Begegnung der dritten Art

Schon wieder sitze ich mit einer Matschbirne zu Hause und kämpfe gegen den Schlaf. Wieder habe ich eine Freinacht hinter mir. Diesmal kämpfen in Zürich wohl einige mit demselben Problem, fand doch gestern die Streetparade mit anschliessenden dröhnenden Partys statt. Ich habe die Nacht aber im Flugzeug verbracht. Ohne Drogen und Alkohol fühle ich mich wohl besser als manch ein Partygänger, doch das ist ein schwacher Trost.

Nach vier erlebnisreichen Tagen mit einem Copiloten in der Streckeneinführung, hat mir die Einsatzplanung noch einen Nachtturnaround nach Porto beschert. Zwei Stunden Hinflug und zwei Stunden Rückflug. Dazwischen drei Stunden Bodenzeit, wovon eineinhalb Stunden Pause im stromlosen Flugzeug waren. Die Einzigen, die dabei schlafen konnten, waren meine Füsse. Der unbequemen Haltung im Cockpitstuhl sei Dank!

Der Hinflug begann, wegen zahlreicher über die Schweiz ziehender Gewitter, mit einem eindrücklichen Lichtspektakel. Danach wurde es ruhiger, bevor der Flug dann im Anflug auf Porto mit einem weiteren Lichtspektakel – diesmal der dritten Art – endete.

Als wir uns einer mit etwa 2000 Metern relativ tief liegenden Stratus-Wolkenschicht näherten, sahen wir in den Wolken zahlreiche Blitze. Da sowohl von Auge, als auch auf dem Radar, weit und breit keine Gewitterzellen zu sehen waren, vermuteten wir ein Feuerwerk am Boden als Ursache. Kurz danach durchflogen wir eine dünne Wolkenschicht und als wir diese in einer Zwischenschicht unterflogen, unter uns immer noch eine recht geschlossenen Wolkendecke, erschienen auf der Wolkenunterseite über uns plötzlich zwei parallele Lichtspuren aus kleinen weissen Rechtecken. Das Ganze sah aus wie Laserschüsse in einer Raumschlacht eines billigen Sciencefiction Films.

Raumschlacht

Da aber weder ich, noch mein Copi esoterisch angehaucht waren, vermuteten wir handfestere Gründe hinter den seltsamen Lichtern. Während mein Copi auf den Laser einer Diskothek tippte, vermutete ich eher eine seltsame Spiegelung unserer eigenen Strobelights an den über uns liegenden Wolken. Allerdings konnte keiner den anderen überzeugen und so bleibt das Ganze wohl für immer ein Rätsel…

Nach der oben erwähnten unbequemen Ruhepause und nachdem meine Füsse auch wieder wach waren traten wir den ausserordentlich ruhigen Rückflug an, welcher, wie so oft in meiner Langstreckenzeit, mit dem sogenannten Südanflug auf die Piste 34 in Zürich endete.

Allen Unkenrufen zum Trotz, kann ich diesem Anflug noch immer nichts Negatives abgewinnen, ist er doch selbst an einem trüben Sommermorgen unglaublich schön…

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3 Antworten to “Begegnung der dritten Art”

  1. Severin Says:

    Einige Split-Piloten brachten als ich in Thessaloniki schlafen musste ihr Schlaf-Mäteli und Schlafsack mit. Bei uns wars dann umgekehrt. Der einzige der schlafen konnte war der Pilot, alle anderen lagen wach, da er schnarchte wie ein Herrgott 😉
    Und es gibt tatsächlich wenige Momente wo die Schweiz besser aussieht als bei einem morgendlichen Anflug auf Zürich!

    Grüsse,
    Severin

  2. Richi Says:

    Toll, die Bilder vom Zürisee von oben;… das letzte in der Reihe ist von vorne photographiert, richtung Züri, die vorhergehenden Photographien rückwärts gerichtet, Richtung Rapperswil, kommt es mir vor.

    Was mir noch nie aufgefallen ist: die herausragende Halbinsel Au findet ihr geologisches Gegenstück in der eingedellten Bucht auf der gegenüberliegenden Seite, und was es dort eben mit dieser einsam schattenspenden frühmorgendlichen Wolke quer über den See auf sich hat, entzieht sich meiner Erkenntnis.

  3. Erika Gellert Says:

    Hallo Skypointer, habe per Zufall Deinen Blog gefunden und ihn verschlungen.
    Mich faszinierte die Fliegerei schon immer und habe wohl meinen Sohn als Kind angesteckt. Er fliegt bei Eurer Mutti seit 20 Jahren. Leider sehe ich ihn nicht so oft, da er kaum Zeit hat und die wenige Freizeit mit der Familie verbringt.
    Trotzdem, wenn wir uns sehen, erzählt er immer auch sehr anschaulich über euren Beruf.
    Ich hoffe Du läßt deinen Blog nicht verkümmern, es würde mir sehr leid tun.
    Auch Deine Bilder sind echt Klasse
    MfG Erika

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