Archive for Januar 2011

cleam, chikinn and fake beer

28. Januar 2011

Diesen Monat meinte es das Planungsroulette echt gut mit mir. Nach Hong Kong durfte ich auch noch Tokio besuchen. Natürlich war da ein Ausflug in die Stadt Pflicht. Auf dem Plan stand der Besuch des Sensoji Shrine in Asakusa, anschliessend eine Fahrt mit dem Wassertaxi nach Shiodome, um dort von der orangen Kopie des Eiffelturms, dem Tokio Tower aus die Sicht über die Stadt zu geniessen.

Mit der Umsetzung dieses Planes haperte es aber gewaltig! Das Übel begann schon am Vorabend, als ich mich von zwei Kolleginnen und einem Kollegen überreden liess noch kurz (!) die Karaoke Bar „The Cage“ zu besuchen. Ohne mich zu viel in unrühmlichen Details zu verlieren, kann ich zugeben, dass die frühmorgendliche Rückkehr von diesem kurzen Abstecher, der Grund für meinen reichlich verspäteten Reiseantritt am nächsten Tag war…

Mit etwa zwei Stunden Verspätung auf die Marschtabelle wurde ich kurz nach dem Verlassen des Bahnhofs Ueno bereits wieder vom Plan abgelenkt. Ich entschied mich für einen Umweg in den unmittelbar neben dem Bahnhof gelegenen Ueno Onshi Park und den darin gelegenen Benetendo Tempel.

 

Danach machte ich mich endlich auf den etwa zwei Kilometer langen Fussmarsch nach Asakusa. Nach einer guten Viertelstunde wies mich jedoch mein knurrender Magen mit Nachdruck auf das fehlende Frühstück hin. So musste ich bereits wieder eine Pause einlegen, um den leeren Magen mit einer Nudelsuppe zu beruhigen.

Frisch gestärkt und wild entschlossen mich nicht mehr von meinem Plan abbringen zu lassen, machte ich mich wieder auf den Weg. Bereits nach wenigen hundert Metern brachte aber die Kappabashi Dogugai Street meine Entschlossenheit ins Wanken: ein kleiner Umweg durch die von Geschirrläden gesäumte Strasse würde schon noch drin liegen…

So kam ich zwischen Töpfen und Töpfchen, Tellern und Tellerchen, Schüsseln und Schlüsselchen und Schalen und Schälchen immer weiter von meinem Ziel ab. Nach dem Geschirr folgte ein Laden mit Plastikmenüs für die Schaukästen von Restaurants. Da gab es alles was das Herz begehrt: Sushis jeglicher Couleur, endlos viele Fische, Krabben und andere Meerestiere, Nudelsuppen aller Art und sogar Spaghetti Teller inklusive schwebender Gabel…

 

 

Während ich versuchte mich im Schlaraffenland aus Plastik sattzusehen, verstrich munter die Zeit. Plötzlich stand ich vor einer Vitrine voller prickelnder Biergläser. Mein Mund fühlte sich plötzlich Staubtrocken an. Tantalusqualen! Mit glasigem Blick stand ich, wie die Maus vor der Schlange, völlig gelähmt vor dem Schaukasten.

 

„Very expensive and you can not even drink it!“ riss mich eine Stimme aus meinen Tagträumen. Ich fuhr herum und stand verdattert vor einem älteren Japaner, der mich breit angrinste. „Ich wusste gar nicht, dass die Japaner Humor haben!“ schoss es mir durch den Kopf, während ich zurückgrinste und sagte „You are so right!“. Danach ergriff ich die Flucht vor dem qualvollen Anblick.

Dank meinen Reissaus schaffte ich es schliesslich doch noch in den Sensoji Shrine, wo ich fasziniert zuschaute, wie die Einheimischen sich mit Wasser und Rauch reinigten, bevor sie den Tempel betraten. Dort entrichteten sie zuerst einen Obolus und justierten mit militärischer Akribie ihr Tenue. Danach traten sie vor ihre Götter, verbeugten sich steif, murmelten ein paar Worte, verbeugten sich nochmals und verliessen dann den Tempel sofort wieder.

 

Diese Japanische Effizienz beeindruckte mich umso mehr, da es mittlerweile kurz vor dem Einnachten war und ich wegen meiner persönlichen Ineffizienz meine Ausflugspläne nun definitiv begraben musste…

Da die Biergläser immer noch in meinem Kopf herum geisterten, betrat ich abermals ein Restaurant. Dort bestellte ich endlich meinen wohlverdienten Hopfentee. Dazu wurde mir die Speisekarte gereicht. Diese war in Japanisch und einer fremdländischen Sprache gehalten, die ich mit einiger Fantasie als Englisch identifizierte…

Top Gun meets Daredevil

20. Januar 2011

Piloten und Simulatoren, das ist Hassliebe. Eigentlich lieben wir ja das grosse, teure Spielzeug. Aber leider können wir damit fast nie machen, was wir möchten. Stattdessen müssen wir zweimal pro Jahr während zwei Tagen unsere Fertigkeiten im Simulator unter Beweis stellen. Lizenzrelevant. Das heisst, wer den Anforderungen nicht gerecht wird, verliert seine Lizenz. Es ist also klar, dass Simulator Übungen nicht sonderlich beliebt sind. Multiple Systemfehler können einem den Tag so richtig vermiesen. Triebwerk- und Hydraulikversagen, Kabinendruckabfall, Treibstoffleck, Ausfall aller Stromgeneratoren und ein unlöschbares Feuer – natürlich alles gleichzeitig! Dass nicht auch noch ein Flügel abbricht, dürfte nur daran liegen, dass der Hersteller des Simulators ein solch seltsames Problem nicht vorgesehen hat…

Dafür hat er an andere seltsame Dinge gedacht: Als wir nach einer Übung etwas Zeit übrig hatten, gaben wir unserem Spieltrieb nach. Im Tiefflug überflogen wir Hong Kong um nachzusehen, ob der alte Kai Tak Airport noch programmiert sei. Leider stellte sich heraus, dass dieser auch in der virtuellen Welt nicht mehr existiert. Stattdessen entdeckten wir aber einen Flugzeugträger, der mitten in Victoria Harbour vor sich hin dümpelte – inklusive geschätzten 300 Meter Piste. Welcher Pilot könnte da widerstehen? Mit einer A330 auf einem Flugzeugträger landen? Sorry für die Wortwahl, aber geiler geht’s nicht! Enjoy the ride:

Jungkapitän

15. Januar 2011

Spätestens als mein Kapitän vor der Startbahn meinte ich sollte die Schubhebel beim Takeoff selber bedienen, hätte ich merken müssen, dass mit ihm etwas nicht stimmte. Einen so eklatanten Verstoss gegen unsere Verfahren hatte ich in meiner ganzen Karriere noch nicht erlebt. Mit dem Hinweis, dass dies eindeutig die Pflicht des Kapitäns sei, weigerte ich mich diese Aufgabe auszuführen.

Schon die gesamte Flug- und Cockpitvorbereitung war eine Einmannshow meinerseits gewesen und hatte in mir den Eindruck erweckt, dass der Kollege auf dem linken Sitz nicht besonders gut über seine Aufgaben Bescheid wusste und völlig unvorbereitet zum Flugdienst angetreten war. Eine solche Arbeitshaltung war mir noch nie untergekommen! Zudem schien der Kerl eindeutig zu Jung um schon Kapitän zu sein. Wie hatte der nur sein Upgrading bestanden?

Der Start verlief normal. Wenigstens bis zur Rotationsgeschwindigkeit, als der Kommandant so stark am Sidestick riss, dass wir ohne meine Intervention mit dem Heck die Piste touchiert hätten. Da wir uns aber mittlerweile in der Luft befanden, war es natürlich zu spät den Stümper noch auszuladen. Mein Fehler, denn ich hatte am Boden, trotz der deutlichen Anzeichen für seine Unzulänglichkeit, nicht gegen den Kapitän gemeutert.

„Alles OK mit Dir? Geht es Dir gut? Soll ich übernehmen?“ fragte ich. „Ich hab‘s voll im Griff!“ meinte der Kapitän, während er ruppig am Steuerknüppel herumriss. Was für eine Selbstüberschätzung! „Wenn Du nicht ein bisschen feiner steuerst, werden bald alle Passagiere kotzen!“ bemerkte ich. „Ja so ist es besser!“

Zum Glück war heute nur ein Alpenrundflug vorgesehen. Es würde mit diesem Dilettanten am Steuer schon schwierig genug werden im schönsten Wetter wieder heil zu landen. Dem Kerl während einem Langstreckenflug stundenlang auf die Finger zu schauen oder mit ihm bei Sturm auf einen anspruchsvollen Platz anzufliegen, wäre definitiv zu viel für meine Nerven!

Der Flug führte über das Zürcher Seebecken und dann der Goldküste entlang bis zum Rapperswiler Seedamm, wo wir rechts Richtung Alpen abdrehten. „Ich werde ein bisschen tiefer fliegen, dann sehen wir mehr! Wo sind eigentlich die Sprungschanzen von Einsiedeln?“ meinte mein Kommandant. Ich wies ihn darauf hin, dass bald die Terrainwarnung ansprechen würde, falls wir noch tiefer flögen. „Dann schalte das System aus!“ „Ich weiss nicht…“ zögerte ich. „Kannst Du das etwa nicht?“ „Doch, natürlich, aber das ist nicht der Sinn und Zweck dieses Systems!“ „Angsthase! Na los, mach schon!“

Mit ausgeschaltetem GPWS flogen wir nun in halsbrecherischem Tempo zwischen den Alpengipfeln hindurch, bis mir das Ganze zu bunt wurde. Ultimativ verlangte ich zum Flughafen Zürich zurückzukehren. Der Kollege drehte daraufhin zwar nach Norden, aber es war eindeutig, dass er weder die Navigation, noch die Maschine im Griff hatte. Mehrmals musste ich Kursänderungen befehlen und auch auf alle nötigen Geschwindigkeits- und Konfigurationsänderungen musste ich ihn aufmerksam machen.

Obwohl der stümperhafte Jungkapitän nicht wusste wie ihm geschah, fanden wir uns schliesslich auf dem Leitstrahl zur Piste 16 wieder. Die Steuerführung war katastrophal, das Scannig der Instrumente Inexistent und das Korrekturverhalten der nackte Horror. Wir flogen in Schlangenlinie mehr oder weniger Richtung Piste, aber zu einer Landung würde es so nie kommen!

„My controls“ rief ich und übernahm die Kontrolle des Flugzeugs. Wenig überrascht stellte ich fest, dass mein Cockpitkollege trotzdem weiter an seinen Sidestick herumriss. Ich drückte also den Knopf, der meinem Sidestick priorisiert. „PRIORITY RIGHT“ ertönte eine künstliche Stimme. Sofort beruhigte sich die Fluglage und nach einigen Steuerausschlägen befanden wir uns wieder auf Kurs. Mit den Worten „Jetzt musst Du fast nichts mehr machen. Das Flugzeug hält den Vektor von selbst.“ übergab ich die Steuerführung wieder dem Jungkapitän.

Zum Glück wurde diesmal mein Rat befolgt und so näherten wir uns schön stabilisiert der Landebahn. Da ich dem Stümper auf dem linken Sitz mittlerweile nicht mehr viel zutraute sagte ich: „Vergiss nicht: Wenn der Radiohöhenmesser fifty ruft, dann musst Du am Sidestick ziehen und gleichzeitig die Gashebel in den Leerlauf nehmen!“ „Null Problemo!“ war die Antwort

Nun näherten wir uns der Pistenschwelle. Auf 50 Fuss Radiohöhe hob sich die Nase des Flugzeugs aber nur unmerklich und die Gashebel wurden gar nicht bewegt. „Ziehen!“ befahl ich und setzte die Gashebel selber in den Leerlauf. Nun reagierte der Jungkapitän und riss am Steuerknüppel. Allerdings zu spät und viel zu stark! Wir touchierten unsanft die Piste, um danach sofort weder 10 Meter abzuheben.

In solchen Fällen hilft eigentlich nur ein Durchstart. Mit einem solchen Dilettanten am Steuer wollte ich dieses Manöver aber nicht fliegen und so befahl ich „Jetzt etwas weniger am Stick ziehen und warten bis sich die Nase wieder senkt!“ Leider verstand mein Jungkapitän dies als Aufforderung am Sidestick zu stossen! Als fatale Folge dieser Aktion senkte sich die Flugzeugnase abrupt und obwohl ich meinen Sidestick sofort bis zum mechanischen Anschlag nach hinten riss und gleichzeitig die Gashebel nach vorne knallte, schlugen wir nach wenigen Augenblicken mit dem Bugrad auf der Piste auf…

…es folgte ein lautes Krachen, wir wurden unsanft in die Sitzgurten geschleudert und die Scheiben verfärbten sich rot. Mit unschuldigem lächeln fragte der Jungkapitän „Was ist los?“ „Na was wohl! Du hast soeben eine A340 zu Schrott geflogen! Zum Glück sitzen wir nur im Simulator…“ grinste ich meinen 12 Jährigen Patenjungen an. „Willst Du es nochmals probieren?“ „Klar es lief ja super! Aber kann man mit diesem Flugsimulator auch andere Flugzeuge abschiessen? Auf der Playstation geht das!“

Wie werde ich nur diese Simulator Führung überleben?

 

Hong Kongs schönste Spaziergänge 2: Li Yue Mun

12. Januar 2011

Zeitbedarf: ca. 2,5 Stunden

Nach meinem Lamma Trip war mein Appetit geweckt. Ich machte mich auf die Suche nach einem Reiseführer mit Wanderrouten und wurde mit dem „Hiker’s Guide to Hong Kong“ auch bald fündig.

Das Buch gibt es in zwei Fassungen „The Leisurely“ für Müssiggänger, Weicheier und Warmduscher und „The Serious“ für Masochisten, Vergiftete und Leistungssportler. Wer mich ein bisschen kennt, der weiss, dass ich zur gemächlichen Ausgabe gegriffen habe – man soll‘s ja nicht übertreiben…

An meinem 2. Tag probierte ich natürlich sofort eine Wanderung des neuen Buches aus, denn schliesslich war der Abflug in Hong Kong erst um Mitternacht geplant. Es blieb also genügend Zeit für einen Abstecher zum Teufelsberg und zu einem Relikt des zweiten Weltkrieges am Rand des Reichs der Toten.

Der Trip begann am äussersten Zipfel Kowloons und der Weg aus den Hochhausdschungel war nicht ganz leicht zu finden. Mein Reiseführer beschreibt den Weg aber perfekt:

An der Yau Tong Metro Station nimmt man den Ausgang A2, steigt die Treppen hinunter und läuft ein kurzes Stück gerade aus, um dann links in die Ko Chiu Road einzubiegen. Auf dieser überquert  man einen Kreisel und biegt danach in die 2. Abzweigung rechts ein, die mit einem Wegweiser für den Chinesischen Friedhof versehen ist.

Nun ging es steil bergauf. Ich liess die lärmige Stadt unter mir zurück und konnte zusehen wie die Wolkenkratzer schrumpften.

  

Immer höher führte die Strasse und erlaubte Ausblicke auf Victoria Harbour und mein Reiseziel Lei Yue Mun. Am höchsten Punkt der Strasse zeigt ein Wegweiser den Weg zum Wilson Trail, dem ich nun folgte. Nach einer kurzen Treppe geht der Fussgängerweg in nördlicher Richtung links den Berg hoch und gibt den Blick auf die Hügel hinter Kowloon frei. An der ersten Weggabelung bog ich rechts ab erreichte nach einer kurzen Steigung die verlassenen Geschützstellungen einer Festung aus dem 2. Weltkrieg. Auch wer kein Interesse an Kriegsgeschichte hat sollte den kurzen Abstecher wagen, denn die Aussicht von den Verteidigungstellungen von Victoria Harbour ist grandios.

  

Nach einer kurzen Verschaufpause ging es zurück zur Weggabelung, dann weiter rechts den Berg hoch. Kurz darauf folgte ein brauner Wegweiser und zeigte nach links Richtung Pau Toi Shan, dem Devil’s Peak, auf dessen Gipfel sich der Hauptkomplex des Forts befindet.

Kurz vor dem Gipfel erreicht der Weg den Bergrücken und gibt die Sicht frei Richtung Viktoia Harbour auf der einen und dem offenen Meer auf der anderen Seite. Die Aussicht ist schlicht Atemberaubend! Ich werde bestimmt an einem weniger dunstigen Tag nochmals hierher kommen.

 

Im Nordwesten des Devil’s Peak liegt einer der grössten Friedhöfe Honkongs, auf dessen Zufahrtsstrasse mein Aufstieg begonnen hatte.

  

Ausser mir genossen noch drei Chinesinnen die Aussicht und versicherten mir bei einem kurzen Gespräch, dass sie an diesem Ort noch nie einen Ausländer getroffen hätten. Ich fasste dies natürlich als Kompliment auf!

Nachdem ich mich am Rundblick sattgesehen hatte, nahm ich den Abstieg zurück zur Strasse unter die Füsse, von wo aus ein neu renovierter und gut beschilderter Weg hinunter nach Lei Yue Mun führt. Hier an der Nordseite der engsten Stelle von Victoria Harbour, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, während an gegenüberliegenden Ufer das 21. Jahrhundert in vollem Gange ist.

An der Küste angekommen, besuchte ich den im 18. Jahrhundert errichteten und von Kanonen verteidigten Tin Hau Tempel.

 

Danach führt der Weg durch das Dorf und bietet Einblicke ins Leben der Einheimischen, deren Wohnzimmer Richtung  Strasse offen sind und so den Blick auf das Mittag- oder Abendessen und das unverzichtbare Mahjong Spiel erlauben.  Am Hafen angekommen schlenderte ich entlang von Fischrestaurants und Seafood Verkaufsständen Richtung Fähre, welche mich schliesslich nach Hong Kong Island zurück brachte.

 

 

Hong Kongs schönste Spaziergänge 1: Lamma Island

11. Januar 2011

Zeitbedarf: ca. 2 Stunden

Irgendwann hat man die Märkte und Shoppingcenter Hong Kongs gesehen und dann fragt sich der weit gereiste Pilot, was er unternehmen könnte, während sich die Kabinenbesatzung dem Shoppingrausch hingibt. Natürlich gäbe es die Möglichkeit in irgendwelchen dubiosen Spelunken zu versumpfen und danach den folgenden Tag zu verschlafen, nur um am Abend nahtlos an den Vorabend anzuschliessen. Viel gesünder und auf die Dauer auch abwechslungsreicher ist es aber die Umgebung von Hong Kong Island zu erkunden.

So verschlug es mich, wie der geneigte Leser bereits weiss, an meinem ersten Tag nach dem südlich von Hong Kong gelegenen Lamma Island. Yueng Shue Wan im Nordosten der autofreien Insel ist in 30 Minuten bequem vom Central Pier Nr. 4 aus zu erreichen. Von dort führte mich der in allen Reiseführern empfohlene Weg zuerst durch die Geschäftige Hauptstrasse, wo Fischrestaurants mit grossen Freiluftterrassen und Souvenirshops, die Kunsthandwerk und diverse Kräuter feilbieten, um die Gunst der Tagestouristen buhlen.

Die Zahl der Touristen liess, als die Häuser entlang des Weges langsam durch Felder ersetzt wurden, glücklicherweise schnell nach und nach einer Viertelstunde erreichte ich den Hung Shing Yeh Strand mit seiner fantastischen Aussicht auf Lammas Wahrzeichen – das hässliche Kraftwerk. Angesichts der für die Einheimischen eiskalten 17°C Lufttemperatur war auch in den Strandkaffees nicht viel los und so machte ich mich nach kurzer Pause wieder auf den Weg.

  

Schon bald stieg der Weg steil an und ich entledigte mich meines Pullovers. Kurzärmlig erreichte ich nach einiger Zeit die Aussichtspagode am höchsten Punkt des Weges, wo mir auffiel, dass meine sommerliche Kleidung so gar nicht zur Ausrüstung der Einheimischen passte, die sich, in Daunenjacken und Wollmützen gehüllt, auf einer Arktismission zu befinden schienen.

Die Aussicht wurde einerseits vom starken Dunst etwas beeinträchtigt, andrerseits versperrte ein Hügel den Blick Richtung Hong Kong Island.

  

Kurzentschlossen wandte ich mich vom betonierten Weg ab und begann den Aufstieg zum Gipfel des sichtbehindernden Hügels. Über eine Mischung aus Trampelpfad und Bachbett kämpfte ich mich zuerst durch Grasland und später durch Buschwerk zur Bergspitze, wo meine Anstrengungen mir einem grandiosen Rundblick belohnt wurden.

Mit Aussicht auf Aberdeen an der Südküste von Hong Kong Island und mit meinem Ausflugsziel zu meinen Füssen gönnte ich mir ein Picknick.

 

Danach folgte der Abstieg  zum Fischerdorf Sok Kwu Wan, wo ich, frisch gestärkt, die unzähligen Fischrestaurants links liegen liess und mit der Fähre, vorbei an den berühmten Feng Shui Wohnsilos von Bel Air, mit ihren Aussparungen für fliegende Drachen, zurück nach Central fuhr.

 

Himmel oder Hölle

9. Januar 2011

Ob Himmel

oder Hölle

ist manchmal nur eine Frage der Perspektive!

Irgendwie erinnert mich das an die Fluglärmdebatte! Aber warum sollte ich mir damit den schönen Tag versauen? Da geniesse ich lieber den Rundblick vom einsamen Hügel auf Lamma Island,

 bevor ich wieder ins hektische Hong Kong eintauchen muss oder darf.

Benebelt

4. Januar 2011

Nebel ist nichts schönes. Die graue Sauce verursacht Verpätungen in der Fliegerei und Unfälle auf den Strassen.

Heute hat mir der Nebel zudem die Beobachtung der partiellen Sonnenfinsternis versaut. Das fand ich gar nicht nett!

Aber manchmal verursacht Nebel aber auch ganz besondere Stimmungen. Kürzlich ist es mir gelungen eine solch benebelte Szene im Bild festzuhalten. Aus meinem Fenster erschien Regensberg knapp über der Nebelobergrenze: Ein Luftschloss im Sturm der Elemente…