Archive for April 2009

Toxine in homöopathischen Dosen

27. April 2009

Als ich gestern unser neues Vögelchen zum Zweiten mal nach New York chauffieren durfte, war der mediale Wirbel deutlich kleiner und so konnten wir, statt Interviews zu geben, in den ruhigeren Phasen des Fluges den sonntäglichen Blätterwald durchforsten. Beim Lesen des Sonntagsblicks blieb mir allerdings beinahe die Praline im Hals stecken, denn da stand geschrieben, dass wir Piloten langsam, durch in kleinen Mengen in Öldämpfen enthaltene Toxine, vergiftet werden. Passagiere würden zwar die gleiche Luft atmen, aber da wir Piloten aus naheliegenden Gründen mehr fliegen als unsere Gäste, seinen wir eben auch ungemein mehr gefährdet. Über unsere Kolleginnen und Kollegen aus der Kabine stand allerdings nichts im bunt aufgemachten Artikel auf der prominenten Seite 2 und ich begann mich zu wundern, ob Cabin Crews wohl, wegen langjähriger Abhärtung, immun gegen Gifteleien seien oder ob sie vom Blick einfach als entbehrlich eingestuft würden.

 

Da Piloten erschreckend oft bereits wenige Jahre nachdem sie in Rente gehen sterben, liegt natürlich die Vermutung nahe, dass ein Zusammenhang mit den im Blick beschriebenen Toxinen bestehen könnte. Andrerseits existiert bereits eine sehr plausible Erklärung für das frühe Ableben meiner pensionierten Berufskollegen: Sie verhungern, weil niemand mehr da ist um sie alle 20 Minuten zu füttern.

 

Da mein Kapitän sich weigerte den Flug abzubrechen, um das die Gesundheit schädigende Umfeld rasch möglichst zu verlassen und da die Vorräte meiner Sauerstoffmaske nicht für die verbleibenden fünf Stunden Flugzeit reichten, versuchte ich mich damit zu beruhigen, dass die schmierigen Toxine die Luft offenbar nur in homöopathischen Mengen verschmutzen. Das erinnerte ich mich jedoch schmerzlich an die Diskussionssendung über die Volksabstimmung vom 17. Mai, zum Thema komplementär Medizin, die ich letzten Freitag im Schweizer Fernsehen gesehen habe.

 

Dort wurde gesagt, dass komplementär medizinische Heilmethoden neu auf ihre Wirksamkeit überprüft werden sollen und, falls sie wirklich Wirkung entfalten, neu von der Krankenkasse bezahlt würden. Eigentlich ganz gut, nur musste ich mit grossem Befremden erfahren, dass diese Wirkungstest, da diese Medikamente nicht naturwissenschaftlich seien, ebenfalls nicht nach naturwissenschaftlichen Standards durchgeführt würden, sondern, dass man zum Beispiel mittels einer repräsentativen Umfrage bei Behandelnden und Behandelten feststellen wolle, ob das Wässerchen, Pülverchen oder Hand auflegen auch nütze!

 

Zudem sollen staatlich anerkannte Diplome für komplementär medizinische Ausbildungen geschaffen werden, damit der potentielle Patient zwischen seriösen und unseriösen Therapeuten unterscheiden kann. Auch wenn ich mich jetzt in gewissen Kreisen unbeliebt mache, frage ich mich doch, wo der arme Staat in Zukunft die Grenze zwischen mit abstrusen Methoden behandelnden Scharlatanen und ebenso wirkungslosen, aber seriös ausgebildeten, diplomierten Quacksalbern ziehen soll.

 

Aber was hat das Ganze nun mit der Fliegerei und den Toxinen in Flugzeugen zu tun? Nun falls das Schweizer Volk am 17. Mai ja stimmt, dann wird in einem nächsten Schritt der Pilotenschein für yogische Flieger eingeführt und deren Guru wird vom Bundesamt für Zivilluftfahrt für eine dreiwöchige Fluglehrer Ausbildung aufgeboten, um dann im Rahmen von Saphir – die mit den penetranten Google Anzeigen auf meinem Blog – sein Können und seine Weisheiten zu vemitteln. Zudem wird das bekannte Medium Mike Shiva, im Auftrag das Bundesamtes für Gesundheit, mittels einer repräsentativen Umfrage unter allen seit 1975 verstorbenen Jetpiloten, herausfinden, ob sie an Ölvergiftung oder Mangelernährung gestorben sind…

 

Jungfernflug

21. April 2009

Normalerweise gebe ich jeden Tag mein Bestes nicht in die Schlagzeilen zu geraten, doch gestern war alles anders, denn Swiss lud zum Pressetermin mit der Neuen A330-343. Um sicher zu gehen, dass Flugzeug und Crew auch schön sauber herausgeputzt waren, wurden wir, bevor die versammelten Journalisten auf uns losgelassen wurden, zuerst einmal auf Firmenkosten geduscht.

 

 

 

Danach schleppte man uns, begleitet von Musikalischem Getöse und vorbei an den Spalier stehenden Honoratioren, Journalisten und Flugzeugfans, in den altehrwürdigen Bogenhangar. Ob dabei nun das für eine Flugzeugeinführung eher seltsame „Time to say goodbye“ oder das wesentlich passendere „Con te partirò“ gespielt wurde, hängt von den Sprachkenntnissen des Zuhörers ab und wird wohl letztlich nie vollends geklärt werden.

 

 

 

Kaum waren die Türen geöffnet, wurden grosse Reden gehalten und danach durfte das neueste Kind unserer Flotte sich einen Schluck Champagner gönnen – bei Flugzeugen gelten offenbar andere Richtlinien für Alkoholkonsum vor dem Flug.

 

Anschliessend an den förmlichen Teil fand eine Flugzeugbesichtigung statt, bei der Interessierte neben unserer Kabinenbesatzung auch die neue Kabinenausstattung bewundern konnten. Im Cockpit, wo ich nach Bestem Wissen und Gewissen Rede und Antwort stand, wurde derweil gefragt, gestaunt, gefilmt und fotografiert. Zusätzlich wurde, wie ich ein gutes Duzend Stunden später, als ich die Internet Ausgabe einer grossen Schweizer Tageszeitung las, feststellen musste, auch ganz ordentlich gestottert – meine Ambitionen in Hollywood muss ich wohl begraben…

 

Als dann die letzte Frage gestellt und das letzte Foto geschossen war, wurden die Gäste mit Snacks und Weisswein verwöhnt und wir Besatzungsmitglieder machten uns mit durstiger Kehle auf den Weg ins Operationszentrum, um mit der Flugplanung für den Jungfernflug nach New York zu beginnen.

 

Zwölf Stunden später und einen Ozean entfernt haben wir, trotz neuem Navigationsrechner, New York gefunden und durften, nach einem Anflug in Sturm und Regen, einem weiteren Fototermin und dem ewigen Stau bei der Fahrt nach Manhattan, ins wohl verdiente Feierabendbier.

 

 

Gastfreundschaft

18. April 2009

Gastfreundschaft ist immer etwas schönes und wenn man selbst in deren Genuss kommt natürlich ganz besonders.

 

Da die Kabinenbesatzung im ach so gefährlichen Tel Aviv offenbar erheblich mehr gefährdet ist als wir vom Cockpit, müssen wir Piloten dort alleine in den Night Stop, während die Cabin Crew das heilige Land sofort wieder Richtung Heidiland verlässt. Deshalb beschränkt sich mein Aufenthalt in Israel meist auf ausschlafen, joggen am Strand und ein Tête à Tête mit dem Kapitän während eines frühen Nachtessens. Entsprechend hat dann auch mein Frei-Tag am letzten Freitag begonnen. Das romantische Dinner zu zweit sollte mir diesmal allerdings erspart bleiben, da mein Chef, mit einer Israeli verheiratet, mich zu einem Barbecue mit seiner Verwandtschaft einlud.

 

Wer mich kennt, der weis, dass ich einem kulinarischen Highlight nie abgeneigt bin und so war ich so frech die Einladung anzunehmen. Am späteren Nachmittag fuhren wir deshalb zum Haus der Schwägerin meines Kapitäns, wo ich, nach dem Genuss von Kaffee und Kuchen, diversen Verwandten vorgestellt wurde. Am Abend durfte ich mich dann an die grosse Familientafel setzen, um nach allen Regeln der Gastfreundschaft verwöhnt und verköstigt zu werden.

 

Dass Israel, als klassisches Land von Einwanderern, ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen ist, hat man auch an der mir Gastrecht gewährenden Familie gemerkt. Da wurden, nach einer kurzen Zeremonie, bei der Brot und Salz gereicht wurden, westliche Fleischspeisen und Grillgemüse mit marokkanischem Tabouleh und Hummus zu persischem Reis serviert. Ein wahrer Gaumenschmaus!

 

Nach einer kurzen Nacht war am Morgen um 2 Uhr 45 das Aufstehen allerdings eher mühsam und ich war froh, dass der Heimflug mit knapp vier Stunden recht kurz war…

 

Auf diesem Weg nochmals herzlichen Dank für die wirklich nicht selbstverständliche Gastfreundschaft.

Superposition

15. April 2009

Ich habe bekanntlich zur Zeit Bereitschaftsdienst und bin deshalb in der super Position die mir geschenkte Wartezeit zum Lesen nutzen zu können. So beschäftige ich mich mal wieder mit der modernen Physik. Diesmal mit der Quantenphysik im Allgemeinen und mit deren Vereinigung mit der allgemeinen Relativitätstheorie im Speziellen. Natürlich ist das nicht die einfachste Materie und wie immer, wenn ich zu gescheite Bücher lese, komme ich, wenn ich meine Gedanken schweifen lasse, auf dumme Ideen.

 

In der Quantenphysik, das merkt man schnell, wenn man sich mit deren Konzepten beschäftigt, kommt man mit der gewohnten Logik nicht weit. Eindeutiges existiert nicht, sondern alles befindet sich in einer Superposition, einer Überlagerung aller möglichen Zustände. Erst ein externer Beobachter zwingt ein System sich, mit einer mathematisch berechenbaren Wahrscheinlichkeit, für einen der möglichen Zustände zu entscheiden. Das muss man nicht verstehen und es existiert auch kein noch so gescheiter Physiker, der das so richtig begreift, sondern es reicht, wenn man das Ganze berechnen kann.

 

Trotzdem veranlasst mich der Zustand der Superposition immer wieder zu Gedankenspielen. So kann, nach der Ankunft in Bombay, der Verzehr eines Curry für meinen Magen entweder gut verträglich sein oder zu einer Lebensmittelvergiftung führen. Dementsprechend werde ich am Tag darauf entweder fröhlich am Pool mit den Flight Attendants schäkern oder aber im Zimmer kotzend über der Kloschüssel hängen. Sowohl meine Erfahrung, als auch meine Logik sagen mir, dass beide Zustände mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit eintreffen können. Die Quantenphysik sieht das allerdings, solange mich niemand beobachtet, anders, denn sie verlangt, dass ich, in einer Überlagerung der beiden Zustände, im Zimmer kotzend über die Kloschüssel gebeugt fröhlich am Pool sitzend mit den Flight Attendants schäkere! Das ist zwar physikalisch korrekt, aber trotzdem völlig absurd und lässt, damit ich keine gespaltene Persönlichkeit entwickeln muss, nur den Schluss zu, dass ich ständig beobachtet werde. Big Brother is watching me – Paranoia statt Schizophrenie!

 

Etwas anders sieht es beim Bereitschaftsdienst aus. Da ich während meiner Reserve Duty oft alleine und unbeobachtet zu Hause sitze, sollten sich auch Quanteneffekte manifestieren. Physikalisch gesehen befinde ich mich also zur Zeit gerade in einer Überlagerung von auf einen Einsatz warten, in Sao Paulo aufstehen, in Johannesburg Sport treiben, in New York shoppen, in Bombay Curry essen und jeder anderen möglichen Tätigkeit an allen denkbaren Destinationen.

 

Wiederum völliger Quatsch? Erstaunlicherweise nicht, bin ich doch zur Zeit zu Hause und warte auf eine Einsatz, während meine innere Uhr mir sagt, dass ich eben erst in Sao Paulo hätte aufstehen sollen und meine Rückenmuskulatur noch immer von der ramponierten Rudermaschine in Johannesburg schmerzt. Auf meinem Schreibtisch liegt eine Liste mit allen möglichen und unmöglichen Einkaufswünschen meiner Verwandten und Bekannten für meinen nächsten USA Flug und heute Abend werde ich mir wohl, sofern ich nicht noch zum Flugdienst aufgeboten werde, das Curry einverleiben, das ich von meinem letzten Bombay Trip mitgebracht habe – hoffentlich ohne darauf folgende Magenbeschwerden.

 

 Es ist wohl doch etwas dran an der Quantenphysik…

Standard Operating Procedures

10. April 2009

Standard Operating Procedures, kurz SOP oder zu deutsch Verfahrensanweisungen werden in den verschiedensten Tätigkeitsfeldern angewendet. Zur Zeit werden weltweit viele SOP überarbeitet. So hat die Schweiz bereits beschlossen in Zukunft bei Steuerhinterziehung anders zu verfahren und auch die Anweisungen, in welchem Ton der diplomatische Umgang gepflegt werden soll, scheinen in letzter Zeit in einigen Ländern überarbeitet worden zu sein. Natürlich musste sich auch die Fliegerei diesem Trend beugen und so kämpfe ich mich, wenn ich nicht gerade blogge, durch unsere druckfrischen, elektronischen Bücher, um mich in die neuesten SOP einzulesen.

 

Dabei kommt es mir so vor, als ob die Fliegerei wieder einmal neu erfunden wurde. Natürlich werden, Physik sei Dank, wenn ich am Sidestick stosse, die Häuser noch immer grösser und auch der Lärm nimmt noch immer zu, wenn ich die Gashebel nach vorne schiebe, aber es wurden unzählige Wordings ausgedehnt und etliche Verfahren verkompliziert. Wurden früher die SOP von Piloten für Piloten nach dem Motto KISS (Keep It Simple and Stupid) entwickelt, so zwingen uns heute Juristen die offiziellen, dem geistigen Niveau des dümmsten anzunehmenden Piloten angepassten Verfahren vom Hersteller zu übernehmen.

 

Als mir zum ersten mal bewusst wurde, dass Airbus versucht die SOP an mich anzupassen, fühlte ich mich natürlich geehrt, aber ich musste schnell feststellen, dass meine geistigen Fähigkeiten masslos überschätzt wurden, da mir der Sinn einiger Verfahrensänderungen partout nicht einleuchten wollte. Während in den letzten 15 Jahren zum Beispiel das Ausfahren von Störklappen und Umkehrschub nach der Landung lautlos überprüft und nur das allfällige Ausbleiben dieser erwarteten Aktionen ausgerufen wurde, so müssen neu diese Checks laut ausgeführt werden, was mich nun, wegen der schellen Abfolge der neuen Call-Outs, dazu bewogen hat einen Schnellsprechkurs zu belegen. Allgemein wird heute fast jede Aktion kommentiert und danach deren Ergebnis ausgerufen. Man stelle sich vor, dies würde im Büro eines Investmentbankers ebenso gehandhabt! Das würde dann wohl etwa folgendermassen tönen: „Schrottpapier gekauft – eine paar Milliarden vernichtet – zwei Millionen Bonus dafür kassiert“. Eigentlich unerträglich, aber ertragreich für den Banker und letztlich ertraglos für die Allgemeinheit, die das ganze zu tragen hat – hier sind wohl neue SOP nötiger als in der Fliegerei…

 

Natürlich ist die ruhige Cockpit Atmosphäre nicht erst seit der neuesten SOP Revision in Gefahr. Vielmehr findet hier nur eine Entwicklung, die schon vor Jahren begonnen hat und bei anderen Airlines zum Teil schon viel weiter fortgeschritten ist, seine konsequente Fortsetzung. Wo das Ganze hinführen kann, musste ich bereits erfahren, als ich mich nach dem Swissair Grounding bei einer Fluggesellschaft aus dem mittleren Osten bewarb und dort, beim Simulator Check, wegen der endlosen Wordings beinahe keine Zeit mehr zum fliegen fand. Der durch die zahllosen Call-Outs verursachte, permanente Lärmteppich erinnerte mich eher an einen orientalischen Bazar als an die gewohnten ruhigen Abläufe im Cockpit und in meiner Naivität führte ich dies auf den kulturellen Hintergrund der besagten Airline zurück. Heute weis ich es natürlich besser – die flogen nur nach Airbus Prozeduren.

 

Die mit der Checkerei und Doppelcheckerei verbundenen Ausrufe, gepaart mit der noch immer nicht abgeschafften Funkerei führen mittlerweile dazu, dass der pflichtbewusste Pilot beinahe keine Zeit mehr findet mit den Hostessen zu flirten und ans Zeitung lesen ist schon gar nicht mehr zu denken. Ein Skandal, wie unser Beruf kaputt gemacht wird! Wie will man da in Zukunft Nachwuchs rekrutieren? J

Wenn Blogger fliegen

4. April 2009

Pioniere, egal ob in der Aviatik oder in anderen Bereichen, sind, auch wenn sie manchmal von ihren Zeitgenossen verkannt werden, die Helden ihrer Epoche. Sie wagen sich unerschrocken in unerforschte Gebiete vor und da Unbekanntes meist Angst macht und manchmal sogar echt gefährlich ist, gebührt ihnen der Dank und die Bewunderung der nachfolgenden Generationen.

Völlig unbemerkt, sowohl von der Öffentlichkeit, als auch von der Fachwelt, ist in den letzten Tagen, in der Aviatik wieder einmal eine epochale Pionierleistung vollbracht worden und es mag erstaunen, dass dies in der sonst besonders risikoscheuen Linienfliegerei geschehen ist. Damit zukünftige Generationen nicht wieder mit urheberrechtlichen Problemen zu kämpfen haben, möchte ich hier einen kurzen Abriss über die Geschehnisse liefern:

In der Vergangenheit wurde von Fachleuten und interessierten Laien des öfteren die Frage aufgeworfen, was wohl passieren würde, wenn zwei bloggende Piloten zusammen fliegen würden. Da in der Fachliteratur bisher kein entsprechender Fall dokumentiert ist, blieb Spekulationen natürlich Tür und Tor geöffnet und von einigen Untergangspropheten wurden regelrechte Horrorszenarien entwickelt. Die Rede war davon, dass zwei so öffentlichkeitsgeile Piloten, ihr offensichtlich überentwickeltes Ego unmöglich gleichzeitig in ein enges Cockpit zwängen könnten. Selbst ernannte Experten vermuteten dagegen, dass sich zwei Blog-Piloten wohl nur schriftlich miteinander unterhalten würden und selbst die grössten Optimisten gingen davon aus, dass ein solcher duplex Blogflug unweigerlich zu Räubergeschichten und Bierideen führen würde.

Angesichts der aufgeheizten Stimmung und der postulierten Gefahren erstaunt es nicht, dass es die Fluggesellschaften bisher tunlichst vermieden haben zwei Blogger auf den selben Flug zu planen. Natürlich trug auch die Angst der Manager vor den potentiell subversiven Ergüssen aus einem solchen Poetry-Jam im Cockpit dazu bei, dass keine Mühe gescheut wurde die Blogger auseinanderzuhalten. So wurden die Schreiberlinge möglichst auf verschiedene Flugzeugtypen geschult und falls dies nicht möglich war, konsequent in entgegengesetzten Himmelsrichtungen eingesetzt. Dies konnte dazu führen, dass verdienten Piloten die Teilnahme in Kernteams zur Einführung neuer Flugzeugtypen verwehrt wurde und in einem besonders krassen Fall, wurde ein bloggender Kapitän sogar in die Wüste geschickt!

Da jedoch Mr. Murphy, wenn er mal nicht im Cockpit weilt, auch in der Crew Dispo sein Unwesen treibt, hätte ich nicht weiter erstaunt sein sollen, als ich gestern Abend, beim Einchecken aus dem Bereitschaftsdienst, auf der Crewliste einen gewissen nff als zweiten Copiloten bemerkte. Natürlich intervenierte ich sofort bei der Crew Dispo, aber mein Vorschlag das gefährliche Pairing zu vermeiden, indem man mich statt nach Johannesburg nach Hong Kong oder nach Bangkok schickt wurde kommentarlos abgelehnt.

So mussten wir uns also damit abfinden durch einen Zufall unter den Pseudonymen nff und skypointer als unerschrockene Pioniere der Luftfahrt in die Geschichte einzugehen und Swiss bereitete den würdigen Rahmen für das epochale Ereignis, indem sie uns eine A340 mit Air Canada Crewbunk zuteilte. Abgesehen von den geteilten Nackenschmerzen nach den kläglichen versuchen während unserer Pionierleistung im zu kurzen Crewbunk zu schlafen, erfüllten sich die Horrorprophezeiungen der Möchtegern Experten nicht. Afrika ist allerdings noch immer ein schwarzes Loch und der Funkempfang ist auch nicht besser geworden. Der einzige Unterschied zu einen normalen Flug bestand darin, dass die lange Nacht relativ kurzweilig war. Ob dies nun am bloggenden Kollegen lag oder an den hübschen PADs, denen wir in letzter Minute noch unsere Jumpseats zur Verfügung stellten, möchte ich hier nicht tiefer ergründen…

Jubiläum

3. April 2009

Zur Zeit wird, von der Öffentlichkeit allerdings fast unbemerkt, wieder einmal ein grosser runder Geburtstag begangen: 400 Jahre seit der Erfindung des Teleskops. Dafür wurde das Jahr 2009 von der UNO und der Internationalen Astronomischen Union IAU eigens zum internationalen Jahr der Astronomie erklärt und vom 2. bis 5. April werden, als einer der Hauptanlässe dieses Jubiläumsjahres, die 100 Stunden der Astronomie begangen. Am 4. April soll dann eine globale Star Party steigen, an der Hobbyastronomen aus der ganzen Welt der breiten Öffentlichkeit einen Blick in den Sternenhimmel ermöglichen sollen.

 

Natürlich wollte auch ich, abhängig von Petrus’ und Einsatzplans Gnaden, mit meinen beiden bescheidenen Teleskopen, meinen noch bescheideneren Beitrag zur Erleuchtung meines Umfeldes leisten. Während nun Petrus einigermassen mitzuspielen scheint, hat die Einsatzplanung beschlossen den Ball an die Crew Dispo weiter zu spielen, indem sie mir im April meinen Bereitschaftsmonat zugeteilt hat. Deshalb sitze ich nun zu  Hause und warte ab, ob ich nun morgen Abend die Gelegenheit erhalte meine Teleskope gegen den Himmel zu richten oder ob ich selbst in diesen aufsteigen muss. Aviatik gegen Astronomie sozusagen…

 

Bis eine Entscheidung gefallen ist, habe ich etwas Zeit über die Gemeinsamkeiten von Astronomie und Fliegerei zu sinnieren:

 

Die Geschichte der motorisierten Fliegerei begann vor gut 100 Jahren und ist mit tragischen Schicksalen und Widersprüchen, wer zuerst was erreicht hat, gepflastert. Heute gelten die Brüder Wright, wenn auch nicht völlig unumstritten, als Väter des ersten motorisierten Fluges.

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Brüder_Wright

 

Obwohl bei modernen Jets auf den ersten Blick nicht mehr viel an die Flugmaschinen der Pionierzeit erinnert, ist das Grundprinzip das gleiche geblieben. Gewölbte Flügel sorgen für Auftrieb und ein Propeller, heute zwar turbinengetrieben und in einer Röhre versteckt, bewerkstelligen den Vortrieb. Während enorme Fortschritte in Materialtechnik und Ingenieurskunst zu ungeahntem Gigantismus geführt haben, ist die Physik nach wie vor unverändert.

 

 

 

Ganz ähnlich ist die Geschichte der Astronomie verlaufen. Auch die Astronomie verfügt über unzählige Pioniere mit zum Teil tragischen Schicksalen, denen der verdiente Platz in der Geschichte verwehrt blieb. Mit Galileo Galilei existiert zudem ein Held, der es mit den Urheberrechten nicht immer besonders genau nahm. Da die Teleskop-Astronomie mittlerweile schon 300 Jahre älter ist als der Motorflug, blieb dem Volksmund auch mehr Zeit die unbestrittenen Leistungen Galileis zu verklären und über seine Fehler hinwegzusehen. Ich frage mich ob im Jahr 2303 die Leute denken die Wright Brüder hätten bei der Konstruktion des A380 mitgeholfen… 😉

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Galileo_Galilei

 

Natürlich ist auch die Physik der Astronomie die selbe geblieben und natürlich hat in den letzten 400 Jahren die Technik hier noch grössere Fortschritte gemacht, wie die Bilder von Galileis Teleskop und dem VLT in La Silla zeigen.

 

 

 

Selbst meine amateurhafte Photonenkanone liefert heute Bilder, von denen Galilei nicht einmal zu träumen gewagt hat. Deshalb empfehle ich allen in den nächsten Tagen mal durch ein Teleskop zu blicken. Der Möglichkeiten gibt es viele, sei es bei einer öffentlichen Sternwarte oder bei einem Bekannten, der ein Teleskop besitzt.

 

  

 

Bei mir geht es leider nicht, denn ich habe soeben erfahren, dass ich heute noch nach Johannesburg fliege… Clear skies!