Platt gemacht

Hier in Shanghai wird zur Zeit alles platt gemacht. Ganze Quartiere fallen der Abrissbirne zum Opfer. Die betroffene Bevölkerung wird kurzerhand umgesiedelt. Rücksicht wird dabei auf nichts und niemand genommen.

Selbst historischen Bauwerken ergeht es nicht besser. Aus alt mach neu lautet das Motto. Neu bauen geht schliesslich einfacher als renovieren. So werden auch ganze Tempelanlagen platt zerstört und in Disneyland Manier makel- und seelenlos wieder aufgestellt. Dabei wird selbst vor den Göttern nicht halt gemacht. In Ungnade gefallene Gottheiten werden kurzerhand entsorgt und durch modernere, beliebtere, genehmere oder fähigere ersetzt.

Die Chinesen sind da ganz pragmatisch und wir sollten uns ein Beispiel an ihnen nehmen. Als Monotheisten könnten wir statt Götter unsere Manager und Politiker entsorgen!

Da ich als rückständiger, verknöcherter und uncooler Traditionalist das Original der Kopie jederzeit vorziehe, besuchte ich gestern einen der wenigen übrig gebliebenen alten Tempel. Lónghuá Sì. Obwohl dieser mit Taxi oder Metro bequem zu erreichen wäre, beschloss ich den Weg per Pedes zu erforschen.

Mit Stadtplan, Mütze und Handschuhen kämpfte ich mich so lange durch Strassen, Gassen und Baustellen, bis auch meine Füsse platt waren. Insgesamt brachte ich es auf knapp vier Stunden Fussmarsch – Tempelbesuch nicht eingerechnet. Was für Götter ich gesehen habe weis ich nicht mehr so genau, das spielt aber keine Rolle, da bis zu meinem nächsten Besuch wohl trotz martialischem Gehabe andere den Laden übernehmen werden…

Gott1 Gott2

Longhua Ta Longhua Ta 2

Am Abend ging es dann, welch Wunder, wieder in ein chinesisches Restaurant. Unter Führung unseres Bekannten war diesmal aber weniger scharf, dafür statt Schikimiki so richtig einheimisch angesagt. Es gab Hühnerfüsse, Qualle, Kröte und undefinierbares. Desinfiziert wurde alles mit als Reiswein getarntem Schnaps…

 Hühnerfüsse Qualle

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3 Antworten to “Platt gemacht”

  1. Tim Says:

    Puuuuhaaaar – das mit den Hühnefüßen sieht ja echt pervers aus!!!

    Nagt man da das Fleisch von den Knochen runter? Und wie schmeckt das dann?

    Das man Qualle essen kann wusste ich auch noch nicht, die bestehen doch zu 99% oder so aus Wasser, schmecken die denn?

  2. skypointer Says:

    Hi Tim

    Hühnerfüsse: Eine Zehe in den Mund, Haut und Fett von den Knochen Nagen – Fleisch hat es nicht wirklich dran – und dann die Knochen wieder ausspucken. Schmeckt nicht nach viel.

    Die Qualle schmeckte nach nichts und hatte eine leicht knorpelige Konsistenz. Zusammen mit der Sauce gab es dann etwas Geschmack…

    Beides wird aber nicht zu meinen Leibgerichten werden. 😉

  3. Peter Says:

    Zugegeben, für uns sind diese Speisen etwas gewöhnungsbedürftig (ich verstehe auch, dass sich jemand nicht daran gewöhnen will) aber sie schmecken einfach herrlich!!! Ich beneide dich und en Guetä!!!
    Gruss
    Peter

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