Wo sind die Velos?

Katie Melua singt „There are nine million bicycles in Beijing. That’s a fact; it’s a thing we can’t deny…”

Nun ich widerspreche ja nur ungern einer hübschen Dame, aber offensichtlich muss Fräulein Melua, wenn überhaupt, vor langer Zeit das letzte Mal in Peking gewesen sein. Mir hat jedenfalls unser Kurzaufenthalt von einem Tag und einer halben Nacht gereicht um zu erkennen, dass es heute in Peking weniger Fahrräder gibt, als Oasen in der nahe gelegenen Wüste Gobi. Ob es in Peking stattdessen 9 Millionen Automobile gibt, konnte ich in der kurzen Zeit nicht eruieren, aber wenn man die Luftqualität als Massstab nimmt, dann sind es mindestens so viele…

Trotzdem wagte ich mich, nachdem ich mich am Mittag aus dem Bett gequält hatte, aus dem Hotel. Mein junger Copi Kollege glänzte trotz gegenteiligem Versprechen durch Abwesenheit. Die Langstrecke forderte das erste Mal Tribut von dem jungen Mann. Die heutige Jugend ist einfach nicht mehr leidensfähig…

So fuhr ich, wenn man von einer geschätzten halben Million Chinesen absieht, Mutter Seelen alleine mit der U-Bahn zum Tian’anmen Platz, wo ich mein erstes Rendezvous mit der Geschichte hatte. Das 1421 erbaute, im Boxeraufstand zerstörte und mittlerweile restaurierte Zhengyang-Tor und der Bogenschützen-Turm wollten besucht und fotografiert sein.

 

Etwas weniger schön, aber ebenso unverkennbar, sind die Bauwerke der derzeitigen Machthaber in China.

 

Ich zog es vor statt der kommunistischen Prachtbauten die verbotene Stadt zu besuchen und so führte mich der Weg, vorbei am Fahrrad eines Touristen und dem grossen Portrait des Stuhlmannes am Nordende des Platzes des Himmlischen Friedens, durch mehrere prächtige Tore zum Eingang des Palastes der Kaiser von China.

 

Der Palast ist alles andere als schlicht, aber schlicht zu Gross um hier auch nur annähernd einen Überblick zu bieten. Stattdessen zeige ich einige Impressionen, die ich auf meinem zweistündigen Spurt durch das Gelände eingefangen habe.

 

 

 

 

 

Ein Wassergraben umringt den Palast und dahinter befindet sich ein Hügel mit einem Tempel und einer grandiosen Aussicht auf die Verbotene und den Rest der Stadt.

  

 

 

Danach entkam ich knapp der Verhaftung durch die Volksarmee, als ich einen strammen Wachmann der selbigen ablichtete. Der Herr war offensichtlich wenig begeistert vom westlichen Hobbyfotografen, der ihn ins Visier nahm und wandte sich demonstrativ ab. Ich hatte allerdings mehr Geduld und verharrte etwa zwei Minuten in der Kauerstellung. Als der Soldat sich schliesslich wieder umdrehte, um sich davon zu überzeugen, dass die Nervensäge endlich von dannen gezogen sei, empfing ihn mein Blitzlicht.

Darauf machte ich flugs einen Abflug Richtung Hotel…

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10 Antworten to “Wo sind die Velos?”

  1. Bettina Says:

    Vielen Dank für die tollen Bilder aus der Verbotenen Stadt. War das letzte Mal vor 20 Jahren dort. Immer wieder schön zu sehen.
    Lese Ihren Blog schon lange und freue mich immer wieder über die super Bilder. Benütze die selbe Kamera, aber wusste nicht was die alles kann…
    Bettina

  2. nff Says:

    … wenn Du ein Velo suchst, von mir sollte es noch eins im Hotelkeller haben. Habe es dort 2001 abgestellt.

  3. deskpilot (hg) Says:

    Lbr Skypointer,
    so sehr ich HDRs mag, ich würde nicht alle Bilder als HDR machen… Und noch ein Tip für Panoramas: die unterschiedliche Belichtung und damit die Hell-Dunkel-Zonen lassen sich vermeiden, wenn du die Kamera die Belichtung speichern läßt und dann das nächste Bild machst…

    Ansonsten wie immer ein schöner Bericht – ich lese immer gerne mit!

    viele Grüße
    hg

  4. Severin Says:

    Spannend wäre wohl auch noch zu wissen wie dieser Artikel denn nun in China zu lesen wäre. Hat die Zensur schon zu geschlagen oder darf er noch unzensiert genossen werden. Vielleicht kann das ja einer deiner Kollegen für uns überprüfen 😉

    Gruss, Severin

    • skypointer Says:

      Ich war ja gar nicht chinakritisch! Was soll denn zensuriert werden? Dass mir die kommunistische Architektur nicht gefällt oder dass ich dem Soldaten nicht gefiel?

  5. TWR Mädel Says:

    …ich will ein Fotobuch von dir 🙂

  6. 18 KW, Republi:ca, SaarCamp, Instapaper › HappyBuddha Says:

    […] Wo sind die Velos? Aktueller Artikel von “Nur fliegen ist Schöner“, einer meiner Lieblingsblogs gerade was Reisen betrifft […]

  7. Financial Michael Says:

    Wie gut, dass der Kollege nicht dabei war, sonst haette er sicher bei der Arbeit gestoert und wir koennten die Fotos nicht in dieser Qualitaet anschauen…

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