Karriereende

Eigentlich habe ich es ja kommen sehen, aber ich habe es bis zum Schluss verdrängt und so ging dann doch alles überraschend schnell…

An meine Grundausbildung erinnere mich noch, als wäre es gestern gewesen. Diese war nicht immer lustig. Die Instruktoren waren streng und nach unserer Auffassung nicht immer fair. Es gab viel zu lernen und der Druck wurde zum Teil künstlich und mit fraglichen Mitteln gross gehalten. Aber es gab auch positives: Die Ausbildung führte uns kreuz und quer durch die Schweiz, deren Geographie ich auf einem ganz neuen Niveau kennenlernte. Und dann war da noch die Kameradschaft, welche immer hervorragend war.

Danach durfte ich das gelernte anwenden und wurde selbst zum Ausbildner. Ich hoffe ich war fairer als meine Instruktoren damals. Auch erste Führungserfahrungen konnte ich sammeln. Diese erwiesen sich im Verlauf meiner weiteren Karriere, mit welcher es nun langsam aber stetig vorwärts ging, als sehr wertvoll.

Schliesslich folgte meine Ernennung zum Captain. Dafür war natürlich eine weitere Ausbildung nötig, welche wiederum sehr streng war. Aber jetzt waren die Instruktoren nicht nur fordernd, sondern auch stets fair, was das Ganze zu einem äusserst positiven Erlebnis machte. Natürlich stimmte auch diesmal die Kameradschaft.

Als Captain war ich nun für völlig neue Aufgaben verantwortlich, welche ich mit Elan in Angriff nahm. Ich war auf dem Höhepunkt meiner Karriere angelangt. Wieder war es eine strenge Zeit, manchmal sogar ein wahrer Kampf, aber es hat Spass gemacht.

Als sich diese Woche das endgültige Ende abzeichnete und ich zum grossen Showdown antreten musste, habe ich nicht zurückgesteckt, sondern bis zum Schluss gekämpft. Zwar durfte ich nur noch im Simulator Hand anlegen, aber was soll’s! Ich habe nochmals die ganz grosse Schlacht geschlagen. Es wurde geklotzt und nicht gekleckert. Natürlich hat es nichts geändert: Mit ein paar salbungsvollen Worten vom „Big Boss“ wurde ich ausrangiert. Meine anwesenden Kameraden klopften mir danach aufmunternd auf die Schulter und versicherten mir ich sei mit erhobenem Haupt, kämpfend untergegangen…

Nun habe ich also meine Uniform zum letzten Mal ausgezogen. Aus, Ende, vorbei, abtreten. Einfach so. Irgendwie kann ich es noch immer kaum fassen. Aber es wird wohl auch ohne mich weitergehen.

Der Hauptmann Skypointer ist ab sofort Geschichte und die Panzer der Schweizer Armee rollen in Zukunft ohne mich. Zum Glück bin ich inzwischen auch zivil Captain und so falle ich deshalb in keine Identitätskriese…

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9 Antworten to “Karriereende”

  1. Tweety Says:

    Und von einem Tag zum nächsten hat sich die Leistungsfähigkeit der Schweizer Armee um 6% gesteigert 😀

  2. aerodynamical Says:

    Schreck, lass nach – ich dachte schon in Zukunft auf einen der allerbesten Blogs verzichten zu müssen…

    aber: genial geschreiben wie immer!

  3. Peter Says:

    Na Gott sei Dank – damit ist die Gefahr, die von der Schweizer Armee für Deutschland ausging um mindestens 25 % gesunken.

    … und ich freue mich schon auf den nächsten so raffiniert geschriebenen Bericht von Dir !!!! Freizeit genug hast Du jetzt ja:)

    Gruß
    Peter

    • skypointer Says:

      Gefahr? Da hab ich doch gerade in einer epischen Panzerschlacht Rothenburg ob der Tauber gegen den bösen Gegner erfolgreich verteidigt! Der ELTAM (Eektronischer Taktik Simulator für Mechanisierte Verbände) ist nämlich „Made in Germany“ und arbeitet mit deutschen Karten…

      Wir haben also Deutschland gerettet. Wenigstens imaginär.

      Aber die grösste Gefahr aus der Schweiz scheint für Deutschland ja eh nicht unsere Amee zu sein, sondern unser (ebenso imaginärer?) Export von Fluglärm und der Import von Fahnen- äh – Steuerflüchtigen… 😉

  4. Bängbüx Says:

    Weisst du schon was du als nächstes in Angriff nimmst?
    Und schreibst du auch noch weiterhin?

  5. Richi Says:

    Da hatte sich ein beklemmendes Gefühl eingestellt. Ich dachte schon, der Ofen, bzw. der Blog wär aus. Blogout! Am Ende dann dieser subtile „Link“! Da bin ich wieder mal gelinkt worden. Schon wieder! Schlussendlich hat mich dieser durchtriebene Skyp….
    aufs neue reingelegt!

    Jedes mal denke ich mir: „Das passiert mir nicht nochmal!“;-(

    P.S: Die Saison erhöhter Rücken- Gegen- und Seitenwinde ist angebrochen, nehme ich an. Der Erfahrungsschatz der Kapitäne ist gefragt…

  6. Kerstin Says:

    Wieder mal Klasse geschrieben! Respekt!
    Ich hoffe auf viele weitere tolle Beiträge von Captain Skypointer!
    Gruß aus München

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