cleam, chikinn and fake beer

Diesen Monat meinte es das Planungsroulette echt gut mit mir. Nach Hong Kong durfte ich auch noch Tokio besuchen. Natürlich war da ein Ausflug in die Stadt Pflicht. Auf dem Plan stand der Besuch des Sensoji Shrine in Asakusa, anschliessend eine Fahrt mit dem Wassertaxi nach Shiodome, um dort von der orangen Kopie des Eiffelturms, dem Tokio Tower aus die Sicht über die Stadt zu geniessen.

Mit der Umsetzung dieses Planes haperte es aber gewaltig! Das Übel begann schon am Vorabend, als ich mich von zwei Kolleginnen und einem Kollegen überreden liess noch kurz (!) die Karaoke Bar „The Cage“ zu besuchen. Ohne mich zu viel in unrühmlichen Details zu verlieren, kann ich zugeben, dass die frühmorgendliche Rückkehr von diesem kurzen Abstecher, der Grund für meinen reichlich verspäteten Reiseantritt am nächsten Tag war…

Mit etwa zwei Stunden Verspätung auf die Marschtabelle wurde ich kurz nach dem Verlassen des Bahnhofs Ueno bereits wieder vom Plan abgelenkt. Ich entschied mich für einen Umweg in den unmittelbar neben dem Bahnhof gelegenen Ueno Onshi Park und den darin gelegenen Benetendo Tempel.

 

Danach machte ich mich endlich auf den etwa zwei Kilometer langen Fussmarsch nach Asakusa. Nach einer guten Viertelstunde wies mich jedoch mein knurrender Magen mit Nachdruck auf das fehlende Frühstück hin. So musste ich bereits wieder eine Pause einlegen, um den leeren Magen mit einer Nudelsuppe zu beruhigen.

Frisch gestärkt und wild entschlossen mich nicht mehr von meinem Plan abbringen zu lassen, machte ich mich wieder auf den Weg. Bereits nach wenigen hundert Metern brachte aber die Kappabashi Dogugai Street meine Entschlossenheit ins Wanken: ein kleiner Umweg durch die von Geschirrläden gesäumte Strasse würde schon noch drin liegen…

So kam ich zwischen Töpfen und Töpfchen, Tellern und Tellerchen, Schüsseln und Schlüsselchen und Schalen und Schälchen immer weiter von meinem Ziel ab. Nach dem Geschirr folgte ein Laden mit Plastikmenüs für die Schaukästen von Restaurants. Da gab es alles was das Herz begehrt: Sushis jeglicher Couleur, endlos viele Fische, Krabben und andere Meerestiere, Nudelsuppen aller Art und sogar Spaghetti Teller inklusive schwebender Gabel…

 

 

Während ich versuchte mich im Schlaraffenland aus Plastik sattzusehen, verstrich munter die Zeit. Plötzlich stand ich vor einer Vitrine voller prickelnder Biergläser. Mein Mund fühlte sich plötzlich Staubtrocken an. Tantalusqualen! Mit glasigem Blick stand ich, wie die Maus vor der Schlange, völlig gelähmt vor dem Schaukasten.

 

„Very expensive and you can not even drink it!“ riss mich eine Stimme aus meinen Tagträumen. Ich fuhr herum und stand verdattert vor einem älteren Japaner, der mich breit angrinste. „Ich wusste gar nicht, dass die Japaner Humor haben!“ schoss es mir durch den Kopf, während ich zurückgrinste und sagte „You are so right!“. Danach ergriff ich die Flucht vor dem qualvollen Anblick.

Dank meinen Reissaus schaffte ich es schliesslich doch noch in den Sensoji Shrine, wo ich fasziniert zuschaute, wie die Einheimischen sich mit Wasser und Rauch reinigten, bevor sie den Tempel betraten. Dort entrichteten sie zuerst einen Obolus und justierten mit militärischer Akribie ihr Tenue. Danach traten sie vor ihre Götter, verbeugten sich steif, murmelten ein paar Worte, verbeugten sich nochmals und verliessen dann den Tempel sofort wieder.

 

Diese Japanische Effizienz beeindruckte mich umso mehr, da es mittlerweile kurz vor dem Einnachten war und ich wegen meiner persönlichen Ineffizienz meine Ausflugspläne nun definitiv begraben musste…

Da die Biergläser immer noch in meinem Kopf herum geisterten, betrat ich abermals ein Restaurant. Dort bestellte ich endlich meinen wohlverdienten Hopfentee. Dazu wurde mir die Speisekarte gereicht. Diese war in Japanisch und einer fremdländischen Sprache gehalten, die ich mit einiger Fantasie als Englisch identifizierte…

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