Clouds Rest

Cloud Rest – was für ein poetischer Name für die Schlafkoje der Cockpitcrew! „Crew Bunk“ oder die offizielle Bezeichnung „Flight Crew Rest Compartment“, kurz FCRC, tönen dagegen so profan, dass es schon fast schmerzt.

Auch für den Akt selbst eignet sich der Ausdruck hervorragend. Statt sich zum Inflight Rest zurückzuziehen, sollte der ermattete Pilot zum Cloud Rest entschwinden. In wolkenweiche Watte eingehüllt ist die Erholung im himmlischen Traumreich garantiert und am Ende des Cloud Rest entspringt der Himmelsstürmer dem Jungbrunnen und kann im Vollbesitz seiner Kräfte selbst den wütendsten Elementen eine perfekte Landung abtrotzen…

Leider ist das alles nur Wunschdenken und so wand ich mich, nach gut vierstündigem hin und her Wälzen, alles andere als erholt aus dem Crew Bunk und trat meine achtstündige Schicht auf dem Flug nach San Francisco an. Der Flug war bis auf einige Turbulenzen beim Auffahren auf die Kanadische Ostküste so ereignislos, wie wir Piloten uns das wünschen. Auch der Anflug in San Francisco war etwas weniger spektakulär als auch schon. Die Golden Gate Brücke versteckte sich im Nebel und nur die Spitze eines Pfeilers lugte kurz heraus um zu prüfen, ob wir auch pünktlich seien…

Nach der Landung verabschiedeten sich die beiden Kopiloten vom Rest der Besatzung, fassten einen Mietwagen und begaben sich, nach einem zehnminütigen Boxenstopp im Crewhotel, auf den Weg in den Yosemite National Park. Dort stand, nach einer kurzen Nacht irgendwo im Nirgendwo, am anderen Morgen eine ausgewachsene Bergtour auf dem Programm. Natürlich bestiegen wir nicht einen beliebigen Hügel, sondern wir hatten uns einen für zwei Langstreckenpiloten passenden Berg ausgesucht:  den 3025 Meter hohen Clouds Rest

Kaum abmarschiert, standen wir allerdings schon nach wenigen Metern vor dem ersten Hindernis. Ein etwa 20 Meter breiter, gut knietiefer Bach versperrte uns den Weg zum himmlischen Ziel. In Ermangelung eines Kanus blieb uns nichts anderes übrig als, trotz der grimmigen Attacken von tausenden von Moskitos, die erst gerade sorgfältig geschnürten Wanderschuhe wieder auszuziehen, die Hosen hochzukrempeln und durch das Wasser zu waten.

Am anderen Ufer führte unser Weg steil bergauf. Weg ist allerdings ein grosses Wort, denn immer wieder verdeckten Schneefelder die Sicht auf den Pfad, so dass wir uns mehr oder weniger querfeldein durch den Wald kämpften, bis wir schliesslich ein hübsches Hochplateau erreichten. Zwischen umgestürzten Bäumen ging es über kleine Bächlein und vorbei an Bergseen und Waldwiesen weiter Richtung Ziel.

  

 

Am Ende des Plateaus folgte der nächst Anstieg. Langsam lichtete sich der Wald und gab die Aussicht auf die uns umgebende Bergwelt frei.

  

Zwischen interessanten Felsformationen kraxelten wir weiter zum Gipfel, der uns nach knapp vierstündigem Aufstieg mit einem grandiosen Panorama belohnte.

Das Yosemite Valley zu Füssen und mit freiem Blick auf den berühmten Half Dome wurde die Verpflegung zum Augenschmaus, dem nicht einmal die Tierwelt widerstehen konnte.

  

Es folgte ein flotter, dreistündiger Abstieg und als wir schliesslich zurück bei unserem fahrbaren Untersatz waren, schmerzten unsere müden Knochen genauso, wie wenn wir gerade einen siebenstündigen Cloud Rest im Crew Bunk hinter uns hätten…

Mehr Information zur Wanderung: http://www.everytrail.com/guide/clouds-rest

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7 Antworten to “Clouds Rest”

  1. nff Says:

    … ich kann die Wanderung entlang der Piste 27R in Heathrow empfehlen. Etwas kerosinlastig, aber extrem spannend!

  2. nff Says:

    … so Beiträge sind gemein! Jawohl gemein 🙂

  3. skypointer Says:

    ‚Tschuldigung…

    Aber Du vergnügst Dich ja lieber mit wichtigen Blondinen und unsere Rucksäcke fühlten sich auch an wie 220kg…

  4. tuhkaan Says:

    Was nutzen Sie denn für eine Wahnsinnskamera für diese Wahnsinnsfotos?

  5. G! Says:

    Schööö, wenn mann dann mal oben ist 🙂

  6. Photo addicts « Nur fliegen ist schöner Says:

    […] Pfad erstreckte, breitete sich nun ein kleiner See aus, den man nicht umgehen konnte. Aus unserer Yosemite Erfahrung schöpfend, zögerten wir nicht lange und durchwateten die braune […]

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