Kursiv

Sie war intensiv, diese Woche. Wer nun aber denkt ich sei besonders viel oder weit geflogen, könnte nicht weiter daneben liegen. Nachdem ich den Montag, zwecks Konzeptarbeiten zur Überarbeitung der technischen Umschulungskurse, im Büro verbringen musste, standen ab Dienstag drei Kurstage auf dem Programm.

Zuerst durfte ich zwei Tage zum alle zwei Jahre anstehenden Kurs in Crew Resource Management (CRM) antreten. Dabei ging es diesmal um Strategien, wie wir in unserem, durch Ablenkung und Unterbrechungen sehr störungsanfälligen Umfeld, Fehler verhindern können. Zudem wurden uns Techniken zur Konfliktbewältigung beigebracht. Da uns die Kursleitung gebeten hat nichts Näheres über den Kursinhalt zu verraten, möchte ich an dieser Stelle nur das angestrebte Endresultat präsentieren, welches natürlich nur durch intensives trainieren und konsequentes Anwenden der gelernten Strategien erreicht werden kann:

Der Kurs fand übrigens, passend zum Thema und sehr symbolträchtig, auf dem Hasenstrick statt. Das ist ein kleiner Sportflugplatz im Zürcher Oberland, auf dem seit Ende 2009 kein Flugbetrieb mehr stattfindet. Das „Grounding“ des Flugfeldes, auf dem ich als kleiner Junge während manchem Sonntagsausflug fasziniert Aviatik Luft schnuppern durfte, hätte wohl verhindert werden können, wenn die beteiligten Streitparteien den nun ausgerechnet dort stattfindenden Kurs besucht und verinnerlicht hätten. Wer sich tiefer über die unsägliche Geschichte informieren will, findet bei der verbannten Fluggruppe aktuelle Informationen und Links.

Gestern stand dann noch mein Ground Refresher Training (GRT) auf dem Plan. Dort werden Notfallprozeduren trainiert und zudem stand dieses Jahr der Umgang mit Gefahrengut und renitenten Passagieren auf dem Programm. (Wo liegt der Unterschied?!?) Dabei musste ich zu meiner Enttäuschung feststellen, dass meine bevorzugte Methode zur Ruhigstellung der ungehorsamen Gäste von meiner Firma nicht goutiert wird. Deshalb war ich für die vorgestellten, deeskalierenden Verhaltenstechniken dankbar, auch wenn eine „direktere“ Vorgehensweise meinem Temperament mehr entsprechen würde. Zudem würde ich es begrüssen, wenn unruly PAX, ähnlich wie Gefahrengut, gekennzeichnet werden müssten. Ein mittels Brandeisen verpasstes Tattoo auf der Stirn wäre dafür wohl ideal…

Nach meinen kursiven Pflichten, freue ich mich auf den nächsten Flug, denn schon bald drohen die nächsten Bodentätigkeiten. Neben sieben Tagen Instruktion werden in Kürze Simulator Check, Refresher Day, Examiner Refresher, Instruktoren Meeting und Line Check für heftige Turbulenzen in meinem Einsatz sorgen, so dass ich kaum in den Genuss eines normalen Fluges komme…

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3 Antworten to “Kursiv”

  1. Denti Says:

    der Umgang mit Gefahrengut und renitenten Passagieren auf dem Programm. (Wo liegt der Unterschied?!?)

    Wie schon erkannt, für die Gäste gibt es keine UIN, für Dangerous Goods schon 🙂

  2. Richi Says:

    Simulatorcheck, Refresher Day, Examiner Refresher, Line Check! Und im Strassenverkehr?
    10% von alledem wären 30% weniger Unfälle. Doch einmal Fahrprüfung bestehen reicht aus, lebenslänglich.
    Ob das Rechenbeispiel genau stimmt, weiss ich nicht; der Versicherungsmathematiker bist Du 😉

  3. Window In The Skies » Blog Archive » Von Bienen und zwei süssen Hasen im Cockpit Says:

    […] kurzem sah ich mehr rot, als mir lieb war und musste daher unter anderem – wie Kollege skypointer – das sogenannte Ground Refresher Training (GRT oder RGC = Recurrent Ground Course) besuchen. […]

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