Severe security breach

Die Schlagzeilen über Probleme an Sicherheitskontrollen von Flughäfen wollen in letzter Zeit nicht mehr enden. So konnte der Unterhosen-Bomber von Detroit ungehindert hochexplosiven Sprengstoff auf ein Flugzeug der Delta Airlines schmuggeln. Das beherzte Eingreifen eines Passagiers verhinderte zum Glück, dass die Hot Pants grössere Schäden anrichteten. Ausser am Allerwertesten des Terroristen natürlich…

Kurz danach erdreistete sich ein Reisender in München doch tatsächlich seinen Laptop mit auf seinen Flug zu nehmen. Die dadurch völlig überforderten Sicherheitsleute verpassten es in der Folge nicht nur den mutmasslichen Terroristen festzunehmen und nach Guantanamo zu überstellen, sondern vergassen darüber hinaus auch unverzüglich Bundespolizei, GSG 9, NTSB, Homeland Security, FBI, CIA, Navy SEALs, Fremdenlegion, Ueli Maurer, Barak Obama, Ban Ki Moon und den lieben Gott zu benachrichtigen.

Ein weiterer Vorfall ereignete sich, von der Öffentlichkeit unbemerkt, gestern am Zürcher Flughafen. Zu meinem Leidwesen musste ich die Folgen dieser Sicherheitslücke am eigenen Leib spüren.

Die Geschichte, die wie ein schlechter Krimi tönt, begann eigentlich völlig unspektakulär mit einem Anruf der Crew Dispo. Mir wurde mein Boston Flug weggenommen und durch Bombay ersetzt. Weil ich also mit +32°C statt -6°C rechnen konnte, zog ich ein fabrikneues Kurzarmhemd zu meiner noch immer fast knitterfreien Uniform an und machte mich auf den Weg zur Arbeit.

Nach Planung, Kabinenbriefing und einem Schwatz mit Kollegen, begaben wir uns zur Sicherheitskontrolle. Da mein Laptop keine Sprengstoffspuren aufwies, in Koffer und Crewbag keine Waffen versteckt waren und ich es bei der Personenkontrolle tunlichst vermied an Metall zu denken, wurde ich ohne Beanstandung aufs Flugzeug gelassen.

Flugvorbereitung und Boarding verliefen zügig, so dass wir schliesslich einige Minuten zu früh starten konnten. Als ich im Steigflug die Winddaten in den Navigationsrechner stöpselte, ertönte der Summer der Cockpittüre. Der Kapitän kontrollierte kurz die Überwachungskamera und öffnete die Panzertüre. Während ich mich darauf konzentrierte nicht den Überblick über meinen Zahlensalat zu verlieren, sah ich am Rande meines Gesichtsfeldes schemenhaft, wie die Türe geöffnet wurde und jemand ins Cockpit trat.

Plötzlich spürte ich, wie sich eine Metallspitze in meine Kehle bohrte. Obwohl der Stich nicht sehr schmerzhaft war, realisierte ich sofort, dass ich mich in höchster Gefahr befand. Jetzt bloss keinen Fehler machen! Ruhig Blut bewahren, den Kopf nicht bewegen, niemanden durch abrupte Bewegungen gefährden und mal hören was die eben eingetretene Person für Forderungen stellt…

„Kann ich Euch einen Kaffee bringen?“ fragte jemand hinter mir. Ja was für ein Terrorist war denn das? Vorsichtig drehte ich den Kopf und erkannte zu meiner Erleichterung unser First Class Flight Attendant hinter mir. Aber wer stach mir denn nach wie vor mit diesem Metallteil in den Hals?

Behutsam löste ich meine Krawatte und tastete meinen Hemdkragen ab. Tatsächlich, da war was! Mit der rechten Hand brachte ich etwas Luft zwischen Metallspitze und Kehle, während ich mit der linken Hand, zitternd, eine Stecknadel aus meinem Kragen zog. Erleichtert sagte ich: „Sehr gerne. Espresso, schwarz und ohne Zucker.“

Danach fragte ich mich zum hundertsten Mal in meinem Leben, warum zum Teufel neue Hemden mit solch lebensgefährlichen Nadeln verpackt werden.

StecknadelAls ich das Corpus Delicti betrachtete, realisierte ich, welch grosser Gefahr wir gerade entronnen waren. Zwar wäre der Kapitän, falls ich am Stich in die Kehle verblutet wäre, zweifellos in der Lage gewesen das Flugzeug alleine zu landen – aber was könnte nicht alles geschehen, wenn eine so gefährliche Waffe in die falschen Hände gerät? Wenn zum Beispiel ein anonymer Selbstdarsteller auf einen dünnhäutigen Zeitgenossen trifft, der keine Sticheleien erträgt…

Natürlich müssen aus solchen Vorfällen Lehren und Konsequenzen gezogen werden. Ich fordere deshalb das unverzügliche Nachrüsten aller Nacktscanner, damit sie in Zukunft jede Stecknadel finden und eine Risikoprämie für Erstflüge in neuen Uniformhemden.

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5 Antworten to “Severe security breach”

  1. Richi Says:

    Der Einfallsreichtum deiner Beiträge erheitert mich stets aufs neue.
    „Tunlichst vermeiden, an Metall zu denken“, um die Personenkontrolle unbehelligt zu passieren – das wirft die Frage auf, wie es Uri Geller ergehen mag, wenn er den Metalldetektor passiert…

  2. skypointer Says:

    Na bei Herrn Geller wird sich wohl der Detektor verbiegen…

    An sonsten werden meine dummen Einfälle wohl schon bald von der Realität eingeholt:

    http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/naher-osten-und-afrika/Mit-dem-Gefuehlsscanner-gegen-Attentaeter/story/19680985

  3. manuel Says:

    Wow, auch ich staune immer wieder über deinen Einfallsreichtum und Humor. Weiter so!!!
    Am besten hat mir der kleine Seitenhieb auf etwaige dünnhäutige Zeitgenossen gefallen 😉

    Kannst du mir evtl eine E-Mail schreiben, wenn du Zeit hast? Ich habe eine kleine Frage.

    Grüße,
    Manuel

  4. IVBANKER Says:

    Apropos Hosen-Bomber… Bin letzten Frühling von ZRH nach LAS geflogen via AMS und MSP… Airline war NW (Delta). In AMS beim besteigen des NW Frachters haben die bei der letzten Kontrolle bemerkt, dass ich Einträge im Pass von Dubai und Aegypten habe und musste fast am Boden bleiben… respektive wurde einer „intensiven“ Kontrolle unterzogen… Mir unverständlich, wie es der andere geschafft hat. Und ja…. wenn immer möglich flieg ich SWISS… 😉

  5. skypointer Says:

    Dubai und Ägypten? Du bist ja ein ganz schlimmer! Dass Du vorzugsweise SWISS fliegst lass ich aber als mildernder Umstand gelten… 😉

    Ich erlebe es oft, dass jemand bei der Kontrolle gefilzt wird, während eine andere Sicherheitscrew sich nicht im geringsten für das gleiche „Delikt“ interessiert (z.B. Laptop nicht ausgepackt, Schuhe nicht ausgezogen).

    Hängt wohl alles mit der Motivation und der Tagesform der Kontrolleure zusammen.

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