Archive for Dezember 2015

2015 im Rückblick

30. Dezember 2015

Meine zeitweilige Blogabstinenz hat auch auf die Jahresstatistik 2015 durchgeschlagen. Trotzdem – oder erst recht – besten Dank an meine Leser, die mir trotz der spärlichen Beiträge die Treue gehalten haben. Danke auch an die fleissigen Kommentatoren.

Ich wünsche allen einen guten Rutsch ins 2016.

Hier ist ein Auszug aus der Blog-Statistik:

Die Konzerthalle im Sydney Opernhaus fasst 2.700 Personen. Dieses Blog wurde in 2015 etwa 44.000 mal besucht. Wenn es ein Konzert im Sydney Opernhaus wäre, würde es etwa 16 ausverkaufte Aufführungen benötigen um so viele Besucher zu haben, wie dieses Blog.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

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Alpenrundflug

20. Dezember 2015

Da stehe ich in Valencia und bin bereit für einen pünktlichen Abflug. Alle Passagiere sind an Bord, die Fracht ist geladen und für einmal konnte sogar das ganze angeschleppte Handgepäck irgendwie in der Kabine verstaut werden. Eine problemlose Operation – wäre da nicht dieser Slot…

Anfänglich war dieser eine halbe Stunde zu spät angesetzt, was bei Nebel in Zürich um die Mittagszeit durchaus als normal erachtet werden kann. Da wir einen Grossteil der Zeit auf dem Rückflug aufholen würden, liess uns dieser verspätete Abflug noch einigermassen kalt. Doch während dem Boarding trudelte ein neuer Slot ein und der war nun eine ganze Stunde zu spät. Das würde vor allem bei den Passagieren mit Anschluss Flügen keine Freude auslösen!

Nun denn: Türen zu, damit wir uns bei der Flugverkehrsleitung, mit der Bitte um eine bessere Startzeit, bereit melden konnten, Auftrag an den Copi mit unserem Dispatch in Zürich zu telefonieren und darum zu bitten unserer Bitte noch etwas mehr Nachdruck zu verleihen. Dann sind unsere Möglichkeiten ausgeschöpft.

Ich begebe mich in die Kabine, denn nun ist es an der Zeit den Passagieren die frohe Botschaft zu übermitteln: „Grüezi meine Damen und Herren. Ich bin ihr Kapitän… Blah blah… Wir haben alle Gäste an Bord und sind eigentlich bereit unser Reise anzutreten, haben aber diesen (Scheiss- denke ich nur) Slot wegen dem (Scheiss- denke ich nur) Nebel in Zürich. Natürlich sind wir in Kontakt mit den Fluglotsen um die Situation zu verbessern, wofür es aber keine Garantie gibt (weil alles bitten und betteln oftmals gar nichts bringt – denke ich nur). Zurzeit rechnen wir mit der Landung 40 Minuten zu spät (weitere, nicht voraussehbare Anflugverzögerungen nicht eingerechnet – denke ich nur). Natürlich sind wir uns bewusst, dass wir viele Passagiere mit Anschlussflügen an Bord haben, … blah blah… Besten Dank für Ihr Verständnis und Ihre Geduld (was wohl einige nicht haben werden – denke ich nur)…“ Dann folgt das gleiche In Englisch und Französisch, bevor ich im Cockpit in Deckung gehe und meine Kabinenbesatzung den angerichteten Schaden ausfressen lasse.

Mein Copi zuckt mit den Schultern und meldet, dass Zürich keine grosse Hoffnung für eine Slot Verbesserung hat. Welche Überraschung…

Eine Stunde später stehen wir drei Minuten vor Soltbeginn an der Pistenschwelle, doch der Tower Kontroller kennt keine Gnade. Als wir endlich gehen dürften, befindet sich noch eine (Scheiss- denke ich nur) Propellermaschine im Endanflug und versperrt uns den Weg. Ein paar endlose Minuten später kann ich endlich die Gashebel nach vorne Schieben „Take-off!“

Mittlerweile nähern wir uns dem Mont Blanc und sind in Kontakt mit den Genfer Fluglotsen. In der Ferne grüsst die Nebelsuppe des Schweizer Mittellandes, doch unter uns erstrahlen die Alpengipfel in voller Pracht.

Mont_Blanc

Wir sind im Sinkflug und mussten auf Anweisung der Zürcher Anflugkontrolle bereits die Geschwindigkeit reduzieren. Ich sage meinem Copi er soll ein Rerouting via den Navigationspunkt „CERVI“ verlangen. „CERVI?“ schaut mich mein (deutscher) Copi fragend an. „Genau. CERVI – Monte Cervino – Mont Cervin. Oder auf Deutsch Matterhorn.“ „Und das geht?“ „Wenn das Militär nicht fliegt, es eh Verspätung gibt und sonst noch keiner da rumkurvt, dann vielleicht ja.“

Einige Minuten später kann ich meinen Passagieren tatsächlich das Matterhorn aus der Nähe zeigen.

Matterhorn

Aber das geht natürlich noch näher…

Mont_Cervin

…näher…

Matterhorn2

…ganz nah:

Matterhorn3

Schon vorbei. Aber da ist ja noch das Monte Rosa Massiv:

Monte Rosa

Nun werden wir zum Zürcher Sektor geschickt. „Expect 25 Minutes Holding over GIOPL“ „Scheisse“ – denke ich nicht nur, sondern sage ich auch. Zeit mich von der Aussicht loszureissen und die Passagiere zu informieren: „Meine Damen und Herren, … blah blah, … weitere 25 Minuten Verzögerung, … blah blah… Ich danke ihnen weiterhin für ihr Verständnis und … äh … wenigstens ist die Aussicht schön…“ Dann das Ganze nochmals in Englisch und Französisch.

Ich hänge den Kochen (Public Address Mikro) wieder in die Halterung und grinse meinen Copi an: „Ich muss aufpassen, dass die PAXe nicht merken wie viel Spass mir das hier macht! – Schau da vorne ist der Aletschgletscher.“

Aletschgletscher

„Frag ob wir nach Sicht Richtung Jungfraujoch fliegen dürfen“ weise ich meinen Copi an. Ich ernte ein ungläubiges „Im Ernst?“ „Klar!“

„Maintain FL180 and stay over the Alps. Be over Gipol at 55” lautet die erfreuliche Antwort. „Yes! Siehst Du?“ höre ich mich sagen. Das bedeutet weitere 20 Minuten Alpenrundflug nach eigenem Gutdünken. Jackpot.

Jetzt geht es Richtung Konkordiaplatz…

Konkordiaplatz

…und dann über das Jungfraujoch mit dem Sphinx-Observatorium.

Sphinx

Dann umrunde ich Eiger Mönch und Jungfrau mit der eindrücklichen Eiger Nordwand…

Eiger_Moench_Jungfrau Eiger_Nordwand

Eiger_Aetschgletscher

…und die Sphinx wird aus allen Richtungen abgelichtet.

Mönch

Sphinx2

Jetzt geht es um das Finsteraarhorn, danach Richtung Gstaad. Vorbei an der Plaine Morte und über Leukerbad zurück in Wallis, dann ist es Zeit Richtung Anflug zu drehen…

Mit über einer Stunde Verspätung setzt der Autopilot schliesslich in Zürich auf. Am Gate verabschiede ich meine Passagiere. Die meisten steigen mit einer mehr oder weniger gemurmelten Verabschiedung aus. Einige sind sauer, weil sie ihren Anschlussflug verpasst haben. Fast am Schluss kommt eine amerikanische Familie. Der Vater fragt an wen er sich wenden müsse, da er seinen Weiterflug nach San Francisco verpasst habe. Nachdem mein Kabinenchef die Frage beantwortet hat, sage ich „I am sorry that you missed your flight.“ Der Ami schaut mich an und grinst: „No worries. The sightseeing was well worth it!“

Meine Rede – denke ich.

One Foggy Morning

7. Dezember 2015

Nebel beherrscht momentan das Schweizer Mittelland.

Foggy Take-off

Wer darüber erhaben ist, kann allerdings besonders schöne Stimmungen erleben.

Morgenstimmung über Zürich

Darunter herrscht die wohlbekannte Zweiklassengesellschaft. Während die gut betuchten um das Seebecken, auf dem  Zürichberg und an der Goldküste heute einen wunderschönen Sonnenaufgang geniessen konnten, lag der Norden der Stadt und die Region Greifensee unter einer dicken Nebeldecke.

ROH_6224

Nur wenige Höhenmeter trennen heute Glück und Leid…

 

Gegen die Kommentarkatastrophe

4. Dezember 2015

In der Ausgabe der NZZ vom 3.12.2015 wurde ein Gastkommentar unter dem Titel „Gegen die Lärmkatastrophe“ von Adolf Spörri, seines Zeichens Präsident der „Stiftung gegen Fluglärm“ abgedruckt.

Nach reflexartigem, angewidertem Umblättern, hielt ich kurz inne. Soll ich mir das wirklich antun? Wohl besser nicht, aber die Neugierde bewegte mich trotzdem dazu zurückzublättern. Wenig überraschend habe ich mich danach ziemlich über die Kommentarkatastrophe genervt. Ich komme deshalb nicht umhin diesen Kommentar meinerseits zu kommentieren.

Disclaimer:

  • Alle Flughafengegner, welche sich nicht über die langatmigen Ergüsse eines erklärten Flughafenbefürworters aufregen wollen, sollten besser nicht weiterlesen.
  • Alle Flughafenbefürworter, die sich nicht über die verquere Argumentation eines Fluglärmgegners aufregen wollen, sollten besser nicht weiterlesen.
  • Alle die trotzdem weiter lesen tun dies auf eigener Gefahr.

Zuerst sollte man vielleicht erklären, was die selbsternannte Stiftung gegen Fluglärm bezweckt. Dazu zitiere ich die Stiftung selbst:

  1. Die gemeinnützige Stiftung bezweckt den Schutz der Bevölkerung des Kantons Zürich vor gesundheitsschädlichem und störendem Fluglärm sowie vor anderen gesundheitsschädlichen Immissionen des Flugverkehrs.
  2. Flugrouten sollen unter Anwendung modernster Methoden so optimiert werden, dass möglichst wenig Menschen durch Schadstoffe und Fluglärm gestört werden und darunter leiden müssen. Dem Bedürfnis des Menschen nach Nachtruhe ist gebührend Rechnung zu tragen.

Zur Erreichung dieser Ziele erteilt sich die Stiftung den Aufgaben:

  1. Aufklärung von Entscheidungsträgern aus Wirtschaft, Politik und Aviatik über die konkreten Auswirkungen des Luftverkehrs auf den Menschen
  2. Aufklärung der Bevölkerung über Lärmimmissionen und Schadstoffimmissionen
  3. Aufklärung der Bevölkerung über ihre Rechte bei übermässigen Immissionen einschliesslich Persönlichkeitsschutz
  4. Erstellen von Studien und Gutachten über Fragen des Luftverkehrs und deren Verbreitung
  5. Beurteilung von Lärmmessungsmethoden und Ausarbeiten von neuen Messmethoden

Na das tönt eigentlich ja ganz vernünftig. Ich will den Kommentar in der NZZ also daran messen.

Herr Spörris Kommentar erscheint in der Folge in blau, während meine Repliken in grün gehalten sind:

Die Schweiz braucht den Flughafen Zürich.

Danke Herr Spörri. Ich will sie an dieser Aussage messen.

Dieser erfüllt seinen Zweck als Tor zur Welt heute mehr als genug.

Hoppla. Schon wird zurück buchstabiert. Das Wort „mehr“ bedeutet dann wohl dass der Flughafen Zürich ihrer Ansicht nach schon jetzt zu gross ist und verkleinert werden sollte.

Tausende Geschäftsleute fliegen heute frühmorgens in die Hauptstädte Europas oder nach Übersee, um dort ihre Geschäfte abzuwickeln, die Wohlstand bringen.

Richtig. Trotzdem will Herr Spörri gerade diese frühmorgendlichen Flüge einschränken.

Touristen benutzen den Flughafen ebenfalls gerne und oft – und beklagen sich nicht, wenn es keine Direktverbindung gibt.

Korrekt. Die meisten Touristen beklagen sich nicht über unnötige Umsteigerei – Hauptsache möglichst billig. Bedeutet dieser Satz nun, dass Herr Spörri als Fluglärmgegner die Umsteigerei befürwortet? Das gibt doch mehr Lärm und mehr Immissionen an den Umsteige-Drehkreuzen. Will nicht die Stiftung genau dagegen ankämpfen?!? Oder sind an andern Flughäfen anfallende Immissionen egal? Das wäre dann Sankt Florianspolitik in Reinkultur!

Die Touristen, egal ob umsteigend oder nicht, bringen uns übrigens nicht den grossen Wohlstand. Das machen die von Herr Spörri oben erwähnten Geschäftsleute und für diese sind Direktverbindungen sehr wichtig. Ohne diese wären diverse internationale Grosskonzerne nicht in Zürich beheimatet. Direktverbindungen sind also für den Wohlstand in der Schweiz essentiell. Wegen des kleinen Heimmarktes können solche Direktverbindungen aber nur von einem Hub-Carrier garantiert werden, welcher den ungeliebten, aber unabdingbaren Umsteigeverkehr generiert. Das eine geht nicht ohne das andere. Leider.

Umfragen zeigen: Die Notwendigkeit des Flughafens Zürich ist breit akzeptiert.

Aha, spannend.

Die Schweiz, wie sie heute ist, ist ohne Flughafen Zürich undenkbar.

Sag ich doch. Danke.

Anders sieht es aus, wenn man mit den 300 000 Menschen spricht, die um den Flughafen leben.

Ich bin einer der 300 000 und ich mag mich nicht erinnern je mit ihnen gesprochen zu haben. Ich habe aber im meinem Leben schon mit unzähligen Leuten in der Region gesprochen und die meisten davon akzeptieren den Flughafen problemlos. Offenbar bewegen wir uns nicht in denselben Kreisen…

Sie werden von frühmorgens bis gegen Mitternacht von startenden und landenden Flugzeugen belärmt. Damit sind nachweislich erhebliche gesundheitliche Risiken verbunden.

Einige werden frühmorgens, andere spät abends noch andere tagsüber von landenden Flugzeugen beschallt. Gleich verhält es sich mit den Starts. Es wird aber kaum jemand von früh bis spät durchgehend beschallt, wie sie es implizieren. Also bitte nicht über-dramatisieren. Sie wollen doch informieren und nicht polemisieren – oder?

Aufgrund der Tatsache, dass der Bundesrat und das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) mehr direkte Verantwortung für die Entwicklung des Flughafens Zürich übernehmen wollen, wächst in der Zürcher Bevölkerung zu Recht die Besorgnis, dass ihre Bedürfnisse von Bern ignoriert werden.

Zweifellos trifft dies auf gewisse Leute zu, nicht jedoch auf die gesamte Bevölkerung, zu der ich mich, wie erwähnt, auch zähle. Sprechen sie als bitte für ihre Stiftung oder von mir aus für diejenigen, welche sich vom Flugverkehr übermässig gestört fühlen, aber sicher nicht für „die“ Zürcher Bevölkerung – dazu haben sie weder das Recht, noch den Auftrag.

Sie ist sich darin einig mit der Regierung des Kantons Zürich.

Welcher Politiker hat es je begrüsst, wenn seine Macht beschnitten wurde?

Die Stiftung gegen Fluglärm erhebt deshalb die folgenden acht Forderungen an den Regierungsrat des Kantons Zürich, seinen Einfluss für die lärmgeplagte Zürcher Bevölkerung geltend zu machen:

Das ist ihr gutes Recht. Fordern darf jeder.

Die Stiftung fordert den Regierungsrat auf, sich gegen den Versuch Bundesberns, die Interessen des Kantons Zürich zu untergraben, entschieden zur Wehr zu setzen.

Hoffentlicht tut er das. Sich für den Kanton Zürich einzusetzen ist seine Pflicht. Aber wer sagt denn eigentlich der Bund wolle die Interessen des Kantons Zürich untergraben?

Bundesbern probiert mit Unterstützung der Aviatik-Lobby, die dem Kanton Zürich in Flughafenfragen zustehenden Autoritäten unter Berufung auf die Bundeskompetenz mehr und mehr zu beschneiden.

Das ist hingegen schlicht eine Unterstellung. Vielmehr macht es durchaus Sinn, dass sich der Bund um für die Schweiz entscheidend wichtige Infrastruktur kümmert. Niemand käme z.B. auf die Idee das Streckennetz der Bundesbahnen kantonal zu verwalten. Es ist durchaus an der Zeit diesen Anachronismus bei den Landesflughäfen zu beheben, da deren Wichtigkeit für die Schweiz – angeblich? – sogar von ihnen akzeptiert wird.

Die Stiftung fordert den Regierungsrat auf, «Südstarts straight» weiterhin ohne Einschränkung abzulehnen.

Hmm. Warum nur? Der Sitz ihrer Stiftung ist in Gockhausen, wo auch sie wohnen. Gockhausen liegt bekanntlich im Süden des Flughafens. Zudem wohnen offenbar sämtliche Stiftungsräte ihrer Stiftung südlich des Flugplatzes. Werden da etwa Partikularinteressen über das Wohl der Zürcher Bevölkerung gestellt? Das würde aber gar nicht den hehren Zielen ihrer Stiftung entsprechen! Ist der Zweck der Stiftung Gemeinnutz oder Eigennutz?

Südstarts geradeaus machen aus Sicherheitsgründen extrem viel Sinn, da sie die Komplexität der Flugrouten massiv vereinfachen, Kreuzungspunkte minimieren und so das Risiko einer Kollision vermindern. Haben sie etwas gegen erhöhte Sicherheit?

Ein weiterer positiver Nebeneffekt der Entflechtung der Flugrouten durch Südstarts geradeaus wäre, dass die Kapazität des Flughafens viel weniger eingeschränkt würde. Dies würde sich bei gleich bleibenden Verkehr massiv positiv auf die Verspätungssituation am Mittag und in den frühen Abendstunden auswirken, weshalb die Nachtrandstunden weniger zum Verspätungsabbau benützt werden müssten. Weniger Nachtruhestörung ist doch das Ziel, oder?

Wer sich für das Wohl der Bevölkerung einsetzt, müsste folglich Südstarts geradeaus unter der Bedingung befürworten, dass die frei werdende Kapazität nicht durch neue Slots vergeben wird, sondern zur Verhinderung von Verspätungen verwendet wird. Das würde den Flughafen zwar kaum freuen, die unter den unhaltbaren Verspätungen leidenden Airlines hingegen schon. Lärmschützer und Airlines, die am gleichen Strang ziehen, das wäre durchaus erfolgsversprechend. Dazu müssten die Fluglärmgegner aber einmal Partikularinteressen und Fundamentalismus vergessen und den Blick für das grosse Ganze öffnen. Hoffnungslos? Ich fürchte ja.

Die Stiftung fordert den Zürcher Regierungsrat auf, sich gegen die nicht im Interesse der Bevölkerung liegende Kapazitätserweiterung des Flughafens zu wehren, da das Risiko terroristischer Anschläge mit der Grösse des Flughafens zunimmt.

Diese Aussage ist schlicht absurd. Mir sind keine terroristischen Anschläge der letzten Jahre bekannt, die ihren Ausgangspunkt auf einem der grössten Flughäfen der Welt hatten. Diverse jedoch hatten ihren Ursprung auf kleinen Provinzplätzen mit mangelhafter Sicherheitsinfrastruktur.

Gehören sie zu der Sorte Leute die versuchen selbst aus den grössten Verbrechen des Weltgeschehens politischen Profit zu schlagen? Ich empfinde den Versuch als pietätslos gegenüber den Opfern terroristischer Anschläge.

Wenn sie schon über verbrecherische Aktivitäten, welche die Sicherheit des Flugbetriebs in Zürich massiv gefährden, sprechen wollen, dann greifen sie doch einmal das Thema Laser Attacken auf. Da diese Verbrecher wohl zu ihrer Klientel gehören, könnten sie da vielleicht sogar etwas bewirken.

Die Infrastruktur des Flughafens darf nicht aufgrund von oberflächlichen Nachfrageprognosen ausgebaut werden, die eine theoretische Zielgrösse bleiben. Der Bund will gemäss luftfahrtpolitischem Bericht (Lupo) 2015 eine «engpassfreie Nachfrage» befriedigen, ohne Berücksichtigung der bestehenden Infrastruktur in Kloten. Der Bund prognostiziert deshalb nach der «Hockey-Stick-Methode» ein unrealistisches Wachstum der Passagier- und Bewegungszahlen, was zurückzuweisen ist.

Prognosen sind meist mit Unsicherheiten behaftet – vor allem jene, welche die Zukunft betreffen. Falls der Verkehr, wie von ihnen behauptet, weniger stark wächst als prognostiziert, dann führen die beseitigten Engpässe, wie oben erwähnt, zu weniger Verspätungen und damit zu mehr Ruhe in den späten Abendstunden. Was haben sie dagegen?

Übrigens finde ich Hockey-Sticks gut. Ich bin nämlich ein Hockey-Fan. Kloten Flyers – what else. LOL

Die Verlängerung der Piste 28 ist schnellstmöglich zu realisieren. Technologische Verbesserungen wie der gekrümmte Nordanflug sind rasch umzusetzen.

…und danach sind die Südanflüge zu verbieten, wollten sie wohl noch sagen. Die andern sollen ruhig mehr Immissionen haben, Hauptsache der Süden hat seine Ruhe. Jetzt entlarven sie sich selbst. Sankt Florian lässt grüssen.

Die Stiftung fordert den Zürcher Regierungsrat auf, die Interessen des Kantons Zürich und der Schweiz gegenüber der Fluggesellschaft Swiss wahrzunehmen. Im Lupo 2015 wird völlig ausgeblendet, dass Swiss eine ausländische Fluggesellschaft ist.

Falschaussagen werden durch gebetsmühlenartiges wiederholen nicht wahrer. Die SWISS operiert mit einer Schweizer Betriebsbewilligung (Air Operators Certificate) und hat ihren Steuersitz in der Schweiz. Damit ist die SWISS sehr wohl eine Schweizer Airline, auch wenn sie sich im Besitz der Lufthansa befindet.

Die SWISS ist zudem die einzige Airline, welche die für die Schweiz so wichtigen Direktverbindungen ab Zürich garantiert und die Tatsache, dass unsere unfähigen Politiker die SWISS 2005 für lächerliche 70 Millionen Franken an die Lufthansa verschenkt haben, kann man der SWISS ja wohl nicht zu Vorwurf machen. Die SWISS arbeitet nicht gegen die Schweiz oder Zürich, sondern erbringt essentiell wichtige Leistungen für diese. Alles andere ist Stuss.

Die Zürcher Gesetzgebung ist einzuhalten. Dazu gehört das Flughafengesetz einschliesslich Zürcher Fluglärm-Index (ZFI) und Nachtruhe. Die Stiftung fordert, dass der Regierungsrat den ZFI durchsetzt und im Verwaltungsrat der Flughafen Zürich AG die Einhaltung der Nachtruhe auch in den Nachtrandstunden fordert.

Und wie steht es mit den Bauverboten in den lärmbelasteten Zonen? Die Gemeinden haben meines Wissens daran gar keine Freude. Damit wären wir aber beim Kern des Problems. Die Flughafenregion ist zum Wohnen offenbar so attraktiv, dass die Bevölkerung in den letzten Jahren geradezu explodiert ist. Ein Grossteil der Bevölkerung stört sich offenbar nicht am Flugverkehr. Deshalb wird auch der ZFI, trotz bewiesenermassen massiv gesenkten Immissionen durch den Flugverkehr, immer mehr überschritten. Den Flugbetrieb deshalb immer mehr abzuwürgen ist völlig absurd, denn das Problem ist das Bevölkerungswachstum und nicht der Flugverkehr. Man könnte auch die Zwangsumsiedlung aller seit der Überschreitung des ZFI neu in die lärmbelasteten Zonen zugezogenen fordern. Dann wäre der ZFI durchgesetzt. Absurd? Aber sicher! Der ZFI funktioniert nicht. Das war den Fachleuten schon bei seiner Einführung klar. Gesetze die nicht funktionieren gehören geändert.

Ausnahmeregelungen zum Verspätungsabbau sind zudem gemäss Gesetz in den Nachtrandstunden erlaubt und damit gesetzeskonform. Verspätungen sollten aber natürlich minimiert werden. Eine mögliche Lösung, die den Fundamentalisten im Süden aber wohl nicht passt, habe ich ja bereits oben skizziert.

Die Stiftung fordert den Kanton Zürich auf, die Interessen seiner Bevölkerung in direkten Gesprächen auf höchster Ebene mit dem nördlichen Nachbarn wahrzunehmen; so, wie dies auch der Kanton Aargau mit grosser Selbstverständlichkeit tut.

Wer sagt denn dass der Kanton Zürich das nicht macht? Aber bitte mit Augenmass und Fachwissen, statt mit Engstirnigkeit und Halbwissen.

Aus dem Kanton Aargau stammt die (umgesetzte) Forderung, dass in den späteren Abendstunden unter 8000ft nicht mehr von den publizierten Flugrouten abgewichen werden darf. Das Ziel war eine bessere Kanalisierung des Lärms. Damit sollte – glaube ich – das Limmattal besser geschützt werden. Die absurde Konsequenz daraus ist aber, dass die um ca. 23 Uhr nach Norden startenden Grossraumjets mit Destinationen in Asien nicht mehr direkt nach Osten abdrehen können, sondern in einem 270° Bogen über das Limmattal abdrehen müssen und somit dieses erst recht beschallen.

So etwas passiert, wenn sich jeder Besserwisser in ein hochkomplexes System einmischen kann. Ökologischer und ökonomischer Unsinn zum Nachteil aller ist die Folge. Aber Hauptsache ein paar Politiker können sich brüsten etwas für die Bevölkerung getan zu haben.

Die dauerhaft unsicheren wirtschaftlichen Aussichten der Schweiz, wo durch die Unternehmen immer mehr Arbeitsplätze ausgelagert werden, machen einen dauerhaft wachsenden Zürcher Flughafen zu einer hochriskanten Investition.

Sorry das ist völliger Quatsch. Veränderte Flugrouten kosten nichts. Die Flughafeninfrastruktur steht zum allergrössten Teil. Von welchem Risiko und welchen Investitionen sprechen sie also? Die grösste noch offene Investition wäre wohl die Verlängerung der Piste 28. Aber gerade diese fordern sie ja selber. Bin ich der einzige der das inkonsequent findet?

Oder sprechen sie von „Circle“ Projekt? Dieses dürfte tatsächlich recht riskant sein, hat aber rein gar nichts mit dem Flugverkehr zu tun.

Das Zürchervolk hat Milliarden Franken in den Flughafen investiert;

Das ist aber schon ziemlich lange her und der Kanton hat seither ein Mehrfaches davon an direkten und indirekten Steuereinnahmen zurück erhalten. Zudem wurden seit 2005 vom Flughafen knapp 145 Millionen Dividenden an Kanton Zürich ausgeschüttet. Eine äusserst profitable Investition also.

es genügt, wenn dieser den Interessen der Schweiz dient und nicht als wachsender Hub ausländischer Fluggesellschaften missbraucht wird.

Netter Schlusssatz, welcher bestimt bei allen xenophoben Lesern einen abschliessenden Applaus finden wird. Politischer Profit, egal wie unappetitlich die Beweggründe sind, ist ekelhaft. Die SWISS, als einzige Hub Airline in Zürich, ist (wie oben erwähnt) sehr wohl schweizerisch. Aber um einmal auf Herr Spörris engstirnige Definition von „Schweizer“ Fluggesellschaft einzugehen: Wer kann diese Ansprüche erfüllen? Da bleibt wohl nur Herr Ebners Helvetic Airways. Diese fliegt aber nur einige wenige Feriendestinationen in eigener Regie an und keine einzige Langstreckendestination. Das ist wohl kaum ausreichend um die wirtschaftlichen Bedürfnisse der Schweiz zu befriedigen.

Der überwiegende Teil der Flugzeuge der Helvetic fliegt zudem im Wetlease im Auftrag der bösen deutschen SWISS. Damit ist gemäss Herr Spörris verqueren Standards wohl auch die Helvetic mehr deutsch als schweizerisch und es operiert keine einzige „wahre“ Schweizer Fluggesellschaft mehr in Zürich. Ein nur für ausländische Airlines betriebener Flughafen will Herr Spörri aber offenkundig erst recht nicht. Damit sollten wir den Flughafen Zürich also sofort ganz schliessen. Ziel erreicht?

Ich erlaube mir in der Folge ein persönliches Fazit:

Herr Spörri und die von ihm präsidierte Stiftung scheinen im Gegensatz zu ihren publizierten Stiftungszweck:

  • Nicht den Schutz der Bevölkerung des Kantons Zürich zum Ziel zu haben, sondern einzig die Partikularinteressen der Fluglärmgegner im Süden des Flughafens bedienen zu wollen.
  • Nicht an einer Optimierung der Flugrouten interessiert zu sein, sondern – entgegen gegenteiliger Lippenbekenntnisse – den Flughafen möglichst umfassend abwürgen zu wollen.
  • Nicht an einer Verminderung von Immissionen interessiert zu sein, sondern nur an deren Verschiebung in von ihnen nicht bewohnte Regionen, selbst wenn dies die gesamten Emissionen deutlich erhöht.
  • Mangels Willens und/oder Wissens keine Aufklärung zu betreiben, sondern mit zum Teil hanebüchenen Argumenten Stimmung gegen eine vernünftige Flughafenpolitik zu schüren.

Es ist mir ein Rätsel warum eine Zeitung mit den Qualitätsansprüchen der NZZ einem solch unqualifizierten Gastkommentator eine Bühne bietet und es bleibt zu hoffen, dass dies ein einmaliger Ausrutscher war und in Zukunft konstruktive Beiträge zur Flughafenfrage publiziert werden.

Totgesagte bloggen länger

3. Dezember 2015

Da kommt so ein dahergeflogener vierfacher Grünschnabel und behauptet Bloggen sei tot. Gaht’s no? (für Deutsche: geht es eigentlich noch?)

Gerade kürzlich hat der Ober-Blogger-Guru aller Piloten einen neuen Post verfasst. Offenbar hat er in der Schulung, weg von europäischer Qualität hin zu amerikanischem Grössenwahn, mehr Kapazität zum Schreiben als während der harten Kurzstrecken-Zeit. Ich mag es ihm gönnen.

So ganz scheint der Kollege der Sache aber noch nicht zu trauen: Alles neu ist ja gut, aber wieso ist neuerdings auch die Kommentarfunktion gesperrt? Ich hätte da noch ein paar ganz brennende Fragen, welche ich rasch möglichst geklärt haben möchte, da ich per Ende Jahr meinen Umschulungswunsch (welcher, wenn alles wie geplant läuft, in ca. 6 Jahren meinen nächsten Karriereschritt beeinflussen könnte) updaten muss:

  • Wirkt sich ein so grosser Knüppel zwischen den Beinen positiv auf die Potenz von Herren in gesetztem Alter aus?
  • Warum schreibt der angehende Langstreckenkapitän von Schubladen? Crew-Schubladen-Frass ist doch Kurzstrecken-Business. Auf der Langstrecke schmarotzt der Herr dann ja wohl wieder von den Köstlichkeiten aus der First-Class und trinkt Nespresso statt Filterkaffee.
  • Wie wirkt sich die Gold-Bronzene Farbe des B777 Cockpits auf die psychische Verfassung des in grauer Umgebung in Ehren ergrauten Airbuskutschers aus? Fühlt man sich dank dem vielen Gold automatisch als Gewinner, oder überwiegt der Bronze-Anteil und weckt das Gefühl mit dem Trostpreis Vorlieb nehmen zu müssen?
  • Wie schläft es sich so mit einer Amerikanerin? Gibt es nun nach european, canadian und austrian Necks einen american Neck?

Ein anderer, den Europäern noch lange treu bleibender Airbuspilot hat vor zwei Jahren den zeitlosen Post verfasst, welcher alle Jahre wieder Brandaktuell ist und somit nie mehr aufdatiert werden muss. Es gibt einige wenige Glückliche, die brauchen nur einmal im Leben eine geniale Idee und können sich danach getrost zur Ruhe setzen! Wer kann es ihnen verübeln? Ganz grosses Kino! In diesem Sinn frohe Weihnachten…

Aber zurück zur Anschuldigung des Grünschnabels. Gelnn Frey von den legendären Eagles hat es 1995, beim ersten Konzert der Band nach 14 Jahren, folgendermassen ausgedrückt: „For the record: We never broke up, we just took a fourteen-year-vacation.“

Mit Ferien habe ich dieses Jahr ebenfalls gute Erfahrungen gemacht. Nachdem ich, wegen knappen Beständen, über Jahre meine Ferien nie vollständig beziehen konnte, hatte sich ein schöner Ferienübertrag aufgestaut. Die Situation hat aber mittlerweile gedreht: Dank der Auslagerung von Arbeitsplätzen, als Folge der irrigen Ansicht einer Mehrheit der SWISS Intl. Piloten Verträge würden eingehalten, konnte ich dieses Jahr sämtliche aufgestauten Ferien abbauen. So musste ich dieses Jahr wohl oder übel gleich zweimal durch die USA kurven.

Da ich, als weitere Konsequenz der oben beschriebenen Fehleinschätzung und im Gegensatz zu gewissen Kollegen, nicht so schnell wieder ein Grossraum-Flugzeug steuern werde, habe ich beim ersten Mal ein Grossraum-Fahrzeug herausgefasst. Ein 10 Meter Camper ist fast so komplex zu operieren wie ein Langstreckenjet. Nur dass ich auch noch für Beladung, Betankung und – besonders appetitlich – Fäkalienentsorgung zuständig war. Das Galley konnte ich zum Glück an meine Frau delegieren…

Aus Schaden wird man klug und so habe ich im zweiten Anlauf eine normale Karre bestellt, nur um dann festzustellen, dass diese – amerikanischer Grössenwahn eben – nicht wesentlich kleiner ausfiel als der Camper zwei Monate davor.

Die Konsequenz aus dem Ganzen waren etwa 5000 Fotos im Rohformat, welche zuerst einmal gesichtet, sortiert, bearbeitet und zu Fotobüchern verarbeitet werden wollten. Die Highlights davon finden sich auf meinem Flickr-Account wieder.

Wer kann es mir verübeln, dass dabei die Bloggerei etwas zu kurz kam?

For the record: I never stopped blogging, I just took a two-month-vacation.

Mittlerweile muss ich aber wieder arbeiten und so entstehen auch wieder Blogs und Fotos von der Arbeit.

Wer hat Mitleid mit mir?