Archive for Oktober 2013

Lightshow

31. Oktober 2013

Zweimal Moskau. Dazwischen ein Pitstop zu Hause und einmal wenden in London. Zu berichten gibt es nicht viel. Viel Verkehr in London, ist normal. Trotzdem blieb noch kurz Zeit das „Sharklet“ über den Lichtern Londons zu verewigen.

JLT over London

Ein paar alkoholisierte Russen auf dem Weg von und nach Moskau sind ebenfalls normal. So viel Wind über Europa, dass die Flugzeit von Moskau nach Genf 4 Stunden dauert und damit länger als die publizierte Blockzeit, ist zwar eher die Ausnahme, war aber auch kein Problem. Da kommt schon fast Langstreckenfeeling auf! Man kommt nicht vom Fleck und die Zeit verrinnt irgendwie tranig. So fixierte ich die Kamera auf dem Glareshield und fotografierte die untergehende Venus über Nürnberg. Das Ergebnis war äusserst überraschend. Offenbar ging es doch vorwärts. Abgesehen vom gemütlichen Geschaukel des „Dutch Roll“, sogar ziemlich rasant:

Warpspeed

In diesem Sinne:

Commander Skypointer, Kurs Richtung Venus, Warp 7, Energie!

Karriereende

25. Oktober 2013

Eigentlich habe ich es ja kommen sehen, aber ich habe es bis zum Schluss verdrängt und so ging dann doch alles überraschend schnell…

An meine Grundausbildung erinnere mich noch, als wäre es gestern gewesen. Diese war nicht immer lustig. Die Instruktoren waren streng und nach unserer Auffassung nicht immer fair. Es gab viel zu lernen und der Druck wurde zum Teil künstlich und mit fraglichen Mitteln gross gehalten. Aber es gab auch positives: Die Ausbildung führte uns kreuz und quer durch die Schweiz, deren Geographie ich auf einem ganz neuen Niveau kennenlernte. Und dann war da noch die Kameradschaft, welche immer hervorragend war.

Danach durfte ich das gelernte anwenden und wurde selbst zum Ausbildner. Ich hoffe ich war fairer als meine Instruktoren damals. Auch erste Führungserfahrungen konnte ich sammeln. Diese erwiesen sich im Verlauf meiner weiteren Karriere, mit welcher es nun langsam aber stetig vorwärts ging, als sehr wertvoll.

Schliesslich folgte meine Ernennung zum Captain. Dafür war natürlich eine weitere Ausbildung nötig, welche wiederum sehr streng war. Aber jetzt waren die Instruktoren nicht nur fordernd, sondern auch stets fair, was das Ganze zu einem äusserst positiven Erlebnis machte. Natürlich stimmte auch diesmal die Kameradschaft.

Als Captain war ich nun für völlig neue Aufgaben verantwortlich, welche ich mit Elan in Angriff nahm. Ich war auf dem Höhepunkt meiner Karriere angelangt. Wieder war es eine strenge Zeit, manchmal sogar ein wahrer Kampf, aber es hat Spass gemacht.

Als sich diese Woche das endgültige Ende abzeichnete und ich zum grossen Showdown antreten musste, habe ich nicht zurückgesteckt, sondern bis zum Schluss gekämpft. Zwar durfte ich nur noch im Simulator Hand anlegen, aber was soll’s! Ich habe nochmals die ganz grosse Schlacht geschlagen. Es wurde geklotzt und nicht gekleckert. Natürlich hat es nichts geändert: Mit ein paar salbungsvollen Worten vom „Big Boss“ wurde ich ausrangiert. Meine anwesenden Kameraden klopften mir danach aufmunternd auf die Schulter und versicherten mir ich sei mit erhobenem Haupt, kämpfend untergegangen…

Nun habe ich also meine Uniform zum letzten Mal ausgezogen. Aus, Ende, vorbei, abtreten. Einfach so. Irgendwie kann ich es noch immer kaum fassen. Aber es wird wohl auch ohne mich weitergehen.

Der Hauptmann Skypointer ist ab sofort Geschichte und die Panzer der Schweizer Armee rollen in Zukunft ohne mich. Zum Glück bin ich inzwischen auch zivil Captain und so falle ich deshalb in keine Identitätskriese…

Tower Views

18. Oktober 2013

Die Tage werden kürzer und die Temperaturen fallen langsam gegen null. Der alljährliche Winteroperations-Test ist erfolgreich bestanden. Ich sitze in Moskau traure den Sommertagen nach. Ich frage mich warum ich ausgerechnet jetzt, da der Winter langsam spürbar wird, vom Planungsrechner vier Moskau Rotationen in einem Monat erhalten habe. Ich versuche mich zu schonen, damit mich die zu Hause grassierende Virusinfektion hoffentlich verschont.

Da drängt es sich beinahe auf, statt draussen zu frieren, im warmen Hotelzimmer eine paar Fotos vom Chicago Kurztrip mit meiner Frau Anfang Oktober zu bearbeiten. Chicago? Passt aber gar nicht zum Kurzstrecken-Jungkapitän! Stimmt, aber ich hatte eine Woche Ferien und so haben wir die Gelegenheit genutzt wieder einmal etwas Langstreckenluft zu schnuppern.

Hier also ein paar Impressionen aus dem spätsommerlichen Chicago:

 

  

 

  

Natürlich machten wir auch Abstecher auf zwei der höchsten Gebäude der Stadt den Hancock Tower…

…und den Willis Tower.

 

 

Wieder zurück in der Schweiz rief dann die Arbeit auf der Kurzstrecke wieder. Meine erste Rotation nach den Ferien beinhaltete gleich eine dreistündige Pause in Zürich. Was tun? Von Chicago etwas Towergeschädigt und geistig wohl noch nicht ganz zurückgekehrt, entschloss ich mich zusammen mit meinem Copiloten und einem Flight Attendant zu einem Besuch auf den Turm mit der besten Aussicht auf dem Flughafen Zürich.

Bei interessanten Gesprächen und toller Aussicht verging die Zeit schneller als im Flug und die Pause war schon beinahe zu kurz.

Damit keine neuerlichen Gerüchte aufkommen: Nach unserem Besuch blieb keine Schoggi auf dem Turm zurück! Lediglich zwei Schachteln nicht alkoholische Luxemburgerli.

Zur Heldin der Schweizer Aviatik avancierte an diesem Tag hat übrigens die nette Verkäuferin der Confiserie Sprüngli, als sie mich darauf aufmerksam machte, dass die beiden Schachteln, die ich gerade bezahlen wollte alkoholhaltig seien. Nicht auszudenken was hätte passieren können, wenn anschliesend an unseren Besuch, eine durch meine Luxemburgerli angeheiterte Towercrew den äusserst komplexen Flugverkehr in Zürich geleitet hätte…