinenbriefing, Flugplanung abschliessen und dann ab aufs Flugzeug. Ab jetzt läuft es wieder nach Routine.

Das Wetter könnte für eine Alpenquerung nicht schöner sein und trotz Föhnsturm auf den Bergkämmen gibt es keine Turbulenzen. So werden wir für den Kaltstart prächtig belohnt…

hätsibe

5. Februar 2014

An den guten Vorsätzen mangelt es ja meist nicht, aber mit deren Umsetzung hapert es jeweils umso mehr. Doch heute komme ich einen entscheidenden Schritt weiter!

Nicht nur, dass ich, den Fliegerarzt würde es freuen, einige Tage mit absoluter Alkoholbstinenz durchführe, nein ich habe sogar meine Rudermaschine entstaubt.

Danach habe ich mein Büro endlich einmal aufgeräumt und sogar der Bastelraum im Keller wurde ausgemistet.

Zudem konnte ich während dem Mittagsschlaf meiner Kids mein eigenes Schlafmanko etwas reduzieren und sogar ein kurzer Blogeintrag liegt drin. Herrlich oder?

Mit anderen Worten: Zeit zum versauen. Alles nachholen, was immer aufgeschoben wurde. Rumhängen und dem Herrgott den Tag stehlen ohne schlechtes Gewissen.

Das ganze hat einen Namen:

STBY 10

Standby Duty von 10 Uhr morgens bis 22 Uhr am Abend: hätsibe.

Hält sich bereit. Anständige Leute – sprich alle ausser Airline Crews und Militärs – verstehen wohl nicht welch ernstzunehmender Auftrag dies ist!

Aber jetzt muss ich weiter, denn ich muss noch meine Eingangsbeleuchtung reparieren. Da ist schon seit Monaten eine Lampe kaputt…

Also liebe Dispo es gilt weiterhin: „Please do not disturb.“