Ripples in the fog

Fast ganz Europa befindet sich zurzeit unter seiner Knute. Alles wird zugedeckt und im Grau ertränkt. Nur ein paar glückliche Bewohner von höheren Lagen sind darüber erhaben.

Von oben sieht es zwar nicht ganz so düster aus, aber langweilig ist es allemal. Ok, man sieht zwar die Sonne, aber blau/weiss während Stunden ist auch nicht viel interessanter als grau. Da ist man für jede Abwechslung dankbar.

Wir befinden uns auf 11‘600m, etwa 50km südöstlich von Frankfurt, über dem Spessart. Leicht gelangweilt schaue ich aus dem Fenster. Was ist denn  das? Parallel zu unserer Flugroute verläuft eine klar erkennbare Struktur in der Hochnebeldecke. Nichts klein räumiges, wie Dampfsäulen von Kraftwerken, sondern eine schnurgerade Linie, welche fast bis zum Horizont reicht. Zum Teil sind es mehrere parallele Rillen, dann wieder, viel weniger deutlich, nur ein einziger Schnitt. Aber immer ist die Struktur erkennbar.

P1050954

Ich nehme meine Kamera hervor und beginne zu fotografieren. „Was gibt es denn?“ fragt mein Copi. Ich mache ihn auf die Struktur im Nebel aufmerksam. „Sowas gibt es zum Teil entlang von Flüssen“ meint er.

Schon. Aber hier gibt es keinen Fluss. Und schon gar keinen so langen, schnurgeraden…

Ich notiere für spätere Abklärungen zur Sicherheit einmal die Koordinaten unserer Position. Dann schätze ich die Länge der Struktur. Es dürften ca. 200 Kilometer sein, bevor sich die Spuren, kurz vor der geschätzten Schweizer Grenze, verlieren. „Eine Autobahn?“ frage ich. Eine schlüssige Antwort finden wir hier oben mit unseren Mitteln nicht.

Zu Hause versuche ich das Foto etwas zu bearbeiten um die Struktur besser zur Geltung zu bringen. Nicht schön, aber klar erkennbar:

Ripples

Dann suche ich mit den notierten Koordinaten auf Google Earth nach des Rätsels Lösung. Tatsächlich verläuft da eine Autobahn. Die A81 führt in ziemlich gerader Linie von Würzburg, vorbei an Stuttgart bis nach Donaueschingen. 209 Kilometer. Passt perfekt.

Map

Und welche Lehren ziehen wir daraus? Auf der A81 gilt grösstenteils kein Tempolimit. Wenn man mit dem Auto genügend schnell „heizt“, dann bringen die daraus resultierenden Verwirbelungen offenbar sogar die zäheste Hochnebeldecke in Aufruhr.

In der Region von Stuttgart gilt allerdings Tempo 120. Dort ist die Struktur auch am schwächsten ausgeprägt und würde ohne die tieferen Furchen vor- und nachher wohl gar nicht auffallen. Ob das wohl am gedrosselten Tempo der Fahrzeuge auf diesem Abschnitt liegt?

Kann man das gefahrene Tempo auf den deutschen Autobahnen wirklich aus gut 11‘000 Meter an der Struktur einer geschlossenen Wolkendecke erkennen? Das wäre ja cool…

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3 Antworten to “Ripples in the fog”

  1. Richi Says:

    Wo was ähnliches habe ich auch schon gesehen: Eine bleibende Erinnerung.
    Das kam so: Vor langer Zeit hatte die damals so genannte „Swissair“ eine Art Lotterie aufgeworfen: Für hundert Franken durfte man ein Ticket erstehen. Wohin? Das wurde dem unerfahrenen Passagier erst am Flughafen in Züri verraten.
    Somit hatte ich zugelangt und gebucht. Hin-und-zurück, irgendwo hin, wohin auch immer. „Schnupperflug“, ein gelungener Swissair Publicity Stunt: Einige flug-unerprobte Anfänger hatten mitgebucht.
    Die Dame am Counter nahm mein Billet in Empfang. Sie schaute auf irgend eine Liste. Ich war gespannt:
    „Hamburg“, wurde mir eröffnet, das war die Destination, hin und zurück.
    So stiegen wir mit einer MD-80 aus dem winterlichen Nebel. In einer langezogenen Kurve konnte ich den herausragenden Bachtel erkennen. Alsdann in Folge nichts als eine eintönige weiss-hellgraue Nebeldecke über dem Deutschen Flachland.
    Nichts?
    Gar nicht! Auf halber Strecke war da eine Spur auf der Decke, geradelinig wie die Skispur eines einsamen Langläufers. Sie erstreckte sich bis zum Horizont. Endlos wüstenähnliche Monotonie, und dann dieser Einschnitt: Habe den Eindruck bis heute nicht vergessen, hinunterblickend aus 30’000 Fuss..
    Ein Rätsel.
    Eine Option unter wahrscheinlich naturwissenschaftlich wesentlich fundierteren Erklärungen;
    Santa Claus on his Way:-)

    It’s still 6.12.

    • skypointer Says:

      Ping Pong Flug hiess das damals…

      Ich erinnere mich noch an all die Greenhörner, welche sich während dem kurzen Transit irgendwo im fremden Flughafen verirrt hatten und für den Rückflug vom Personal der Station krampfhaft gesucht werden mussten. 🙂

  2. zbygnev Says:

    … just ripples in the dirac sea … 🙂

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