Archive for Dezember 2008

Von der Sintflut in den Libanon geschwemmt

12. Dezember 2008

Kaum war der Weinkeller wieder eingeräumt und die Klimaanlage wieder angeworfen musste ich mich auf den Weg zum Flughafen machen, um meinen Flug nach Sao Paulo anzutreten. Nach dem Start war ich als erster an der Reihe den Crewbunk aufzusuchen und dank der körperlichen Arbeit der letzten Tage hatte ich keine Mühe einzuschlafen. Als ich nach ein paar Stunden geweckt wurde konnte ich deshalb meinen Flugdienst erstaunlich ausgeruht in Angriff nehmen.

 

Vorbei an den Kapverdischen Inseln erreichten wir über Fortalezza Brasilien und dann ging es via Belo Horizonte nach Sao Paulo Guarulhos. Der Flug verlief erstaunlich ruhig und als uns kurz vor der Landung via Telex die Nachricht erreichte, dass Christoph Blocher definitiv nicht als Bundesrat gewählt wurde, war uns auch klar warum der Himmel über Sao Paulo so strahlte und ich konnte mich beruhigt und unter optimalen Voraussetzungen um meine Aussöhnung mit dem Centergear kümmern.

 

Trotz der anstrengenden Busfahrt zu unserem Hotel im Stadtzentrum raffte sich ein Großteil der Besatzung auf im „scharfe Egge“ noch einen Schlummertrunk zu sich zu nehmen. Auch ich konnte nicht widerstehen und gönnte mir ein Filetto Aperitivo und ein Limettensäftli, bevor ich die verpasste Nacht nachholte. Pünktlich um 1800 traf sich die Crew dann erneut im „scharfe Egge“ um bei einem weiteren Limettensaft zu erörtern in welcher Churrasceria an diesem Abend die Fleischvernichtungsorgie abgehalten werden sollte.

 

Bei dieser Gelegenheit fragte unser Kapitän: „Habt ihr gehört, Ueli Maurer ist zum Bundesrat gewählt worden!“ Kaum hatte er diese Worte über seine Lippen gebracht brauten sich dunkle Wolken am Himmel zusammen, dumpfe Donner grollten und die ersten zornigen Blitze durchzuckten die einsetzende Dämmerung. Kurz darauf fiel  wolkenbruchartiger Regen vom Himmel und wir waren heilfroh, dass wir im „scharfe Egge“ ein Zeltdach über dem Kopf hatten, da sonst unsere Limettensäfte allzusehr verdünnt worden wären. Auch während sich die Strasse neben uns allmählich in einen Wildbach verwandelte, an dem ein Kajakfahrer zwar seine helle Freude gehabt hätte, den die Automobilisten aber weniger zu schätzen wussten, hielten wir noch trotzig unsere Stellung. Als das schützende Zeltdach aber, von den Wassermassen überwältigt, langsam undicht wurde, fanden die ersten Kolleginnen, dass nicht nur Ueli Maurers Wahl in den Bundesrat ungemütlich sei und als danach das Trottoir, auf dem sich unsere Tische befanden, langsam in den Wassermassen versank ergriffen die weniger standhaften die Flucht in höher liegende Gefilde, während der harte Kern die Schuhe auszog und sich Barfuss an die nun doch langsam verwässerten Caipis klammerte.

 

Nasse Flüsse sind bei knapp 30°C eigentlich nichts schlimmes, als ich aber bemerkte, dass die Wassermassen, statt in der Kanalisation zu verschwinden, in mittelgrossen Fontänen aus eben dieser herausschossen, entschlossen sich auch die tapfersten in der Crew den heroischen Widerstand gegen die wütenden Elemente aufzugeben. Eine kurze Umfrage ergab, dass obwohl alle vom Abnützungskampf gegen die Natur hungrig waren, niemand Lust hatte in die nächste Churrasceria zu schwimmen und so einigten wir uns darauf, statt der Fleischeslust zu frönen, beim Libanesen nebenan ein typisch brasilianisches Mezze zu verzehren.

 

Als wir wenig später gemütlich und im trockenen Hummus, Tabbouleh und weitere libanesische Spezialitäten verspeisten, meinte mein Kopiloten-Kollege, dass er erst jetzt, nach zehn Jahren Langstrecke, herausgefunden habe, dass man in Brasilien auch etwas anderes als Fleisch essen könne und ich fragte mich, warum das Schicksal mir schon auf meiner zweiten Brasilienrotation die gleiche traumatische Erfahrung zumutete. Um nicht noch die halbe Nacht mit dem Schicksal zu hadern und um nicht von Alpträumen mit Ueli dem Verteidigungsminister geplagt zu werden entschloss ich mich auf dem Heimweg, im mittlerweile wieder abgetrockneten „scharfe Egge“, noch ein Limettensäftli zu trinken…

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Der tropische Weinkeller

12. Dezember 2008

Lange nicht mehr gebloggt, aber das hat gute Gründe. Leider habe ich nämlich mein Haus so gut isoliert, dass in meinem Weinkeller, obwohl ungeheizt, schon fast tropische Temperaturen herrschten, was den edlen Tropfen bekanntlich nicht sonderlich gut bekommt. Als gewissenhafter Pilot und zumindest nicht gewissenloser Milizoffizier erinnerte ich mich natürlich sowohl an die zivile Crew Resource Management Ausbildung, als auch an die militärischen Offiziers- und Stabslehrgänge, wo beim Auftreten von Schwierigkeiten übereinstimmend eine Situationsanalyse empfohlen wird. Wer da wem abgeschrieben hat, möchte ich an dieser Stelle nicht tiefer ergründen, da aber die zivile Version, weil in Neudeutsch gehalten, einfach cooler tönt werde ich mein weiteres Vorgehen damit erläutern.

 

SPORDEC heisst das Zauberwort in der Fliegerei und dieses Kürzel steht für Situation Catch – Preliminary Actions – Options – Rating – Decision- Execution – Controlling.

 

Situation Catch (Problemerfassung)

Kurz ein Thermometer in den Weinkeller gestellt, ab und zu überprüft und schon war der Beweis erbracht, dass mein Gaumen richtig geeicht und die Temperatur im Weinkeller wirklich zu hoch war. Natürlich folgerte ich daraus folgerichtig, dass mein Wein, falls nicht bald Gegenmassnahmen getroffen würden, dadurch nicht besser würde.

Preliminary Actions (Sofortmassnahmen)

Die beste Flasche sofort mit meiner Frau zusammen trinken.

 

Options (Variantenplanung)

Die von mir gefundenen möglichen Möglichkeiten lauteten:

1. Nichts tun

2. Wein schnellstmöglich austrinken, bevor er schlecht wird

3. Zwecks Weinvernichtung grosse Party mit Freunden schmeissen

4. Weinkühlschrank installieren

5. Weinkeller kühlen

 

Rating (Variantenprüfung)

Variante 1 war Blödsinn, da dann der Wein untrinkbar würde

Variante 2 musste ich nach Konsultation meiner Leber ebenfalls verwerfen

Variante 3 wäre Perlen vor die Säue geworfen – jetzt wisst Ihr warum ich keine Freunde habe 😉

Variante 4: ebenfalls untauglich, da damit nur ein Teil meiner Flaschen zu retten wäre

Variante 5: Sauteuer aber machbar

 

Decision (Entschluss):

Lag somit auf der Hand – es musste eine Klimaanlage her!

 

Execution (Ausführung):

Auftrag an http://www.klimawatt.ch/

 

Controlling (Kontrolle):

Juhui, jetzt hatte ich 14° C im Weinkeller, aber leider war es dafür im angrenzenden, beheizten Bastelraum schweinekalt und so musste für dieses neue Problem ein ebenso neues SPORDEC gemacht werden, was zum Schluss führte, dass ich den nun schön kühlen Weinkeller gegen alle beheizten Räume isolieren musste.

 

Genau dies ist der Grund warum ich seit Ende November offline war. Drei Tage Styropor schneiden und an die Wände kleben und, nachdem der vernebelte Geist die vernebelnden Leimdämpfe wieder los geworden war, feststellen, dass die Temperaturprobleme nun zwar gelöst waren, der Keller dafür nun aber oberhässlich aussah. Also SPORDEC zum dritten und danach den Keller während weiteren vier Tagen noch mit Täferung versehen bis ich vom Sägemehl eine Staublunge hatte und vom vielen Hämmern, zumindest an den Händen, total bekloppt war.

 

Danach war ich richtig dankbar, dass mir mein Brötligeber nicht noch mehr Freizeit zumutete und ich zur Erholung ein paar Tage nach Sao Paulo fliegen durfte!