Light Pollution

Lichtverschmutzung. Darunter leidet Flora, Fauna und auch unsere Gesundheit. Wer es genauer wissen will, findet hier alle nötigen Informationen.

Als Hobbyastronom leiden natürlich auch meine nächtlichen Aktivitäten erheblich unter dem Streulicht der nahen Stadt Zürich und des nicht minder hellen Flughafens. Wegen dieser äusserst suboptimalen Ausgangslage werde ich von meinem Garten aus nie Astrofotos in wirklich guter Qualität schiessen können. Trotzdem habe ich kürzlich mein Equipment erheblich aufgemotzt. Obwohl ich das wahre Potenzial meiner neuen Ausrüstung nur bei einem Ausflug unter wirklich dunklen Himmel nutzen kann, konnte ich natürlich der Versuchung nicht widerstehen die neuen Gadgets von meinem Garten aus zu testen. Einen ganzen Monat musste ich warten, bis der Himmel endlich Gnade walten liess und mir einen sternenklaren Abend gönnte.

Nichts wie raus also. Brrr, saukalt! Die neue Nachführung auf den Himmelspol ausrichten. Kamera samt neuem Objektiv darauf schrauben. Kurzer Blick in den Sternenhimmel. Hmmm. Orion oder Plejaden? Plejaden. Kamera ausrichten. Fokussieren. Ein paar Probebilder zwecks Bestimmung der optimalen Belichtungszeit. Programmieren der Fernauslösung. Und dann wieder zurück in die warme Stube.

Ein Stunde später geht es nochmals kurz in die Kälte. Alles zusammenpacken und dann ab ins Bett, denn schliesslich muss ich morgen um 6 Uhr bereits ein Simulator Briefing halten. Dafür gibt es dann auch relativ früh Feierabend.

Schnell zurück nach Hause. Bilder von der Kamera herunterladen. Die Spannung steigt. Kurzes sichten, sieht gut aus! Jetzt kommt die Softwaremagie zum Tragen. 80 Bilder werden zu einer Langzeitbelichtung addiert und mit etwas zusätzlicher Bildbearbeitung entsteht ein einigermassen brauchbares Bild der Plejaden.

Aber was soll denn das? Da sind mir doch glatt zwei Kollegen vor der Linse durchgeflogen! Aber, aber…

Plejaden_Tail

Dank moderner Aufnahmetechnik und Bildbearbeitung ist diese Art Light Pollution heute zum Glück kein Problem mehr und so erstrahlt das Siebengestirn nach nochmals etwas Computermagie bald in gewohntem Licht:

Plejaden

Allerdings finde ich ehrlich gesagt das erste Bild fast noch besser. Ich weiss: déformation professionnel. Aber who cares?

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8 Antworten to “Light Pollution”

  1. Richi Says:

    Déformation professionel, ha ha, ko(s)mische Piloten;-)

    Wandernde blinkende Lichter am Nachthimmel und Kondensstreifen aller Art (letzthin sah ich einen zerfledderten, den der Flieger hinter sich liess, sah aus wie eine hieroglyphische Chromosomen Sequenz am Himmel) sind für mich ein kosmisches Phänomen unserer Zeit.
    Tja, ist so: Als Städter muss man immer weiter aufs Land hinaus, lebensqualitätsmässig, um einen „unpolluted“ Sternenhimmel zu bestaunen.

    Tolle Bilder!
    Danke!

  2. Peter Says:

    Sehr schöne Bilder, ich find das „lebende“ Foto mit den „Kollegen-Streifen“ auch interessanter : )

  3. balagotzy Says:

    Hallo skypointer ,

    verfolge diesen Blog schon seit Ewigkeiten.

    Heute gibt es ein interessanten Artikel in der NZZ (26.02):

    „Piloten werden immer mehr zu Systemmanagern“

    Viele Grüsse balagotzy

    • skypointer Says:

      http://www.nzz.ch/mehr/luftfahrt/piloten-als-systemmanager-1.18490389

      Der Artikel ist tatsächlich interessant, kratzt aber nicht einmal an der Oberfläche – darüber kann man ganze Bücher schreiben…

      Tatsache ist, dass mit der Computerisierung der Flugzeuge deren Komplexität massiv erhöht wurde. Die Arbeit eines Piloten besteht heute tatsächlich zu einem grossen Teil aus System-Management, aber alle anderen Aufgaben müssen trotzdem noch immer beherrscht und wahrgenommen werden. Die Computerisierung hat zwar den Navigator und den Flight-Ing ersetzt und nimmt dem Piloten in der normalen Operation viele Routineaufgaben ab, sobald aber technische Probleme und Fehlfunktionen auftreten müssen diese Jobs vom Piloten zusätzlich zur Fliegerei wahrgenommen werden. Die Arbeitsbelastung steigt dabei exponentiell ins beinahe unermessliche an, mit entsprechendem, negativem Einfluss auf die Fehlerquote.

      Der Artikel höchstens deutet an, dass Unfälle immer aus einer Verkettung von mehreren Ursachen besteht. Das Swiss Cheese Modell („http://de.wikipedia.org/wiki/Schweizer-K%C3%A4se-Modell) verbildlicht das ganz gut. Umwelteinflüsse, technisches Versagen, mangelhafte Ergonomie des Interface Maschine-Mensch, Spardruck der Selektion und im Training, Firmenstress, Übermüdung und letztlich natürlich auch Pilotenfehler bilden in sehr vielen Unfällen eine fatale kausale Kette. Der Mensch hätte mit optimalem Verhalten den Unfall meist verhindern können, dabei aber plakativ davon zu sprechen, dass 80% aller Flugunfälle durch menschliches Versagen der Piloten hervorgerufen wurden greift ganz sicher zu kurz.

      Ein gutes Beispiel dafür ist m.E. der Absturz von AF447. Natürlich war dabei die Reaktion der Piloten alles andere als optimal. Aber gerade Airbus nimmt den Piloten mit seiner konsequenten Umsetzung des Fly-by-wire jegliches taktile Feedback. Ein Pilot spürt also weder was sein Kollege, noch was der Computer steuert. Dass man das definitiv besser lösen kann zeigt der Konkurrent Boeing. Die mangelhafte Cockpit-Ergonomie war m.E. hier ein sehr wichtiger „Contributing Factor“, den man im Unfallbericht(http://www.bea.aero/en/enquetes/flight.af.447/rapport.final.en.php) vergeblich sucht.

      In den Unfall-Untersuchungskommissionen sind die Flugzeughersteller natürlich immer vertreten und das muss auch so sein. Aber hat das einen Einfluss darauf, dass am Schluss meist die (toten) Piloten, welche sich nicht mehr wehren können, die Hauptschuld tragen und die technischen und konstruktiven Aspekte eine untergeordnete Rolle spielen? Ein Schelm wer böses dabei denkt…

      Der NTSB Bericht (http://www.ntsb.gov/investigations/AccidentReports/Reports/AAR1003.pdf) über die Hudson Notwasserung zeigt die Probleme die mit einem modernen Flugzeug entstehen können. Der Bericht sagt klar, dass die Checklisten unbrauchbar waren und dass die Priorisierung der Warnungen mehr zur Ablenkung und Verwirrung führte, als zu helfen. Die technischen (ECAM-) Warnungen behielten den Piloten wichtige (dem System eigentlich zur Verfügung stehende) Informationen vor. Geändert wurde Herstellerseitig bis heute nichts.

      Trotzdem lief der Unfall erstaunlich glimpflich ab. Warum? Wegen der hervorragenden (wenn auch nicht völlig fehlerfreien) Entscheidungsfindung des Kapitäns, wegen der elektronischen Flugsteuerung (welche nur zur Verfügung stand weil sich der Kapitän nicht an die von Airbus vorgegebenen Checklisten hielt). Ohne die menschliche Komponente hätte es hier die totale Katastrophe gegeben!

      Was braucht es also, damit der Mensch zum entscheidenden Faktor wird um die fatale Ursachenkette zu stoppen?
      1. Piloten mit sehr guten Cognitiven und fliegerischen Fähigkeiten (Welche nicht zu Sklavenbedingungen arbeiten, weil man Leute mit diesen Fähigkeiten auch anderswo in der Wirtschaft brauchen kann)
      2. Eine gute Grundausbildug (kostet)
      3. Permanente Schulung und Weiterbildung (kostet)
      4. Möglichst wenig Stress im Umfeld (i.e. kein Firmenstress wegen Arbeitsplatzunsicherheit und Management-Ränkespielen)
      5. Ausgeruhte fitte Piloten (i.e. vernünftige Arbeitzeitregelungen)
      6. Ein non-punitives Meldesystem

      Leider scheint sich zurzeit der Industriestandard exakt in die entgegengesetzte Richtung zu bewegen. Die Prognose ist also einfach: auch in Zukunft werden die Flugunfälle, welches auf „menschliches Versagen“ zurückzuführen sind weiter zunehmen. Darin stimme ich mit dem Artikel überein.

  4. Richi Says:

    Geht’s noch oberflächlicher?“

    „…kratzt aber nicht einmal an der Oberfläche“…Zitat Skypointer, zum Artikel.

    Schön zu hören, was hier ein erfahrener (erflogener) Pilot zu sagen hat; zu diesem wohl berechtigten (aber nicht allzu tiefgründigen, wie’s aussieht) NZZ Artikel. Mir sind auch die „80 Prozent“ Anteil an „Pilotenfehlern“ aufgestossen, die der NZZ Autor den Piloten in die Schuhe zu schieben vermeint.
    80%??
    Wurde etwa niemand aus dieser fliegerischen Zunft konsultiert? Zwecks fachmännischem (fraulichem, um politisch korrekt zu sein) Rat?

    Nun: hier gibt’s Nachhilfe für die NZZ: Ausführlich und Most Differenziert!
    A la Skypointer;-)

    P.S: Herausgefunden hat die „Swiss Cheese“ Theorie, (die mit den überlappenden Schweizer Käse Scheiben-Löchern) ein gewisser Professor namens „Reason“.

    Omen ist Nomen…oder wie heisst das schon wieder?-)

  5. MissG Says:

    Tolle Fotos! Gibts dazu noch ein paar Eckdaten: Kamera, Objektiv, Belichtungszeit?
    Auch die Diskussion über den NZZ Artikel, sehr interessant! Danke für die ausführlichen Kommentare.

    • skypointer Says:

      Danke.

      Zum Foto:
      – Canon EOS 7D mark II
      – Canon EF 70-200mm f/2.8L IS USM @ 200mm f/4
      – 79 Einzelbilder von je 40 sec @ ISO 800 (dann war die Batterie leer)
      – Nachführung: i-Optron Sky Tracker
      – Stacking der Einzelbilder mit Fitswork
      – Und dann noch einiges an Bildbearbeitung…

      Der Flieger war nur auf einem Einzelfoto, welches einfach weggelassen werden kann, um die Leuchtspur zum Verschwinden zu bringen.

      • MissG Says:

        Aha, interessant. Vielen Dank für die Erklärung 🙂
        Ich freu mich schon auf weitere Bilder und Bloggeinträge.

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