Archive for Juli 2012

Smelly Business

28. Juli 2012

Nach langer Absenz vom Langstrecken fliegen, wozu ich Kairo definitiv nicht zähle, durfte ich endlich wieder einmal einen richtig langen Flug machen. Los Angeles stand in meinem Einsatzplan.

„Skypointer und L.A. – wenn das nur gut kommt!“, wird sich der Eine oder Andere denken. Aber da ich mit Aberglauben nichts am Hut habe, waren mir solche Gedanken fremd. Tatsächlich verliefen Planung und Start auch völlig problemlos.

Im Steigflug, in der Region von Reims, meldete uns die Kabinenchefin dann, dass in einem bestimmten Bereich der Business Klasse ein ungewohnter Geruch herrsche. Dieser sei nicht dramatisch, werde aber von mehreren Flight Attendants eindeutig als nicht normal eingestuft.

Nun können solche Geruchsimmissionen natürlich aus verschiedensten Quellen stammen. Von Käsefüssen eines Passagiers, die grundsätzlich harmlos sind, bis zu einem Schwelbrand, der in einer Katastrophe enden kann, kommt alles in Frage.

Wir mussten der Sache also auf den Grund gehen. Deshalb liessen wir den dritten Kopiloten, der sich kurz vorher in den Crewbunk zurückgezogen hatte, wieder aus seiner Koje klopfen und schickten ihn auf Erkundungstour. Auch er bestätigte, dass es im erwähnten Bereich seltsam rieche. Genau konnte er den Geruch aber auch nicht definieren. Am ehesten ähnle er verschmortem Plastik.

Nun ist „verschmort“ auf einem Flugzeug natürlich gar nicht gut und so ging nun der Kapitän auf Erkundung. Während dieser Zeit diskutierte ich mit meinem Kollegen mögliche Ursachen für den Geruch. Einen nach Schweiss stinkenden Passagier schlossen wir aus, da der betroffene Bereich zu gross war. Ebenso konnten meines Erachtens die beiden Klimaanlagen als Geruchsquelle ausgeschlossen werden, das sonst die ganze Kabine betroffen gewesen wäre. Es blieben noch folgende Möglichkeiten:

Schmorbrand im Bordunterhaltungssystem oder in den Sitzen

 Dämpfe eines nicht deklarierten Gefahrengutes eines Passagiers

 Technische Ursache im Lüftungssystem, welche nur diesen kleinen Bereich betraf

Mittlerweile hatten wir auch das technische Logbuch konsultiert und festgestellt, dass vor einigen Tagen ein Ventil, welches Heissluft in den Luftstrom aus den Klimaanlagen zumischt, um die Temperatur in den verschiedenen Kabinenzonen individuell zu regulieren, mehrmals nicht korrekt funktioniert hatte. Da dieses Ventil die Temperatur in genau jenem Bereich steuert, in dem der Geruch auftrat, schlich sich bei mir der Verdacht ein, dass da ein Zusammenhang bestehen könnte.

Als der Kapitän mit der Kabinenchefin zurückkam, berichtete er, dass auch er den Geruch bemerkt habe, die Ursache aber auch nicht genauer definieren könne. Die Kabinenchefin schlug vor die Stromversorgung in den Sitzen zu unterbrechen und zu schauen, ob sich die Situation verbessere. Mein Copi-Kollege und ich votierten dafür die Heissluftzufuhr Nummer 2 abzuschalten, welche das oben erwähnte Ventil speist.

Da mit diesen beiden Vorschlägen die gefährlichste und die wahrscheinlichste mögliche Ursache abgedeckt wurden, setzten wir beide gleichzeitig um und wurden kurz darauf mit der Meldung belohnt, der Geruch sei am Verschwinden. Jetzt stellte sich natürlich die Frage welche der beiden Aktionen nun den Erfolg gebracht hatte. Wir entschlossen uns deshalb die Heissluft wieder zuzuschalten, was sofort zu neuer Geruchsentwicklung führte. Somit hatten wir die Ursache eindeutig identifiziert und konnten die Stromversorgung in den Sitzen wieder zuschalten.

Leider wurde es nun, durch das Ausschalten der Heissluftzufuhr in der Business Klasse und im Cockpit, empfindlich kühl, was bald zu Reklamationen aus der Kabine führte. Wir hatten nun folgende Optionen:

1.       Flug weiterführen und frieren

2.       Flug weiterführen und den Geruch in Kauf nehmen

3.       Flug abbrechen

Mittlerweile hatten wir auch die Maintenance in Zürich über unser Problem und unsere Erkenntnisse informiert. Als Antwort wurde uns mitgeteilt, dass das fragliche Ventil vor unserem Flug ausgewechselt worden sei und dass der Geruch von Schmiermittelrückständen im neuen Ventil stammen könnte. Diese sollten sich aber mit der Zeit verflüchtigen.

So entschlossen wir uns für Option 2, schalteten die Heissluftzufuhr wieder ein und setzten den Flug im Bewusstsein, dass über Europa noch diverse Landemöglichkeiten existierten, vorerst fort. Sofort tauchte der Geruch wieder auf, verringerte er sich in der folgenden halben Stunde aber deutlich und war schliesslich nicht mehr zu riechen.

Nun mussten wir noch diverse Rapporte ausfüllen, bevor  irgendwo über dem Nordatlantik, auch bei uns im Cockpit wieder die Normalität zurückkehrte…

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Nur heisse Luft

15. Juli 2012

Zum ersten Mal seit über einem Monat lenke ich ein Flugzeug Richtung Piste. Ich fliege mit der A340 einen ILS Anflug auf die Piste 05R in Kairo. Der allzu knappe Radarvektor des Anflugcontrollers hat mich dazu gezwungen den Autopiloten schon früh auszuschalten, da es viel einfacher ist das Flugzeug nach Sicht Richtung Piste zu steuern, als der Automatik beizubringen dem Gleitweg zu folgen, obwohl wir uns noch nicht 100% auf dem Leitstrahl befinden.

Leichte Thermik rüttelt an der Maschine und zwingt mich immer wieder zu feinen Korrekturen des Flugweges. Die letzte Wettermeldung lautete Wind aus 310° mit 10kt, schönstes Wetter, 38°C, Luftdruck 1006 hPa. Als ich diese Meldung gelesen habe, sagte ich zu meinem Kapitän: „38°C? Da wird die Luft über dem heissen Asphalt der Landebahn aber reichlich dünn sein! Das kann ja heiter werden!“

Ich schalte die automatische Schubregelung aus, denn mit manuellem Schub habe ich das Energiemanagement besser unter Kontrolle – und ich bin selber schuld, wenn der Schub nicht stimmt.

300 Fuss über Grund. Ich bin voll konzentriert. Die Geschwindigkeit ist etwas zu hoch und ich bin leicht über dem Gleitweg und ein „Muggenseckeli“ rechts der Pistenachse. Ein feiner Input am Sidestick korrigiert diese Ablagen, aber am Schub ändere ich nichts, denn mein Bachgefühl sagt mir, dass ich die zusätzliche Energie noch brauchen kann…

… 50 Fuss über Grund. Wir überfliegen die Pistenschwelle und plötzlich spüre ich, wie die Maschine durchsäuft. Ein kurzer Blick auf die Geschwindigkeitsanzeige zeigt, dass meine Energiereserve sich in Luft aufgelöst hat. Reflexmässig ziehe ich am Sidestick. Die Nase kommt hoch, aber die Maschine säuft weiter durch. Meine linke Hand schiebt die Schubhebel nach vorne. Die Triebwerke heulen auf und ich spüre, dass die Sinkrate leicht abnimmt. Gut so, aber nicht gut genug. Ich schiebe die Hebel noch weiter nach vorne und bemerke, wie sie einrasten. Hoppla. Das heisst ich habe Steigflugleistung! Endlich nimmt die Sinkgeschwindigkeit ein vernünftiges Ausmass an. Ich ziehe die Gashebel zurück in den Leerlauf und setzte die grosse Lady sanft auf die 300 Metermarkierung der Landebahn. Umkehrschub. Bugrad landen. Abbremsen.

Als wir von der Piste rollen gratuliert mir der Kapitän zur tollen Reaktion und meint ohne diese hätte es wohl eine Hardlanding gegeben. Ich grinse ihn an und sage: „Na etwas müssen wir ja noch besser können als die Automatik!“ Trotzdem bin ich froh, dass ich die heikle Landung dank Voraussicht, Erfahrung und dem nötigen Quäntchen Glück in den kritischen Sekunden so erfolgreich hinter mich gebracht habe.

Schwingfest

12. Juli 2012

Mit grossem Trara und Brimborium wurde das Schwingfest eröffnet. Natürlich kann ich als Neuling noch nicht an einem der ganz grossen Verbandsfeste antreten. Dem entsprechend ist die Arena relativ klein, trotzdem ist aber der Ring perfekt vorbereitet.

Die Einteilung für das Anschwinget meint es nicht gut mit mir, denn ich treffe auch einen richtig „Bösen“. Aber verzagen hilft mir nun auch nicht weiter und so lege ich fulminant los…

Ich versuche es zuerst mit einem Kurz und dann mit einem Wyberhaken,  was mein Gegner aber durchschaut und gekonnt pariert. Danach bringe ich ihn mit einem Brienzer vorwärts endlich zu Fall, aber der Kerl entwindet sich meinem Griff und rettet sich Richtung Rand des Rings, von wo ich ihn gerade noch zurückreissen kann.

Trotzdem geht es nun wieder von vorne los. Erneutes Zusammengreifen. Nun kommt die Gegenattacke. Ein Fussstich bringt mich beinahe zu Fall, aber ich kann mich artistisch retten. Danach folgt ein Gammen, den ich aber durchschaue und abwehren kann.

Nun wogt der „Hosenlupf“ hin und her. Ich versuche einen Hochschwung, er einen Lätz. Ich probiere es mit einem Übersprung und er mit Überstossen. Schliesslich bringe ich den Gegner mit einem weiteren Brienzer erneut zu Fall.

Diesmal kann ich den Kerl festhalten und mit einem zwar unschönen, aber schliesslich erfolgreichen Buur auf den Rücken zwingen. Bestnoten gibt es dafür zwar nicht, aber nach diesem engen Kampf bin ich heilfroh, dass ich den Jungschwinger schliesslich überhaupt niedergerungen habe.

Nun beginnt meine eigentliche Arbeit aber erst richtig und ich kann meinem Sohnemann endlich den Hintern putzen und eine saubere Windel anziehen…