Duracell

Piloten müssen sich etwas einfallen lassen, wie sie in der spärlich bemessenen Freizeit ihre Batterien wieder aufladen können. Da die Fliegerärzte dazu meist Sport empfehlen, wollten sich gestern zwei Kopiloten und Fliegerschulkollegen zusammen auf der Skipiste tummeln. Leider zeigte sich Petrus aber von seiner unfreundlichen Seite und die alternden Kopiloten sind im Vergleich zu früher auch nicht mehr so hart im Nehmen. Weil zudem die Fliegerärzte dringend vom Kaffee Schnaps abraten, der im Schneetreiben jeweils die rasanten Abfahrten ersetzt, wurde der Skitag kurzerhand abgeblasen.

Stattdessen traf man sich mit Hockeystock und Schlittschuhen auf der Eisbahn. Nach kurzem Einlaufen und etwas unmotiviertem den Puck an die Bande knallen, wurden die beiden verhinderten Hockeystars von einigen Teenagern zum Mitspielen eingeladen. Kurzerhand wurden zwei Mannschaften gebildet und schon bald flitzte der Puck flott übers Eis. Zwar war meine Technik seit meiner Jugend arg eingerostet, aber bald kehrten einige der alten Fähigkeiten zurück und zu meiner Freude stellte ich fest, dass ich sowohl der Jugend, als auch meinem Kollegen schlittschuhläuferisch und stocktechnisch überlegen war.

Ich erkämpfte im Verteidigungsdrittel den Puck, baute mit einem kurzen Antritt etwas Geschwindigkeit auf und setzte zum eleganten Sololauf über das gesamte Spielfeld an. Eine Kurve links und der gegnerische Flügelstürmer war ausgetrickst. Ein Haken rechts und auch der Center hatte das Nachsehen. Kurz nach der blauen Linie riss ich einen Stopp und vollführte eine 270° Drehung, die prompt den Verteidiger ins Leere laufen liess. Nun war der Weg auf das Tor frei…

…dort angekommen war ich allerdings so aus der Puste, dass ich den Schuss verzog und Scheibe mit Getöse an die Bande hinter dem Tor knallte. Während das Spiel sich wieder in die andere Richtung verlagerte, stand ich mit heraushängender Zunge, keuchend hinter dem gegnerischen Tor und stellte fest, dass nicht meine Gegenspieler alt aussahen, sondern ich!

Nach einigen weiteren, brillianten Sololäufen, bei denen ich vor dem gegnerischen Tor jeweils so erschöpft war, dass ich nichts Schlaues mehr mit dem Puck anzufangen wusste, sah ich ein, dass eine neue Taktik angesagt war. Ich verlegte mich auf die Verteidigung und versuchte unseren Kasten sauber zu halten. Wenn ich den Puck erkämpft hatte, schickte ich einen meiner jungen Mitspieler mit einem Pass auf die lange Reise zum fernen gegnerischen Tor, während ich im Verteidigungsdrittel schnaufend den nächsten Angriff erwartete. So konnte ich mit den Teenagern wenigstens noch einigermassen mithalten, obwohl mich diese je länger je mehr an die rosaroten Plüschhasen aus der Batteriewerbung erinnerten und ich mir wie eine keuchende, alte Dampflok vorkam. Nach gut zwei Stunden verliessen zwei völlig erschöpfte Kopiloten die Eisbahn, während die Duracell Jugend weiter dem Puck hinterher flitzte…

In der Nacht verfolgten mich die Duracell Hasen bis in meine Träume. Die kuscheligen Häschen wurden aber bald durch die dunklen Mächte des Universums abgelöst, die sich ebenfalls auf die unverzichtbaren Energiespender verliessen:

Doch nicht nur Darth Vader, sondern auch die Airline Manager profitierten von der neuen Batterietechnik. Diese schaffte endlich Abhilfe für die chronisch überarbeiteten Piloten:

Die Neuentwicklung erreichte bald Marktreife und die Piloten konnten noch längere Einsätze leisten. Alsbald flimmerten neue Werbespots über die Bildschirme. Die rosa Plüschhasen hatten ausgetrommelt, sie wurden von grinsenden Piloten verdrängt!

 

Als ich am Morgen schweissgebadet erwachte, war ich heilfroh über meine blauen Flecken und meinen Muskelkater, die mir schmerzhaft bestätigten, dass die Pilotenladestation nur in meinen Alpträumen existierte…

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6 Antworten to “Duracell”

  1. TWR Mädel Says:

    Also der Kleine auf dem letzten Bild gefällt mir sehr gut – richtig schnuckelig 😉

    Wenn allerdings ich so sehe was du da alles kreiert hast dann habe ich den leisen Verdacht dass du “vörigi Zyt” hast…

  2. skypointer Says:

    Bösartige Unterstellung! Ich hatte einfach so starken Muskelkater, dass ich nichts anderes mehr tun konnte, als am Computer zu sitzen und Bilder zu bearbeiten…

  3. Severin Says:

    Köstlicher Text, die Fliegerei ist leider nicht prädestiniert die Fitness des einzelnen im Schwung zu halten. Zwei Jahre genügten völlig um meine doch akzeptable Kanti-Fitness zu verfliessen zu lassen, die muss jetzt mühsahm Woche für Woche im Konditionstraining an der Uni dem Körper abgetrotzt werden.

    Duracell hätte sicher die helle Freude an deinem Text, soviel Schleichwerbung gabs bis jetzt nur im Film wo der da auf der Insel hockte und Fedexpäckli auspackte, der Name ist mir leider gerade entfallen.

    Anyway, hoffe die nächsten Ferien lassen nicht zulange auf sich warten und die Batterien lassen sich auftanken. (Bei mir sehen Semesterferien wiefolg aus: Dehli und Toyko und wohl noch Chicago, ob sich da die Batterien laden werden?)

    Gruss,
    Severin

  4. Richi Says:

    Dopingkontrollen nicht nur bei Hochleistungssportlern: Demnächst auch bei Piloten?
    Duracell positiv, ha ha ha, wieder einmal ein köstliches Lesevergnügen bei Skypointer!

  5. skypointer Says:

    @Severin
    Hab mich bemüht wenigstens bei den Bildern beide grossen Hersteller zu brücksichtigen…

    @Richi 🙂

  6. Im Traum zur Lösung des Pilotenmangel-Problems « Pilots of Swiss Says:

    […] wir nun nicht mehr weiterverhandeln, um bessere Arbeitsbedingungen zu bekommen? Lesen Sie selbst: https://skypointer.wordpress.com/2010/12/14/duracell Viel […]

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