Nur heisse Luft

Zum ersten Mal seit über einem Monat lenke ich ein Flugzeug Richtung Piste. Ich fliege mit der A340 einen ILS Anflug auf die Piste 05R in Kairo. Der allzu knappe Radarvektor des Anflugcontrollers hat mich dazu gezwungen den Autopiloten schon früh auszuschalten, da es viel einfacher ist das Flugzeug nach Sicht Richtung Piste zu steuern, als der Automatik beizubringen dem Gleitweg zu folgen, obwohl wir uns noch nicht 100% auf dem Leitstrahl befinden.

Leichte Thermik rüttelt an der Maschine und zwingt mich immer wieder zu feinen Korrekturen des Flugweges. Die letzte Wettermeldung lautete Wind aus 310° mit 10kt, schönstes Wetter, 38°C, Luftdruck 1006 hPa. Als ich diese Meldung gelesen habe, sagte ich zu meinem Kapitän: „38°C? Da wird die Luft über dem heissen Asphalt der Landebahn aber reichlich dünn sein! Das kann ja heiter werden!“

Ich schalte die automatische Schubregelung aus, denn mit manuellem Schub habe ich das Energiemanagement besser unter Kontrolle – und ich bin selber schuld, wenn der Schub nicht stimmt.

300 Fuss über Grund. Ich bin voll konzentriert. Die Geschwindigkeit ist etwas zu hoch und ich bin leicht über dem Gleitweg und ein „Muggenseckeli“ rechts der Pistenachse. Ein feiner Input am Sidestick korrigiert diese Ablagen, aber am Schub ändere ich nichts, denn mein Bachgefühl sagt mir, dass ich die zusätzliche Energie noch brauchen kann…

… 50 Fuss über Grund. Wir überfliegen die Pistenschwelle und plötzlich spüre ich, wie die Maschine durchsäuft. Ein kurzer Blick auf die Geschwindigkeitsanzeige zeigt, dass meine Energiereserve sich in Luft aufgelöst hat. Reflexmässig ziehe ich am Sidestick. Die Nase kommt hoch, aber die Maschine säuft weiter durch. Meine linke Hand schiebt die Schubhebel nach vorne. Die Triebwerke heulen auf und ich spüre, dass die Sinkrate leicht abnimmt. Gut so, aber nicht gut genug. Ich schiebe die Hebel noch weiter nach vorne und bemerke, wie sie einrasten. Hoppla. Das heisst ich habe Steigflugleistung! Endlich nimmt die Sinkgeschwindigkeit ein vernünftiges Ausmass an. Ich ziehe die Gashebel zurück in den Leerlauf und setzte die grosse Lady sanft auf die 300 Metermarkierung der Landebahn. Umkehrschub. Bugrad landen. Abbremsen.

Als wir von der Piste rollen gratuliert mir der Kapitän zur tollen Reaktion und meint ohne diese hätte es wohl eine Hardlanding gegeben. Ich grinse ihn an und sage: „Na etwas müssen wir ja noch besser können als die Automatik!“ Trotzdem bin ich froh, dass ich die heikle Landung dank Voraussicht, Erfahrung und dem nötigen Quäntchen Glück in den kritischen Sekunden so erfolgreich hinter mich gebracht habe.

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3 Antworten to “Nur heisse Luft”

  1. opatios Says:

    Hört sich nach einer Landung an, bei der man das Gefühl hat, den Applaus der Passagiere wirklich verdient zu haben. 😉

  2. TWR Mädel Says:

    …manchmal ist es auch von Vorteil, ein alter Hase zu sein…

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