Schwein gehabt

Nach den Ferien liess sich mein Arbeitgeber etwas ganz Besonderes einfallen. Ich durfte an meinem ersten Arbeitstag einen Refresher Tag instruieren. Dieser ist Teil des zweimal Jährlich stattfindenden Simulator Trainings, welches jeder Pilot durchlaufen muss. Dabei ist es unter anderem meine Aufgabe den beiden Trainees die neuesten Änderungen unserer Handbücher zu präsentieren.

Der Laie denkt sich nun vielleicht, dass in drei Wochen die Fliegerei kaum neu erfunden worden sei und dass ich einfach das Programm von vor den Ferien aus der Schublade ziehen und präsentieren konnte. Weit gefehlt! Kaum bin ich einmal nicht zur Stelle wurden sämtliche Handbücher revidiert und Airbus hat ein neues Verfahren publiziert wie sich Piloten bei einem Strömungsabriss zu verhalten haben. Gleichzeitig wurde ein zweites Verfahren erfunden, welches beschreibt was zu tun ist wenn die Warnung für Strömungsabriss nach dem Start fälschlicherweise ertönt, was zwar gemäss den technischen Handbüchern unmöglich ist, aber offenbar trotzdem schon stattgefunden hat…

Wie auch immer. Mein letzter Ferientag ging drauf um diese und noch viele andere Änderungen in eine einigermassen verständliche und präsentable Form zu bringen.

Nach zwei Refresher Tagen und einem „Türschletzer“ in Kairo (für alle nicht Schweizer: schletzen = zuknallen) stand dann endlich ein richtiger Flug auf dem Programm: Johannesburg. Natürlich wollte nach einer mittlerweile fast vierwöchigen Flugabstinenz das ganze Unterfangen seriös vorbereitet sein.

Dabei stolperte ich über eine interessant Meldung im NOTAM (NOtice To AirMen) unseres Ausweichflugplatzes:

„Presence of warthogs on the runway possible. Pilots use caution when landing.”

Hervorragend! Aber was wurde jetzt genau von den landenden Piloten erwartet? Den Warzenschweinen mit wilden Steuermanövern ausweichen? Langsamer anfliegen, damit für die possierlichen Tierchen genügend Zeit bleibt um sich vom Acker (oder besser von der Landebahn) zu machen? Oder vor der Landung die Piste mit einem Feldstecher absuchen und falls sich ein Warzenschwein blicken lässt durchstarten?

Oder war am Ende statt diesemdieses gemeint? Und was würde die Warnung dann bedeuten?

Da der Flug problemlos verlief werde ich wohl nie erfahren, ob auf der Piste unseres Ausweichplatzes wirklich Warzenschweine tummelten und was in diesem Fall von uns erwartet worden wäre…

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2 Antworten to “Schwein gehabt”

  1. Richi Says:

    Ich wollt schon sagen: zum Glück gibt’s keine fliegenden Warzenschweine…
    Dafür gibt’s da unten in Johannesburg keinen Winter in der Art, daß ihr auch noch auf herumlungernde Eisbären auf der Piste gefasst sein müsst.
    Tower: „Icebear One; hold short of runway!
    Skipointer: „Weg da! Jetzt komm ich!!“

    Skisaison kommt bald und damit der nächste Urlaub inkl. Buckelpisten.

  2. skypointer Says:

    Und „frozen ruts“ in einem Runway Report können schnell mit „frozen rats“ verwechselt werden… ;o)

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