Archive for Dezember 2014

Der Winter ist da

27. Dezember 2014

Die Schweizer gaben sich ja redlich Mühe…

…aber die Norweger waren dieses Jahr eindeutig die Meister der Weihnachtsbeleuchtung.

 

 

Das ist aber bereits wieder Geschichte und mittlerweile kommen sie ja auch bei uns wieder zum Einsatz.

Der Kapitän in spe, für dessen Streckeneinführung ich das obige Wetter organisiert habe, absolviert heute, mitten im Wintersturm, seinen Final Check. Selber schuld, hat er sich bei mir doch beklagt, dass er in seiner Streckeneinführung nie richtige Winter Ops erlebt habe. Na dieses Problem hat er heute sicher nicht.

Aber vielleicht bleibt ihm wenigstens die Triebwerksenteisung erspart.

Ich übe derweil lieber das Schneemann Bauen:

In diesem Sinne wünsche ich allen einen entspannten Rutsch ins 2015.

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Der Zar

8. Dezember 2014

…hat in St. Petersburg bekanntlich seine nicht allzu bescheidene Residenz gehabt. Leider war mein geplanter Aufenthalt von 50 Minuten zu kurz für einen Ausflug zum Katherinen- oder Winterpalast.

Apropos Winter. Bei der Planung zeigte sich, dass die russische Ausgabe desselben offenbar auch noch auf sich warten lässt, was wir als durchaus positive Nachricht bewerteten. Da das Wetter auch sonst als recht gut prognostiziert war und in St. Petersburg für gewöhnlich nicht allzu viel Verkehr zu erwarten ist, entschlossen wir uns mit dem legalen Minimum loszufliegen.

Dank überpünktlichem Start in Zürich und etwas Rückenwind unterwegs kündigte ich meinen Passagieren eine Landung 20 Minuten vor der geplanten Zeit an. Umso überraschter waren wir, als wir im Anflug angewiesen wurden etwa 50 km südwestlich vom Flugplatz Warteschlaufen zu fliegen.

„Confirm you want us to hold over BAMAB?”

„Affirmative. Hold over BAMAB”

Shit was soll das? Nach dem fehlenden Funkverkehr zu urteilen, waren wir das einzige Flugzeug weit und breit.

„What is the reason for the delay?“

„Expect 15 Minutes delay”

Waaas? „Roger 15 Minutes delay. What is the reason?”

„Expect 15 Minutes delay”

Danke wir haben es kapiert. Es folgt eine Passagieransage in der ich, mangels besserer Erklärung, etwas von starkem Anflugverkehr fasle, was mich in den Augen eines jeden, der schon einmal in St. Petersburg war, völlig inkompetent erscheinen lässt.

Danach erörtere ich mit meinem Kopiloten unsere Treibstoffoptionen, was in einem sogenannten „Commitment“ für eine Landung in St. Petersburg endet. Das heisst unser Ausweichflugplatz Helsinki hatte sich soeben in Rauch aufgelöst.

Nach drei Warteschleifen und weiteren Verzögerungen im Anflug landen wir schliesslich mit gut 5 Minuten Verspätung in der ehemaligen Hauptstadt des Russischen Kaiserreiches.

Als wir nach einem eher mühsamen Boarding endlich wieder bereit sind und die Freigabe zum Zurückstossen des Flugzeugs einholen heisst es:

„Pushback approved, but I suggest to delay the engine start as you have to expect delay.“

Hä? „How much delay do we have to expect?”

„Expect delay before take-off”

Ja danke. Super Information. Und jetzt?

Zurückstossen und Triebweke starten. Scheiss drauf.

„SWISS 1311 ready for taxi”

„SWISS 1311 taxi holding point 28R”

Na also. Fünf Minuten später sind wir am besagten Holding Point und so wie es aussieht Nummer 3 für den Start. Aber nichts geht. Der Tower meint

„You are number 3 for departure. Expect delay.“

Herrgott nochmal! „How log is the delay?“

„Expect delay”

Schon klar! „What’s the reason?”

„Expect delay” Daaaanke!

Nach 10 Minuten warten tut sich endlich etwas. Der Business Jet vor uns kriegt eine Crossing Clearence für die Piste und soll auf der anderen Seite warten. Danach kriegen wir dieselbe Anweisung.

Was zu Geier soll das? Besser nicht fragen. Also machen wir die verlangte kleine Flughafenrundfahrt und warten alsbald auf der anderen Seite der Piste. Und jetzt? Seit bald 20 Minuten ist kein Flieger gestartet oder gelandet. Bummelstreik der Fluglotsen?

Plötzlich bemerke ich im peripheren Sehen einen Schatten. Ich drehe den Kopf und sehe wie knapp über unseren Köpfen ein MI-8 Helikopter einschwebt und auf der anderen Seite der Startbahn, wo wir noch kurz vorher gewartet haben, landet.

MI-8

Kurz darauf landet noch eine Kopie des ersten Helikopters.

„Da muss aber ein ganz wichtiger Kerl drin sitzen“ sage ich zu meinem Copi. Danach kommt plötzlich Bewegung in die Warterei und fünf Minuten später sind wir endlich unterwegs nach Zürich, wo wir mit 30 Minuten Verspätung landen.

Zu Hause konsultiere ich Professor Google und siehe da: Er war da!

Putin in Tsarskoye Selo

Er übte sich offenbar wieder einmal im Spiel mit dem Feuer. Züüsle nennt man das auf Schweizerdeutsch. Warum bin ich nicht überrascht?

Aber eigentlich sollte man meinen er hätte besseres zu tun. Genauso wie wir und unsere Passagiere besseres zu tun gehabt hätten, als ohne Informationen fast 45 Minuten auf seine Ankunft zu warten …

Ripples in the fog

6. Dezember 2014

Fast ganz Europa befindet sich zurzeit unter seiner Knute. Alles wird zugedeckt und im Grau ertränkt. Nur ein paar glückliche Bewohner von höheren Lagen sind darüber erhaben.

Von oben sieht es zwar nicht ganz so düster aus, aber langweilig ist es allemal. Ok, man sieht zwar die Sonne, aber blau/weiss während Stunden ist auch nicht viel interessanter als grau. Da ist man für jede Abwechslung dankbar.

Wir befinden uns auf 11‘600m, etwa 50km südöstlich von Frankfurt, über dem Spessart. Leicht gelangweilt schaue ich aus dem Fenster. Was ist denn  das? Parallel zu unserer Flugroute verläuft eine klar erkennbare Struktur in der Hochnebeldecke. Nichts klein räumiges, wie Dampfsäulen von Kraftwerken, sondern eine schnurgerade Linie, welche fast bis zum Horizont reicht. Zum Teil sind es mehrere parallele Rillen, dann wieder, viel weniger deutlich, nur ein einziger Schnitt. Aber immer ist die Struktur erkennbar.

P1050954

Ich nehme meine Kamera hervor und beginne zu fotografieren. „Was gibt es denn?“ fragt mein Copi. Ich mache ihn auf die Struktur im Nebel aufmerksam. „Sowas gibt es zum Teil entlang von Flüssen“ meint er.

Schon. Aber hier gibt es keinen Fluss. Und schon gar keinen so langen, schnurgeraden…

Ich notiere für spätere Abklärungen zur Sicherheit einmal die Koordinaten unserer Position. Dann schätze ich die Länge der Struktur. Es dürften ca. 200 Kilometer sein, bevor sich die Spuren, kurz vor der geschätzten Schweizer Grenze, verlieren. „Eine Autobahn?“ frage ich. Eine schlüssige Antwort finden wir hier oben mit unseren Mitteln nicht.

Zu Hause versuche ich das Foto etwas zu bearbeiten um die Struktur besser zur Geltung zu bringen. Nicht schön, aber klar erkennbar:

Ripples

Dann suche ich mit den notierten Koordinaten auf Google Earth nach des Rätsels Lösung. Tatsächlich verläuft da eine Autobahn. Die A81 führt in ziemlich gerader Linie von Würzburg, vorbei an Stuttgart bis nach Donaueschingen. 209 Kilometer. Passt perfekt.

Map

Und welche Lehren ziehen wir daraus? Auf der A81 gilt grösstenteils kein Tempolimit. Wenn man mit dem Auto genügend schnell „heizt“, dann bringen die daraus resultierenden Verwirbelungen offenbar sogar die zäheste Hochnebeldecke in Aufruhr.

In der Region von Stuttgart gilt allerdings Tempo 120. Dort ist die Struktur auch am schwächsten ausgeprägt und würde ohne die tieferen Furchen vor- und nachher wohl gar nicht auffallen. Ob das wohl am gedrosselten Tempo der Fahrzeuge auf diesem Abschnitt liegt?

Kann man das gefahrene Tempo auf den deutschen Autobahnen wirklich aus gut 11‘000 Meter an der Struktur einer geschlossenen Wolkendecke erkennen? Das wäre ja cool…

Er existiert!

5. Dezember 2014

Ok, ich weiss es klingt mehr als nur unglaubwürdig. Schliesslich glaubt, ausser ein paar Kleinkindern, niemand mehr wirklich an ihn. Ich laufe also Gefahr mich total lächerlich zu machen.

Und trotzdem! Ich glaube nicht nur an ihn, nein ich habe den endgültigen Beweis für seine Existenz!

Ich habe ihn mit meinen eigenen Augen gesehen und es ist mir gelungen ihn fotographisch festzuhalten. Nicht ein dubioses, verschwommenes Etwas, wie wir es vom Yeti und von UFOs kennen, sondern in Farbe und gestochen scharf.

Ich kann also beweisen und bezeugen, dass die uns allen bekannte Geschichte stimmt: Er lebt im hohen Norden. Dort habe ich ihn nämlich heute getroffen.

Ihr glaubt es nicht? Hier also der Beweis:

P1050940

P1050944 P1050948

Gesehen? Damit ist wohl auch der letzte Zweifler überzeugt: Der Winter existiert! Und das Gerücht geht um, dass er in den nächsten Tagen aus dem hohen Norden zu uns kommen soll. Höchste Zeit also die Skiausrüstung zu entstauben…