Jungbrunnen?

Er hat, basierend auf ihm behauptet, dass ein Pilot im Laufe seiner Karriere dank der relativistischen Zeitdehnung etwa eine Tausendstelsekunde verjüngt wird. Stimmt das und wenn ja warum?

Das Ganze liegt natürlich in der speziellen Relativitätstheorie begründet, welche die Folgen einer konstanten Lichtgeschwindigkeit aufzeigt. Stellen wir uns folgendes Experiment vor:

Skypointer führt im Cockpit ein hochsensibles Messgerät mit, das den Abstand zweier Spiegel mittels der der Flugzeit eines Lichtteilchens zwischen den beiden Spiegeln misst. Er misst folgendes:

Der Abstand beträgt c mal t0

Wobei:

c  = Lichtgeschwindigkeit

t0 = Flugzeit des Lichts von einem Spiegel zum anderen

Von innen betrachtet:

Da das Flugzeug in Bewegung ist, zeigt sich einem Betrachter von aussen ein anderes Bild.

Während der Reisezeit des Lichtteilchens von einem Spiegel zum anderen, bewegt sich das Messgerät nämlich um die Distanz v mal t vorwärts. Das Licht legt also die Distanz c mal t zurück, welche grösser ist als die von Skypointer gemessene Distanz c mal t0.

Wobei:

v = Reisegeschwindigkeit des Flugzeuges

t = Flugzeit des Lichts von einem Spiegel zum anderen

Von aussen betrachet:

 

Da wir beides Mal das gleiche Experiment betrachten (einmal von aussen und einmal von innen), muss das Licht in beiden Fällen zur gleichen Zeit beim oberen Spiegel eintreffen.

Da nun aber, wie oben festgestellt, ct0 < ct ist und gemäss Einsteins spezieller Relativitätstheorie die Lichtgeschwindigkeit c konstant ist, kann t0 nicht gleich t sein!

Kobminiert:

Konsequenz: Die Zeit vergeht, von aussen betrachtet, in einem bewegten System langsamer als von innen betrachtet!

Aber in welcher Grössenordnung bewegen wir uns hier und ist das für einen Piloten relevant? Dafür brauchen wir eine Formel. Diese lässt sich ganz einfach mit Pythagoras herleiten. Dieser besagt in unserem Fall:

(ct0)2 + (vt)2 = (ct)2

Das können wir umformen:

c2t02 + v2t2 = c2t2     oder      c2t02 = c2t2 – v2t2

daraus folgt nach t aufgelöst:

Setzen wir nun für ein Pilotenleben folgende Werte ein:

v = 600 kts = 300 m/s als durchschnittliche Reisegeschwindigkeit (Skypointer fliegt gerne schnell)

t = 20‘000 Std = 72‘000‘000 s Gesamtflugzeit einer Pilotenkarriere (Skypointer ist ein Arbeitstier)

c = 300‘000‘000 m/s Lichtgeschwindigkeit im Vakuum

Dann ergibt das 0.000036 s oder 3.6 Hunderttausendstelsekunden Zeitdehnung in einem Pilotenleben, was aber nur  von einem aussenstehender Betrachter gemessen werden kann!

Konsequenz: Die Fliegerei taugt nicht als Jungbrunnen! Wer hätte das gedacht?

Advertisements

8 Antworten to “Jungbrunnen?”

  1. nff Says:

    …und die Fliegerei taugt doch als Jungbrunnen!

    „Jungbrunnen im übertragenen Sinn sind Erlebnisse, Gegenstände oder Verhaltensweisen, die einen Menschen sich jugendlich oder jung fühlen lassen.“

    … das behauptet wenigstens Wikipedia.

    • skypointer Says:

      Und was hat das jetzt mit der Fliegerei zu tun? Habe ich auf der Langstrecke etwas nicht mitgekriegt? Oder sprichst Du auf die bloggenden Kindsköpfe an, die heutzutags Flugzeuge bewegen dürfen?

      Oder vielleicht auf die blutjungen Copis? Die werden nicht jünger, sondern es scheinet nur so, weil Du immer älter wirst. 😛

      Womit wir wieder bei der Tatsache wären, dass die Fliegerei doch nicht zum Jungbrunnen taugt…

  2. Dide Says:

    @beide: Mag sein, dass sich die Fliegerei letztlich nicht als Jungbrunnen erweist. Zumindest belegt dies skypointer auf eindrücklich Weise. Ich bin echt beeindruckt!
    Aber vielleicht können wir uns darauf einigen, dass es sich um einen dynamischen Prozess handelt, der uns dank seiner komplexen Anforderungen zumindest geistig jung erhält.
    Wobei sich, wenn ich es mir richtig überlege, auch hier ein Konflikt oder zumindest eine Frage offenbart: Kann ein Prozess (def: „ein Verlauf, eine Entwicklung“) nicht dynamisch (bewegt, schwungvoll, krafterfüllt) sein…?

  3. TWR Mädel Says:

    …puhhh Jungs, das tönt alles saukompliziert…

    Also ich weiss, dass ich inzwischen zum alten Eisen gehöre, was mir aber die Legitimation gibt, hie und da ein bisschen gelassener zu Werke zu gehen – ein Privileg, das ich keinesfalls mehr missen möchte!

  4. Andreas Says:

    Achtung, der Erdboden dreht und ist kein Intertialsystem! Ostwärts funktioniert der Jungbrunnen also besser. Dazu kommt noch der ART Effekt durch das geringere Gravitationspotential in der Höhe.

    Ein paar gelangweilte Physiker haben das übrigens auch schon mal im Flieger gemessen:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Hafele-Keating-Experiment

    Es grüsst der Klugscheisser und Hausphysiker des SAT PK1/12,
    Andreas

  5. Dominique Says:

    hehe sehr schön erklärt !

    da könnte sich unser Experimentalphysik Professor gern mal ne Scheibe von abschneiden 😉

    Und 3.6 Hunderttausendstelsekunden sind doch besser als nix, noch ein Argument Pilot zu werden 🙂

    Grüße

  6. Schwiegermutter inklusive Says:

    Mmh, also ich kenne einen Piloten, der ist weit über 40 und sieht aus wie weit unter 40….nehme an, das wird nicht als Gegenargument zugelassen…;-))

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: