Sushi statt Alligatoren

„Grüezi Herr skypointer. Sagt ihnen A340 Recency etwas?“

Juhui, ich bin Telefonjoker in „Wer wird Millonär?“…

„Spricht da Herr Jauch?“ „Nein das Crew Reassigment“

Scheisse!

„Aha, `tschuldigung. Mit der A340 Recency habe ich aber kein Problem!“ „Wir müssen ihnen einen neuen Flug geben.“ „Wegen meiner A340 Recency? Damit habe ich, wie erwähnt, kein Problem.“ „Bei ihnen im Einsatz steht aber A340 Recency und deshalb gibt es einen neuen Flug.“ „Das kapier ich jetzt nicht, aber was gibt es denn für einen Flug?“ „Narita statt Miami“

Scheisse im Quadrat!

„Das sind aber beides A340 Flüge. Was hat das Ganze mit A340 Recency zu tun?“ „Da muss ich nachfragen.“

Pause. Leise Hoffnung keimt.

„Lack of staff“ „Ooookey. Und inwiefern hilft es, wenn ich nach Narita statt Miami fliege?“ „Moment bitte!“

Pause. Noch leisere Hoffnung keimt.

„Uns fehlen Cruise Enlarger.“ „Also hat es nichts mit meiner Recency zu tun!?!“ „Nein aber das steht in ihrem Einsatz“ „Schön. Stimmt aber nicht! Und jetzt muss ich umpacken. Trotzdem en schöne Abig no!“

T-Shirt, Shorts, Baseball Cap und Strandlatschen raus. Rollkragenpulli, Winterjacke, Schal und Mütze rein. Scheisse hoch Amerika! Oder vielleicht eher Japan. Wie auch immer. Noch kurz den Mietwagen abbestellen und drei oder vier Mal heftig fluchen. Langsam verabschiede ich mich geistig von den versprochenen 26°C, von den Florida Keys und dem versprochenen Vectoring durch das TWR Mädel bei meiner Rückkehr. Oh ja bei ihr muss ich mich auch noch abmelden. Nicht dass sie mit dem falschen Piloten flirtet…

Auf dem Hinflug wurden wir von einem Nordlicht verwöhnt. Nein der First Class Steward war nicht aus Hamburg, obwohl auch der uns verwöhnte. Das Nordlicht irrlichtete am Himmel über Sibirien.

 

Danach erkläre ich meinem Copi Kollegen und Tokyo Neuling, dass Narita eine total coole Destination ist. Hoppla. Ich kann Lügen ohne rot anzulaufen. Nach kurzem Nachschlafen geht es gemeinsam zu Fuss in den Starbucks in der Aeon Shoppingmall. Ein Grande Latte, der mit zwei Stunden Fussmarsch verdient wird. Ich liebe Japan!

Statt Lorelei Sunset Bar heisst es am Abend dann Barge Inn. Bier gibt es zum Glück auch hier. Girls und Aussicht aber fehlen. Dieses Manko kann nur mit mehr Bier kompensiert werden. Nach dem vierten Bier fällt der Entschluss anderntags in die Stadt zu fahren.

„Morgen skypointer. Hast Du das Erdbeben am Morgen um halb drei gespürt?“ „Hä? Erdbeben? Du hast gestern wohl zu viel gesoffen und dein Bett hat den Kreisel gemacht! Das hat aber nichts mit Erdbeben zu tun…“ Wie sich später rausstellen sollte, war das Beben aber real und mein Schlaf etwas zu (bier)seelig.

Das Sightseeing ging dann ohne grössere Erschütterungen vonstatten. Zugfahrt nach Ueno, Fussmarsch nach Asakusa, Tempel, Bootsfahrt zum Hinode Pier, Tempel, Tokyo Tower, Nudelsuppe, rechtzeitige Fahrt zurück um nicht das Nachtessen mit der Crew zu verpassen.

 

  

Mein persönliches Highlight auf diesem Trip war die Plakette auf der Aussichtsplattform des Tokyo Tower, die in Blindenschrift die Aussicht erklärte. Auch wer, wie ich, keine Ahnung von Blindenschrift hat, erkennt darauf problemlos Mt. Fuji.

 

Zudem konnte ich dem Kollegen Tokyo ein bisschen näher bringen, so dass er vielleicht nicht ganz so frustriert ist, wenn es einmal heissen sollte „Sie fliegen neu nach NRT statt nach MIA“…

Nachtrag:

Kaum wieder zu Hause schaltete ich am Abend den Fernseher ein. Das Schweizer Fernsehen zeigte „SF Unterwegs“ mit dem Thema Florida. Kurz stieg der Frust wieder in mir hoch, doch dann genoss ich die Sendung. Die Reise führte übrigens von Miami Beach nach Key West…

 

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20 Antworten to “Sushi statt Alligatoren”

  1. nff Says:

    … ich hatte neulich auch CDG statt LHR. Spielte aber ehrlich gesagt überhaupt keine Rolle. Da soll mal einer sagen, dass die Kurzstrecke keinen Vorteil hat!

  2. Bängbüx Says:

    Wenn man(n) von japan in dieser Zeit zurückkehrt, bekommt man(n)
    immerhin kein Kälteschock. :-]

  3. Dide Says:

    Haj skypointer!
    kennst du das Hotel in Miami…? Es kann sein, dass du im Zimmer nie ins Internet kommst. Manchmal ist das Duschwasser nur lauwarm. Der Highway ist verstopft. Und manchmal regnet es auch. Draussen, meine ich…

    Einzig Sushi ist billiger…

    • skypointer Says:

      Nix Sushi in Miami. Und das Hotel – darf man diese Absteige so nennen? – samt Internet ist mir auch ziemlich egal, da ich dort eh kaum anzutreffen bin!

      Auf dem direkten Weg runter in die Keys – es sei denn ich würde zum Frühstück mit einem Mondfahrer eingeladen…

  4. Severin Says:

    Ach komm schon, Tokyo ist doch die beste Destination die SWISS auf ihrem Streckennetz im Angebot hat. Wo sonst gibt es grenzenlos Respekt, Freundlichkeit, Sauberkeit und Sicherheit? Fürs Sight Seeing in Tokyo empfehle ich jedem den Besuch auf dem Sky Deck von Roppongi Hills. Kostet etwa gleich viel wie der Besuch beim Tokyo Tower mit dem Unterschied, dass man auf eine Helikopterplattform eines Wahnsinns-Hochhauses kann das erst noch höher als der Tokyo Tower ist. Der Sonnenuntergang von dieser Aussichtsplattform ist ein absoluter Genuss und im Winter wird einem nichtmal der Blick auf Mount Fuji verwehrt.

    Wer nichts bezahlen will für die Aussicht, dem empfehle ich, die Gratis Aussichtsplattform im Tokyoter-Rathaus. Auch von da aus eine prima Aussicht. Und dann gibts da noch, Tempura, Onsen(kein Essen, einfach erstklassige Bäder), Yakitori, Sushi, Okonomyaki, Oden und so weiter. Der ÖV fährt pünktlich und zuverlässig und es ist keine Seltenheit, dass man von Japanern angesprochen und darauf auch noch eingeladen wird.

    Wie um alles in der Welt kann es dir da nicht gefallen? Zumal wir auf dieser Strecke noch die freundlichsten und hilfbereitesten Flight Attendants haben?

    Naja anyway, du hasts überstanden. Wünsche viel Spass beim nächsten Tokyo (habe noch ein paar weitere Geheimtipps) und viel Erfolg beim Miami bidden/ jokern! Toi Toi,

    Grüess,

    Severin

    • skypointer Says:

      Ich habe nicht grundsätzlich etwas gegen Tokyo. Allerdings bin ich kein grosser Fan des Crew Ghettos in Narita und das Aufstehen am Morgen ist wegen der Zeitverschiebung schlicht brutal. Deine Tips sind wirklich gut und jenen in Roppongi, den ich noch nicht kenne, werde ich bei Gelegenheit ausporobieren.

      Das einzige Problem das ich hatte, war dass meine Vorfreude auf sommerliches Wetter an der Beach nicht erfüllt wurde.

      • Severin Says:

        Einverstanden, Crew Ghettos in Narita habe ich halt nie wirklich erlebt, weiter als bis zum Barge, kam ich nie, Cage nie gesehen.
        Das Aufstehen ist in der Tat ein Hammer, aber eben es lohnt. Ausspannen im Oedo Onsen, dann das Skydeck bei tokyo, roppongi hills man siehts sehr gut auf Google maps. Nachtessen dann am besten bei Iidabashi: Iidabashi, Chiyoda, Tokyo, Japan an der Waseda Dori. Mehr hochstehende Restaurants zu einem vernünftigen Preis gibts glaub ich an keiner Strasse. Dort findest du alles! Für den Absacker danach gibts die Shot-Bar Bitter Sweets an der gleichen Strasse, mit einem excellenten Whisky-Angebot(>50 Sorten). Hat nur unter der Woche geöffnet, da die Strasse von Geschäftsmännern lebt.
        Falls es dann nicht mehr nach Hause reicht kannst du es wie alle andern Geschäftsmänner machen und im Green Plaza Shinjuku übernachten! Green Plaza Shinjuku Capsule, Shinjuku, Tokyo, Japan. Muss man eh auch mal erlebt haben wenn man in Japan ist.

        Also dann, viel Spass beim nächsten 😉

        Gruess und gute Erholung,

        Sevo

      • skypointer Says:

        Danke für die Tipps. Werde ich austesten…

  5. TWR Mädel Says:

    …es soll ja ehemalige Copi geben, die bei solch einem change ganz laut rausgejubelt hätten…

    Und danke, dass du mich noch vorgewarnt hast – obwohl es auch mit deinen Kollegen ganz viel Spass gemacht hat 😉

  6. G! Says:

    Skypointer hat meine vollste Unterstützung. NRT statt MIA? Hallo, das ist wie HSV statt Bayern, Obstgeräte statt Android, Buch aus Papier statt Kindle, Tofu statt Kobe …. ich glaube man erkennt das Muster. Mein Beileid hast du, auch wenn die Fotos sehr schön sind….

    G!

    PS wer lügen kann ohne rot zu werden sollte sich nach einer Karriere als Politiker umsehen…

    • skypointer Says:

      Danke für das Verständnis. In die Politik zieht es mich aber nicht. Lügen ohne rot zu werden und sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit sind übrigens verwandt. Und mit letzterem ist man auch als Instruktor gut bedient… 😉

  7. Bängbüx Says:

    Kann es sein, dass du/sie Flugnummer LX161 hattest?
    Ist es eigentlich normal, dass die Brakes später greifen?

    Gruss

    Bängbüx

    • skypointer Says:

      Genau LX161 war es. Die Bremserei auf den grossen Airbussen ist tatsächlich speziell:

      Da aus Gewichtsgründen (Treibstoffverbrauch) auf einen Ventilator für die Bremsen verzichtet wurde, versuchen wir zur Verhinderung von heissen Bremsen möglichst spät zu bremsen und möglichst viel Energie mit dem Umkehrschub und den aerodynamischen Bremsklappen zu vernichten. Deshalb bremsen wir später und etwas stärker als z.B. auf der A320. Normalerweise versuchen wir erst unter 80kts zu bremsen. Falls notwendig kann natürlich auch früher gebremst werden. Bei kurzen Bodenzeiten kann danach aber eine Bremskühlung mit einem externen Kühlaggregat nötig werden.

      • Bängbüx Says:

        Ich dachte schon, „der geht über die Bahn“!
        Ich selbst würde nur zu gerne fliegen können, muss wohl noch ca. 5/6 Jahre warten…
        Darf man eigentlich sozusagen einen Schnupperflug mitfliegen? Kurz- und Langstrecke?

  8. Severin Says:

    Bängbüx, ein heisser Tipp! https://www.sphair.ch/sphair/web/guest/hinweise bereite dich doch da auf den Eignungstest vor, waren meine zwei schönsten Wochen während der fliegerischen Vorschulung und das kannst du sogar noch vor dem Militär machen! Brauchst also nicht so lange warten und falls du eine Brille hast, bis zu einer gewissen Limite ist das auch egal. Viel Vernügen

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