Sun Dance

Klimawandel. Wind und Wetter. Flugrouten und Destinationen. EU-OPS und digitale Manuals. SIM Programme und Differenz Guides. Die Anfahrt zum Flughafen Kloten, die man sich, dank unzähliger Baustellen, jeden Tag neu suchen muss…

Heute ändert alles in horrendem Tempo.  Zwei Wochen Ferien oder eine etwas längere Rotation und schon ist alles wieder anders. The only constant is change. Man ist dankbar, wenn wenigstens ein paar Dinge gleich bleiben. Da könnte einem das stets gleiche Gejammer der Flughafengegner beinahe ans Herz wachsen! Der seit zwei Jahren abgelaufene Gesamtarbeitsvertrag, mit seinen inakzeptablen Arbeitsbedingungen, allerdings weniger, obwohl auch dieser von unglaublicher Langlebigkeit zu sein scheint!

Aber eigentlich spreche ich von den wenigen, wirklich unverrückbaren Dingen im Leben. Diese lassen sich vom Lauf der Welt nicht beeindrucken. Ich spreche von den Gesetzen der Physik. Festgemauert stehen sie. Auf die kann man sich verlassen! Man nehme den Lauf der Sonne. Die Sonne geht im Osten auf und im Westen unter. Das ist so und wird auch so bleiben. Darauf kann man sich verlassen.

Punkt.

Auch unser Abflug nach San Francisco aus wurde durch variables und fixes beeinflusst. Dass die Route weit nach Norden führte, lag am stets variablen Wind. Dass der Abflug nach Süden erfolgte, um dann in einem weiten Bogen nach Osten schliesslich, als die Passagiere langsam dachten wir hätten uns verflogen, doch noch nach Norden zu führen, lag an der fixen Tatsache, dass wir in Zürich einem Politikum statt ab einen Flughafen operieren…

Die Route führte in den hohen Norden, an der Westküste Norwegens und nördlich an Island vorbei Richtung Grönland. Die grösste nördliche Breite erreichten wir auf 74° Nord nahe der Westküste Grönlands. Danach ging es südlich an Thule vorbei, über die Einfahrt zur Nordostpassage und dann über Yellowknife und Vancouver wieder in den Süden nach San Francisco.

 

Obwohl noch sehr früh am Nachmittag, stand die Sonne sehr nahe am Horizont als wir die Ostküste Grönlands in Sichtweite bekamen. Kurz darauf, über dem Scoresby Sund, dem längsten Fjord der Welt, berührten die letzten Sonnenstrahlen unser Flugzeug, während die Gletscherlandschaft unter uns im Dämmerlicht erschien und der Erdschatten einen dunklen Keil an den Himmel zeichnete.

   

Kurz darauf ging die Sonne unter. Im Westen? Denkste! Im Süden.

Dies lag natürlich daran, dass die Deklination der Sonne zurzeit fast -20° beträgt, was bedeutet, dass sich die Sonne auf 70° Nord zur Mittagszeit gerade noch knapp über den Horizont steigt. Auf unserem Weg Richtung 74° Nord flogen wir nun also in die Polarnacht ein und ich hatte gelernt, dass Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge zusammenfallen und im Süden stattfinden können…

Zwei Stunden später, verliessen wir auf unserem Weg nach Süden die Polarnacht wieder und wir durften einen wunderschönen Sonnenaufgang erleben. Im Osten? Wohl kaum! Im Westen.

Leicht verwirrt und ziemlich müde begab ich mich in den Crewbunk und fand mich erst gut zehn Minuten vor der Landung wieder im Cockpit ein. Gerade rechtzeitig um die vom Licht der Abendsonne angestrahlte Golden Gate Bridge und die äusserst fotogen an der San Francisco Bay gelegene Stadt zu geniessen.

 
 
Nach einem spannenden Anflug nach Sicht durfte ich, auf der Fahrt ins Hotel, einen weiteren Sonnenuntergang bewundern. Diesmal sogar im Westen…

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8 Antworten to “Sun Dance”

  1. Young Pilot Says:

    Wow, super Bilder! Viel Spass in der tollsten Stadt in den USA.

    Gruss

    Roman, ein regelmässiger Leser 😉

  2. ilse aus Minga Says:

    Danke dass mir durch diese schönen bilder ein Flug abgenommen wurde…traumhaft

  3. TWR Mädel Says:

    …also wenn eure Kiste ein bisschen besser steigen würde dann wäre der Bogen nach Osten vielleicht ein bisschen kürzer bis ihr nach Norden drehen dürft…
    Herrliche Bilder, danke! Und bei dem RWY System bekomm ich fast feuchte Augen…

  4. G! Says:

    Schöööö, auch wenn die v*** Kiste nicht wirklich steigt…

  5. skypointer Says:

    Also das mit dem nicht steigen ist überhaupt kein Problem!

    Schliesslich hat der Herrgott die Erde rund gemacht. Also reicht geradeaus fliegen und sich darauf verlassen, dass sich die Erde unter einem weg wölbt…

  6. TWR Mädel Says:

    aha, so ist das… jetzt weiss ich endlich auch warum ihr es jeweils überhaupt in die Luft schafft – wir staunen also immer wieder im TWR…

  7. Christoph Says:

    als regelmäßiger Leser und aviatischer Laie wurde meine Neugier geweckt im Bezug auf die Steigleistung des A340.
    Für den Fall, dass man Wikipedia trauen kann käme der A343 auf 4*139kN Schub bei 271t MTOW, das wären dann also 2.052 N/kg
    Im Vergleich die B772ER käme nach selber Rechnung bei 2*417kN Schub bei 297,56t MTOW auf einen Wert von 2.8028 N/kg, also um 36,6% mehr.
    Macht sich das wirklich so stark und störend bemerkbar bei der Steigleistung?
    Und liege ich richtig in der Annahme, dass bei beiden Typen nicht die volle Leistung anliegt während des Steigfluges?
    Interessant finde ich die Frage, weil den Spruch mit der Erdwölbung lese ich nicht zum 1. Mal 😉 und bei meinen letzten Emirates Flügen ergaben sich (laut GPS Logger) sehr ähnliche Steigleistungen mit oben genannten Flugzeugtypen.
    ich hoff ich nerv nicht zu viel mit meinen Fragen 😉
    Cheers!

  8. skypointer Says:

    GPS Logger? Oha. Big Brother is watching us! 😉

    Auf den Spruch mit der Erdkrümmung erhebe ich natürlich kein Copyright.

    Obwohl ich leicht andere Zahlen für MTOW und Schub habe, liegst Du in der Grössenordnung absolut richtig.

    Da die Antwort auf Deine Fragen wahrscheinlich einige Leser interessieren dürfte, verfasse ich einen neuen Blog dazu. Demnächst in diesem Theater…

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