Hong Kongs schönste Spaziergänge 4: MacLehose Trail Section 1 + 2

Zeitbedarf: ca. 7 Stunden, Schwierigkeit: für Vergiftete

Auch dieses Mal wurde es, statt eines Spaziergangs, eine ausgewachsene Wanderung. Um 7 Uhr ging es los. Zuerst mit der U-Bahn bis zur Dimond Hill Station, dann mit dem Bus 92 bis zur Endstation on Sai Kung und schliesslich mit einem zweiten Bus, der Nummer 94, bis nach Pak Tam Chung.

Um 9 Uhr konnte ich endlich losmarschieren. Die erste Sektion führt entlang der Servicestrasse des High Island Reservoirs zum East Damm. Dieses Reservoir entstand zwischen 1971 und 1978, indem die Insel High Island mittels mehreren Staudämmen mit dem Festland verbunden wurde. Durch abpumpen des Meerwassers und sammeln von Regenwasser entstand so der grösste Trinkwasserspeicher Hong Kongs.

  

Der Marsch entlang dem Ufer dauerte 2 Stunden. Obwohl auf der Strasse offiziell Fahrverbot herrscht, wurde ich während dieser Zeit von etwa 10 Taxis überholt. Wer also nur die landschaftlich noch reizvollere Sektion 2 in Angriff nehmen will, kann für etwa 70 HK$ die erste Sektion des MacLehose Trails bequem auf vier Rädern absolvieren.

Am East Damm angekommen machte ich einen kurzen Abstecher zum Wellenbrecher auf Meeresniveau.

 

Dort, an der erstaunlich rauen Pazifikküste, findet man sehr schöne Basaltsäulen, die vor 140 Millionen Jahren in einer Vulkanischen Caldera entstanden sind.

 

Nach diesem geologischen Highlight ging es, nun auf der Sektion 2 des Trails, auf einem Fusspfad über eine Hügelkette zu Strand von Long Ke. Hier befindet sich die wohl am schönsten gelegene Drogenentzugsklink der Welt. Da diese aber hinter dem Strand völlig abgeriegelt ist und sich ausserhalb des Zaunes keine Menschenseele blicken lässt, ist Long Ke einer der einsamsten Strände Hong Kongs, obwohl er vom East Damm her mit einer halben Stunde Fussmarsch problemlos zu erreichen ist. Hier traf ich einen einheimischen Camper, mit dem ich während einer kurzen Rast ein paar Worte wechselte. Er erzählte mir, dass früher an diesem Strand wesentlich mehr los war und beklagte dass die heutige Jugend lieber mit ihren Handys rumspiele, als in die Natur raus zu gehen. Mit Augenzwinkern meinte ich „So much better for the old guys like us…“

  

Nach dieser Pause folgte ein mühsamer, äusserst steiler Aufstieg auf gut 300 Meter, welcher aber mit einer grandiosen Aussicht auf die Küste und die Strände von Sai Wan, Ham Tin Wan und Tai Wan Belohnt wird.

  

Danach ging es hinunter nach Sai Wan. Hier befindet sich ein kleines Dorf und es gibt ein einfaches Restaurant direkt am Strand. Natürlich konnte ich nicht widerstehen und gönnte mir eine Nudelsuppe mit Meersicht.

 

Frisch gestärkt ginge es über einen Landvorsprung zum nächsten Strand. Der Strand von Ham Tin Wan war dann einiges belebter. Nebst zwei verlorenen Wanderern machte es sich nämlich eine Herde Kühe auf dem feinkörnigen, weissen Sand gemütlich…

 

Auch hier gibt es eine Strandbar, welche etwas zurückversetzt, über eine gut ausgebaute Fussbrücke, bequem zu erreichen ist.

 

Nun führte der Weg über einen weiteren Hügelrücken nach Check Keng, einer geisterhaft verlassen wirkenden Siedlung, in der das einzige nicht verfallene Bauwerk der äusserst gut unterhaltene Fusspfad ist.

 

Danach führt der Weg mit einem sanften Anstieg nach Pak Tam Au, dem Ende der 2. Sektion des MacLehose Trails, von wo aus ich mit Bus und Metro zur wohlverdienten Dusche zurückkehrte.

Bei einem kühlen Bier in der Zivilisation sinnierte ich danach darüber, dass Hong Kong als Stadt mit der grössten Bevölkerungsdichte der Welt gilt. Irgendwie hatte ich heute eine andere Seite dieser Stadt kennengelernt. Keine Menschenmassen, keine Wolkenkratzer, kein Verkehrschaos, keinen vor Aktivität strotzenden Hafen. Einzig eine Brücke hatte ich überquert, aber auch die entsprach definitiv nicht dem Klischee vom hypermodernen Hong Kong…

Advertisements

3 Antworten to “Hong Kongs schönste Spaziergänge 4: MacLehose Trail Section 1 + 2”

  1. nff Says:

    So schön! Ich schwelge in Erinnerungen. Wenn nur die langen Nachtflüge nicht wären!

  2. Severin Baerlocher Says:

    Super, da bedauere ich zutiefst, dass ich nie die Gelegenheit hatte mit dir zu fliegen und einmal mit zu spazieren. Stimmt eben schon: Warum in die Ferne schweifen,das Gute liegt so nah. Auch wenn du dafür erst auf Hon Kong musstest…

  3. Photo addicts « Nur fliegen ist schöner Says:

    […] die nicht allzu hoch auf die Peaks des Hinterlandes führte und entschieden uns schliesslich für jene Wanderung, welche ich im November bereits solo rekognosziert hatte – allerdings bei wesentlich […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: