Alle Jahre wieder…

Mit Grauen erinnerte sich Santa an das Debakel vom Vorjahr mit dem Absturz in Zürich und seiner darauf folgenden Ausschaffungshaft, die bis weit in den Januar dauerte. Natürlich würde er heuer die Schweiz, selbst wenn er kein zehnjähriges Einreiseverbot aufgebrummt bekommen hätte, weit links liegen lassen…

Damit allerdings in Zukunft ein ähnliches Debakel mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden konnte, hatte Santa nicht nur eine lasersichere Brille beschafft, sondern auch seinen Schlitten gemäss den neuesten Spezifikationen der Luftämter aufgerüstet. Dass durch das immens höhere Leergewicht die Nutzlast erheblich verringert wurde, war dabei leider nicht zu verhindern gewesen.

 

Die kleinere Frachtkapazität war allerdings Santas kleinstes Problem. Der Schlamassel begann bereits im Sommer, als ein übereifriger FAA Inspektor, anlässlich des jährlichen Checkfluges, Rudolphs Zwillingsbruder beim Start kurzerhand erschoss, um zu testen wie Santa bei einem überraschenden Triebwerksausfall im Takeoff reagieren würde.

Danach musste ein neues Rentier angelernt werden, wozu Santa den seit Urzeiten bestehenden Umschulungskurs zuerst dem neuesten EU-OPS Syllabus anpassen musste. Nach der erfolgreichen Lizenzierung des neuen Rentiers musste dieses zu allem Überdruss noch eine LIFUS (Line Introduction Flights Under Supervision) Phase mit 50 Flügen durchlaufen, bevor es endlich zum Geschenketransport eingesetzt werden durfte. Rudolph, der dabei als AFO (Ausbildungs-Flug-Orakel) fungieren musste, wurden deswegen seine wohlverdienten Sommerferien gestrichen, weshalb er sich ernsthaft überlegte seine Instruktionstätigkeit an den Nagel zu hängen.

Das alles beschäftigte Santa in der für die Vorbereitung äusserst wichtigen Sommerpause im Übermass, so dass er, neben der Geschenkefertigung, beim besten Willen keine Zeit fand die neuesten Entwicklungen in der Welt zu verfolgen. Deshalb machte sich Santa kurz vor Weihnachten mit einem etwas mulmigen Gefühl auf den Weg…

Die Route führte vom Nordpol genau Richtung Süden. Beim Einflug in den sibirischen Luftraum wurde Santa nach seiner Überfluggenehmigung gefragt. Wie üblich antwortete Santa mit „Santa 24-12“. Zu seiner Überraschung lautete die Antwort des ATC Controllers, dass sein Einflug nach Russland wegen nicht bezahlter Gebühren nicht bewilligt werde. Zu Santas Verdruss musste er also kurz vor der Luftraumgrenze in eine Warteschleife einfliegen. Sofort kontaktierte er Väterchen Frost um die Angelegenheit zu klären. Dieser teilte ihm mit, die russische Regierung habe die Gebühren seit Anfang Jahr verzehnfacht. Auf die Frage nach dem Grund knurrte das ehrwürdige Väterchen: „Weil sie es können… Aber ich habe jetzt keine Zeit für Dich, denn ich muss mich nun – zu Fuss – auf den Weg machen, denn Fliegen kann ich mir bei diesen Gebühren schon längst nicht mehr leisten!“

Santa blieb also nichts anderes übrig als irgendwo im Nirgendwo zwischenzulanden und die Zeche zu begleichen. Der Beamte behauptete die Dollars und Euros, die Santa für Unvorhergesehenes immer dabei hatte, seien völlig wertlos und die Nordpol-Staatsanleihen, die ihm seit Urzeiten als letzter Notgroschen dienten, seien von jemandem namens Moodys, wohl aus einer Laune heraus, auf Ramschniveau herabgestuft worden. Santa blieb deshalb nichts anderes übrig als den Diamantring, den er Frau Müller von ihrem Mann überbringen sollte zu verticken. Als sich der Beamte für die Starterlaubnis auch noch den sündhaft teuren, für Herrn Huber bestimmten Armagnac unter den Nagel riss, platzte Santa definitiv der Kragen und als er endlich wieder abheben durfte, hallte sein lautes Fluchen noch lange durch die sibirische Nacht.

Immerhin ging die Reise nun weiter. Ziel: Mitteleuropa. Das Christkind hatte Santa angefragt ob er die „grande“ Nation beliefern könne, schliesslich müsse sein Flugschlitten für den Atlaniküberflug beim Hersteller mit ADS-B nachgerüstet werden. Also steuerte Santa direkt das Werftgelände des weltweit grössten Flugschlittenherstellers an. Dort angekommen wurde ihm eröffnet, dass sämtliche Handbücher mit sofortiger Wirkung nur noch elektronisch bereitgestellt würden und dass deshalb ein Weiterflug ohne Laptop nicht bewilligt werden könne. Trotz Santas lautem Protest, blieb ihm keine andere Wahl als den Laptop, den er Monsieur Dupont schenken sollte, zu konfiszieren und mit der umständlichen Software des Flugschlittenherstellers zu verseuchen.

Zu allem Überdruss wurde Santa vom einheimischen Geheimdienst noch genötigt einen mysteriösen Passagier mitzunehmen. Ohne diesen würde man ihm die Starterlaubnis verweigern, wurde unmissverständlich klar gestellt. Zu Santas Überraschung besass der Passagier durchaus eine gewisse Ähnlichkeit mit ihm selbst. Natürlich fehlte der Rauschebart, aber sonst hätte der sympathische, etwas einsilbige ältere Herr durchaus ein ganz passables Santa Double abgegeben.

Die Sache kam Santa reichlich seltsam vor. Natürlich fragte er nach dem Namen des gewichtigen Monsieurs. Auch weshalb der Herr nicht mit einer normalen Passagiermaschine über den Teich fliege und warum er unbedingt ins ferne Amerika wolle, verlangte Santa zu wissen. Mit den Antworten konnte er allerdings nicht besonders viel anfangen. Der Herr fliege nach Amerika, weil man dort nicht zweimal für das gleiche Delikt angeklagt werden könne und eine Linienmaschine schliesse sich „naturellement“ aus, schliesslich seien dort jede Menge Stewardessen an Bord. Aber Santa sei da wahrlich ein Geschenk des Himmels und überhaupt nicht gefährdet. Mit einem wissenden Augenzwinkern machte sich der Beamte aus dem Staub. Völlig perplex fragte Santa seinen Passagier wer zum Teufel er nun sei. Darauf antwortete der einsilbige Herr mit drei kryptischen Buchstaben: DSK.

„Komischer Kauz“ dachte Santa, und machte sich auf den Weg zur Sicherheitskontrolle. Dort wurde Santa beschieden, dass er das Parfum für Mrs. Miller leider nicht mitführen dürfe, da es nicht vorschriftsgemäss in einem durchsichtigen Plastikbeutel verpackt sei. Aller Protest nützte nichts. Das edle Flacon wurde zwecks Vernichtung konfisziert. Voller Wut packte die Zügel und macht sich auf den Weg.

Dank CPDLC war die Arbeitsbelastung während der Atlantiküberquerung gering, was Santa aber eher belastete, denn die zweckentfremdeten Geschenke lagen ihm bleischwer auf dem Magen und er wäre für jede Ablenkung dankbar gewesen. Auch sein Passagier war keine Hilfe, faselte er doch dauernd von irgendwelchen Verschwörungen, die ihn um irgendeine Präsidentschaft betrogen hätten.

Im Anflug auf New York wurde der unglückliche Santa nach Bradley umgeleitet, da an seiner Destination ein Schneesturm den Flughafen blockierte. Nach der Landung wurde Santa ein Standplatz am hintersten Ende des Flugplatzes zugewiesen und als er nach der Bodenabfertigung verlangte, wurde ihm beschieden, dass er erstens keinen Handling Vertrag besitze und zweitens weiss Gott nicht der einzige sei der eine Ausweichlandung in Bradley gemacht habe. Santa nahm all seine Geduld zusammen und versuchte die stundenlange Verspätung mit Fassung zu tragen. Nach über vier Stunden Warten tauchte endlich jemand auf. Mit Schrecken erkannte Santa den FAA Beamten, der Rudolphs Zwillingsbruder erlegt hatte…

Bevor Santa seiner Wut freien Lauf lassen konnte, beschied ihm der Beamte in arrogantem Ton, er habe gegen amerikanische Passagierrechte verstossen indem er seinen Passagier nicht alle 30 Minuten über Public Address informiert und nach der Landung mehr als 4 Stunden am Austeigen gehindert habe. Die Busse für dieses Vergehen betrage mehrere Millionen Dollar und bis zur Begleichung dieser Schuld werde Santas Flugschlitten samt Fracht konfisziert.

Dem mittlerweile völlig mittellosen Santa wurde ein Pflichtverteidiger zur Seite gestellt, der ihm riet seine Schuld abzuarbeiten. Deshalb tingelt Santa nun für einen Hungerlohn durch amerikanische Shoppingcenter und versucht in der Kommerzhölle Weihnachtsstimmung zu verbreiten, während er sich sehnsüchtig an das Vorjahr und die ruhige Zeit seiner Ausschaffungshaft in der fernen Schweiz zurückerinnert…  

Advertisements

5 Antworten to “Alle Jahre wieder…”

  1. nff Says:

    … alles was Santa da noch hilft, ist die Rückschulung auf die Kurzstrecke!

  2. skypointer Says:

    Gemäss der letzten FKK Aussicht soll es im Dezember 12 so weit sein. Mal sehen…

  3. Flohnmobil Says:

    Als Nichtflüüügerin verstehe ich zwar zwischendrin nur Bahnhof, aber ich habe mich trotzdem köstlich amüsiert.

  4. Severin Says:

    Etwas durch die Blume sagen war gestern. Es Lebe Santa!

  5. GR Says:

    Das hier wird euch auch gefallen:

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: