Drama in drei Akten

Selbst mich als Kulturbanausen verschlägt es ab und zu ins Theater. Die Aufführung, die ich kürzlich miterleben durfte, ein Drama, erweckte in mir aber den Eindruck im falschen Film zu sein:

Der erste Akt bestand aus einer düsteren Inszenierung der Apokalypse. Vor dem aktuellen Hintergrund einer am Abgrund stehenden Weltwirtschaft, wurde ein beängstigendes Katastrophenszenario aufgebaut. Panikmache, Seuchenangst,  drohender Weltuntergang und Jüngstes Gericht. Erst kurz bevor der Vorhang zum ersten Mal fiel, erschien ein Silberstreifen am Horizont: Ein Gerücht es existiere ein mythischer Held, der die drohende Apokalypse in der letzten Minute abwenden könne.

Die erste Pause fand ich extrem befremdend. Statt über die düsteren Szenarien zu diskutieren, betrieben unbeeindruckte Zuschauer den üblichen Smalltalk. Genüsslich wurde Klatsch und Tratsch ausgetauscht und als das Theater seine Fortsetzung fand, wusste kaum mehr jemand um was es im ersten überhaupt Akt ging.

Der zweite Akt war schrecklich langweilig. Eigentlich war er eine doppelte Kopie von Samuel Becketts „Waiting for Godot“. Einerseits wartete man auf den Beginn der drohenden Apokalypse, andererseits auf das Erscheinen des sagenumwobenen Helden. Beide wurden zwar immer wieder angekündigt, tauchten aber nie auf. Zum Schluss wusste man nicht recht ob Weltuntergang und Superheld einfach nur unpünktlich seien oder sich als Schimären erweisen würden.

Allgemeine Ratlosigkeit dominierte die zweite Pause. Einige zweifelten an der Existenz des Helden und andere hinterfragten zumindest seine Fähigkeiten. Zudem verbreitete sich das Gefühl die ganze Apokalypse werde sich schliesslich als Sturm im Wasserglas erweisen. Eine kleine Gruppe war gar überzeugt bewusst zum Narren gehalten zu werden und sprach von Verarschung. Trotz des zwiespältigen Eindrucks, den die ersten beiden Akte hinterlassen hatten, war man gespannt auf das Finale.

Zur allgemeinen Überraschung trat gleich zu Beginn des dritten Aufzugs der bis dahin imaginäre Held auf den Plan. Die merkwürdige Kreuzung zwischen Asterix, Obelix und Miraculix kam allerdings beim Publikum nicht sonderlich gut an. Erste buh Rufe ertönten und ich musste mir das Lachen verkneifen. Der unglückliche Weltretter war zwar redlich bemüht sich in Szene zu setzten, was ihm wegen mangelnder Unterstützung durch Mitspieler und Publikum aber eher schlecht als recht gelang. Da sich zudem der angekündigte Weltuntergang, wie zuletzt geahnt, als Rohrkrepierer entpuppte, wurde der bedauernswerte Held sogar überflüssig. Als sich schliesslich alle fragten, ob diese tragische Figur nicht mehr Schaden als Nutzen anrichten würde, fiel der Vorhang zum letzten Mal.

pandemrixDer tragische Held heisst übrigens Pandemrix und obwohl kaum jemand erpicht darauf ist, wird gemunkelt, dass eine Fortsetzung dieses Dramas mit dem Titel H1N1 in Vorbereitung sei.

Coming soon to a theater near you…

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4 Antworten to “Drama in drei Akten”

  1. alex p. Says:

    Aaaaargh, wieder voll reingetappt. 😉 Gratulation!

  2. Richi Says:

    Ein „klassischer“ Skypointer, könnte man bald sagen. Bin auch wieder Rheingefallen, äähh reingefallen und habe erst ganz am Schluss gemerkt, wohin der Hase läuft.

    Klasse Parodie, jedenfalls, die Theater Aufführung!

    Geht ja schliesslich auf kaum eine Kuh Haut, was da abgeht: Diese pandemisch verbrämte Angstmacherei!
    Sollen wir das Vertrauen in unsere Immunabwehren gänzlich verlieren? Sollen wir unser wertvolles Vertrauenskapital nur noch der Pharmaindustrie schenken?

  3. skypointer Says:

    Das Kapital reicht. Das Vertrauen darfst du behalten, das interessiert Vasella und Konsorten nicht…
    🙂

  4. Richi Says:

    he he he…der war gut!
    Den Kapitalismus hatte ich wohl nicht genügend berücksichtigt…

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