Tetris World Championship

Kürzlich haben wieder die Tetris Weltmeisterschaften stattgefunden und ich war dabei! Natürlich nicht als Mitspieler, denn dafür bin ich eindeutig zu alt und zu langsam. Stattdessen durfte ich staunend zuschauen, wie reihenweise Rechteckiges und Unförmiges gedreht, verschoben, gestapelt und zum Verschwinden gebracht wurde. Das Ganze fand dabei in einem Tempo statt, dass es mir beinahe schwindlig wurde.

Wer nun denkt die Teilnehmer dieser Weltmeisterschaften wären typische Computerfreaks, irgendwelche Nerds mit Hornbrille und fettigem Haar, täuscht sich gewaltig. Mehr als die Hälfte war weiblichen Geschlechts und durchs Band durchaus ansehnlich. Zudem gingen die Spieler(innen) zu meinem Erstaunen nicht etwa verkniffen ans Werk, sondern lächelten während dem Spiel freundlich und fanden sogar noch Zeit für etwas Smalltalk mit den Zuschauern.

Auch die Lokalität war einzigartig. Nicht etwa eine grosse Halle in irgendeinem Tagungszentrum am Ende der Welt, nein der Contest fand in einem Flugzeug statt! Der clevere Leser und geübte Vielflieger ahnt jetzt natürlich, das Bordunterhaltungssystem, welches ja standardmässig mit Tetris bestückt ist, könnte derart frisiert worden sein, dass die Spieler gegeneinander antreten konnten.

Falsch.

Zu den erschwerten Bedingungen dieser Weltmeisterschaften gehörte nämlich die Regel, dass statt simulierten, elektronischen Klötzchen, echtes, physisch existierendes Sperrgut versenkt werden musste. Was drängt sich also mehr auf, als zweihundert Passagiere, jeder bestückt mit Rollkoffer, Laptoptasche, Kleidertasche, Handtasche, Kameratasche oder Schminkkoffer, in eine A321 und auf 4 Flight Attendants losstürmen zu lassen, damit diese verzweifelt versuchen müssen all das Angeschleppte in die räumlich arg limitierten Hat Racks zu verstauen! Auf den höheren Levels kommen dann zu den üblichen Formen noch Pelzmäntel, Blumensträusse, Bilderrahmen, Schosshündchen, Gitarren, Cellos oder sonstige Abstrusitäten dazu…

overhead

Jeder der einmal Tetris gespielt hat weiss, dass im Laufe des Spiels der Rückstau immer grösser wird, bis schliesslich gar nichts mehr geht. Natürlich verhält sich dies auch an den Weltmeisterschaften nicht anders, auch wenn es bis zu diesem Punkt erstaunlich lange braucht. Falls einer meiner Leser also beim Einsteigen ins Flugzeug wieder einmal im Stau stecken bleibt, dann hilft nur eins:

keep-calm-and-play-tetris-32

…oder beugt vor, gebt das Gepäck auf und geniesst einmal so richtig unbeschwertes Reisen.

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4 Antworten to “Tetris World Championship”

  1. Severin Says:

    Mein Favorit waren jeweils die Hutschachteln. Unschlagbar im Gewicht aber gleichzeitig wahnsinnig fragil und extrem raumfordernd. Ein echter Tetris-Sprengkandidat! Und wehe man hütet seine Business-Class Hatracks nicht, Schwudipub sind gleich 4 Koffer der Eco darin verschwunden und deren Besitzer unauffindbar in den Tiefen des Flugzeugs verschwunden…

    Grüsse vom ehemaligen, ich spiele heute Tetris umgekehrt. Wie löst man möglichst effizient Verstopfungen, auch eine feine Sache.

    Severin

  2. Richi Says:

    Uff! Übel!
    Diese vollgestopften „overhead bins“…(„Kopfüberkübel“ oder wie übersetzt man das auf Deutsch?)…suche ich zu vermeiden.

    Zitat:
    „Gebt das Gepäck auf und geniesst so RICHTIG unbeschwertes REISEN“.
    : RR = really relaxed.

    Aus dem Flightdeck wieder mal ein gute Ansage von Captain Skypointer:

    Mit unbeschwerten Grüssen
    R.

  3. Domi Says:

    Immerhin muss sich der Capitano damit nur seltenst rumschlagen, oder?

    Celli ist übrigens am Rande bemerkt der Plural von Cello, und bei eurer deutschen Konzernmutter musste ich für meins immer einen extra-Sitzplatz buchen, da war nichts mit Hat Rack… 😦

    • skypointer Says:

      Danke für den Deutschkurs. Ist halt ne Fremdsprache für uns Helvetier… 😉

      Celli (setzt Kritik trotz fortgeschrittenem Alter sofort um!) gehen auch bei uns nicht ins Hatrack, sondern werden mit einem Spezialnetz auf einen (zu bezahlenden) Sitz geschnürt.

      Damit habe ich als Capitano aber wie beschrieben tatsächlich nur als Zuschauer zu tun. Wenn das Problem so weit eskaliert, dass es bis zu mir kommt – will heissen die Cabin Crew kann es nicht mehr alleine handhaben – dann gibt es eigentlich nur noch eine Lösung: Das Gepäck wird ausgeladen. Wahlweise ohne Passagier in den Frachtraum oder mit PAX ganz…

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