State of the World, the Union, Technology and Mind

Gestern hat die Zukunft begonnen. Wirklich! Umwälzendes, weltbewegendes, revolutionäres und historisches hat sich gestern zugetragen.

Unter dem diesjährigen Motto „Improve the State of the World: Rethink, Redesign, Rebuild“ wird seit gestern am World Economic Forum in Davos, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, wieder einmal die Welt gerettet. Warum dies nach den durchschlagenden Erfolgen der letzten 22 Veranstaltungen noch immer nötig ist, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis.

Deshalb wurde ich wohl auch nicht eingeladen. Die Politiker und Wirtschaftsbosse, die Reichen und Mächtigen sind gerne unter sich. Soll mir recht sein! Sonst müsste ich am Seminar Rethinking Systemic Financial Risk noch mit Herrn Grübel darüber streiten, ob nun er oder die Politik seine Bank aus dem selbst verschuldeten Schlamassel retten muss. Danach würde mich der UBS Chef wohl einladen mit ihm den Programmpunkt Rethinking Business Ethics zu besuchen und ich müsste ihn darüber aufklären, dieser Kurs überflüssig wäre, wenn man sich einfach an die Grundregeln des Anstandes halten würde…

InThe Next Global Crisis wird sicher gestellt, dass die Welt auch nächstes Jahr wieder gerettet werden muss und für den Fall, dass dies im 2011 zum ersten Mal nicht gelingen sollte, wird in Life on Other Planets? schon heute nach Alternativen gesucht.

Wer nun aber denkt, das WEF habe bei normal Sterblichen keine spürbaren Auswirkungen, der irrt gewaltig. So ist bereits seit zwei Wochen mein Lieblingsparkgeschoss im Personalparkhaus am Flughafen Zürich für die Limousinen der Weltenretter von Davos gesperrt…

Natürlich ist das WEF nicht der einzige Grund, weshalb der gestrige Tag bei künftigen Generationen als historisch gelten wird. Gestern hat Obama seine State of the Union Address gehalten:

Ich hab sie mir angetan und ich bin beeindruckt. Nicht weil der Friedensnobelpreisträger viel über Krieg gesprochen hat. Auch nicht weil er ein brillanter Redner ist und schon gar nicht wegen der amerikanischen Innenpolitik. Überrascht haben mich Aussagen wie:

 We have gone from a bystander to a leader in the fight against climate change.”

Da muss ich offensichtlich etwas verpasst haben! Wahrscheinlich meint er damit Dinge wie „opening new offshore areas for oil and gas development“.

Gefreut hat mich auch, dass Obama endlich das amerikanische Haushaltsdefizit in den Griff gekriegt hat: „We’ve already identified $20 billion in savings for next year.“ Bei 12 Trillionen Staatsschulden, die jährlich um eine Trillion anwachsen, scheint mir dies allerdings etwas mager. Dies liegt wohl daran, dass ich kein Politiker bin und somit Probleme kriege, wenn ich Geld ausgebe, das ich gar nicht habe…

Besonders beruhigt hat mich aber die Aussage “We are filling unacceptable gaps revealed by the failed Christmas attack, with better airline security”. Mal sehen, ob ich auf meinem nächsten Amerikaflug schon etwas davon bemerke. Vielleicht wird ja in Zukunft das Tragen von Unterhosen verboten. Oder man nimmt neuerdings auch noch Fussabdrücke. Da eh schon jeder die Schuhe ausziehen muss, wäre der Aufwand dafür minimal…

Um die historische Dreifaltigkeit zu komplettieren und um jedermann die Einfältigkeit der Konsumenten vor Augen zu führen, hat der Messias der Elektronikbranche, Steve Jobs, gestern vollmundig das iPad angekündigt. Der neuste Stand der Technologie ist ein aufgeblasenes iPhone ohne USB Anschlüsse, das nicht zum Telefonieren taugt, unfähig ist zwei Programme gleichzeitig auszuführen, keine Webcam hat und Flash Videos nicht anzeigen kann. Apple hat sich wieder einmal selbst übertroffen!

Alles in allem ist das iPad also etwa so nutzlos wie das WEF und so langweilig wie die Rede zur Lage der Nation! Aber das wird dem kommerziellen Erfolg dieses zukünftigen Elektroschrotts natürlich nicht im Wege stehen.

Warum sollten wir beim Konsumieren auch intelligenter sein als beim Wählen?! Allmählich mache ich mir Sorgen über den „State of Mind“ der Welt…

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3 Antworten to “State of the World, the Union, Technology and Mind”

  1. nff Says:

    … und die Frauen kannten den iPad schon lange….

    http://www.break.com/index/ipad14.html

  2. Richi Says:

    Welch selstsame Worthülsen – der übliche Business- und Politikersprech.
    Super Satire!
    Der Spott ist hier wohl angebracht. Auch die Spotter mit ihren Kameras und Teleobjektiven am Zaun und auf dem Parkhaus haben viel zu spotten derzeit. Noch ist es nicht soweit. Aber vielleicht nächstes Jahr schon: Wenn der erste A380-Private-Jet in KLO sich auf dem General-Aviation Parkplatz breit machen wird…

  3. skypointer Says:

    Dafür müsste man wohl noch das eine oder andere Gebäude planieren.

    Das hätte den weiteren Vorteil, dass es bei Westwind im Final RWY28 weniger Turbulenzen hätte! 🙂

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