Kauderwelsch

Seit Jahren durfte ich wieder einmal nach Montreal fliegen. Oder besser Montréal. Das liegt nämlich nicht etwa in Kanada, sondern – und darauf legt man hier Wert – in Québec. Die Sprache hier heisst Französisch, auch wenn sie nicht so tönt. Das liegt daran, dass hier das wahre Französisch gesprochen wird, das Québécois und nicht die neumodische französische Abwandlung dieser grossartigen Sprache…

 

Bereits im Anflug wurden mir die Tücken des Québécois deutlich vor Augen geführt. Obwohl der Sicherheit nicht gerade förderlich, spricht der Frankophone hier am Funk Französisch. So meldete sich auch ein Pilot der Air France in seiner Muttersprache bei der Anflugkontrolle. Der Kontroller nahm die Einladung an und gab seine Anweisungen ebenfalls in seiner Muttersprache. Leider verstand der in bestem Pariser Französisch sprechende Pilot kein Wort von dem, was der Kontroller in noch besserem Qébécois von ihm verlangte und auch zweimaliges Nachfragen änderte nichts daran. Darauf fragte der Kontroller süffisant: „Sind Sie sicher, Monsieur, dass sie Französisch verstehen? Sonst wäre ich auch in der Lage Englisch zu sprechen.“ Diesmal schien der Franzose verstanden zu haben, denn es herrschte betretenes Schweigen im Äther…

 

Wie an der Ostküste üblich, fand ich anderntags um sechs Uhr in der Frühe keinen Schlaf mehr und so trieb es mich zum Frühstück. Als ehemals gewiefter Montréal Flieger unterlief mir natürlich kein Anfängerfehler. So parlierte ich mit dem Kellner Französisch. Zwar die neumodische Variante, aber noch immer um Welten besser so, als das hier verpönte Englisch.

 

Zu meinem Pech gelüstete es mich heute Morgen nach Rühreiern und mir wollte im Nebel des Jetlag das dazu passende französische Wort partout nicht einfallen. Mittlerweile weiss ich zwar, dass ich nach „des œufs brouillé“ hätte fragen sollen, aber zu diesem Zeitpunkt wusste ich es leider nicht besser, als meine Eier „scrambled“ zu bestellen.

 

Dieser Affront provozierte den armen Garçon so sehr, dass er mich mit grosser Empörung anschnauzte: „Ihr Europäer müsst Euch entscheiden ob Ihr nun Englisch oder Französisch sprecht!“ Der scharfe Ton dieser Zurechtweisung nervte mich in meinem unausgeschlafenen Zustand so sehr, dass ich dem Mann recht deutlich zu verstehen gab, dass meine Muttersprache Deutsch sei, ich mich aber dennoch bemühe mit ihm Französisch zu sprechen. Zudem seien es wohl eher die Québécois, welche ihr Französisch mit unzähligen Anglikanismen durchsetzten.

 

Das war dem armen Kerl dann deutlich zu viel des Guten. Er drehte sich wortlos um, gab seiner Kollegin ein Zeichen und verschwand in der Küche. Nach gut fünf Minuten kam dann diese Kollegin an meinen Tisch und fragte, ob sie meine Bestellung aufnehmen dürfe – natürlich auf Englisch. So wie man eben mit einem Proleten spricht…

 

Advertisements

3 Antworten to “Kauderwelsch”

  1. Ingo Says:

    Wie gut, dass ich gar kein Französisch beherrsche und auf dem Standpunkt stehe, dass ich immerhin eine Fremdsprache spreche, nämlich Englisch. Ich habe allerdings auch schon einem Kellner im Ausland, der mir ähnlich dumm gekommen ist einfach auf Deutsch geantwortet. Was wiederum der Kellner nicht verstand. Womit ich wieder bei meinem Eingangsstatement bin: Schon Englisch ist für mich eine Framdsprache und außer einem Bier kann ich rein gar nichts auf Französisch bestellen.
    Das übrigens auch immer wieder in Belgien lustig. Die Wallonen sprechen in der Regel auch kaum Englisch – von Flämisch / Holländisch oder Deutsch (immerhin auch Amtssprache in Belgien) ganz zu schweigen…
    Die Probleme mit den vielen Sprachen gibt es aber doch in der Schweiz, oder?

  2. skypointer Says:

    Probleme mit Sprachen in der Schweiz? Ach was! Bei uns ist das ganz einfach:

    Die Frankophonen sprechen Französisch und sonst nichts. Reicht ja wohl auch DIE Weltsprache zu sprechen oder?

    Die Deutschschweizer sprechen deshalb sowohl Deutsch wie auch Französisch. Man kann die einzige Sprachminorität im Land ja schliesslich nicht einfach unterdrücken…

    Dann gibts noch die italienische Schweiz. Die sollen sich gefälligst anpassen! Französisch und Italienisch sind schliesslich beides romanische Sprachen. Und eine Fremdsprache (Deutsch) darf man ja schliesslich voraussetzen oder?

    Apropos romanische Sprachen: Rumantsch. Da diese bald ausgestorben sind löst sich dieses Problem von selbst. Bitte etwas Geduld.

    Dann gibt es noch die Deutschen. Das sind zwar keine Schweizer, aber dennoch immer zahlreicher bei uns. Die sollen bitte beim Deutsch bleiben und keinesfalls versuchen Schweizerdeutsch zu sprechen, da dies mit ganz wenigen Ausnahmen immer extrem peinlich wirkt…

    😉

  3. Richi Says:

    Die Canadian Airlines haben das Problem ganz geschickt umschifft:
    Das Airline Logo trägt die Inschrift:

    CANADI*N

    Anstatt dem französischlautenden E oder dem Englischen A haben sie ein Feigen- bzw. ein Ahornblatt draufgesetzt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: