Rückenprobleme

Rückenschmerzen sind bei Piloten eine typische Berufskrankheit. Pilot sei halt ein Sitzberuf, hört man. Da sei es klar, dass mit der Zeit Rückenprobleme auftreten. Zur Stärkung der Rückenmuskulatur wird sportliche Betätigung empfohlen und nicht wenige meiner Kollegen pilgern an exotischen Destinationen zur Massage – meist für den Rücken, manchmal vermutlich auch für anderes…

In letzter Zeit musste ich aber feststellen, dass die Gründe für die verbreiteten Rückenschmerzen doch wesentlich vielschichtiger sind als gemeinhin angenommen und dass das viele Sitzen nur teilweise für verkrampfte Muskulatur und verschobene Wirbel verantwortlich ist.

Genauso schlimm ist der erbärmliche Zustand einiger Landebahnen. Die Schläge die wir Swiss Piloten auf unserer Heimbasis während der Erneuerung der Piste 16 einstecken mussten, hätten alleine schon für einen mittleren Bandscheibenvorfall gereicht. Zum Glück war diese Holperei nur vorübergehender Natur und die Rückenschäden wären mittlerweile sogar wieder verheilt, wenn da nicht Pisten wie die 23R in Kairo wären. „Kartoffelacker“ ist noch zu schmeichelhaft für diese Aneinanderreihung von Schlaglöchern. Beim Starten und Landen auf diesem Schandfleck der Luftfahrt, bemitleide ich einzig das Fahrwerk mehr als meinen Rücken!

Noch eine grössere Schande als diese Rumpelpisten, sind die Zustände auf den Luftstrassen. Dort ist die Situation heute so desolat, dass für die Schlaglöcher ein eigener Euphemismus erfunden wurde: CAT. Clear Air Turbulence. Was der arme Pilotenrücken dort, jeweils ohne Vorankündigung, einstecken muss, spottet jeder Beschreibung.

Ganz tragisch wird es beim Durchfliegen solcher Klarluft Turbulenzen im Crew Bunk. Um sich in die zu kurze und mit wachsender Abnutzung oft bedrohlich schiefe Koje zu quetschen, wird die Wirbelsäule in allen vier Dimensionen der Raumzeit verdreht, gekrümmt und gestaucht, dass selbst Einstein den Überblick verlöre. Wenn dann dieses verwundene Rückgrat, CAT bedingt, auf die steinharte, durchgelegene Unterlage geschmettert wird, kracht es lauter als eine zugeknallte Cockpittüre und das Krachen wird nur noch vom automatisch darauf folgenden Schmerzensschrei übertönt.

Apropos automatisch: Automatisch Gut – so lautet das Motto des Herstellers meiner Jalousien. Leider gilt dies nicht für Flugzeuge. Da wir aber Herbst haben und da, wie in der Aviatik scheinbar üblich, der Flughafen Zürich im grössten Nebelloch der Region gebaut wurde, landet der Automat zur Zeit besonders oft. Letzten Samstag, anlässlich meiner Rückkehr aus Sao Paulo, zeigte der Computerkollege wieder einmal sein ganzes Können und legte einen solchen Knaller auf die Piste, dass sich nicht nur die Passagiere bekreuzigten, sondern dass mich auch jeder meiner 24 Wirbel während zwei Tagen permanent und schmerzlich an das fliegerische Unvermögen unseres Autopiloten erinnerte. Von Kreuz- und Steissbein will ich gar nicht sprechen.

Als ob dies noch nicht gereicht hätte, versuchte ich in einem Anfall von Charme die Koffer der Kabinenbesatzung in den Crewbus zu hieven. Wozu die zierlichen Damen im Ausland Hanteln kaufen und in ihrem Gepäck nach Hause führen, wird mir wohl auf ewig ein Rätsel bleiben! Meinem Rücken jedenfalls gaben diese Schwergewichte den Rest.

Wer nun aber glaubt, dass sich die Damen wenigstens dafür bedankt hätten, dass ich mir für sie den Rücken ruiniert habe, der irrt gewaltig. Das Einzige was ich zu hören bekam waren dumme Sprüche über die verpfuschte Landung. Die Beteuerung, dass der Automat diesen Aufschlag verbrochen habe, wurde dabei mit vielsagenden Seitenblicken und Hohn quittiert. So muss ich nun in meinen Freitagen nicht nur meinen kaputten Rücken, sondern auch noch mein verletztes Ego wieder aufpäppeln…

Advertisements

7 Antworten to “Rückenprobleme”

  1. alex p. Says:

    … und dann behaupten alle, wir hätten so einen schönen Job 😛

    Hab ich ein Glück, dass ich noch so jung bin 😉

  2. Peter Says:

    Per sofort ändere ich meine Meinung, Piloten hätten es doch so schön, den ganzen Tag sitzen und aus dem Fenster die tolle Aussich geniessen. Nein, im Ernst, erst ab einem gewissen Alter oder bei bestimmten Berufen wird einem klar, dass der Mensch definitiv NICHT zum Sitzen gebaut ist.

    Aber auch nicht hierfür: http://prechiblog.blogspot.com/2009/09/die-angst-des-bikers-vor-der-mauer.html

    Gute Besserung und hoffentlich hat die Phantasie nicht auch gelitten und wir weiterhin tolle Blogeinträge von dir lesen können.
    Peter

  3. skypointer Says:

    Tja das Alter…wie fühle ich mich dann erst in 20 Jahren?!? 😉

  4. Denti Says:

    Im Grunde merkt man doch dass wir Büroarbeiter sind, selbst in unserer urtümlichen (rot-weissen) Boeing. Bandscheibenvorfälle, Bluthochdruck, Gewichtsprobleme und nach spätestens einem Jahr im Beruf auch massive Schlafprobleme (die hängen aber eher an der Schichtarbeit/Zeitumstellung) sind da Standard.

    Gute Physiotherapie und Vorsorge sind da Pflicht.

  5. skypointer Says:

    Und welches Büro kann DAS bieten? 🙂

  6. Richi Says:

    Auf jeden Fall:
    „DAS“, aus eurem „Panoramastübli“ ist sozusagen die photographische und atmosphärische Fortsetzung der Iguacù Fälle

  7. skypointer Says:

    nur fliegen ist schöner…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: