Todmüde

Dass die Mühlen der Gesetzgeber langsam mahlen und zeitweise von Lobbyisten sogar ganz gelähmt werden, ist nichts neues. Was allzu lasche Vorschriften bewirken können, wurde uns, mit der sich zur weltweiten Rezession ausweitenden Finanzkrise, deutlich vor Augen geführt. Wider besseres Wissen lobbyieren aber die Banken noch immer gegen strengere Gesetze.

 

Ähnliches passiert zur Zeit in der Fliegerei – nur dass hier für Versagen, statt mit Dollar, Euro oder Franken, mit Menschenleben bezahlt wird. Im Juli 2008 ist die neue EU Gesetzgebung für Flugoperationen in Kraft getreten. Darunter befinden sich auch die Vorschriften zur Beschränkung der Flugdienstzeiten für Kabinen und Cockpit Besatzungen. Allerdings wurde 2006, als diese Vorschriften von der EU definiert wurden, von der EU Kommission und dem Europäischen Luftamt verlangt, dass die neuen Limiten durch eine unabhängige wissenschaftliche Studie überprüft und deren Resultate schnellstmöglich in die neue Gesetzgebung integriert werden.

 

Diese Studie, bekannt unter dem Namen Moebus Report, wurde mittlerweile abgeschlossen und im September 2008 an die Europäischen Behörden übergeben. Hier einige Auszüge aus den Schlussfolgerungen:

 

  • Die zur Zeit erlaubten maximalen Flugdienstzeiten von 13 – 14 Stunden „überschreiten vernünftige Limiten“ und sollten reduziert werden.
  • Die zur Zeit erlaubte maximale nächtliche Flugdienstzeit von 11:45 Stunden sollte auf 10 Stunden verkürzt werden.
  • Die Limite von 180 Flugdienst Stunden in 21 Tagen sollten mit einer zusätzlichen Limite von 100 Stunden in 14 Tagen ergänzt werden. Anders ausgedrückt: das Maximum sollte von durchschnittlich 60 auf 50 Stunden pro Woche reduziert werden.
  • Reservedienst am Flugplatz sollte nicht als Ruhezeit, sondern zu 100% als Flugdienstzeit angerechnet werden.

 

Leider sind diese Resultate gar nicht nach dem Geschmack einiger Fluggesellschaften und deren Lobbyisten haben seither erfolgreich verhindert, dass die Gesetze den neuen Erkenntnissen angepasst wurden.

 

Andere Airlines zeigen mehr Verantwortungsbewusstsein und haben, zum Teil freiwillig, zum Teil auf Druck ihrer Piloten, in den Gesamtarbeitsverträgen strengere Limiten implementiert. Allerdings ist der wirtschaftliche Druck gross diese Limiten auf das unzureichende und gefährlich tiefe Niveau der EU Gesetze zu senken. Auf die Dauer kann dies wohl nur durch strengere Vorschriften für alle verhindert werden.

 

Deshalb kämpfen die Europäischen Pilotenverbände dafür, dass die EU ihrem Versprechen, nach dem höchsten Sicherheitsstandard in der Luftfahrt zu streben, nachkommt. Die maximalen Flugdienstzeiten müssen den wissenschaftlichen Erkenntnissen angepasst werden. Zum Wohle der Crews und der Passagiere, denn ein übermüdeter Pilot ist genauso gefährlich wie ein betrunkener und niemand käme auf die Idee die Alkoholvorschriften für Flugbesatzungen zu lockern…

 

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