Where? There! O’Hare.

Ich habe ja versprochen, dass ich die von Obama angekündigten, neuen Sicherheitsmassnahmen der Amerikaner bei meinem nächsten Flug in die USA etwas genauer unter die Lupe nehmen werde. Natürlich drängte es sich auf, dies anlässlich eines Fluges in die Heimatstadt des Präsidenten zu tun.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich wurde nicht bis auf die Unterhosen ausgezogen und das hübsche, blonde Flight Attendant, welches vor mir die Sicherheitskontrolle passierte, leider auch nicht…

Ausser dem halbnackten Girl auf der Titelseite des Blick, das wegen mangelnder Rigorosität der Sicherheitsleute als Ersatz für das blonde F/A herhalten musste, fiel mir bis Mitte Nordatlantik nichts Besonderes auf. Das Essen aus der ersten Klasse schmeckte wie immer hervorragend und der Nespresso floss reichlich.

Dann aber, als wir auf 30° West die Kontrollzone von Shanwick verliessen und zu Gander wechselten, bemerkten wir wie subtil die Amerikaner vorgehen.

Auf der uns zugewiesenen Kurzwellenfrequenz empfing uns fremdländisches, stakkatoartiges Englisch, das bei genauerem Hinhören Erinnerungen an Curry und Nan heraufbeschwor.

Zuerst vermuteten wir natürlich, dass ein Air India „Palace in the Sky“ versuchte den kanadischen Kontroller zu kontaktieren. Als wir dann aber hörten, dass der Kontroller ebenfalls mit dem seltsamen Akzent sprach und sich zudem noch „Mumbay Control“ nannte, da wussten wir, dass die Sache etwas komplizierter sein musste.

Naheliegend wäre zwar eine Störung in der Ionosphäre gewesen, die den nicht so nahe liegenden Funkverkehr um die halbe Welt transportierte, aber in uns keimte ein anderer Verdacht.

Was, wenn die Amis den Bombay Funkverkehr absichtlich über dem Atlantik ausstrahlen um navigatorisch nicht besonders versierte Terroristen zu verwirren? Die orientierungslosen Bösewichte würden wahrscheinlich denken sie seien in die falsche Richtung geflogen und sofort wenden! Wenn dann über Afghanistan noch ein Kontroller mit New Yorker Akzent den Verkehr leitet, dann wähnen sich die mutmasslichen Attentäter dort am Ziel und sprengen in Tora Bora den Osama statt den Obama in die Luft. Echt genial!

Uns alte Hasen konnte diese Finte natürlich nicht verwirren. Ein kurzer Blick auf den Kompass und ein Nachfragen bei den Passagieren, was der Zielflughafen sei, genügte um bestätigen, dass wir in die korrekte Himmelsrichtung flogen. Deshalb wechselten wir kurzerhand auf unsere Zweitfrequenz und meldeten uns auf dieser beim mit beruhigend kanadischem Akzent sprechenden Lotsen an.

Nun erinnerte ich mich wieder an eine Anweisung in unseren Planungsunterlagen, die ich zu Beginn des Fluges völlig sinnlos fand:

While over U.S. airspace, flight crew may not make any announcements to passengers concerning flight path or position over cities or landmarks.

Im Lichte der neuen, amerikanischen Verwirrtaktik zur Terrorabwehr macht es natürlich Sinn, dass wir das Spiel nicht mit unserer „Public Address“ verraten. Deshalb hielt ich mich bei meiner Ansage vor dem Sinkflug auch peinlichst genau an obiges Verbot:

„Ladies and Gentlemen, due to new regulations from the department of homeland security, I am neither allowed to tell you where we are, nor where we go. Nevertheless we will start our descent shortly and in about 40 minutes, we will be landing there. By the way, in O’Hare the weather…blah, blah…”

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5 Antworten to “Where? There! O’Hare.”

  1. CBS Says:

    ..das ist doch nicht ihr(von den amis) ernst, oder?! Mumbay Control über amerikanischen Boden?! Sind wir schon soweit, dass potenziellen Terroristen, die in der Lage sind ein Verkehrsflugzeug zu entführen und anschließend zu fliegen, so viel Dummheit zugetraut wird auf derartige Tricks rein zu fallen?? Oh jee… arme Welt

  2. skypointer Says:

    Nein ist es nicht. Bin gerade etwas sprachlos…

    Ich dachte der Text wäre deutlich als Glosse über die Unwirksamkeit der U.S. Terrorabwehr zu erkennen.

    Aber jemand der mit einem Verkehrsflugzeug Massenmord begeht hat auf meiner persönlichen Skala der Dummheit einen Spitzenplatz auf sicher. Vielleicht könnte es also sogar klappen.

    An sonsten bleibt immer noch die Erklärung mit der Ionosphäre…

  3. IVBANKER Says:

    Wahrscheinlich wurde das CHICKEN CURRY der ersten Klasse mit den Mikrowellen der Ionosphäre aufgewärmt… Kann dann schon sein, dass man plötzlich Mumbai TWR im Headset hat…

  4. Eisofen Says:

    Wenn ich es auf meinen letzten Flügen (ORD -> DUS) ohne probleme und unabsichtlich schaffe nen Zippo durch die Security zu bekommen und der Metaldetektor nicht mal bei nem gefühltem Pfund Kleingeld in der Jeans sich nicht muckt, frage ich mich wirklich was die TSA da treibt 😉
    Vieleicht versuchen die das ja dadurch zu kompensieren? 🙂

  5. skypointer Says:

    War der Metalldetektor eingesteckt? Wäre nicht das erste Mal, dass ein ganzer Flughafen evakuiert wird weil die TSA-Komiker bemerkt haben, dass sie stundenlang mit einem stromlosen Scanner kontrolliert haben…

    In LA so geschehen im letzten Jahr (oder war’s das vorletzte?). Jedenfalls war es wirklich das Letzte… 😉

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