Ditching

Eine meiner letzten Taten als Copi-Instruktor war das Erstellen einer Powerpoint Präsentation zum Thema Notwasserung. Als jemand der sich etwas tiefer mit der Materie befasst hat, freute ich mich ausserordentlich, als ich kürzlich ein Ditching–Experiment am Modell eines bekannten Flugzeugherstellers miterleben durfte.

Da die Fähigkeit zu Notwasserungen natürlich nicht mit echten Flugzeugen empirisch getestet werden kann, sind die Hersteller zu Versuchen mit massstäblichen Modellen in Wassertanks und zum Extrapolieren der so erhaltenen Resultate gezwungen.

Ditching

Die Geschichte der Notwasserungen im Jetzeitalter zeigt, dass solche fast ausschliesslich als sogenannte „forced landing“ nach einem totalen Treibwerksausfall vorgekommen sind. Das berühmteste Beispiel ist sicher US-Airways 1549 im Hudson River, aber auch an die Ethiopian B767 vor den Komoren im Jahre 1996, kann sich vielleicht noch der eine oder andere erinnern.

So war ich nicht sonderlich erstaunt, dass bei dem Versuch, welchen ich miterleben durfte, das Modellflugzeug nicht mit einem Antrieb versehen war. Schon eher enttäuschte mich die Grösse des Wassertanks, in welches das Modell mehr oder weniger ballistisch katapultiert wurde. Dieser wies nämlich eher Badewannen- als Swimmingpoolgrösse auf, was allerdings, wie sich später herausstellen sollte, keinen Einfluss auf das Resultat hatte.

Lange sah alles nach einer perfekten Notwasserung aus. Im letzten Augenblick lief aber etwas brutal schief. Kurz vor dem „Splash Down“ schien die Strömung über den Flügeln abzureissen und die Flugzeugnase sackte abrupt nach unten weg, so dass diese als erstes das Wasser berührte. Weit entfernt von den 11° Nose-up, welche Airbus als optimalen Ditching-Pitch empfiehlt! Zudem hatte das Modell etwas Querlage, weshalb als nächstes der rechte Flügel ins Wasser eintauchte.

Trotz der recht kurzen Flügel und der Hecktriebwerke überschlug sich das Modell nun mit einem wahrhaften „salto mortale“, klatschte mit dem Rücken voran erneut ins Wasser uns sank augenblicklich auf den Grund des Wasserbeckens.

Zu meinem Erstaunen schien es bei diesem brutalen Aufschlag aber Überlebende zu geben, denn sofort setzte ohrenbetäubendes Geschrei ein. Bevor ich mich fragen konnte wer, bei einem Modell-Ditching so schrie, waren die Rettungskräfte vor Ort und hoben das Modell aus dem Wasser.

Zu meinem Erstaunen schien das Modell strukturell keinen Schaden genommen zu haben. Eine genauere Analyse des Versuches zeigte, dass der Rumpf tatsächlich nur geringfügige Kratzer aufwies. Weniger gut hatte allerdings die Elektronik des Modells auf den unfreiwilligen Tauchgang reagiert. Sie war irreparabel beschädigt.

Eine genauere Beschreibung der Resultate würde an dieser Stelle zu weit führen. Meine 22 Monate alte Tochter Stella, welche den Schub für den ballistischen Flug in unseren Gartenbrunnen geliefert hatte, hat das Ganze aber kurz, prägnant und gekonnt zweisprachig zusammengefasst: „Flugi bumm gmacht. Rotto!“

Aircraft Type: Fisher-Price Little People

Immatriculation: Mattel J0895-0

Test Facility: Skypointer’s Garden Fountain Test Center (Area 13)

Chief Test Pilot: Stella

Test Auswertung

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4 Antworten to “Ditching”

  1. Bängbüx Says:

    Da muss wohl noch jemand ein bisschen üben…
    Doch wie oft kommt es tatsächlich vor (falls es einmal mehr passieren sollte), dass Speed, Kurs Gegenwind, Wetter und Tageszeit alles perfekt mitspielen?

    Gruss

  2. Bernie Says:

    Merci für den spannenden Blog!
    Zur Info: Die Flugnummer des US Airways Flugs, der im Hudson River endete, war 1549 (nicht 1579).
    (Allerdings wurde die Flugnummer im Stress während des Notfalls mehrmals falsch wiedergegeben in der (ATC) Kommunikation.)

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