Endlich schön

In letzter Zeit war ich wahrlich nicht mit Wetterglück gesegnet. Deshalb war ich heilfroh, dass es nun einmal anders war. Zwar warf mich mein Wecker zu einer Uhrzeit Unzeit, die für verweichlichte Langstreckenpiloten noch als mitten in der Nacht gilt, aus den Federn. Dieses Problem wurde allerdings mit vier Tassen Kaffee elegant aus der Welt gespült.

Während der Anfahrt versperrten mir unzählige bleichgesichtige und rotäugige Bürogummis die zur normalen, christlicheren Zeit gewohnt freie Bahn. Auch das Wetter erweckte keinen besonders freundlichen Eindruck. Zum Glück war es aber nur harmloser Hochnebel der mir den Blick auf die Sonne verwehrte. Der Wetterbericht bestätigte meine Einschätzung. Problemloses Wetter und über dem Hochnebel sogar ein freier Blick auf die Alpen war angesagt. Auch an unserer Destination sollte Chefpilotenwetter herrschen.

Im Gegensatz zur Strasse war, dank der frühen Stunde, vor der Piste keine Kolonne. Deshalb konnten wir ohne Verzögerung starten. Nach dem Wolkendurchstoss musste ich zuerst die Sonnenbrille zwischen den gleissenden Sonnenschein und meine noch immer müden Augen schieben, bevor ich den Ausblick auf die frisch verschneiten Alpen geniessen konnte.

Etwa eine Stunde nach dem Top of Climb verspürte ich wieder akuten Koffeinmangel. Sofort bestellte ich einen ersten Espresso. Es würde nicht der letzte bleiben. Kaffeeschlürfend sinnierte ich über die bemitleidenswerten Bürolisten, welche, einen Tisch pilotierend, tief unter mir in der grauen Suppe festsassen.

Langsam tat das Koffein seine Wirkung. Meine Lebensgeister erwachten immer mehr und mein Horizont erweiterte sich entsprechend. Als ich mich, mittlerweile hellwach, umsah, musterte ich den Kapitän neben mir. Auch er hatte seine Sonnenbrille aufgesetzt und schien die Aussicht zu geniessen. Vor ihm, auf seinem Tischchen stand eine Flasche. Aber was war den das? Völlig perplex bemerkte ich, dass mein Kollege nicht etwa an einem Kaffee, sondern an einem Glas Weisswein nippte!

„Aber hallo Martin. Alkohol im Dienst? Was fällt Dir eigentlich ein?“ rief ich den Kapitän zur Ordnung. „Zieh zuerst einmal Deine Sonnenbrille aus, damit ich Dich richtig sehen kann!“ schnauzte der Kapitän zurück. Als ich seiner Aufforderung Folge leistete meinte er: „Aha der Skypointer. Dacht ich mir doch!“ „Was denn?“ fragte ich. „Na es kann ja nur ein Instruktor sein, der den Unterschied zwischen Cockpit und Skihütte nicht kennt…“

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4 Antworten to “Endlich schön”

  1. Young Pilot Says:

    Na da bin ich aber neidisch …

    Gruss

    Roman, einen Tisch pilotierend 😉

  2. deskpilot (hg) Says:

    Tja, in der Tat – der Neid hat auch Sonnenaufgang…

    Dafür ist heute auch mal schönes Wetter in MUC. Und vom Schreibtisch aus kann ich sogar die Alpen sehen…

    Schöne Grüße
    hg

  3. Richi Says:

    „Top of Climb“ am Skilift!
    Hast mich schon wieder reingelegt.

  4. skypointer Says:

    @young & deskpilot
    Nicht böse gemeint…

    @Richi
    Immer wieder gerne 😉

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