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Santa tobt

6. Dezember 2013

Santa war im Stress. Zwar hatte er in seinen Stammlanden weniger zu tun, da dieses Jahr sämtliche US Politiker wegen Unartigkeit auf seinen Besuch und die damit verbundene Bescherung verzichten mussten. Die Kerle hatten ja wahrlich selbst schon eine schöne Bescherung angerichtet! Um ehrlich zu sein, hatten diese aber schon in den letzten Jahren nicht zu seinen Hauptkunden gehört.

Statt sich nun aber auf das restliche Nordamerika konzentrieren zu können, hatte Santa vom Christkind eine Zusatzaufgabe erhalten: die Schweiz. Nicht, dass die Möchtegern Musterknaben Europas besonders artig gewesen wären. Das Christkind hatte, als europäisches Phänomen, aber Angst von einer Zuwanderungsklausel guillotiniert zu werden und hatte deshalb die heikle Aufgabe an den weniger gefährdeten Amerikaner Santa delegiert. Great.

Nun hatten die Schweizer zwar kürzlich die unsägliche 1:12 Initiative, welche verlangte, dass das teuerste Weihnachtsgeschenk nicht mehr als das Zwölffache des billigsten kosten dürfe, an der Urne verworfen, was das Ganze aber nicht wirklich besser machte, denn die Schweizer würden bald über weitere hirnrissige Initiativen abstimmen müssen. Während eine Partei offiziell gegen die sogenannte Masseneinwanderung kämpfte, in Wahrheit aber schon bei einer mässigen Einwanderung rot sah, kämpften die Roten für ein bedingungsloses Grundeinkommen, wollte also Faulheit staatlich fördern und von den dummen, arbeitenden Steuerzahlern finanzieren lassen.

Santa blickte da nicht mehr durch. Zum Glück ging ihn das aber auch nichts an. Was ihm mehr Sorgen machte, war die Polemik der Einwanderungsgegner gegen sogenannte fremde Dichter. Dürrenmatt, Frisch und Gottfried Keller in Ehren, aber – Gottfried Stutz – was sollte er mit all den hervorragenden Büchern von Goethe, Schiller, Shakespeare und so weiter machen? Wie ignorant konnte man denn sein?

Aber vielleicht hatte Santa aus der Ferne etwas falsch verstanden. Ging es etwa um fremde Lichter? Mit Schaudern dachte er an sein Geschenk für Captain skypointer: Eine neue Taschenlampe – Made in China! Der Kerl hatte ja vielleicht Nerven: Wünschte sich doch glatt eine wahre Photonenkanone, mit der er, im Falle einer Laserattacke eines hirnrissigen Fluglärmgegners, in Star Wars-Manier zurückschiessen konnte! Eigentlich hatte Santa ja etwas gegen Waffen. Nach seinem Erlebnis mit einer Laserattacke im Anflug auf Zürich, vor ein paar Jahren, hatte er aber Verständnis für den Wunsch des nicht mehr so jungen Jungkapitäns und wollte ihm diesen erfüllen. Vielleicht sollte er es aber doch bleiben lasse. Fremde Lichter – Bullshit!

Nachdem Santa skypointers Geschenk schweren Herzens wieder ausgeladen hatte und mit einem Anruf an TM sichergestellt hatte, dass der an sich ganz artige Herr Kapitän wenigstens mit einem Sack Weihnachtsguetsli und  einer Approach Priorität belohnt wurde, verlangte er bei Nordpol Tower die Bewilligung zum Start.

„Collaborative decision making in force. You missed your TOBT. Please contact your handling agent.” war die Antwort. Kollabo was? Sein Mitarbeiter Rupert war doch gar nicht in die Entscheidungsfindung eingebunden. Und wer tobt? Auf sein Nachfragen wurde Santa beschieden, dass er seine Target Off Block Time um mehr als fünf Minuten verpasst hätte und deshalb von Rupert oder Schmutzli eine neue, korrekte Zeit setzten lassen müsse, damit er starten dürfe. „Aber ich bin ja eh der einzige Flugschlitten hier am Nordpol!“ beklagte sich Santa. „You need a new TOBT.“ war die Antwort. „Bürokratenscheiss!“ knurrte Santa und rief Knecht Ruprecht zu sich.

Dieser bestätigte die neue Regelung, obwohl er auch nicht erklären konnte, was das Ganze mit „Zusammenarbeit“ zu tun hatte. Er versprach aber sofort Schmutzli mit dem Esel nach Brüssel zu schicken, um eine neue Zeit setzen zu lassen. „Das würde ja ewig dauern!“ klagte Santa entsetzt, worauf Ruprecht nur verzweifelt mit den Schultern zuckte. „Ich kann doch nicht hier warten bis ich schwarz werde!“ rief nun Santa.  „Dann wärst Du der Schwarze Peter oder genauer der „Zwarte Piet“, dein eigener Helfer – allerdings nur in Holland statt der Schweiz und erst noch äusserst umstritten…“ frotzelte Ruprecht. Nun wurde Santas Gesicht sogar röter als sein Rock und begleitet von Santas Flüchen flüchtete Ruprecht auf den Kontrollturm. „Santa tobt“ meldete er dort. Der Fluglotse atmete erleichtert auf und meldete an Santa „We just received your TOBT“ und erteilte Santa ersehnte die Starterlaubnis.

So kam es, dass die Schweiz dank Santas Tobsuchtanfall doch noch beschert wurde.

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