Gegen die Kommentarkatastrophe

In der Ausgabe der NZZ vom 3.12.2015 wurde ein Gastkommentar unter dem Titel „Gegen die Lärmkatastrophe“ von Adolf Spörri, seines Zeichens Präsident der „Stiftung gegen Fluglärm“ abgedruckt.

Nach reflexartigem, angewidertem Umblättern, hielt ich kurz inne. Soll ich mir das wirklich antun? Wohl besser nicht, aber die Neugierde bewegte mich trotzdem dazu zurückzublättern. Wenig überraschend habe ich mich danach ziemlich über die Kommentarkatastrophe genervt. Ich komme deshalb nicht umhin diesen Kommentar meinerseits zu kommentieren.

Disclaimer:

  • Alle Flughafengegner, welche sich nicht über die langatmigen Ergüsse eines erklärten Flughafenbefürworters aufregen wollen, sollten besser nicht weiterlesen.
  • Alle Flughafenbefürworter, die sich nicht über die verquere Argumentation eines Fluglärmgegners aufregen wollen, sollten besser nicht weiterlesen.
  • Alle die trotzdem weiter lesen tun dies auf eigener Gefahr.

Zuerst sollte man vielleicht erklären, was die selbsternannte Stiftung gegen Fluglärm bezweckt. Dazu zitiere ich die Stiftung selbst:

  1. Die gemeinnützige Stiftung bezweckt den Schutz der Bevölkerung des Kantons Zürich vor gesundheitsschädlichem und störendem Fluglärm sowie vor anderen gesundheitsschädlichen Immissionen des Flugverkehrs.
  2. Flugrouten sollen unter Anwendung modernster Methoden so optimiert werden, dass möglichst wenig Menschen durch Schadstoffe und Fluglärm gestört werden und darunter leiden müssen. Dem Bedürfnis des Menschen nach Nachtruhe ist gebührend Rechnung zu tragen.

Zur Erreichung dieser Ziele erteilt sich die Stiftung den Aufgaben:

  1. Aufklärung von Entscheidungsträgern aus Wirtschaft, Politik und Aviatik über die konkreten Auswirkungen des Luftverkehrs auf den Menschen
  2. Aufklärung der Bevölkerung über Lärmimmissionen und Schadstoffimmissionen
  3. Aufklärung der Bevölkerung über ihre Rechte bei übermässigen Immissionen einschliesslich Persönlichkeitsschutz
  4. Erstellen von Studien und Gutachten über Fragen des Luftverkehrs und deren Verbreitung
  5. Beurteilung von Lärmmessungsmethoden und Ausarbeiten von neuen Messmethoden

Na das tönt eigentlich ja ganz vernünftig. Ich will den Kommentar in der NZZ also daran messen.

Herr Spörris Kommentar erscheint in der Folge in blau, während meine Repliken in grün gehalten sind:

Die Schweiz braucht den Flughafen Zürich.

Danke Herr Spörri. Ich will sie an dieser Aussage messen.

Dieser erfüllt seinen Zweck als Tor zur Welt heute mehr als genug.

Hoppla. Schon wird zurück buchstabiert. Das Wort „mehr“ bedeutet dann wohl dass der Flughafen Zürich ihrer Ansicht nach schon jetzt zu gross ist und verkleinert werden sollte.

Tausende Geschäftsleute fliegen heute frühmorgens in die Hauptstädte Europas oder nach Übersee, um dort ihre Geschäfte abzuwickeln, die Wohlstand bringen.

Richtig. Trotzdem will Herr Spörri gerade diese frühmorgendlichen Flüge einschränken.

Touristen benutzen den Flughafen ebenfalls gerne und oft – und beklagen sich nicht, wenn es keine Direktverbindung gibt.

Korrekt. Die meisten Touristen beklagen sich nicht über unnötige Umsteigerei – Hauptsache möglichst billig. Bedeutet dieser Satz nun, dass Herr Spörri als Fluglärmgegner die Umsteigerei befürwortet? Das gibt doch mehr Lärm und mehr Immissionen an den Umsteige-Drehkreuzen. Will nicht die Stiftung genau dagegen ankämpfen?!? Oder sind an andern Flughäfen anfallende Immissionen egal? Das wäre dann Sankt Florianspolitik in Reinkultur!

Die Touristen, egal ob umsteigend oder nicht, bringen uns übrigens nicht den grossen Wohlstand. Das machen die von Herr Spörri oben erwähnten Geschäftsleute und für diese sind Direktverbindungen sehr wichtig. Ohne diese wären diverse internationale Grosskonzerne nicht in Zürich beheimatet. Direktverbindungen sind also für den Wohlstand in der Schweiz essentiell. Wegen des kleinen Heimmarktes können solche Direktverbindungen aber nur von einem Hub-Carrier garantiert werden, welcher den ungeliebten, aber unabdingbaren Umsteigeverkehr generiert. Das eine geht nicht ohne das andere. Leider.

Umfragen zeigen: Die Notwendigkeit des Flughafens Zürich ist breit akzeptiert.

Aha, spannend.

Die Schweiz, wie sie heute ist, ist ohne Flughafen Zürich undenkbar.

Sag ich doch. Danke.

Anders sieht es aus, wenn man mit den 300 000 Menschen spricht, die um den Flughafen leben.

Ich bin einer der 300 000 und ich mag mich nicht erinnern je mit ihnen gesprochen zu haben. Ich habe aber im meinem Leben schon mit unzähligen Leuten in der Region gesprochen und die meisten davon akzeptieren den Flughafen problemlos. Offenbar bewegen wir uns nicht in denselben Kreisen…

Sie werden von frühmorgens bis gegen Mitternacht von startenden und landenden Flugzeugen belärmt. Damit sind nachweislich erhebliche gesundheitliche Risiken verbunden.

Einige werden frühmorgens, andere spät abends noch andere tagsüber von landenden Flugzeugen beschallt. Gleich verhält es sich mit den Starts. Es wird aber kaum jemand von früh bis spät durchgehend beschallt, wie sie es implizieren. Also bitte nicht über-dramatisieren. Sie wollen doch informieren und nicht polemisieren – oder?

Aufgrund der Tatsache, dass der Bundesrat und das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) mehr direkte Verantwortung für die Entwicklung des Flughafens Zürich übernehmen wollen, wächst in der Zürcher Bevölkerung zu Recht die Besorgnis, dass ihre Bedürfnisse von Bern ignoriert werden.

Zweifellos trifft dies auf gewisse Leute zu, nicht jedoch auf die gesamte Bevölkerung, zu der ich mich, wie erwähnt, auch zähle. Sprechen sie als bitte für ihre Stiftung oder von mir aus für diejenigen, welche sich vom Flugverkehr übermässig gestört fühlen, aber sicher nicht für „die“ Zürcher Bevölkerung – dazu haben sie weder das Recht, noch den Auftrag.

Sie ist sich darin einig mit der Regierung des Kantons Zürich.

Welcher Politiker hat es je begrüsst, wenn seine Macht beschnitten wurde?

Die Stiftung gegen Fluglärm erhebt deshalb die folgenden acht Forderungen an den Regierungsrat des Kantons Zürich, seinen Einfluss für die lärmgeplagte Zürcher Bevölkerung geltend zu machen:

Das ist ihr gutes Recht. Fordern darf jeder.

Die Stiftung fordert den Regierungsrat auf, sich gegen den Versuch Bundesberns, die Interessen des Kantons Zürich zu untergraben, entschieden zur Wehr zu setzen.

Hoffentlicht tut er das. Sich für den Kanton Zürich einzusetzen ist seine Pflicht. Aber wer sagt denn eigentlich der Bund wolle die Interessen des Kantons Zürich untergraben?

Bundesbern probiert mit Unterstützung der Aviatik-Lobby, die dem Kanton Zürich in Flughafenfragen zustehenden Autoritäten unter Berufung auf die Bundeskompetenz mehr und mehr zu beschneiden.

Das ist hingegen schlicht eine Unterstellung. Vielmehr macht es durchaus Sinn, dass sich der Bund um für die Schweiz entscheidend wichtige Infrastruktur kümmert. Niemand käme z.B. auf die Idee das Streckennetz der Bundesbahnen kantonal zu verwalten. Es ist durchaus an der Zeit diesen Anachronismus bei den Landesflughäfen zu beheben, da deren Wichtigkeit für die Schweiz – angeblich? – sogar von ihnen akzeptiert wird.

Die Stiftung fordert den Regierungsrat auf, «Südstarts straight» weiterhin ohne Einschränkung abzulehnen.

Hmm. Warum nur? Der Sitz ihrer Stiftung ist in Gockhausen, wo auch sie wohnen. Gockhausen liegt bekanntlich im Süden des Flughafens. Zudem wohnen offenbar sämtliche Stiftungsräte ihrer Stiftung südlich des Flugplatzes. Werden da etwa Partikularinteressen über das Wohl der Zürcher Bevölkerung gestellt? Das würde aber gar nicht den hehren Zielen ihrer Stiftung entsprechen! Ist der Zweck der Stiftung Gemeinnutz oder Eigennutz?

Südstarts geradeaus machen aus Sicherheitsgründen extrem viel Sinn, da sie die Komplexität der Flugrouten massiv vereinfachen, Kreuzungspunkte minimieren und so das Risiko einer Kollision vermindern. Haben sie etwas gegen erhöhte Sicherheit?

Ein weiterer positiver Nebeneffekt der Entflechtung der Flugrouten durch Südstarts geradeaus wäre, dass die Kapazität des Flughafens viel weniger eingeschränkt würde. Dies würde sich bei gleich bleibenden Verkehr massiv positiv auf die Verspätungssituation am Mittag und in den frühen Abendstunden auswirken, weshalb die Nachtrandstunden weniger zum Verspätungsabbau benützt werden müssten. Weniger Nachtruhestörung ist doch das Ziel, oder?

Wer sich für das Wohl der Bevölkerung einsetzt, müsste folglich Südstarts geradeaus unter der Bedingung befürworten, dass die frei werdende Kapazität nicht durch neue Slots vergeben wird, sondern zur Verhinderung von Verspätungen verwendet wird. Das würde den Flughafen zwar kaum freuen, die unter den unhaltbaren Verspätungen leidenden Airlines hingegen schon. Lärmschützer und Airlines, die am gleichen Strang ziehen, das wäre durchaus erfolgsversprechend. Dazu müssten die Fluglärmgegner aber einmal Partikularinteressen und Fundamentalismus vergessen und den Blick für das grosse Ganze öffnen. Hoffnungslos? Ich fürchte ja.

Die Stiftung fordert den Zürcher Regierungsrat auf, sich gegen die nicht im Interesse der Bevölkerung liegende Kapazitätserweiterung des Flughafens zu wehren, da das Risiko terroristischer Anschläge mit der Grösse des Flughafens zunimmt.

Diese Aussage ist schlicht absurd. Mir sind keine terroristischen Anschläge der letzten Jahre bekannt, die ihren Ausgangspunkt auf einem der grössten Flughäfen der Welt hatten. Diverse jedoch hatten ihren Ursprung auf kleinen Provinzplätzen mit mangelhafter Sicherheitsinfrastruktur.

Gehören sie zu der Sorte Leute die versuchen selbst aus den grössten Verbrechen des Weltgeschehens politischen Profit zu schlagen? Ich empfinde den Versuch als pietätslos gegenüber den Opfern terroristischer Anschläge.

Wenn sie schon über verbrecherische Aktivitäten, welche die Sicherheit des Flugbetriebs in Zürich massiv gefährden, sprechen wollen, dann greifen sie doch einmal das Thema Laser Attacken auf. Da diese Verbrecher wohl zu ihrer Klientel gehören, könnten sie da vielleicht sogar etwas bewirken.

Die Infrastruktur des Flughafens darf nicht aufgrund von oberflächlichen Nachfrageprognosen ausgebaut werden, die eine theoretische Zielgrösse bleiben. Der Bund will gemäss luftfahrtpolitischem Bericht (Lupo) 2015 eine «engpassfreie Nachfrage» befriedigen, ohne Berücksichtigung der bestehenden Infrastruktur in Kloten. Der Bund prognostiziert deshalb nach der «Hockey-Stick-Methode» ein unrealistisches Wachstum der Passagier- und Bewegungszahlen, was zurückzuweisen ist.

Prognosen sind meist mit Unsicherheiten behaftet – vor allem jene, welche die Zukunft betreffen. Falls der Verkehr, wie von ihnen behauptet, weniger stark wächst als prognostiziert, dann führen die beseitigten Engpässe, wie oben erwähnt, zu weniger Verspätungen und damit zu mehr Ruhe in den späten Abendstunden. Was haben sie dagegen?

Übrigens finde ich Hockey-Sticks gut. Ich bin nämlich ein Hockey-Fan. Kloten Flyers – what else. LOL

Die Verlängerung der Piste 28 ist schnellstmöglich zu realisieren. Technologische Verbesserungen wie der gekrümmte Nordanflug sind rasch umzusetzen.

…und danach sind die Südanflüge zu verbieten, wollten sie wohl noch sagen. Die andern sollen ruhig mehr Immissionen haben, Hauptsache der Süden hat seine Ruhe. Jetzt entlarven sie sich selbst. Sankt Florian lässt grüssen.

Die Stiftung fordert den Zürcher Regierungsrat auf, die Interessen des Kantons Zürich und der Schweiz gegenüber der Fluggesellschaft Swiss wahrzunehmen. Im Lupo 2015 wird völlig ausgeblendet, dass Swiss eine ausländische Fluggesellschaft ist.

Falschaussagen werden durch gebetsmühlenartiges wiederholen nicht wahrer. Die SWISS operiert mit einer Schweizer Betriebsbewilligung (Air Operators Certificate) und hat ihren Steuersitz in der Schweiz. Damit ist die SWISS sehr wohl eine Schweizer Airline, auch wenn sie sich im Besitz der Lufthansa befindet.

Die SWISS ist zudem die einzige Airline, welche die für die Schweiz so wichtigen Direktverbindungen ab Zürich garantiert und die Tatsache, dass unsere unfähigen Politiker die SWISS 2005 für lächerliche 70 Millionen Franken an die Lufthansa verschenkt haben, kann man der SWISS ja wohl nicht zu Vorwurf machen. Die SWISS arbeitet nicht gegen die Schweiz oder Zürich, sondern erbringt essentiell wichtige Leistungen für diese. Alles andere ist Stuss.

Die Zürcher Gesetzgebung ist einzuhalten. Dazu gehört das Flughafengesetz einschliesslich Zürcher Fluglärm-Index (ZFI) und Nachtruhe. Die Stiftung fordert, dass der Regierungsrat den ZFI durchsetzt und im Verwaltungsrat der Flughafen Zürich AG die Einhaltung der Nachtruhe auch in den Nachtrandstunden fordert.

Und wie steht es mit den Bauverboten in den lärmbelasteten Zonen? Die Gemeinden haben meines Wissens daran gar keine Freude. Damit wären wir aber beim Kern des Problems. Die Flughafenregion ist zum Wohnen offenbar so attraktiv, dass die Bevölkerung in den letzten Jahren geradezu explodiert ist. Ein Grossteil der Bevölkerung stört sich offenbar nicht am Flugverkehr. Deshalb wird auch der ZFI, trotz bewiesenermassen massiv gesenkten Immissionen durch den Flugverkehr, immer mehr überschritten. Den Flugbetrieb deshalb immer mehr abzuwürgen ist völlig absurd, denn das Problem ist das Bevölkerungswachstum und nicht der Flugverkehr. Man könnte auch die Zwangsumsiedlung aller seit der Überschreitung des ZFI neu in die lärmbelasteten Zonen zugezogenen fordern. Dann wäre der ZFI durchgesetzt. Absurd? Aber sicher! Der ZFI funktioniert nicht. Das war den Fachleuten schon bei seiner Einführung klar. Gesetze die nicht funktionieren gehören geändert.

Ausnahmeregelungen zum Verspätungsabbau sind zudem gemäss Gesetz in den Nachtrandstunden erlaubt und damit gesetzeskonform. Verspätungen sollten aber natürlich minimiert werden. Eine mögliche Lösung, die den Fundamentalisten im Süden aber wohl nicht passt, habe ich ja bereits oben skizziert.

Die Stiftung fordert den Kanton Zürich auf, die Interessen seiner Bevölkerung in direkten Gesprächen auf höchster Ebene mit dem nördlichen Nachbarn wahrzunehmen; so, wie dies auch der Kanton Aargau mit grosser Selbstverständlichkeit tut.

Wer sagt denn dass der Kanton Zürich das nicht macht? Aber bitte mit Augenmass und Fachwissen, statt mit Engstirnigkeit und Halbwissen.

Aus dem Kanton Aargau stammt die (umgesetzte) Forderung, dass in den späteren Abendstunden unter 8000ft nicht mehr von den publizierten Flugrouten abgewichen werden darf. Das Ziel war eine bessere Kanalisierung des Lärms. Damit sollte – glaube ich – das Limmattal besser geschützt werden. Die absurde Konsequenz daraus ist aber, dass die um ca. 23 Uhr nach Norden startenden Grossraumjets mit Destinationen in Asien nicht mehr direkt nach Osten abdrehen können, sondern in einem 270° Bogen über das Limmattal abdrehen müssen und somit dieses erst recht beschallen.

So etwas passiert, wenn sich jeder Besserwisser in ein hochkomplexes System einmischen kann. Ökologischer und ökonomischer Unsinn zum Nachteil aller ist die Folge. Aber Hauptsache ein paar Politiker können sich brüsten etwas für die Bevölkerung getan zu haben.

Die dauerhaft unsicheren wirtschaftlichen Aussichten der Schweiz, wo durch die Unternehmen immer mehr Arbeitsplätze ausgelagert werden, machen einen dauerhaft wachsenden Zürcher Flughafen zu einer hochriskanten Investition.

Sorry das ist völliger Quatsch. Veränderte Flugrouten kosten nichts. Die Flughafeninfrastruktur steht zum allergrössten Teil. Von welchem Risiko und welchen Investitionen sprechen sie also? Die grösste noch offene Investition wäre wohl die Verlängerung der Piste 28. Aber gerade diese fordern sie ja selber. Bin ich der einzige der das inkonsequent findet?

Oder sprechen sie von „Circle“ Projekt? Dieses dürfte tatsächlich recht riskant sein, hat aber rein gar nichts mit dem Flugverkehr zu tun.

Das Zürchervolk hat Milliarden Franken in den Flughafen investiert;

Das ist aber schon ziemlich lange her und der Kanton hat seither ein Mehrfaches davon an direkten und indirekten Steuereinnahmen zurück erhalten. Zudem wurden seit 2005 vom Flughafen knapp 145 Millionen Dividenden an Kanton Zürich ausgeschüttet. Eine äusserst profitable Investition also.

es genügt, wenn dieser den Interessen der Schweiz dient und nicht als wachsender Hub ausländischer Fluggesellschaften missbraucht wird.

Netter Schlusssatz, welcher bestimt bei allen xenophoben Lesern einen abschliessenden Applaus finden wird. Politischer Profit, egal wie unappetitlich die Beweggründe sind, ist ekelhaft. Die SWISS, als einzige Hub Airline in Zürich, ist (wie oben erwähnt) sehr wohl schweizerisch. Aber um einmal auf Herr Spörris engstirnige Definition von „Schweizer“ Fluggesellschaft einzugehen: Wer kann diese Ansprüche erfüllen? Da bleibt wohl nur Herr Ebners Helvetic Airways. Diese fliegt aber nur einige wenige Feriendestinationen in eigener Regie an und keine einzige Langstreckendestination. Das ist wohl kaum ausreichend um die wirtschaftlichen Bedürfnisse der Schweiz zu befriedigen.

Der überwiegende Teil der Flugzeuge der Helvetic fliegt zudem im Wetlease im Auftrag der bösen deutschen SWISS. Damit ist gemäss Herr Spörris verqueren Standards wohl auch die Helvetic mehr deutsch als schweizerisch und es operiert keine einzige „wahre“ Schweizer Fluggesellschaft mehr in Zürich. Ein nur für ausländische Airlines betriebener Flughafen will Herr Spörri aber offenkundig erst recht nicht. Damit sollten wir den Flughafen Zürich also sofort ganz schliessen. Ziel erreicht?

Ich erlaube mir in der Folge ein persönliches Fazit:

Herr Spörri und die von ihm präsidierte Stiftung scheinen im Gegensatz zu ihren publizierten Stiftungszweck:

  • Nicht den Schutz der Bevölkerung des Kantons Zürich zum Ziel zu haben, sondern einzig die Partikularinteressen der Fluglärmgegner im Süden des Flughafens bedienen zu wollen.
  • Nicht an einer Optimierung der Flugrouten interessiert zu sein, sondern – entgegen gegenteiliger Lippenbekenntnisse – den Flughafen möglichst umfassend abwürgen zu wollen.
  • Nicht an einer Verminderung von Immissionen interessiert zu sein, sondern nur an deren Verschiebung in von ihnen nicht bewohnte Regionen, selbst wenn dies die gesamten Emissionen deutlich erhöht.
  • Mangels Willens und/oder Wissens keine Aufklärung zu betreiben, sondern mit zum Teil hanebüchenen Argumenten Stimmung gegen eine vernünftige Flughafenpolitik zu schüren.

Es ist mir ein Rätsel warum eine Zeitung mit den Qualitätsansprüchen der NZZ einem solch unqualifizierten Gastkommentator eine Bühne bietet und es bleibt zu hoffen, dass dies ein einmaliger Ausrutscher war und in Zukunft konstruktive Beiträge zur Flughafenfrage publiziert werden.

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6 Antworten to “Gegen die Kommentarkatastrophe”

  1. Ingo Says:

    Vielen Dank für diese ausführliche Auseinandersetzung mit dem „Kommentar“ in der NZZ! Es ist für mich als Deutscher, der in der Nähe der Einflugschneise der 14L in CGN lebt und unmittelbar in der Einflugschneise (die Flieger sind hier nur noch ca. 1000 ft AGL) arbeitet und sich nicht an den Geräuschen (ich rede extra nicht von Lärm!) des Flugverkehrs stört, interessant zu lesen, dass in der Schweiz ähnlich hanebüchen „argumentiert“ wird, wie in Deutschland.
    Im Umkreis meiner Arbeitsstelle liegen immer wieder Unterschriftenlisten der Fluglärmgegner aus. Häufig werde ich auch aufgefordert, dort zu unterschreiben. Ich lehne dies regelmäßig mit dem Argument ab, dass ich auch keine nächtliche Schließung der Zoobrücke fordere, obwohl diese 6-spurige Hochstraße in ca. 100m vor meinem Schlafzimmer-Fenster entlang führt. Die Brücke inkl. der Zufahrtsrampen hat nämlich schon gestanden, bevor ich hierher gezogen bin…

    Viele Grüße aus Köln, im „nördlichen Kanton“ 😉

    Ingo

    P.S.: Schön, dass es hier wieder häufiger etwas zu lesen gibt!

  2. Alexander Schmid Says:

    Bravo, nur bravo! Vielen Dank für die Richtigstellung!

  3. Lud38 Says:

    Genau darum lese ich dieses Käseblatt nicht!

  4. Danke! Says:

    “Es ist mir ein Rätsel warum eine Zeitung mit den Qualitätsansprüchen der NZZ einem solch unqualifizierten Gastkommentator eine Bühne bietet(…)“ Eben, um hier von einer Fachperson eine detaillierte und stichhaltige Replik zu erhalten. Sehr schön!

  5. Richi Says:

    Äusserst ausgewogen, IMO.

    Wenn ich nur schon „Gockhausen“ höre! Über diese Häuser würden diese „Südstarts straight“ führen…und dann weiter entlang der Hügelkette der „Goldküste“ , entlang dem Zürichsee.
    Wer da wohnt, hat das entsprechende Budget, für Mieten oder Grundstückspreise. Da wohnt nicht der Durchschnittsschweizer. Da wohnt auch nicht Skypointer.

    Drum kann ich hier nur zustimmen:
    Spörri’s Gockhausener Stiftungs-Einschätzung ist bei weitem nicht repräsentativ! (Siehe Gesamt-Zusammenhänge)….

    „Wer sich für das Wohl der Bevölkerung einsetzt, müsste folglich Südstarts geradeaus unter der Bedingung befürworten, dass frei werdenede Kapazität nich durch neue Slots vergeben wird, sondern zur Verhinderung von Verspätungen verwendet wird.“

    Dieser Teil von Skypointer’s Kommentar hat mir besonders gefallen/behagt. Zeigt er doch auf, dass wir es hier nicht mit einem Meinungs-Partisanen zu tun haben.
    Bei Adolf Spörri bin ich mir nicht so sicher:

    Möge er sich diese zugespitzten Pointer-Kommentare zu Gemüte führen;
    falls er überhaupt mitliest;-)

  6. FourGreens Says:

    Ich hoffe doch sehr, dass Herr Spörri (und diverse andere Fluglärmgegner) diesen Post lesen… auch wenn sachliche Argumente in einer oft so emotional geführten Diskussion oft wenig bringen. Ich wünschte mir, dass Fluglärmgegner sich ein wenig besser mit der Materie auseinandersetzen würden, die sie zu bekämpfen versuchen!

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