Der Herrscher von Tripolis

Der Herrscher von Tripolis machte die ganze Region unsicher. Er nahm Geiseln und erpresste Lösegeld. Der Herrscher sah sich allerdings nicht als gemeiner Erpresser, sondern als ein rechtmässiger König und als solcher standen ihm, seiner Ansicht nach, Tributzahlungen zu. Deshalb drohte er unverhohlen mit Gewalt, falls die Europäischen Staaten und die USA diese Zahlungen nicht leisten würden…

Obwohl es einige Politiker gab, die warnten, diese Schutzgeldzahlungen würden den Herrscher von Tripolis nur zu weiteren Gewaltakten und noch frecheren Forderungen verleiten, wurde Jahrelang bezahlt. In diesem einträglichen Geschäft war es natürlich unmöglich ein Monopol zu halten, weshalb auch in Algier und Tunis ähnliche Kleptomanen an der Macht waren. So floss im Lauf der Jahre viel Geld nach Nordafrika, ohne dass sich an der Situation etwas geändert hätte.

Eines Tages wurde in den USA ein Mann zum Präsidenten gewählt, der schon immer gegen das Zahlen von Schutzgeldern war. Trotzdem verlangte der Herrscher von Tripolis von der neuen amerikanischen Regierung erneut Tributzahlungen und erklärte den USA den Krieg, als der neue Präsident diese, getreu seiner Überzeugung, verweigerte. In der Folge griffen die USA Tripolis an und zwangen den Herrscher von Tunis die Waffen zu strecken.

Leider verpassten die Amerikaner dabei die Chance den Herrscher von Tripolis abzusetzen und so ging er schon bald mit noch mehr Gewalt seinem einträglichen Geschäft nach. Es sollte noch viele Jahre dauern, bis seinem unsäglichen Treiben endlich ein endgültiges Ende gesetzt wurde…

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Aber was hat das alles mit mir zu tun? Dazu muss ich etwas ausholen, denn nicht Libyen, sondern Boston war mein Ziel. Entsprechend viel weniger heiss ging es nach unserer Landung zu und her. Ich spreche natürlich vom Wetter, welches mit -10°C und einer steifen Brise aus Nordwest für einen eisigen Empfang sorgte.

Da zur vorgerückten Stunde nicht einmal mehr wir vom Cockpit an einem Bier interessiert waren, ging es nach der Ankunft im Hotel direkt ins warme Bett. Ich zappte noch ein bisschen zwischen den Fernsehkanälen rum. Da die Nachrichtenkanäle aber nur verwackelte Bilder von der blutigen Revolution in Libyen zeigten und die Spielfilme vor allem aus Werbeunterbrechungen bestanden,  siegte bald die Müdigkeit und mir fielen die Augen zu.

Am nächsten Morgen erwachte ich gut ausgeruht und war voller Tatendrang. Ich entschloss mich zu einem Ausflug zum ältesten noch Seetüchtigen Kriegsschiff der Welt, der USS Constitution, die in Charlestown, nur knapp zehn Bootsminuten von Bostons Long Wharf entfernt vor Anker liegt.

Nachdem ich mich an der Fregatte sattgesehen hatte, besuchte ich das angrenzende Museum, wo ich mit wachsendem Erstaunen von den eingangs beschriebenen Geschehnissen las. Diese ereigneten sich im frühen 19. Jahrhundert, als die noch jungen USA unter Präsident Thomas Jefferson mit einem eigens zu diesem Zweck gebauten Geschwader unter Führung ihres Flaggschiffes, der USS Constitution, im Amerikanisch-Tripolitanischen Krieg den Pascha von Tripolis dazu zwangen die Piraterie – vorübergehend – aufzugeben.

Wenn man allerdings die Geschichte etwas modernisiert und die Namen austauscht, dann könnte es sich beim Herrscher von Tripolis genauso gut um Gaddafi und beim amerikanischen Angriff um die 1986 von Präsident Reagan befohlene Bombardierung Libyens handeln. Die Parallelen scheinen fast unglaublich! Die Geschichte hat sich tatsächlich wiederholt!

Nach Beendigung der Napoleonischen Kriege und des Britisch-Amerikanischen Krieges hatten sowohl die Amerikaner, als auch die Briten endlich genügend Kapazität sich des Problems der sogenannten Barbareskenstaaten anzunehmen. So wurden 1815 der Pascha von Tripolis, sowie der Dey von Algier und der Bey von Tunis von den Amerikanern erneut gezwungen der Piraterie abzuschwören. Allerdings wäre wohl auch der Erfolg dieses zweiten Barbareskenkrieges nicht nachhaltig gewesen, wenn nicht ein Jahr später eine Englisch-Holländische Flotte mit einem neunstündigen Bombardement die gesamte algerische Korsarenflotte versenkt und damit die Piraterie dauerhaft von den Küsten Nordafrikas vertrieben hätte.

Leider scheinen heute weder Amerikaner noch Europäer gewillt mit der gleichen Entschlossenheit gegen verbrecherische Regimes und Kleptokratien vorzugehen. Statt aus der Geschichte zu lernen, wird jahrelang laviert, Potentaten wird hofiert und ihre Gunst gekauft. Es bleibt die Hoffnung, dass es die arabische Welt aus eigener Kraft schafft sich von ihren parasitären, verbrecherischen Diktatoren zu befreien. 200 Jahre nach den Barbareskenkriegen wäre es endlich an der Zeit die Gaddafis dieser Welt ein für alle Mal in die Wüste zu schicken…

 

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4 Antworten to “Der Herrscher von Tripolis”

  1. Hofnarr Says:

    Statt mit seinem lieben Freund Gaddafi schlägt sich unser heutiger Berlusconi halt lieber mit russischen Callgirls & Co. rum.

    War Lewrie eigentlich Italiener?

    Gruss
    Hofnarr

  2. skypointer Says:

    Die gute Ruby, die dem armen Silvio so viel Kopfzerbrechen bereitet ist Marokkanerin – obwohl Silvio da bestimmt nicht wählerisch ist.

    Der gute Lewrie ist durch und durch fiktiv und englisch – und auch nicht allzu wählerisch…

    http://en.wikipedia.org/wiki/Alan_Lewrie

  3. Tobias Kraus Says:

    Wenn man das aus wirtschaftlicher Sicht sieht ergibt das Verhalten des Westens ja Sinn. Auf der Jagt nach Profiten spielte es noch nie eine Rolle mit wem man Geschäfte macht. Wenn da etwas Moral einkehren würde, wäre der Welt viel geholfen. Es wäre mal an der Zeit, wenn sich auch der Westen seiner Diktaturen entledigen würde – zunächst der des Geldes.

  4. skypointer Says:

    Na ja. Ich bin mir nicht so sicher, dass es langfristig betrachtet wirtschaftlich Sinn macht die Moral auszublenden. Kurzfristige Profite ja, aber die Rechnung dafür wird irgendwann präsentiert und das wird dann sehr teuer.

    So bezahlen wir noch heute für die moralischen Verfehlungen der Vergangenheit. Das vergiftete Verhältnis zwischen der westlichen und der arabischen Welt wegen der Kreuzzüge kommt mir da zum Beispiel in den Sinn. Auch für das hemmungslose Verbrennen der Ölreserven werden die künftigen Generationen teuer bezahlen müssen.

    Das Problem ist meines Erachtens nicht der monetäre Ansatz, sondern der zu kurze Zeithorizont. Jeder denkt nur für sich. Nach mir die Sintflut…

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