Im Trüben…

Nach den ketzerischen Gedanken zum Schweizer Expo Auftritt, brauchte ich etwas Ablenkung und so machte ich mich anderntags auf zum neu eröffneten Bund. Dies ist die Uferpromenade von Shanghai, die einen atemberaubenden Blick auf die von Wolkenkratzern strotzende Skyline von Pudong erlaubt. Leider verhinderten in den letzten Jahren hohe Bauabschrankungen jeglichen Durchblick und  deshalb freute ich mich auf einige Schnappschüsse ohne die Störenden Bretterwände.

Am Bund angekommen stellte ich fest, dass ich zwar kein Brett mehr vor dem Kopf hatte, dafür war die Aussicht völlig vernebelt, denn leider hatte ich meine Rechnung ohne den Shanghaier Smog gemacht.

Um die Wolkenkratzer etwas klarer zu sehen musste ich also auf die andere Flussseite wechseln. Doch auch in Pudong war die Stimmung eher trüb. Selbst als die Sonne einmal in unheilverkündendem Orangerot durch die Abgasgeschwängerte Luft drang wurde die Stimmung nicht besser, denn der Smog kratzte in den Lungen.

 

Wie ein Hohn erschienen mir die Expo Plakate, die mich aus von jeder Hauswand mit dem Shangaier Wahlspruch anlachten: Better City – Better Life. Na ja. Denser Traffic – Denser Smog wäre wohl treffender…

Mich jedenfalls zog es ins Grüne und so machte ich mich auf Richtung Yuyuan Garten. Dieser wurde 1559 von einem hohen Beamten der Ming Dynastie erbaut und gilt als einer der schönsten Chinesischen Gärten Chinas. Offenbar waren die Beamten schon damals überbezahlt und unterbeschäftigt…

Leider liegt der Eingang zum Garten in der Fussgängerzone der Altstadt, die mir mit ihren zahllosen Souvenirshops und fein säuberlich herausgeputzten Häuserreihen jeweils den Eindruck vermittelt ich hätte mich in einen Themenpark von Disneyland verirrt. Nach diesem Gewusel ist die plötzliche Ruhe nach dem Eintritt in den Garten dafür aber umso beeindruckender. Als ich den Kopf in eine der Gartenlauben steckte, winkte mich ein freundlicher Herr zu sich herein und bot mir eine Teezeremonie an. Natürlich konnte ich nicht widerstehen.

  

Schnell wurde mir erklärt, dass ausschliesslich Tees mit medizinischer Wirkung aufgebrüht würden und mein Vorurteil, dass in China gegen jedes Leiden ein Kraut wächst, das man am besten dreimal täglich als Tee geniesst, bestätigte sich. Deshalb kann es nicht überraschen, dass auch alle pilotenspezifischen Leiden problemlos mit Tee behandelt werden können und so probierte ich in der Folge Tees gegen Fettleibigkeit, Schlafmangel, Faltenbildung, Strahlenbelastung und Leberzirrhose…

Frisch dem Junkbrunnen entsprungen machte ich mich danach auf den Rückweg ins Hotel. Ich hatte nämlich um 18 Uhr einen Termin für die nächste Teezeremonie: Hopfentee mit dem Rest meiner Crew.

Auf dem Weg zur Metrostation durchquerte ich den Stadtpark. Dort entdeckte ich einen Fischer mit seiner Tochter, der im sprichwörtlichen Trüben fischte: Vor Smogverhangenen Wolkenkratzern fing er mit seinem zur Angelrute umfunktionierten Regenschirm kleine Goldfische und Krebse aus dem Betonbecken des Parkteiches.  

Welcome to China!

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