San Francisco Bay Blues

Kaum eine Woche im Streckennetz, darf ich schon nach San Francisco fliegen. Manch ein Kollege fragt sich wie ein normal sterblicher Kopilot zu einer solchen Ehre kommt. Bestechung der Einsatzplanerin?  Ein Virus im Planungsroulette?  Ein Pakt mit dem Teufel oder gar ein direkter Draht zu Gott? Viel einfacher! Er lässt sich von Chefpiloten den Line Check abnehmen.

Natürlich liess ich mir für einen San Francisco Trip gerne ein paar dumme – der Chef behauptet allerdings er kenne nur gescheite – Fragen stellen. Auch ein psychedelisch bemaltes Flugzeug nahm ich in Kauf. Wie allerdings all die Abziehbilder bewilligt wurden, wo doch mehr als ein Sticker auf unserem Crewbag verboten ist, wird mir Ewig ein Rätsel bleiben!

Ein Flug mit dem Chefpiloten hat übrigens ausser der garantiert schönen Destination noch einen weiteren Vorteil. Bei Sturm, Schnee oder Gewitter verkriecht sich ein guter Chef im Büro und lässt die Linienschweine das Schlamassel ausbaden. Wagt sich der Chef einmal selbst ins Cockpit, dann herrscht bestimmt schönstes Wetter – Chefpilotenwetter eben. Da meine Qualifikation noch nicht geschrieben ist höre ich nun aber mit dem Chefpiloten Bashing auf…

Die Wettergarantie ist jedoch, wie sich gestern beim spektakulären Anflug über die San Francisco Bay zeigte, von unschätzbarem Vorteil, auch wenn das permanente Fotografieren die Fliegerei ungemein erschwerte:

  

 

Scheissjob. Warum glaubt mir das keiner?!?

Da ich San Francisco das letzte Mal vor mehr als zehn Jahren besuchte, mussten natürlich die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von neuem abgeklappert werden. Im Gegensatz zu meinem damaligen Privattrip, war ich aber heute nicht motorisiert. Deshalb entschloss ich mich, zusammen mit einem Flight Attendant, dem Weg von unserem Hotel via Fisherman‘s Warf und über die Golden Gate Bridge nach Sausalito mit dem Fahrrad in Angriff zu nehmen.

So ging es um zehn Uhr morgens munter Richtung grosse rote Brücke, welche natürlich aus allen Blickwinkeln abgelichtet sein wollte.

 

 

Leider entpuppten sich sowohl der Kopilot, wie auch das F/A, als äusserst unstete Naturen, die sich immer wieder vom rechten Weg abbringen liessen. Kurz vor der Überquerung der Brücke drehten sie deshalb Richtung Baker Beach ab, von wo aus sie weiter in den Golden Gate Park radelten. Weil dort der Eintritt in den Japanese Tea Garden als zu teuer eingestuft wurde, beschlossen sie diesen Besuch auf den nächsten Tokyo Flug zu verschieben und strampelten weiter Richtung Alamo Square, wo vor den Painted Ladies ein Picknick veranstaltet wurde, bevor man, frisch gestärkt, via Presidio und Fort Point zurück zur roten Brücke fuhr.

  

Jeder der San Francisco auch nur ein kleines Bisschen kennt weiss, dass was hier so locker tönt nur eines bedeuten kann: Berg auf, Berg ab, Berg auf, Berg ab, Berg auf,…

 So quälten sich schliesslich kurz vor halb vier Uhr nachmittags zwei ziemlich ausgepumpte Radler doch noch über die rote Brücke am goldigen Tor. Die Steigung zum eigentlich obligatorischen Aussichtspunkt nördlich der Brücke liessen sie allerdings schnöde links liegen, um stattdessen gemächlich nach Sausalito hinunter zu rollen. Dort bestiegen sie die Fähre zurück nach San Francisco, wo sie ihre Drahtesel, denen sie keine Träne nachweinten, dem Vermieter retournierten.

Ein solcher Tag bleibt natürlich nicht ohne Folgen für die Muskulatur und deshalb habe ich beschlossen auch morgen wieder einer typischen Tätigkeit der Einheimischen nachzugehen:

 

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