Upgrading

Schmutzli (für Nicht-Schweizer: Knecht Ruprecht) sass in seinem Studierzimmer und wälzte Bücher. Sein Schädel brummte und immer wieder schweiften seine Gedanken ab. Seine Hand griff nach einem der Brownies, welche ihm C.M. (Christmas Mädel), eine von Christkinds kleinen Helfern, kürzlich in den Briefkasten gelegt hatte. Motivin Forte.

Eigentlich hätte Schmutzli ja ein Direct-Upgrading zum Samichlaus (für Nicht-Schweizer: St. Nikolaus) vorgezogen, aber leider war dies aus Senioritätsgründen nicht möglich. So würde er, statt Anfang Dezember mit Nuss und Birnen die artigen Kinder zu beglücken, für einige Jahre Ende Dezember als Weihnachtsmann seine Sporen abverdienen und als Gehilfe des Christkinds Geschenke ausliefern, bevor er wieder auf seine geliebten Samichlausrouten versetzt würde. Ein hartes Los, aber das liess sich nicht ändern. Dass allerdings sein Upgrading zum Weihnachtsmann ausgerechnet über die Advents- und Weihnachtstage stattfinden musste, war doch sehr bemühend!

Der fachunkundige Normalbürger dachte wohl, dass so ein Upgrading keine grosse Sache sei. Schon gar nicht für einen Schmutzli mit über 17 Dienstjahren, der in dieser Zeit weiss Gott schon unzählige Weihnachtsmänner bei der Arbeit erleben durfte. Da sollte es wohl reichen sich den jahrelang angesammelten Dreck herunterzuwaschen, die braune Kutte gegen eine rote zu tauschen, den Bart weiss zu bleichen und die Rute durch den Bischofsstab zu ersetzten…

Weit gefehlt. Das Ganze begann Ende November damit, dass man ihn, zusammen mit neun  anderen angehenden Weihnachtsmännern, für drei Tage ins Kloster steckte, wo man eingehend über das von einem Weihnachtmann erwartete Verhalten diskutierte und die persönlichen Lernfelder gnadenlos aufdeckte.

Danach stand die theoretische Umschulung auf den kleinen Flugschlitten an. Endloses technisches Wissen über Rentiere, Kufen, Peitsche, Zügel, Bremssystem und vieles mehr muss in nur vier Tagen verinnerlicht werden. Aber damit nicht genug! Es folgen zwei Theorietage mit Leistungsberechnungen und einer zum Thema Beladung. Danach stand ein Kurs mit Notfalltraining am Boden auf dem Programm und natürlich würde jedes dieser Fächer mit einer Prüfung abgeschlossen.

Nun ging das Simulator Training los. Der Einstieg war ganz sachte mit Totalausfall der Geschwindigkeits- und Höhenanzeigen, gepaart mit einem Rentierausfall. Dann kam eine Blindladeübung mit diversen technischen Problemen, gefolgt von einem sogenannten „total loss of raindeers“ in der dritten Übung, wo Rudolph und sein Kollege mitten im Flug das Zeitliche segnen, was unweigerlich zu einer Notlandung irgendwo in der Pampas führen würde.

So aufgewärmt, standen danach zwei sogenannte pre-COST (Christmas Oriented Samichlaus Training) auf dem Programm, wo den Möchtegern-Samichläusen erstmals richtig auf den Zahn gefühlt wird. Dieses Wissen lässt der Instruktor danach in die drei darauf folgenden COST-Sessions einfliessen, wo jeder Samichlauskandidat an seine Grenzen gebracht wird. Doppelte Hydraulikausfälle, gepaart mit plötzlichem Rentiertod, defekten Zügeln, Rauch im Flugschlitten, totalem Stromausfall, Treibstoffleck, abgebrochenen Kufen und anderen Nettigkeiten, gilt dabei durchaus als realistisches Szenario! Womit nun jedem klar sein sollte, warum Weihnachtsmänner weisse Haare haben…

Falls er dieses Training überleben sollte, könnte Schmutzli danach zum sogenannten Skill Test antreten, bei dessen Bestehen, ihm die Lizenz zum Führen des kleinen Flugschlittens erteilt würde. Nach einem Kurstag mit dem Chefjuristen des Weihnachtsamtes FOCA  (Federal Office of Christmas Aviation) zum Thema Rechte und Pflichten eines Weihnachtsmannes, einem sogenannten Weihnachts-Ops Kurs und einem Crew Resource Management Training mit angehenden Weinachtswichtel-Gruppenführern, würde dann dem Flugtraining mit einem echten Flugschlitten nichts mehr im Wege stehen.

Anschliessend, mittlerweile Mitte Januar, dürfte Schmutzli unter Überwachung eines Instruktors endlich mit dem Ausliefern von Weihnachtsgeschenken beginnen und würde nach einem weiteren Monat, vorbehältlich seines bestandenem Final Checks,  endlich in den Rang eines Weihnachtsmann erhoben.

Allerdings fragte sich Schmutzli in seinen lichten Momenten, ob die Samichlaus-Dispo Ende Februar überhaupt noch Weihnachtsmänner benötigen würde oder ob er dann sofort zum Osterhasen umgeschult würde, damit er pünktlich auf nächste Weihnachten bereit wäre Ostereier auszuliefern…

Advertisements

8 Antworten to “Upgrading”

  1. Schubse Says:

    Hast ja Eier, also Ostern! Schokoosterbrownies….. Bei der mageren EU crewschublade kannst dir die figurtechnisch auch leisten. Gutes gelingen Caroline FCG

  2. Manfred Says:

    Endlich wieder einen Eintrag…..! Weiter so, es macht Spaß zu lesen.

  3. Gert Says:

    ist ja immer wieder erfrischend!

    Danke

  4. Lud38 Says:

    Grande! 🙂 zum Glück arbeitet Schmutzli noch, mir wurde geflüstert das bereits einige Samichläuse im Sommer begonnen haben ihre Schlitten zu frisieren und sich zurückgezogen haben. Seither fehlt von ihnen jede Spur und viele Kinder sind sehr traurig, da sie Angst haben, dass bei Ihnen keine Geschenke verteilt werden. Zum Thema Schlitten Empfehle den Beitrag von einem angehenden Schmutzli: http://fourgreens.blogspot.ch/
    und dabei insebosndere dieses Video: http://www.youtube.com/watch?v=50vE47DGEy4
    Eine schöne Adventszeit allerseits!

  5. Severin Says:

    Klasse! Mögen zahlreiche Grittibänze genügend Kalorien fürs Upgrading liefern. Der Typ der die Konstitution des Zukünftigen Weihnachtsmanns überprüft darf sich in diesem Halbjahr den ganzen Bauplan sammt Zugbelastungen, Treibstoff- und Signalleitungen einverleiben. Was das heisst kann hier betrachtet werden. Wir begnügen uns aber nicht nur mit der Makrostruktur des Weihnachtsmanns auch die Mikrostruktur will verstanden werden. Für Systemfehler sollen dann die kommenden drei Jahre genügen 😉
    Unser Leistungsfeedback erhalten wir dann wohl etwa zur selben Zeit, meiner einer schwitzt am 22. Januar!

    Grüsse, Severin

    PS: Wenn du wissen willst wie die Körperteile verbunden sind die du so arg strapazierst: http://130.60.57.53/anatomie/Anatomie.html?Topographie#

    • skypointer Says:

      Der Prof. Groscurth schwirrt noch immer im weissen Kittel durch die geheiligten Gänge der Uni Zürich? Unter dem habe ich doch schon vor 20 Jahren Knochen, Muskeln, Blutgefässe und Inervation gepaukt! Macht er sich bei den weiblichen Kommilitoninnen noch immer so beliebt? 😉

      Manche Dinge ändern sich wohl nie…

  6. Richi Says:

    Köstliche Lektüre – so kann man es auch sehen:o)
    So ein Upgrading hat es in sich. Respekt!
    Und wo Du davon sprichst, dass man euch „für drei Tage ins Kloster steckte“, fällt mir ein, was einst ein Schriftsteller-Pilot und Kapitän schrieb. Er sprach von festen Vorschriften und von „Mönchen eines technokratischen Ordens, deren Exerzitien, Riten und Kulte sich auf die Zahl beziehen. Mit einer strengen Hierarchie: Novizen, Eingeweihte, Priester. Auch Tempeldiener. Mit asketischen Ordensregeln.“

  7. Bettina Says:

    Herrlich geschrieben! Weiterhin viel Erfolg beim Upgrading.
    Bettina

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: