CPDLC

Eigentlich bin ich ja im VGA, im Verein gegen Abkürzungen. Aber um einige der tollen Kreationen kommt der Pilot von heute einfach nicht herum.

 

CPDLC ist eine davon. Es steht für Controller Pilot Data Link Communication und ist trotz der monströsen Abkürzung recht nützlich, denn durch den Datenaustausch muss weniger mit einer anderen Monstrosität gearbeitet werden: dem Kurzwellenfunk.

 

Statt in abgelegenen Gebieten, ohne UKW Abdeckung, zu versuchen aus dem kosmischen Hintergrundrauschen halbwegs sinnvolle Informationen oder Anweisungen herauszufiltern, kann sich ein Pilot mit CPDLC bequem, via Textmitteilung und Satellit, mit dem Fluglotsen verständigen. Angesichts der Tatsache, dass die Passagiere in der Kabine schon seit Jahren die Möglichkeit haben via Satellit in die ganze Welt zu telefonieren, während wir bis vor kurzem, oftmals vergeblich, mit dem Quietschen, Knattern und Rauschen im Äther kämpften, nehmen wir diesen Fortschritt gerne entgegen.

 

Ein weiterer Vorteil von CPDLC ist, dass der Lotse Zugriff auf die Navigationsrechner der von ihm kontrollierten Flugzeuge hat und somit ihre genaue Position jederzeit kennt. Dadurch können die Abstände in entlegenen Gebieten verkleinert werden, was effizienteres und damit auch ökologischeres Fliegen ermöglicht.

 

Auch das Wechseln der Kontrollzone ist sehr einfach. Nähert sich ein Flugzeug der Zonengrenze, verbindet der Lotse das System automatisch mit der nächsten Zone, ohne dass wir Piloten etwas damit zu tun hätten. Wir erhalten nur eine Ankündigung des bevorstehenden und die Bestätigung des vollzogenen Transfers.

 

Genau dies war aber gestern das Problem. Auf unserem Flug nach Los Angeles meldete der Kontroller aus Reykjavik über Grönland unseren bevorstehenden Wechsel in das Gebiet von Gander Control.

 

So weit so gut. Leider sollten wir aber gemäss unseren Karten in die weiter nördlich gelegene Kontrollzone von Edmonton einfliegen. Deshalb waren wir nicht sonderlich überrascht, als der kanadische Lotse, kurz nachdem unser System mit Gander verbunden war, die Verbindung wieder unterbrach. Was interessierte ihn schliesslich ein Flugzeug, das nicht durch sein Gebiet flog.

 

Dies veranlasste seinen Kollegen in Reykjavik erneut zum Herzustellen der Verbindung, welche der Kanadier ein Paar Sekunden später abermals abklemmte. So ging es nun hin und her. Der Isländer wollte uns um jeden Preis an Gander abgeben und der Kanadier verweigerte ebenso konsequent uns zu akzeptieren.

 

Eigentlich hätte ich den Hickhack ja witzig gefunden, wenn unser System nicht bei jedem Verbindungsversuch eine Meldung generiert hätte, welche wir, um ein akustisches Warnsignal zu verhindern, quittieren mussten.

 

Als mir das Ganze zu bunt wurde, stellte ich selber den Kontakt zu Edmonton her und meldete nach Reykjavik, dass dies unsere nächste Kontrollzone sei. Leider mit wenig Erfolg. Mindestens noch zwanzig mal musst ich die Meldung „NEXT ATC: CZQX CTL“ quittieren, bevor ich mich wieder meinem Sudoku widmen konnte.

 

Manchmal artet eine Atlantiküberquerung, selbst mit modernen Kommunikationsmitteln, in Arbeit aus…

 

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