Rauchpause

5 hours 30 minutes into the mission. Nach vier Stunden im Crewbunk, fliege ich nun seit einer Stunde als Pilot in Command auf dem linken Sessel Richtung Los Angeles. Grönland liegt hinter uns und in gut knapp 10 Minuten werden wir unseren Ausweichflugplatz Iqualit überfliegen.

Gut ausgeruht und mit mittlerweile gefülltem Magen lehne ich mich in meinem Sitz zurück. Ein Kaffee ist alles, was zu meinem Glück noch fehlt. Ich schaue den Kollegen zu meiner rechten an und sage: „Etwa hier entwickelte auf meinem letzten L.A. Flug ein Passagier medizinische Probleme, was uns den Flug ziemlich versaut hat…“

Mein Blick schweift über das EFB, welches wieder einmal nur einen schwarzen Bildschirm zeigt. „Zum Glück werden die Scheissdinger nun endlich ersetzt. Die waren schon vor vier Jahren unbrauchbar und da waren sie noch neu.“ knurre ich vor mich hin und versuche das Stück Sondermüll neu zu starten.

Ein mir wohlbekannter Duft steigt in meine Nase. Mein Kaffee? Nein, genauso stank vor drei Tagen mein Fernseher, als er das Zeitliche segnete! „Scheisse! Electrical Smell“ sage ich zu meinem Kollegen „Riechst Du das auch?“ „Nein“

„Ist etwa das EFB durchgeschmort?“ frage ich mich. Ich beuge mich über den schwarzen Bildschirm und tatsächlich verstärkt sich der Gestank. Sofort reisse ich die Stromversorgung raus, drehe das EFB auf den Kopf und entferne die Batterie. Mein Kollege schaut mich fragend an und ich reiche ihm das nun stromlose Gerät mit der Frage: „Das stinkt doch, oder?“

„Das Paceblade nicht, aber jetzt rieche ich auch… He da qualmt doch etwas links neben Dir.“ Ich drehe den Kopf und sehe ein dünnes Räuchlein aus der Aufbewahrungsbox für die Notfallchecklisten aufsteigen. „Das Netzteil des EFB!“ schiesst es mir durch den Kopf. Ich reisse das Stromkabel aus der Steckdose und das Netzteil aus der Box. Tatsächlich qualmt Kabel im 12 Volt Bereich nach dem Netzteil noch kurz vor sich hin, dann ist der Spuk vorbei.

„Uff. Zum Glück war es nichts Schlimmeres.“ Wir untersuchen das Kabel und bemerken, dass es an der Stelle, wo es schmorte, gebrochen ist und die blanken Drähte einen Kurzschluss verursacht haben.

Fazit: Eine Minute Puls auf hundert, eine Stunde diverse Rapporte ausfüllen, die nicht wirklich neue Erkenntnis, dass elektronische Geräte im Flugzeug eine oft unterschätze Gefahrenquelle darstellen…

…und dass ich nun endlich diesen Kaffee brauche!

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5 Antworten to “Rauchpause”

  1. Richi Says:

    Bestimmt ist euer Flieger mit unzähligen Sensoren ausgestattet.
    Aber in diesem Fall hat der Sensor HOZ ganze Arbeit geleistet und prima vorgewarnt.

    HOZ = Human Olfactory Zingg

    Gruß
    Riechi

  2. deskpilot (hg) Says:

    Da hätte eh nichts passieren können – diese neuen elektrischen Teile funktionen doch alle mit schwarzem Rauch, und wenn der einmal raus ist gehen die einfach nicht mehr…

  3. G! Says:

    Ich überlege mir, ob ich mit dir zusammen einen NAT machen würde……. in meinem Alter brauch ich solche Übungen nicht 🙂

  4. TWR Mädel Says:

    In der aktuellen Rundschau ist zu lesen, dass bei dem von Swiss verwendeten Class 1 EFB lediglich das Ladekabel eine Zulassung durch die Behörden benötigt – was das wohl zu bedeuten hat, dass ausgerechnet dieses Teil in Schall und Rauch aufgegangen ist…?

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