Letztflug

Eigentlich wollte ich ja noch einen grossen Beitrag zu meinem Abschied von der Langstrecke schreiben. Ein Potpourri der schönsten Fotos schwebte mir vor oder eine Zusammenfassung der rührseligsten Erlebnisse. Aber daraus wird nichts und das ist wohl auch gut so.

Statt nochmals alte Geschichten aufzuwärmen, habe ich in den letzten Wochen unzählige Simulator Übungen gegeben und daneben endlos viele Manuals durchforstet. Die spärliche Freizeit welche dabei noch blieb, haben unsere beiden Twins vollständig für sich beansprucht, so dass es auf diesem Blog schon fast beängstigend ruhig geworden ist…

Grosszügiger Weise durfte ich im November aber wenigstens noch einen Flug absolvieren und so sitze ich nun in Los Angeles und kann, während die Twins gut 9000 Kilometer entfernt hoffentlich selig schlafen, für einmal ungestört ein paar Zeilen schreiben. Für einen grossen Schlussbeitrag reicht die Zeit zwar nicht, aber eigentlich stehe ich ja auch nicht vor einem Schluss, sondern vor einem Neuanfang und so lasse ich es bei ein paar Eindrücken von meiner letzten Rotation als Copilot bewenden:

Nach dem Start streckte sich der Zürcher Hausberg aus dem Nebel empor und wünschte mir persönlich einen guten Flug, während dahinter das Alpenpanorama Spalier stand. Aber auch die Basler Landschaft liess sich nicht lumpen und aktivierte zu meinen Ehren eigens seine etwas eigenwillige Interpretation der Niagarafälle.

Nach meiner Ruheschicht im Crewbunk grüsste mich ein Sonnenuntergang über Grönland und, nachdem es sich anfänglich unter Wolken verkroch, besann sich auch Kanada noch eines besseren und präsentierte mir in der Nähe von Winnipeg nochmals seine spezielle Interpretation von Kubismus.

 

Danach zeigten sich auch die Badlands in Montana von ihrer besten Seite, bevor sich die Rocky Mountains, Las Vegas und Los Angeles sich wieder hinter dichtem Gewölk versteckten.

Der Anflug in Los Angeles war nochmals eine Herausforderung. Ein zweimaliger Wechsel der Anflugpiste und ein Hundewetter, wie es im sonnigen Südkalifornien, wo es angeblich nie regnet, gar nicht existieren dürfte, liessen den Genuss in den Hintergrund treten und das Ganze artete nach gut 12 Stunden Flugzeit nochmals in Arbeit aus.

Anderntags erholte sich das Wetter und auch die Autovermietung gönnte dem angehenden Upgrader zum Abschied ein Upgrade, so dass ich mit einem Chevrolet Camaro Cabriolet über die Freeways brettern durfte.

 

Der Ausflug führte mich, nachdem ich ein letztes Mal die obligate Shoppingliste abgearbeitet hatte, nach Santa Monica, wo ich nochmals im California Lifestyle schwelgen durfte.

 

Zurück in Long Beach konnte ich mit meinen Cockpitkollegen beim Nachtessen nochmals in Erinnerungen schwelgen. Anderntags traff ich beim Frühstück die beiden Copi-Kollegen, welche am Vorabend in L.A. angekommen waren und so wurden die Diskussionen in ähnlichen Stil vortgesetzt.

Nach einem kurzen Spaziergang am langen Strand von Long Beach, hiess es dann ein letztes Mal vorschlafen um für den langen Rückflug fit zu sein…

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12 Antworten to “Letztflug”

  1. Dave Says:

    … Sehr schöner Beitrag 🙂 Wie sieht denn dein nächster Einsatzplan so aus?

  2. Do Says:

    Ich mag deine „Trip Reports“ (inkl. der schönsten Spazierstrecken)!

    Ich wünsche dir viel Spaß und Erfolg in der Kapitänsschulung!

  3. TWR Mädel Says:

    …dafür darfst du nachher dann auch ab und zu unter dem TWR parkieren… 😉

  4. Michael Says:

    Angenommen, Du wolltest das so : Keine Chance, als Kapitän gleich wieder Langstrecke zu fliegen ?

  5. Captain D. Says:

    Gut ist er ja, der Kollege skypointer. Aber ein Einstieg als Kapitän gleich auf der Langstrecke… das schafft keiner. Ganz einfach, weil es unsere Verfahren nicht zulassen.

    Doch auch die Kurzstrecke hat ihre Reize, gell, nff?!

    Ich wünsche skypointer viel Glück und Spass; ersteres wird er wohl kaum in Anspruch nehmen und letzteres nur verschwommen. Den Blick getrübt von der endlosen Lektüre ungezählter pdf’s. Dank iPad leben Bäume länger und Upgrader leichter.

    Toi, toi, toi – bis bald auf der Langstrecke!
    Dide

  6. Richi Says:

    Wow!
    Schoggiconnection, Schweizer Schokolade: Alles altbekannt, mehr oder weniger.
    Aber Schweizer Niagarafälle in Basel Land waren mir bisher unbekannt:

    Tolle Photos! Long live Skypointer & Blog!

    Jetzt frage ich mich: Ist so ein „Layover“, sprich Aufenthalt, als Copilot in einem Langstrecken-Los-Angeles-Hotel eher zuträglich?
    Oder anders gefragt:
    Wird ein 25-Minuten-Turnaround als Kurzstrecken Kapitän eher abträglich sein? …nachträglich keine Zeit für etwelche Blog Einträge,… da über-und-überbeschäftigt?

    Nun, wir haben Skypointer, den Fotographen.
    Schick uns einfach weitere Fotos, sollte Dir die Zeit abhanden kommen für die weiteren geschätzen Texte: Die Photos! Sind zumindest die Halbe Miete, würde ich sagen.

    • skypointer Says:

      Im 25 Min Turnaround bleibt sicher keine Zeit zum Bloggen. Aber dafür wird wieder markant mehr geflogen und so dürfte es auch wieder mehr zu berichten und fotografieren geben…

      Also dürfte es kaum weniger werden als im Moment – was ja auch kaum möglich ist 😉

  7. Captain P. (frei nach Dide) Says:

    … wünsche Dir viel Spass im UPG und auf der linken Seite unter FL200. Wer weiss, vielleicht kreuzen sich unsere Wege einmal im Simi oder auf der Strecke – denke dran, die beste Antwort auf eine Frage ist: ES CHUNT DRUFAA.

  8. Severin Says:

    Super Bilder, super Text. Da kommt gleich Wehmut auf. Freue mich auf wetere die die Sehnsucht lindern und schwitze derweilen im runtergekühlten Präpariersaal (geteiltes Leid ist halbes Leid?). Im Januar ists dann auch vorbei mit komplexen Organsystemen in einem halben Jahr reinbuttern. Sind wir eigentlich fast gleich weit, nur dass dein Job nach dem Januar wieder Spass macht und meiner frühestens in 4 Jahren Kontakt zu Menschen zulässt 😉

    Also weiterhin viel Vergnügen und Spass im Simi!

    Grüsse, Severin

  9. G! Says:

    Viel Erfolg im Upgrading (Spass gibts erst danach ;-)). Aber den Sim kennst du ja eh auswendig und alle fiesen Instruktorentricks kennst du ja eh.

    G!

    PS: Dann ist der Camaro in LAX jetzt ja endlich mal frei… 😀

  10. Richi Says:

    Lang wird’s wohl nicht mehr dauern: Freue mich auf Kurzstrecke und Blog.
    Oder um es im Fan-Jargon zu sagen:
    „Can’t wait!“

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